Sozialsystem – Kapitalertrag – Wirtschaftskrise
Wie unser Sozialsystem das Finanzkapital wachsen läßt
Die folgende Arbeit stützt sich auf die Veröffentlichung von Dr. Dieter Petschow: Vom Sozialstaat zur Finanzdiktatur, 2004 (unter www.berndsenf.de zu finden, im Folgenden “Petschow“ genannt). Darin entwickelt der Arzt Petschow aus der Sicht eines mittelständischen Unternehmers Argumente über die Dysfunktion unseres Wirtschaftssystems anhand von Daten, die er dem Statistischen Taschenbuch, dem BMfA, BmfFi, der Bundesbank u.a. entnommen hat.
Die Ursache für die Wirtschaftskrise der BRD sehen die meisten Experten in dem “veralteten“ Sozialsystem: “Wir leben über unsere Verhältnisse !“ Das Sozialsystem müsse reformiert werden, worunter meistens eine Kürzung der sozialen Zuwendungen verstanden wird. Diesen Kritikern fällt auf, daß zwischen 1970 und 2002 die Wirtschaftskraft, ausgedrückt als BIP1, zwar von 345 Mia. Euro auf 2100 Mia. Euro nominal zugenommen habe, daß aber die Sozialquote, ausgedrückt als Anteil der Sozialausgaben am BIP, im selben Zeitraum von 24% auf 36% gestiegen sei. Dies wird als das eigentliche Problem unserer Wirtschaft gesehen, weil dieses Wachstum der Sozialverpflichtungen die Unternehmen, bzw. die Produktionsspäre (Lohn) – das ist die gesamtvolkswirtschaftliche Produktion, ausgedrückt durch das BIP – belasten würde.
1 BIP: Bruttoinlandsprodukt = Gesamtheit aller innländisch produzierter Waren + Dienstleistungen, ausgedrückt in deren Preisen
Stimmt es, daß unsere Wirtschaft an den wachsenden Ausgaben im Sozialbereich leidet? Falsch!
Wer behauptet, unsere Wirtschaft leide an dem ausufernden Sozialstaat, vernachlässigt, daß im gleichen Maße wie die Sozialquote steigt, auch die Kapitalertragsqoute (Bruttokapitalertrag pro BIP) wächst, nämlich von 16 % im Jahre 1970 auf 35% im Jahre 2002. (Erklärung 1 u. 2)
Betrachtet man die Nettoströme, so wird sogar deutlich, daß nur die entsprechende Quote des Kapitalertrages steigt (Erklärung 3 und 4)
(Nettobetrag Kapitalsertragsquote 1970 = 10% auf 2002 = 28%), und zwar um das 2,8fache. Die entsprechende Quote der Sozialausgaben bleiben praktisch konstant (Nettobetrag der Sozialquote war 1970 17% und 2002 19%)
Nicht das Wachstum der Sozialabgaben belastet die Wirtschaft, sondern das Wachstum des Kapitalsertrags
Die Zunehmende Bedienung des Kapitals belastet die Volkswirtschaft.
Zu diesem Unterschied zwischen Netto- und Bruttoaussagen kommt es, weil mit den Sozialausgaben, also den Ausgaben der Rentner, Arbeitslosen, Sozialhilfeempfängern usw. auch immer ein Zinsanteil bezahlt wird, den der Produzent als Kapitalkosten auf die Preise schlägt. (Erklärung 3)
3. Wachstum der Sozialausgaben als Durchlaufposten für den Kapitalertrag.
Dieser Zusammenhang zwischen Wachstum der Sozialausgaben und Vermehrung des Kapitalertrages ist direkt ablesbar. Dazu folgende Erläuterung:
An anderer Stelle (Erklärung 3) wurde erörtert, daß in den Preisen auch Zinsanteile enthalten sind und damit alle Sozialausgaben auch gleichzeitig Zinszahlungen bedeuten (geschätzt 1970 auf 16 % und 2002 auf 35%). Dadurch wird ein erheblicher Teil der Wachstumsrate im Sozialbudget an den Kapitalertrag weitergereicht. Die Sozialabgaben beim Lohn stiegen von 12% auf 21% also um 9%. Genau um denselben Betrag (nämlich von 4 auf 13 %) stiegen die indirekten Zinszahlungen aus dem Sozialbudget. Der Anstieg der Sozialabgaben findet sich damit als Anstieg des Kapitalertrags wieder.
Dieser Betrag von 9% des BIP wird als Durchlaufposten an das Finanzkapital weitergereicht.
Eine andere Betrachtungsweise läßt folgendes Bild entstehen: 1970 betrug der Zuschuß aus Steuern für das Sozialbudget 12 % des BIP, die Abgaben des Sozialbudget an das Finanzkapital in Form von Zinsen in den Preisen betrug nur 4% des BiP. Im Jahre 2002 war dieser Zuschuß nur wenig erhöht auf 15%, die Abgaben an das Finanzkapital über die Preise erhöhten sich sehr viel mehr auf 13%. Derr Zuschuß wurde praktisch an die Kapitalgeber weitergereicht.
Der Anstieg der Kosten, der im Produktionsbereich als Anstieg der Sozialbereichs wahrgenommen wird, ist in Wirklichkeit eine verstärkte Alimentation des Finanzkapitals.
Das Finanzkapital braucht von seinem Ertrag nur Steuern zu entrichten (Abgabe an das Steuerbudget), eine soziale Abgabepflicht , wie sie der Produktionsbereich kennt, gibt es nicht..
3. Problemlösungen
Die meisten Wirtschaftsexperten, sowohl auf der sog. Rechten bzw. konservativen Seite, als auch auf der sog. linken, und auch die meisten Politiker weigern sich, die Ursache unserer Wirtschaftskrise überhaupt im Finanzsektor, bzw. beim Finanzkapital, bzw. in der Zirkulationsspäre zu suchen. Sie sehen die Ursachen in der Produktionssphäre bzw. bei den Unternehmen. Entsprechend sind die Lösungsvorschläge entweder angebotsorientiert: Produktionskosten runter, Steuern erniedrigen und Einfluß des Staates dadurch beschneiden oder sie sind nachfrageorientiert: Löhne durch Arbeitszeitverkürzung erhöhen, Steuern erhöhen, bzw. Schulden aufnehmen, um dadurch den Staat wieder fähig zu machen, durch Investitionen die Wirtschaft anzukurbeln. Beide Ansätze beschäftigen sich besonders mit der Situation des Staates, genauer mit dessen Schulden. Sie verkennen dabei die Tatsache, daß die Unternehmen zu ca. 60 % fremdfinanziert (verschuldet lt. dt. Bundesbank 1971-1996, nach Pedschow 80%) sind, d.h. den deutschen Unternehmern gehört nur noch ca. 40% (bzw. 20%) des Produktiv-Besitzes. Eigentümer und damit Arbeitgeber ist im Wesentlichen nur noch der Kapitalgeber. (s. Erklärung 5)
Auch beim Sprechen über die “Globalisierung“ wird häufig übersehen, daß es sich dabei primär um die Globalisierung von Finanströmen handelt.
Sieht man dagegen die Ursachen im Finanzsektor bzw. in der Zirkulationsspäre bieten sich zwei Strategien zur Problemlösung an.
· Steuerbezogen Problemlösung
Aus der obigen Saldo-Betrachtung zur Berechnung der Nettoquoten geht hervor, daß die Kapitalgeber zwar Einnahmen aus dem Lohn (Produktions)- Steuer- und Sozialtopf erhalten, aber keine Abgaben an das Sozialbudget haben und netto immer weniger an das Steuerbudget abgeben (1970 betrug der Nettoabfluß 3%, 2002 nur noch 2%).
Würde der von 1970 bis 2002 zu beobachtende Anstieg der Zuzahlungen des Sozialbudget an den Kapitalertrag als sozialpflichtige Abgabe steuerlich abgeschöpft und an die Produktionsspäre zurückgegeben käme es zu einer erheblichen Verringerung der BIP-Belastung. Petschow drückt dies konkret wie folgt aus:
Daneben erfreuen sich Kapitalertragsbezieher ihrer fehlenden Beteiligungspflicht an der Finanzierung sowohl unseres Staates als auch dessen Sozialsysteme. Das Bundesverfassungsgericht hat bereits in seinem Urteil über die freiwillige Krankenversicherung der Rentner darauf hingewiesen, dass alle (!) Einkommensarten zur Sozialversicherung herangezogen werden müssen. ……..Da diese Regelung nur möglich wird mit einer strikten Kapitalverkehrskontrolle, die ihrerseits das Ausplündern ganzer Volkswirtschaften verhinderte (nicht nur bei uns!), sind hier Bankstrukturmaßnahmen notwendig, wenn sich Deutschland nicht erneut in ein Armenhaus verwandeln soll. Alternativ wären derartige Sozialabgaben zu zahlen dort, wo Kapital- Kosten steuermindernd gelten gemacht werden, beim Finanzamt! Wenn die Behauptung gilt, dass Kapital Arbeitsplätze schaffe, warum ist dann dieser Arbeit(splatz)geber von den in Deutschland geltenden Sozialversicherungspflichten befreit?…….Beteiligte sich Kapitalertrag wie Unternehmer-Gewinn an den Arbeitgeberpflichten, so wäre jedes Bruttogehalt in Deutschland um 22% entlastet. Unternehmer hätten im Jahre 2002 180 Milliarden €uro mehr Gewinn. Dieser Betrag wäre entweder zu versteuern oder stände zur Verfügung als Jahres-Brutto-Lohn von 40.000 €uro für 4.5 Millionen arbeitsuchender Mitmenschen. Überproportionaler Kapitalertrag ist allein die Ursache für Arbeitsplatzabbau und permanent steigende Arbeitslosigkeit. Arbeit haben wir genug – nur das Geld für die Bezahlung läuft durch unberechtigte Hände. Es handelt sich um eine verfassungswidrige systemische Bereicherung einer Minderheit aus der Arbeit der Mehrheit. (Petschow, S.41)
Gegen diese Lösung spräche, daß die Zurückhaltemöglichkeit des Finanzkapitals bestehen bliebe. Außerdem könnten sich die Sozialeabgabepflichten in den Preisen wiederfinden.
· Änderung der Geldsystems (s. auch Erklärung 5)
Diese Strategie setzt an der Liquditätspreferenz des Geldes an, die als die eigentliche Ursache für die Bevorzugung des Finanzkapitals bzw. dem besonderen Wachstum des Geldvermögens (der Schulden, 1970 bis 2001 von 473 Mia. auf 6158 Mia. Є) gesehen wird.
Durch eine Nutzungsgebühr auf Bar- bzw. Girogeld soll der Liquiditätswert neutralisiert werden. Dadurch könnte der Zins bei entsprechenden Kapitalangebot , den Marktgesetzen gehorchend, auch auf null fallen. Das automatische exponentielle Wachstum des Kapitals und damit der wachsende Anspruch an das BIP wäre unterbrochen. (Nicht der Zins ist das Problem, sondern, daß er nicht den Marktgesetzen gehorcht. Näheres dazu in der entsprechenden Literatur, z. B. Helmut Creutz, Das Geldsyndrom oder D. Löhr/ J.Jenetzky, Neutrale Liquidität oder die Zeitschriften Humanwirtschaft, Zeitschr. f Soz., sowie die Internetseiten der INW, www.inwo.de.)
Erklärungen und Tabellen in folgenden Dokumenten
erklarungen-zum-artikel-sozialsystem.doc
Zur Geschichte des Geldes
Zur Geschichte des Geldes
Die Geschichte des Geldes lässt sich in mehrere Stufen einteilen, die zwar sachlich deutlich verschieden, zeitlich aber nicht gegeneinander abzugrenzen sind. Im wesentlichen unterscheiden wir folgende Stufen:
Naturaltausch und Naturalgeld
Metallgeld und Münzgeld
Bargeld (Papiergeld und Münzen)
Buchgeld/Giralgeld
Naturaltausch und Naturalgeld
Zur Zeit der Naturaltauschwirtschaft war Geld im heutigen Sinne unbekannt. Die Güter wurden unmittelbar „Ware gegen Ware“ eingetauscht. Der Naturaltausch brachte jedoch für die Tauschpartner Schwierigkeiten mit sich, wie z.B. Transport der Waren, Finden eines geeigneten Tauschpartners, Beschaffung der benötigten Tauschgüter, unterschiedliche Bewertung der Waren, ferner Verderblichkeit und Unteilbarkeit mancher Güter. Die Verwendung von Gebrauchs- und Schmuckgegenständen (z.B. Beile, Äxte, Spieße, Trommeln, Ringe, Muscheln, Perlen), aber auch von Lebensmitteln, Bekleidung und Vieh (wie Zucker, Kakao, Tee, Stockfisch, Mandeln, Salz, Tabak, Leinwand, Felle, Seide, Baumwolle) als Zwischentauschmittel (= Naturalgeld) war ein wesentlicher Schritt in der Entwicklung des Geldes. Das Naturalgeld brachte gegenüber dem direkten Warentausch mehrere Vorteile: Der Wert der Tauschgegenstände war allgemein bekannt und anerkannt. Sie waren in der Regel leicht transportierbar, teilbar und konnten aufbewahrt werden. Der Wert zu tauschender Güter konnte durch das Naturalgeld leichter verglichen werden – der Tausch wurde somit wesentlich erleichtert. Damit besaß es alle Eigenschaften, die auch unser modernes Geld auszeichnet: allgemein (staatlich) anerkannt; ausgezeichnete Transportfähigkeit, haltbares Wertaufbewahrungsmittel, Bewertungsmittel (s. Abschnitt Funktion des Geldes). Naturaltausch und Naturalgeld beschränken sich nicht nur auf die Steinzeit, sondern reichen in ihrer Anwendung bis in unsere jüngste Vergangenheit. Anfang des 15. Jahrhunderts gab es beispielsweise eine englisch-isländische Marktordnung mit folgenden „Preisen“ (Tauschwerten):
48 Ellen Tuch = 120 Stockfische
eine Tonne Wein = 100 Stockfische
Hufeisen für 5 Pferde = 20 Stockfische
1/8 Tonne Honig = 15 Stockfische
1/2 Tonne Tran = 15 Stockfische
Die bekannteste Form des Naturalgeldes dürfte die Kaurimuschel sein, die auch heute noch unter den Namen „Diwarra“ und „Tambu“ in Melanesien (Südsee) gültiges Zahlungsmittel ist. In wirtschaftlich unsicheren Zeiten wird auch in unseren Breitengraden manchmal wieder auf die Urform des Geldes zurückgegriffen (z.B. „Zigarettenwährung“ nach dem Zweiten Weltkrieg). Dieses Beispiel mag nochmals verdeutlichen, wie fließend die Grenzen beim Thema Geld sind.
Metallgeld und Münzgeld
Als besonders geeignetes Zwischentauschmittel wurden schließlich die Metalle (wie Gold, Silber, Kupfer) erkannt. Aus den Anfängen dieser Entwicklung stammt der Begriff des Wägegeldes, d.h., die zur Zahlung verwendeten Metalle wurden abgewogen (vgl. Geldnamen wie Pfund, Lire). Später erhielten die Metalle bestimmte Formen, sie wurden in Ringe, Stäbe und Barren gegossen (vgl. Geldnamen wie Rubel, Mark). Ungefähr 650 Jahre v.Chr. wurden die ältesten uns bekannten Münzen von den Lydern (König Krösus) in Kleinasien hergestellt. Zunächst wurden vollwertige Münzen (= Kurantmünzen) aus Gold und Silber, später durchwegs unterwertige Münzen (= Scheidemünzen) geprägt. Silber war lange Zeit das führende Münzmetall.
Anfang des Mittelalters waren große Silbererzvorkommen z.B. im Harz entdeckt und ausgebeutet worden. Da die Landesfürsten das Schürfrecht besaßen ,verdienten sie an der Geldherstellung. Das hatte nicht zuletzt damit zu tun, dass in dieser Zeit die Städte, die lokalen Fürsten, Äbte und Äbtissinnen das Recht hatten, eigenes Geld herauszugeben, mit dem es eine besondere Bewandtnis hatte: Alle fünf bis sechs Jahre und später auch in kürzeren Abständen wurde es verrufen, das heißt, es musste gegen neues Geld eingetauscht werden. Dabei war es üblich, drei neue gegen vier alte Münzen zu wechseln. Mit dem Gewinn wirtschaftete der jeweilige Fürst oder Abt mehr und mehr anstelle sonstiger Steuern und Abgaben. Man nannte dieses System damals „Renovatio Monetae“. In der Zeit zwischen 1100 und 1400 war eine weit verbreitete Form der mit einem Abschlag versehenen lokalen Geldsysteme die so genannten „Brakteaten“, sehr dünne Silbermünzen, die nur einseitig geprägt wurden. Sie dienten als lokale Tauschwährung. Gold‑ und massive Silbermünzen gab es damals zwar auch, sie wurden jedoch zur Hauptsache im Fernhandel und zum Kauf von Luxusgütern verwendet.
Die Brakteaten waren beim Volk zwar verständlicherweise nicht sehr beliebt. Sie hatten jedoch zur Folge, dass die Kaufkraft der Währungen in fast ganz Europa während langer Zeit sehr stabil blieb. Das heißt, es gab damals kaum Inflation, die Preise für Waren stiegen also nicht an. Zudem erhöhte sich die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes. Denn nun war kaum mehr jemand daran interessiert, diese Brakteaten als Ersparnis auf die Seite zu legen. Das lokale Geld wurde vielmehr rasch wieder ausgegeben und ‑ auch zugunsten künftiger Generationen ‑ in langfristige Investitionen gelenkt: in die Verbesserung des Bodens, der Verkehrswege, der Produktions‑ und Bewässerungsanlagen, in Wind und Wassermühlen, in Weinpressen und in die besagten Kathedralen. Wegen der ständigen Gefahr einer Verrufung, wurde das Geld von seinen Besitzern zügig zu Markte getragen und sorgte für den Austausch von Waren. Durch diesen stetigen Umsatz konnte die nach Zusammenbruch des Römischen Reiches in die Naturalwirtschaft zurückgefallene Wirtschaft wieder erste Schritte in Richtung Arbeitsteilung unternehmen. Weil sich die Silberrnünzen immer mehr in der arbeitsteiligen Wirtschaft als Tauschmittel etablierten, bestimmte ihren Wert nicht mehr der Gebrauchsnutzen des Silbers, sondern zunehmend auch der Wert der dafür zu erwerbenden Waren. Dadurch waren die Münzen wertvoller als ihr Materialwert und es lohnte sich, verschatztes Silber wieder einzuschmelzen und dem Wirtschaftskreislauf zuzuführen. Die Zentren der neuen Arbeitsteilung ‑ die Städte erlebten einen nie gekannten Zuwachs an wirtschaftlicher Kraft, kulturellem Schaffensdrang, Wohlstand sowie politischer Macht.
(Den gleichen Effekt hat die Umlaufsicherung bei vielen Regionalgeldern wie dem Hagener VolmeTALER. Beim bayrischen Regiogeld „Chiemgauer“ wird die Umlaufsicherung mittlerweile auf elektronischem Wege vollautomatisch erhoben und als Regionalbeitrag sinnvollen Projekten wieder zur Verfügung gestellt.)
Das Verschwinden der lokalen Währungen im Mittelalter hatte zwei Gründe. Einerseits missbrauchten manche Machthaber das System dahingehend, dass sie das Geld immer rascher verriefen, um sich so persönlich bereichern zu können. Zum anderen zentralisierte sich die staatliche Macht immer stärker. Die Könige beanspruchten das Recht zur Geldschöpfung wieder für sich allein, nicht zuletzt zur Finanzierung von Kriegen, die nun Europa überzogen. Die Folgen für die Bevölkerung, die zuvor markant zugenommen hatte, waren dramatisch. Mit dem Verschwinden der Brakteaten kam es zu einem wirtschaftlichen Niedergang, zu Hungersnöten und zu einem deutlichen Bevölkerungsrückgang. (2)
Wie der Silbergehalt der Münzen sich im Laufe der Geschichte veränderte, zeigt folgende Aufstellung:
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Jahr – Geldeinheit |
Silbergehalt |
Zeitlich gesehen ergeben sich in diesem Abschnitt ebenfalls Überschneidungen. Babylonier, Ägypter, Griechen und Römer verfügten bereits über geprägtes Metallgeld. Andererseits zahlte man 1.000 Jahre nach den Römern in Brandenburg und Mecklenburg noch mit ungeprägtem Metallgeld (vgl. Wendisches Hacksilber).
Papiergeld
Die Erfindung des Münzgeldes war zweifellos ein großer Fortschritt. Münzen aus Edelmetall besaßen den Vorteil der Wertbeständigkeit gegenüber anderen Tauschgegenständen. Die Ausweitung des Handels und damit auch des Geldverkehrs brachte jedoch die Notwendigkeit mit sich, das schwere Münzgeld durch eine bequemere Zahlungsart zu ersetzen. Andererseits mag auch die vorübergehende Geldknappheit mancher Landesherren die Erfindung des Papiergeldes beschleunigt haben. Man berichtet so vom Kommandanten der spanischen Festung Alham de Granada, der während der Belagerung 1438 n.Chr. durch die Mauren fehlendes Münzgeld durch Papierzettel mit Wertangabe und Siegel ersetzte und deren Annahme zwingend für jedermann vorschrieb. Das erste Papiergeld war also nicht Geld an sich, sondern als Anweisung zur Auszahlung von Münzgeld gedacht. Als die eigentlichen Schöpfer des Papiergeldes gelten die Chinesen. Marco Polo fand auf seinen Reisen 1276 kaiserliche Banknoten aus Papier. Wieder einer anderen Schilderung zufolge gilt der Schwede Johan Palmstruch (1661) als „Erfinder“ des Papiergeldes. Papiergeld braucht Vertrauen, d.h., es muss von jedermann jederzeit in Waren oder andere Vermögenswerte umgetauscht werden können. In früherer Zeit wurde dieses Vertrauen durch eine vollständige Golddeckung im Laufe der Geschichte nunmehr durch eine teilweise Deckung gestützt. Heute besteht keine Golddeckungspflicht der Notenbanken mehr (= freie Währung). Die Deckung besteht in der Bundesrepublik Deutschland allein im Vertrauen, (= Kaufkraft). Aber es braucht natürlich auch einen Staat, der dieses Vertrauen schützt und möglich macht.
Buchgeld/Giralgeld
Das Buch- oder Giralgeld, über das man z.B. mit Scheck und Überweisung verfügen kann, ist die moderne Geldform. Nur etwa 12 % des gesamten Geldumlaufs besteht aus Münzen und Banknoten, der weitaus größere Teil befindet sich als Buchgeld auf Giro- und Termingeldkonten. Ende 1995 waren Banknoten im Wert von rund 238 Milliarden DM und Münzen im Wert von ca. 15 Milliarden DM im Umlauf. Dennoch hat das Bargeld als Zahlungsmittel im Endverbrauch eine große Bedeutung. Im Jahre 2002 betrug der Anteil von Bargeld als Zahlungsmittel im Endverbrauch ca. 70%, (Quelle: Helmut Creutz „Die 29 Irrtümer rund ums Geld)
Buch- oder Giralgeld hat bereits eine lange Geschichte hinter sich. Die Italiener bedienen sich dieser Form des Geldes bereits seit mehr als 300 Jahren durch die Übertragung von Guthaben in den Büchern der Banken. Als die vielen Vorteile des bargeldlosen Zahlungsverkehrs (Scheck, Überweisung, Dauerauftrag, Lastschrift) mehr und mehr erkannt wurden, führte dies Anfang der 60er Jahre zu einer raschen Einführung der bargeldlosen Lohn- und Gehaltszahlung, und der Umgang mit Buchgeld ist heute etwas Selbstverständliches.
Quelle: http://www.sparkasse-bonn.de/privatkunde/jungesangebot/schulservice/schulservice426.htm
Funktionen des Geldes
Mit Hilfe des Geldes können wir Waren oder Dienstleistungen verschiedenster Art miteinander vergleichen, sogar ein Mofa mit einem Brötchen. Jeder wird natürlich sagen, dass das Mofa mehr wert ist als das Brötchen. Um wie viel es aber mehr wert ist, das können wir erst mit Hilfe des Geldes ausdrücken. Geld dient also als Wertmaß.
Was aber ist das Geld, und wie entsteht es?
Sachlich betrachtet ist Geld lediglich ein Mittel, um eine Leistung gegen eine andere einzutauschen. Wir können auch von einem allgemeinen Tausch‑oder Zahlungsmittel sprechen. Dazu muss es auch allgemein anerkannt, d.h. letztlich unter staatlicher Aufsicht sein. Ohne Geld müssten wir umständlich im Tauschhandel Güter und Dienstleistungen gegen andere Güter oder Dienstleistungen eintauschen. Das wäre ziemlich zeitraubend. Deshalb haben die Menschen das Geld erfunden, mit dem sie anstelle des Tauschhandels Kaufhandel betreiben können.
Das Geld wirkt dabei wie ein Transportmittel oder ein Förderband: Der Kartoffelhändler gibt dem Bauer Geld und erhält dafür Kartoffeln. Der Bauer reicht dies Geld weiter an einen Saatguthändler und erhält dafür Saatgut. Der Saatguthändler reicht das Geld weiter an einen Düngemittelproduzent und erhält dafür Düngemittel usw. Während das Geld in die eine Richtung fließt, bewegen sich die Güter in die andere.
Die Einführung des Geldes veränderte nicht nur die Handelsformen, sondern förderte auch die Entstehung einer Vielzahl von spezialisierten Berufen. Der Familienvater, der bisher alles selber herstellen musste, was er für sich und seine Familie benötigte, konnte nun vieles gegen Geld „eintauschen“. Er hatte jetzt auch Zeit, sich auf eine einzige Tätigkeit zu spezialisieren: Er fertigte beispielsweise nur noch Schuhe. Die verkaufte er gegen Geld, und mit diesem Zahlungsmittel kaufte er Nahrung, Getränke, Kleider, ein Haus, natürlich auch Material und Werkzeug. Damit war die arbeitsteilige Wirtschaft geschaffen, in der sich jeder auf bestimmte Tätigkeiten spezialisierte. Denn Geld und Arbeitsteilung bedingen sich gegenseitig.
Ein weiterer Vorteil für den einzelnen Händler des Handels „Ware gegen Geld“ ist: Niemand muss dabei erworbenes Geld sofort wieder gegen andere Ware eintauschen. Es kann aufbewahrt werden. Wir nennen das Geld‑Aufbewahren „sparen“. Geld ist also auch ein Wertaufbewahrungsmittel. Gesamtwirtschaftlich gesehen ist das wiederum ein Nachteil. Man kann das Geld-Aufbewahren „sparen“ auch Horten nennen, von Geld, das man überschüssig hat, wenn. Wenn das Geld aber gehortet wird, steht es aber nicht mehr als Tauschmittel zur Verfügung. Es fehlt dann der Wirtschaft. Warum eignet sich Geld gegenüber anderen Gütern so gut als Wertaufbewahrungsmittel ?
Weil es fast unbegrenzt haltbar ist. So sind z.B. alle Hersteller und Händler von Kleidung, Nahrung, HiFi‑Geräten usw. dazu gezwungen, ihre Waren loszuwerden, da diese sonst aufgrund von Mode, Alterung und Lagerkosten an Wert so stark verliere n, dass damit kein Gewinn mehr zu erzielen ist. Und auch den von Arbeit lebenden Menschen bleibt nichts anderes, als ihre Leistung Tag für Tag anzubieten, sofern sie nicht nur von Luft und Liebe leben wollen. Demgegenüber stehen diejenigen, die reich genug sind, um mit dem Geld selbst zu handeln, unter keinem vergleichbaren Angebotsdruck. Geld schimmelt nicht, kommt nicht aus der Mode und braucht keine teuer gemieteten Lagerhallen. Die Folge dieser Wundereigenschaften ist, dass Geld zwar gerne genommen, aber nur dann wieder hergegeben wird, wenn es sich richtig lohnt.
Und damit sind wir schon bei des Pudels Kern! Denn wer wenig Geld hat, muss es ausgeben, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten ‑ ihm bleibt keine Wahl. Aber jemand, der selbst bei einem luxuriösen Lebensstil noch viel Geld übrig hat, würde den restlichen Haufen doch sicherlich auf seiner hohen Kante lassen ‑ wenn nicht ein sehr ernstes, volkswirtschaftliches Problem damit verbunden wäre: das Geld, das da zigtausendfach auf der hohen Kante liegt, fehlt im alltäglichen Geldkreislauf! Der produzierten Menge an Waren und Dienstleistungen muss nämlich immer die entsprechende Geldmenge gegenüberstehen, sonst hat man entweder Inflation (zu viel Geld im Vergleich zur Warenmenge) oder Deflation (zu wenig Geld im Vergleich zur Warenmenge). Um es nun wieder herauszulocken aus seinem Safe, haben sich die Menschen etwas ausgedacht, nämlich denjenigen zu belohnen, der das Geld als Kredit der Allgemeinheit wieder zur Verfügung stellt.
Hört sich gut an?
Aber es ist eine sehr große Dummheit!
Um zu zeigen, wie dumm diese Idee ist, folgender Vergleich
Geld ist in seiner Funktion als Tauschmittel ein öffentliches Gut. Genauso sind es auch unsere Straßen, die mit unseren Steuergeldern gebaut wurden, um unserem Waren‑ und Personenverkehr zu dienen. Auch das Geld dient ja dem Austausch von Waren und Arbeitsleistungen, daher ist es schlimm, wenn sein Fluss blockiert wird. Stelle dir vor, ein Autofahrer blockiere die Autobahn, indem er dort parkt und einen kilometerlangen Stau bewirkt. Stellen dir weiter vor, ein Polizist käme daher, und er würde die gleiche Idee wie im Geldwesen anwenden, so würde er etwa sagen:
„Werter Herr ‑ wir empfinden es als ungünstig, dass der Verkehrsfluss ins Stocken geraten ist; wären sie bereit, für 400 Euro die Straße wieder freizumachen?“ ‑ „Hm, kommt drauf an… Wie lange soll ich die Straße denn freimachen?“ „Nun ja, einige Tage wären schon gut; was halten sie von 2 Wochen?“ ‑ „Na gut, dann sagen wir doch gleich ein ganzer Monat für 800,‑ Euro, ok?“ ‑“Einverstanden!“.
Vollkommen idiotisch und undenkbar; das animiert ja geradezu, die Autobahn zu verstopfen! So ist es, und genau diesen Fall haben wir in unserem Geldsystem! Wer Geld dem Kreislauf vorenthält, wird nicht bestraft, sondern er bekommt eine „Belohnung“ für die Nicht‑Hortung von Geld, genannt Zins.
Mit dem Zins löst man also das Geld gewissermaßen frei, das sonst festgefroren und dem Kreislauf entzogen bliebe ‑..“eine Art Tribut, den man zu zahlen hat, damit die Besitzer überschüssigen Geldes es anderen leihweise überlassen und der Kreislauf geschlossen bleibt. Das heißt aber auch, dass derjenige mit Kosten belastet wird, der mit seiner Kreditaufnahme, das ist der Schuldner, für die Schließung des Kreislaufes sorgt!“(4) Ohne Schuldner würde unsere Geldwirtschaft nicht funktionieren.
Wenn der Gläubiger sein Geld verleiht, hat er ein Geldguthaben, das auch Geldvermögen genannt wird und der Schuldner dagegen eine Geldschuld. Geldvermögen und Geldschuld sind also ein Paar.
In der Bundesrepublik gibt es zur Zeit die unvorstellbare Menge von ca. 4 000 000 000 000 € Schulden und ca. 4 000 000 000 000 Geldvermögen
Was das Geld für den Güterfluß ist, bedeutet der Kredit – die Schuld – für den Geldfluß.
Der Schuldner wirkt aber noch in einer anderen Weise positiv für die Wirtschaft. Er wird in der Zukunft Güter anbieten, um mit dem eingenommenen Geld seine Schulden zu tilgen. Ohne ihn wäre es möglich, dass in der Zukunft dem Geld des Gläubigers erheblich weniger Güter entgegenstehen und der Gläubiger einen herben Wertverlust seines Geldes hinnehmen müßte. Ohne den Schuldner machte das „Sparen“ keinen Sinn.
Warum zahlt der Gläubiger nicht dem Schuldner für seinen Nutzen, den er aus ihm zieht? Weil der Gläubiger in einer größeren Machtposition steht.
1. Wenn ein zukünftiger Schuldner für ein Unternehmen Geld benötigt, so muss er an Geld kommen, um diese Unternehmung tätigen zu können. Wenn ein potentieller Gläubiger Geld besitzt, so kann er es anderen Marktteilnehmern für zur Verfügung stellen, aber er muss es nicht, denn für ihn ist es günstiger, es in den Händen zu halten. Vielleicht bietet sich für ein „Schnäppchen“ eine gute Kaufgelegenheit oder er befürchtet, daß er ganz plötzlich Geld benötigt.
- Der Schuldner muss Güter verkaufen, um tilgen zu können. Der Gläubiger kann mit den Tilgungsgeld des Schuldners Güter kaufen, aber er muss es nicht.(3)
Noch ein weiteres Problem ist mit unseren Geld-Spielregeln verbunden:
Durch die Zinsen kommen nämlich zu dem ohnehin großen Geldberg beständig noch hübsche Sümmchen dazu, so dass dieser Berg immer schneller immer größer wird. Es ist wie bei einem Schneeball, der am Schluß zu einer Riesenlawine wird. Entsprechen wachsen dann auch die Schulden. (4)
Wie entsteht nun Geld?
Auch bei der Entstehung von neuem Geld wird sichtbar, wie wichtig Schulden sind. Neues Geld gibt die Bundesbank als Kredit für die Banken aus, die dafür den Leitzins zahlen. Die Banken geben dieses Geld als Kredite an ihre Kreditnehmer – Schuldner – weiter, die ihre Kunden sind.
Geld ist auch Wertübertragungsmittel
Nehmen wir folgenden Fall an: Die Großmutter möchte ihrem Enkelkind gerne etwas in einem ganz bestimmten Wert zum Geburtstag schenken. Sie weiß aber nicht recht, ob sie dem Enkel z. B. einen Kassettenrecorder, einen Plattenspieler, ein Kofferradio oder etwas anderes von gleichem Wert schenken soll. Was tut sie? Sie schenkt statt einer Ware Geld (= Kaufkraft). Sie überträgt damit den in Aussicht gestellten Wert in Form von Geld. Mit der Einführung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs wurde Geld auch ein Mittel des Kapitaltransportes. Man kann heute bequem vom Schreibtisch aus Zahlungen über jede Entfernung leisten. All die bisher genannten Funktionen kann das Geld freilich nur dann zufrieden stellend erfüllen, wenn jeder bereit ist, jederzeit seine Waren oder Dienstleistungen gegen das Geld herzugeben. Deshalb waren die ersten Geldstücke überhaupt aus edlen, wertvollen Metallen, die schon immer sehr begehrt waren. Denken wir nur an den Dukaten aus Gold, den Golddollar oder die Goldmark des Deutschen Kaiser‑Reiches, mit der man bei uns bis zum Ersten Weltkrieg bezahlte.
Zusammengefasst hat Geld diese Funktionen:
Wertmaß und Wertmesser
Allgemein anerkanntes Tausch- oder Zahlungsmittel
Wertaufbewahrungsmittel (Wertspeicher)
Seine Funktion als Wertspeicher verhindert seine Funktion als allgemeines Tauschmittel.
Zur Behebung dieser Schwierigkeit dient der Zins, das ist die Belohnung, den Wertspeicher anderen zur Verfügung zu stellen.
Wertspeicher gegen Tauschmittel !!
Welche andere Möglichkeit gibt es, diese Schwierigkeit zu beheben?
Alles über Umlaufgebühr und Regio-Geld ( www.regionalgeld.de )
Der Artikel ist aus verschiedenen Quellen zusammengesetzt und stammt imWesentlichen aus http://www.wellermanns.de/Gerhard/Geld_Geschichte.htm#Zur%20Geschichte%20des%20Geldes. Weitere Quellen (1) Brakteaten: Karl Walker:“ Das Geld der Geschichte“; http://userpage.fu-berlin.de/~roehringw/walker; (2) Jens Hakens u.a., Welche rolle spielt das Geld?, Fairconomy, Nr. 1 2005, (2) Thomas Koudela, Ökonomie, Marktwirtschaft jenseits des Kapitalismus, 2004, EWK-Verlag, www.ewk-verlag.de u. (3) Eine Alternative zur Beschäftigungskrise, www.koudela.net, (4) Thomas v. Tubeuf, Humannwirtschaft – 02/2006, sowie www.inwo.de.
Kritik am Bedingungslosen Grundeinkommen, Werner
Kritik an dem Modell von Götz Werner „Einkommen für alle“
(Bedingungsloses Grundeinkommen, BGE)
Das Besondere am Werner-Modell ist der Vorschlag, das Grundeinkommen aus der Konsumsteuer zu finanzieren, bei gleichzeitigem Wegfall aller auf Einkommen und Erträgen erhobenen Steuern.
Was passiert mit einer Volkswirtschaft, wenn das Einkommen bzw. die Erträge aus der Produktion
( dank der von Werner viel beschworenen durch Investition erzeugten Rationalisierung )
auf immer weniger Schultern verteilt wird?
Werner verkennt, wie unser Geldsystem funktioniert:
Geld wird im Prinzip über Schulden für Unternehmen und den Staat in das Wirtschaftssystem eingespeist. Letztlich bezahlen die Unternehmer damit Lohn- und Kapitalkosten an die in den Produktionsprozess eingebundenen Wirtschaftsteilnehmer. Über deren Konsum (Abnahme von Waren = Entnahme von Leistungen) erreicht das Geld wieder die Unternehmen, die damit die Schulden und Schuldenkosten bedienen können. Dies ist der Wirtschaftskreislauf: Geld fließt in die eine Richtung, Leistungen in die andere.
Wenn aber die Zahl der Abnehmer in diesem Kreisprozess schwindet, immer mehr aus dem Produktionsprozess herausfallen, wer nimmt dann die Waren ab, so dass der Unternehmer seine Kosten begleichen und seinen Profit in Geld realisieren kann?
Die Lösung von Werner besteht darin, dass alle ein Grundeinkommen erhalten, mit dem dieser Überhang an Leistungen vom Markt abgeräumt wird und das konsumsteuerfinanziert ist. Doch woher kommt das Geld für das Grundeinkommen derjenigen, die aus dem Produktionsprozess herausgefallen sind? Aus der Besteuerung ihres eigenen Konsums? Dies ist so, als wolle sich Münchhausen an seinem eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen. Es kann auch nicht aus der Konsumsteuer der im Produktionsprozess eingebundenen Wirtschaftsteilnehmern kommen, da diese dann weniger Waren abnehmen würden (s. Ergänzung, Berechnung)
- Realistischerweise muss jemand für dieses Grundeinkommen als Vorschuss Schulden aufnehmen, z.B. der Staat. Durch den Konsum werden dann zwar die ursprünglichen Schulden zurückgeführt, aber es bleibt ein Teil stehen, der durch die fälligen Zinsen erwachsen ist. Das Geldvermögen der Geldbesitzer steigt. (Schon jetzt existieren in Deutschland 6 Billionen € Schulden, denen die gleich große Summe von Geldvermögen gegenüber stehen. Etwa 70 % dieser Schulden fallen auf die Unternehmen und 25 % auf den Staat, die die Kosten dafür an die Konsumenten weiterreichen).
Sehr viel wichtiger ist, dass der Überschuss (Gewinn) des reichen Bevölkerungsanteils, der sich aus der Differenz von Einkommen zu Ausgaben ergibt, nicht besteuert wird. Er trägt dann nicht zum Aufkommen des BGEs bei. Der Mangel, der sich aus dem Auseinanderklaffen zwischen arm und reich ergibt, wird auf die Allgemeinheit verteilt. Der Staat entledigt sich vollständig der Aufgabe, für eine gerechte Verteilung des gemeinschaftlich erarbeiteten Volkseinkommen zu sorgen. Schlimmer noch: Durch Verstärkung dieser Ungleichverteilung wird letztlich die Maschine Volkswirtschaft gegen die Wand gefahren. (s. Artikel Modelle..)
- Oder die Geldbesitzer werden zur Kasse gebeten, bzw. besteuert, auch alle jene, die aufgrund von Besitz leistungsloses Einkommen beziehen, sowie jene, deren Einkommensgröße jenseits einer angemessenen Leistungsrelation liegt (die Ackermanns).
- Oder die Waren bleiben liegen, die entsprechenden Firmen gehen Pleite, die Volkswirtschaft schrumpft. Es kommt zu den bekannten Konjunkturtälern bis hin zum Zusammenbruch des Wirtschaftssystems (Argentinien).
Letztlich wird man nicht vermeiden können, die Verteilungsfrage zu stellen, um das Grundeinkommen dazu zu benutzen, die Masse der Leistungsträger – die arbeitsfähige Bevölkerung – am Produktivitätsfortschritt der Volkswirtschaft zu beteiligen (Fall 2). Daran wird man die Modelle zum Bedingungslosen Grundeinkommen (BGE) messen müssen.
Im Folgenden Dokument eine Berechnung des BGE
Berechnung-des-bedingungslosen-grundeinkommen