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Zur Geschichte des Geldes

Zur Geschichte des Geldes

Die Geschichte des Geldes lässt sich in mehrere Stufen einteilen, die zwar sachlich deutlich verschieden, zeitlich aber nicht gegeneinander abzugrenzen sind. Im wesentlichen unterscheiden wir folgende Stufen:

Naturaltausch und Naturalgeld

Metallgeld und Münzgeld

Bargeld (Papiergeld und Münzen)

Buchgeld/Giralgeld

Naturaltausch und Naturalgeld

Zur Zeit der Naturaltauschwirtschaft war Geld im heutigen Sinne unbekannt. Die Güter wurden unmittelbar “Ware gegen Ware” eingetauscht. Der Naturaltausch brachte jedoch für die Tauschpartner Schwierigkeiten mit sich, wie z.B. Transport der Waren, Finden eines geeigneten Tauschpartners, Beschaffung der benötigten Tauschgüter, unterschiedliche Bewertung der Waren, ferner Verderblichkeit und Unteilbarkeit mancher Güter. Die Verwendung von Gebrauchs- und Schmuckgegenständen (z.B. Beile, Äxte, Spieße, Trommeln, Ringe, Muscheln, Perlen), aber auch von Lebensmitteln, Bekleidung und Vieh (wie Zucker, Kakao, Tee, Stockfisch, Mandeln, Salz, Tabak, Leinwand, Felle, Seide, Baumwolle) als Zwischentauschmittel (= Naturalgeld) war ein wesentlicher Schritt in der Entwicklung des Geldes. Das Naturalgeld brachte gegenüber dem direkten Warentausch mehrere Vorteile: Der Wert der Tauschgegenstände war allgemein bekannt und anerkannt. Sie waren in der Regel leicht transportierbar, teilbar und konnten aufbewahrt werden. Der Wert zu tauschender Güter konnte durch das Naturalgeld leichter verglichen werden – der Tausch wurde somit wesentlich erleichtert. Damit besaß es alle Eigenschaften, die auch unser modernes Geld auszeichnet: allgemein (staatlich) anerkannt; ausgezeichnete Transportfähigkeit, haltbares Wertaufbewahrungsmittel, Bewertungsmittel (s. Abschnitt Funktion des Geldes). Naturaltausch und Naturalgeld beschränken sich nicht nur auf die Steinzeit, sondern reichen in ihrer Anwendung bis in unsere jüngste Vergangenheit. Anfang des 15. Jahrhunderts gab es beispielsweise eine englisch-isländische Marktordnung mit folgenden “Preisen” (Tauschwerten):

48 Ellen Tuch = 120 Stockfische

eine Tonne Wein = 100 Stockfische

Hufeisen für 5 Pferde = 20 Stockfische

1/8 Tonne Honig = 15 Stockfische

1/2 Tonne Tran = 15 Stockfische

Die bekannteste Form des Naturalgeldes dürfte die Kaurimuschel sein, die auch heute noch unter den Namen “Diwarra” und “Tambu” in Melanesien (Südsee) gültiges Zahlungsmittel ist. In wirtschaftlich unsicheren Zeiten wird auch in unseren Breitengraden manchmal wieder auf die Urform des Geldes zurückgegriffen (z.B. “Zigarettenwährung” nach dem Zweiten Weltkrieg). Dieses Beispiel mag nochmals verdeutlichen, wie fließend die Grenzen beim Thema Geld sind.

Metallgeld und Münzgeld

Als besonders geeignetes Zwischentauschmittel wurden schließlich die Metalle (wie Gold, Silber, Kupfer) erkannt. Aus den Anfängen dieser Entwicklung stammt der Begriff des Wägegeldes, d.h., die zur Zahlung verwendeten Metalle wurden abgewogen (vgl. Geldnamen wie Pfund, Lire). Später erhielten die Metalle bestimmte Formen, sie wurden in Ringe, Stäbe und Barren gegossen (vgl. Geldnamen wie Rubel, Mark). Ungefähr 650 Jahre v.Chr. wurden die ältesten uns bekannten Münzen von den Lydern (König Krösus) in Kleinasien hergestellt. Zunächst wurden vollwertige Münzen (= Kurantmünzen) aus Gold und Silber, später durchwegs unterwertige Münzen (= Scheidemünzen) geprägt. Silber war lange Zeit das führende Münzmetall.

Anfang des Mittelalters waren große Silbererzvorkommen z.B. im Harz entdeckt und ausgebeutet worden. Da die Landesfürsten das Schürfrecht besaßen ,verdienten sie an der Geldherstellung. Das hatte nicht zuletzt damit zu tun, dass in dieser Zeit die Städte, die lokalen Fürsten, Äbte und Äbtissinnen das Recht hatten, eigenes Geld herauszugeben, mit dem es eine besondere Bewandtnis hatte: Alle fünf bis sechs Jahre und später auch in kürzeren Abständen wurde es verrufen, das heißt, es musste gegen neues Geld eingetauscht werden. Dabei war es üblich, drei neue gegen vier alte Münzen zu wechseln. Mit dem Gewinn wirtschaftete der jeweilige Fürst oder Abt mehr und mehr anstelle sonstiger Steuern und Abgaben. Man nannte dieses System damals “Renovatio Monetae”. In der Zeit zwischen 1100 und 1400 war eine weit verbreitete Form der mit einem Abschlag versehenen lokalen Geldsysteme die so genannten “Brakteaten”, sehr dünne Silbermünzen, die nur einseitig geprägt wurden. Sie dienten als lokale Tauschwährung. Gold‑ und massive Silbermünzen gab es damals zwar auch, sie wurden jedoch zur Hauptsache im Fernhandel und zum Kauf von Luxusgütern verwendet.

Die Brakteaten waren beim Volk zwar verständlicherweise nicht sehr beliebt. Sie hatten jedoch zur Folge, dass die Kaufkraft der Währungen in fast ganz Europa während langer Zeit sehr stabil blieb. Das heißt, es gab damals kaum Inflation, die Preise für Waren stiegen also nicht an. Zudem erhöhte sich die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes. Denn nun war kaum mehr jemand daran interessiert, diese Brakteaten als Ersparnis auf die Seite zu legen. Das lokale Geld wurde vielmehr rasch wieder ausgegeben und ‑ auch zugunsten künftiger Generationen ‑ in langfristige Investitionen gelenkt: in die Verbesserung des Bodens, der Verkehrswege, der Produktions‑ und Bewässerungsanlagen, in Wind und Wassermühlen, in Weinpressen und in die besagten Kathedralen. Wegen der ständigen Gefahr einer Verrufung, wurde das Geld von seinen Besitzern zügig zu Markte getragen und sorgte für den Austausch von Waren. Durch diesen stetigen Umsatz konnte die nach Zusammenbruch des Römischen Reiches in die Naturalwirtschaft zurückgefallene Wirtschaft wieder erste Schritte in Richtung Arbeitsteilung unternehmen. Weil sich die Silberrnünzen immer mehr in der arbeitsteiligen Wirtschaft als Tauschmittel etablierten, bestimmte ihren Wert nicht mehr der Gebrauchsnutzen des Silbers, sondern zunehmend auch der Wert der dafür zu erwerbenden Waren. Dadurch waren die Münzen wertvoller als ihr Materialwert und es lohnte sich, verschatztes Silber wieder einzuschmelzen und dem Wirtschaftskreislauf zuzuführen. Die Zentren der neuen Arbeitsteilung ‑ die Städte erlebten einen nie gekannten Zuwachs an wirtschaftlicher Kraft, kulturellem Schaffensdrang, Wohlstand sowie politischer Macht.

(Den gleichen Effekt hat die Umlaufsicherung bei vielen Regionalgeldern wie dem Hagener VolmeTALER. Beim bayrischen Regiogeld „Chiemgauer“ wird die Umlaufsicherung mittlerweile auf elektronischem Wege vollautomatisch erhoben und als Regionalbeitrag sinnvollen Projekten wieder zur Verfügung gestellt.)

Das Verschwinden der lokalen Währungen im Mittelalter hatte zwei Gründe. Einerseits missbrauchten manche Machthaber das System dahingehend, dass sie das Geld immer rascher verriefen, um sich so persönlich bereichern zu können. Zum anderen zentralisierte sich die staatliche Macht immer stärker. Die Könige beanspruchten das Recht zur Geldschöpfung wieder für sich allein, nicht zuletzt zur Finanzierung von Kriegen, die nun Europa überzogen. Die Folgen für die Bevölkerung, die zuvor markant zugenommen hatte, waren dramatisch. Mit dem Verschwinden der Brakteaten kam es zu einem wirtschaftlichen Niedergang, zu Hungersnöten und zu einem deutlichen Bevölkerungsrückgang. (2)

Wie der Silbergehalt der Münzen sich im Laufe der Geschichte veränderte, zeigt folgende Aufstellung:

Jahr – Geldeinheit

Silbergehalt

Zeitlich gesehen ergeben sich in diesem Abschnitt ebenfalls Überschneidungen. Babylonier, Ägypter, Griechen und Römer verfügten bereits über geprägtes Metallgeld. Andererseits zahlte man 1.000 Jahre nach den Römern in Brandenburg und Mecklenburg noch mit ungeprägtem Metallgeld (vgl. Wendisches Hacksilber).

Papiergeld

Die Erfindung des Münzgeldes war zweifellos ein großer Fortschritt. Münzen aus Edelmetall besaßen den Vorteil der Wertbeständigkeit gegenüber anderen Tauschgegenständen. Die Ausweitung des Handels und damit auch des Geldverkehrs brachte jedoch die Notwendigkeit mit sich, das schwere Münzgeld durch eine bequemere Zahlungsart zu ersetzen. Andererseits mag auch die vorübergehende Geldknappheit mancher Landesherren die Erfindung des Papiergeldes beschleunigt haben. Man berichtet so vom Kommandanten der spanischen Festung Alham de Granada, der während der Belagerung 1438 n.Chr. durch die Mauren fehlendes Münzgeld durch Papierzettel mit Wertangabe und Siegel ersetzte und deren Annahme zwingend für jedermann vorschrieb. Das erste Papiergeld war also nicht Geld an sich, sondern als Anweisung zur Auszahlung von Münzgeld gedacht. Als die eigentlichen Schöpfer des Papiergeldes gelten die Chinesen. Marco Polo fand auf seinen Reisen 1276 kaiserliche Banknoten aus Papier. Wieder einer anderen Schilderung zufolge gilt der Schwede Johan Palmstruch (1661) als “Erfinder” des Papiergeldes. Papiergeld braucht Vertrauen, d.h., es muss von jedermann jederzeit in Waren oder andere Vermögenswerte umgetauscht werden können. In früherer Zeit wurde dieses Vertrauen durch eine vollständige Golddeckung ­im Laufe der Geschichte nunmehr durch eine teilweise Deckung gestützt. Heute besteht keine Golddeckungspflicht der Notenbanken mehr (= freie Währung). Die Deckung besteht in der Bundesrepublik Deutschland allein im Vertrauen, (= Kaufkraft). Aber es braucht natürlich auch einen Staat, der dieses Vertrauen schützt und möglich macht.

Buchgeld/Giralgeld

Das Buch- oder Giralgeld, über das man z.B. mit Scheck und Überweisung verfügen kann, ist die moderne Geldform. Nur etwa 12 % des gesamten Geldumlaufs besteht aus Münzen und Banknoten, der weitaus größere Teil befindet sich als Buchgeld auf Giro- und Termingeldkonten. Ende 1995 waren Banknoten im Wert von rund 238 Milliarden DM und Münzen im Wert von ca. 15 Milliarden DM im Umlauf. Dennoch hat das Bargeld als Zahlungsmittel im Endverbrauch eine große Bedeutung. Im Jahre 2002 betrug der Anteil von Bargeld als Zahlungsmittel im Endverbrauch ca. 70%, (Quelle: Helmut Creutz „Die 29 Irrtümer rund ums Geld)

Buch- oder Giralgeld hat bereits eine lange Geschichte hinter sich. Die Italiener bedienen sich dieser Form des Geldes bereits seit mehr als 300 Jahren durch die Übertragung von Guthaben in den Büchern der Banken. Als die vielen Vorteile des bargeldlosen Zahlungsverkehrs (Scheck, Überweisung, Dauerauftrag, Lastschrift) mehr und mehr erkannt wurden, führte dies Anfang der 60er Jahre zu einer raschen Einführung der bargeldlosen Lohn- und Gehaltszahlung, und der Umgang mit Buchgeld ist heute etwas Selbstverständliches.

Quelle: http://www.sparkasse-bonn.de/privatkunde/jungesangebot/schulservice/schulservice426.htm

Funktionen des Geldes

Mit Hilfe des Geldes können wir Waren oder Dienstleistungen verschiedenster Art miteinander vergleichen, sogar ein Mofa mit einem Brötchen. Jeder wird natürlich sagen, dass das Mofa mehr wert ist als das Brötchen. Um wie viel es aber mehr wert ist, das können wir erst mit Hilfe des Geldes ausdrücken. Geld dient also als Wertmaß.

Was aber ist das Geld, und wie entsteht es?

Sachlich betrachtet ist Geld lediglich ein Mittel, um eine Leistung gegen eine andere einzutauschen. Wir können auch von einem allgemeinen Tausch‑oder Zahlungsmittel sprechen. Dazu muss es auch allgemein anerkannt, d.h. letztlich unter staatlicher Aufsicht sein. Ohne Geld müssten wir umständlich im Tauschhandel Güter und Dienstleistungen gegen andere Güter oder Dienstleistungen eintauschen. Das wäre ziemlich zeitraubend. Deshalb haben die Menschen das Geld erfunden, mit dem sie anstelle des Tauschhandels Kaufhandel betreiben können.

Das Geld wirkt dabei wie ein Transportmittel oder ein Förderband: Der Kartoffelhändler gibt dem Bauer Geld und erhält dafür Kartoffeln. Der Bauer reicht dies Geld weiter an einen Saatguthändler und erhält dafür Saatgut. Der Saatguthändler reicht das Geld weiter an einen Düngemittelproduzent und erhält dafür Düngemittel usw. Während das Geld in die eine Richtung fließt, bewegen sich die Güter in die andere.

Die Einführung des Geldes veränderte nicht nur die Handelsformen, sondern förderte auch die Entstehung einer Vielzahl von spezialisierten Berufen. Der Familienvater, der bisher alles selber herstellen musste, was er für sich und seine Familie benötigte, konnte nun vieles gegen Geld “eintauschen”. Er hatte jetzt auch Zeit, sich auf eine einzige Tätigkeit zu spezialisieren: Er fertigte beispielsweise nur noch Schuhe. Die verkaufte er gegen Geld, und mit diesem Zahlungsmittel kaufte er Nahrung, Getränke, Kleider, ein Haus, natürlich auch Material und Werkzeug. Damit war die arbeitsteilige Wirtschaft geschaffen, in der sich jeder auf bestimmte Tätigkeiten spezialisierte. Denn Geld und Arbeitsteilung bedingen sich gegenseitig.

Ein weiterer Vorteil für den einzelnen Händler des Handels “Ware gegen Geld” ist: Niemand muss dabei erworbenes Geld sofort wieder gegen andere Ware eintauschen. Es kann aufbewahrt werden. Wir nennen das Geld‑Aufbewahren “sparen”. Geld ist also auch ein Wertaufbewahrungsmittel. Gesamtwirtschaftlich gesehen ist das wiederum ein Nachteil. Man kann das Geld-Aufbewahren „sparen“ auch Horten nennen, von Geld, das man überschüssig hat, wenn. Wenn das Geld aber gehortet wird, steht es aber nicht mehr als Tauschmittel zur Verfügung. Es fehlt dann der Wirtschaft. Warum eignet sich Geld gegenüber anderen Gütern so gut als Wertaufbewahrungsmittel ?

Weil es fast unbegrenzt haltbar ist. So sind z.B. alle Hersteller und Händler von Kleidung, Nahrung, HiFi‑Geräten usw. dazu gezwungen, ihre Waren loszuwerden, da diese sonst aufgrund von Mode, Alterung und Lagerkosten an Wert so stark verliere n, dass damit kein Gewinn mehr zu erzielen ist. Und auch den von Arbeit lebenden Menschen bleibt nichts anderes, als ihre Leistung Tag für Tag anzubieten, sofern sie nicht nur von Luft und Liebe leben wollen. Demgegenüber stehen diejenigen, die reich genug sind, um mit dem Geld selbst zu handeln, unter keinem vergleichbaren Angebotsdruck. Geld schimmelt nicht, kommt nicht aus der Mode und braucht keine teuer gemieteten Lagerhallen. Die Folge dieser Wundereigenschaften ist, dass Geld zwar gerne genommen, aber nur dann wieder hergegeben wird, wenn es sich richtig lohnt.

Und damit sind wir schon bei des Pudels Kern! Denn wer wenig Geld hat, muss es ausgeben, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten ‑ ihm bleibt keine Wahl. Aber jemand, der selbst bei einem luxuriösen Lebensstil noch viel Geld übrig hat, würde den restlichen Haufen doch sicherlich auf seiner hohen Kante lassen ‑ wenn nicht ein sehr ernstes, volkswirtschaftliches Problem damit verbunden wäre: das Geld, das da zigtausendfach auf der hohen Kante liegt, fehlt im alltäglichen Geldkreislauf! Der produzierten Menge an Waren und Dienstleistungen muss nämlich immer die entsprechende Geldmenge gegenüberstehen, sonst hat man entweder Inflation (zu viel Geld im Vergleich zur Warenmenge) oder Deflation (zu wenig Geld im Vergleich zur Warenmenge). Um es nun wieder herauszulocken aus seinem Safe, haben sich die Menschen etwas ausgedacht, nämlich denjenigen zu belohnen, der das Geld als Kredit der Allgemeinheit wieder zur Verfügung stellt.

Hört sich gut an?

Aber es ist eine sehr große Dummheit!

Um zu zeigen, wie dumm diese Idee ist, folgender Vergleich­

Geld ist in seiner Funktion als Tauschmittel ein öffentliches Gut. Genauso sind es auch unsere Straßen, die mit unseren Steuergeldern gebaut wurden, um unserem Waren‑ und Personenverkehr zu dienen. Auch das Geld dient ja dem Austausch von Waren und Arbeitsleistungen, daher ist es schlimm, wenn sein Fluss blockiert wird. Stelle dir vor, ein Autofahrer blockiere die Autobahn, indem er dort parkt und einen kilometerlangen Stau bewirkt. Stellen dir weiter vor, ein Polizist käme daher, und er würde die gleiche Idee wie im Geldwesen anwenden, so würde er etwa sagen:

“Werter Herr ‑ wir empfinden es als ungünstig, dass der Verkehrsfluss ins Stocken geraten ist; wären sie bereit, für 400 Euro die Straße wieder freizumachen?” ‑ “Hm, kommt drauf an… Wie lange soll ich die Straße denn freimachen?” “Nun ja, einige Tage wären schon gut; was halten sie von 2 Wochen?” ‑ “Na gut, dann sagen wir doch gleich ein ganzer Monat für 800,‑ Euro, ok?” ‑”Einverstanden!”.

Vollkommen idiotisch und undenkbar; das animiert ja geradezu, die Autobahn zu verstopfen! So ist es, und genau diesen Fall haben wir in unserem Geldsystem! Wer Geld dem Kreislauf vorenthält, wird nicht bestraft, sondern er bekommt eine “Belohnung” für die Nicht‑Hortung von Geld, genannt Zins.

Mit dem Zins löst man also das Geld gewissermaßen frei, das sonst festgefroren und dem Kreislauf entzogen bliebe ‑..“eine Art Tribut, den man zu zahlen hat, damit die Besitzer überschüssigen Geldes es anderen leihweise überlassen und der Kreislauf geschlossen bleibt. Das heißt aber auch, dass derjenige mit Kosten belastet wird, der mit seiner Kreditaufnahme, das ist der Schuldner, für die Schließung des Kreislaufes sorgt!“(4) Ohne Schuldner würde unsere Geldwirtschaft nicht funktionieren.

Wenn der Gläubiger sein Geld verleiht, hat er ein Geldguthaben, das auch Geldvermögen genannt wird und der Schuldner dagegen eine Geldschuld. Geldvermögen und Geldschuld sind also ein Paar.

In der Bundesrepublik gibt es zur Zeit die unvorstellbare Menge von ca. 4 000 000 000 000 € Schulden und ca. 4 000 000 000 000 Geldvermögen

Was das Geld für den Güterfluß ist, bedeutet der Kredit – die Schuld – für den Geldfluß.

Der Schuldner wirkt aber noch in einer anderen Weise positiv für die Wirtschaft. Er wird in der Zukunft Güter anbieten, um mit dem eingenommenen Geld seine Schulden zu tilgen. Ohne ihn wäre es möglich, dass in der Zukunft dem Geld des Gläubigers erheblich weniger Güter entgegenstehen und der Gläubiger einen herben Wertverlust seines Geldes hinnehmen müßte. Ohne den Schuldner machte das „Sparen“ keinen Sinn.

Warum zahlt der Gläubiger nicht dem Schuldner für seinen Nutzen, den er aus ihm zieht? Weil der Gläubiger in einer größeren Machtposition steht.

1. Wenn ein zukünftiger Schuldner für ein Unternehmen Geld benötigt, so muss er an Geld kommen, um diese Unternehmung tätigen zu können. Wenn ein potentieller Gläubiger Geld besitzt, so kann er es anderen Marktteilnehmern für zur Verfügung stellen, aber er muss es nicht, denn für ihn ist es günstiger, es in den Händen zu halten. Vielleicht bietet sich für ein „Schnäppchen“ eine gute Kaufgelegenheit oder er befürchtet, daß er ganz plötzlich Geld benötigt.

  1. Der Schuldner muss Güter verkaufen, um tilgen zu können. Der Gläubiger kann mit den Tilgungsgeld des Schuldners Güter kaufen, aber er muss es nicht.(3)

Noch ein weiteres Problem ist mit unseren Geld-Spielregeln verbunden:

Durch die Zinsen kommen nämlich zu dem ohnehin großen Geldberg beständig noch hübsche Sümmchen dazu, so dass dieser Berg immer schneller immer größer wird. Es ist wie bei einem Schneeball, der am Schluß zu einer Riesenlawine wird. Entsprechen wachsen dann auch die Schulden. (4)

Wie entsteht nun Geld?

Auch bei der Entstehung von neuem Geld wird sichtbar, wie wichtig Schulden sind. Neues Geld gibt die Bundesbank als Kredit für die Banken aus, die dafür den Leitzins zahlen. Die Banken geben dieses Geld als Kredite an ihre Kreditnehmer – Schuldner – weiter, die ihre Kunden sind.

Geld ist auch Wertübertragungsmittel

Nehmen wir folgenden Fall an: Die Großmutter möchte ihrem Enkelkind gerne etwas in einem ganz bestimmten Wert zum Geburtstag schenken. Sie weiß aber nicht recht, ob sie dem Enkel z. B. einen Kassettenrecorder, einen Plattenspieler, ein Kofferradio oder etwas anderes von gleichem Wert schenken soll. Was tut sie? Sie schenkt statt einer Ware Geld (= Kaufkraft). Sie überträgt damit den in Aussicht gestellten Wert in Form von Geld. Mit der Einführung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs wurde Geld auch ein Mittel des Kapitaltransportes. Man kann heute bequem vom Schreibtisch aus Zahlungen über jede Entfernung leisten. All die bisher genannten Funktionen kann das Geld freilich nur dann zufrieden stellend erfüllen, wenn jeder bereit ist, jederzeit seine Waren oder Dienstleistungen gegen das Geld herzugeben. Deshalb waren die ersten Geldstücke überhaupt aus edlen, wertvollen Metallen, die schon immer sehr begehrt waren. Denken wir nur an den Dukaten aus Gold, den Golddollar oder die Goldmark des Deutschen Kaiser‑Reiches, mit der man bei uns bis zum Ersten Weltkrieg bezahlte.

Zusammengefasst hat Geld diese Funktionen:

Wertmaß und Wertmesser

Allgemein anerkanntes Tausch- oder Zahlungsmittel

Wertaufbewahrungsmittel (Wertspeicher)

Seine Funktion als Wertspeicher verhindert seine Funktion als allgemeines Tauschmittel.

Zur Behebung dieser Schwierigkeit dient der Zins, das ist die Belohnung, den Wertspeicher anderen zur Verfügung zu stellen.

Wertspeicher gegen Tauschmittel !!

Welche andere Möglichkeit gibt es, diese Schwierigkeit zu beheben?

Alles über Umlaufgebühr und Regio-Geld ( www.regionalgeld.de )

Der Artikel ist aus verschiedenen Quellen zusammengesetzt und stammt imWesentlichen aus http://www.wellermanns.de/Gerhard/Geld_Geschichte.htm#Zur%20Geschichte%20des%20Geldes. Weitere Quellen (1) Brakteaten: Karl Walker:“ Das Geld der Geschichte“; http://userpage.fu-berlin.de/~roehringw/walker; (2) Jens Hakens u.a., Welche rolle spielt das Geld?, Fairconomy, Nr. 1 2005, (2) Thomas Koudela, Ökonomie, Marktwirtschaft jenseits des Kapitalismus, 2004, EWK-Verlag, www.ewk-verlag.de u. (3) Eine Alternative zur Beschäftigungskrise, www.koudela.net, (4) Thomas v. Tubeuf, Humannwirtschaft – 02/2006, sowie www.inwo.de.

September 13, 2007 - Geschrieben von | Wirtschaft

5 Kommentare »

  1. Interessanter Artikel, aber das Beispiel des Autobahnparkers halte ich für etwas weit hergeholt. Wirklich vergleichbar ist der “Verkehrsfluss” mit dem “Geldfluss” nicht. Aber der Gedanke eines bewussten Geldvorenthaltes ist durchaus interessant, vorallem wenn man an Chinas Dollarreserven denkt und den Schaden, den das Regime damit anrichten könnte.

    Kommentar von Tom | April 8, 2010 | Antwort

  2. recht informative seite…

    Kommentar von Hans Hansen | April 18, 2010 | Antwort

  3. Sehr interessant, in drei Punkten nicht korrekt:
    1. die umlaufende Menge an Geld ist nicht proportionale der umlaufenden Warenmenge, sondern die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes (Menge/Zeiteinheit) ist proportional der Umlaufgeschwindigkeit der Waren oder anders es muß immer so viel Geld im Umlasuf sein, damit der Warenkreislauf funktioniert ( Waren- und Geldkreislauf sind entgegengesetzt rotierende Kreisläufe, so auch zu finden bei Karl Marx); sofern der Warenkreislauf zu stocken beginnt, aus welchen Gründen auch immer, muß mehr Geld in den Geldkreislauf gebracht werden
    2. jedes Geld ist am Angang immer als ‘Kredit’ ausgegeben worden, mit dem Endziel, dass es irgendwann zum Emittienten zurückkehrt (Idealfall)
    3. der Zins ist nur scheinbar ein ‘Preis’ des Geldes (übliche Darstellung ), in Wirklichkeit erhält damit der Gläubiger aufgrund seines ‘Eigentumsrechtes’ vom Schuldner einen Anteil an dessen ‘Arbeitsleistung’ (Zins ist immer eine Abgabe des Schuldners an den Gläubiger)
    Im übrigen ändert Regionalgeld überhaupt nichts am Dilemma, ob ich es ‘entwerte’, dann erhält der ‘Entwerter’ etwas vom Geld, oder ‘verzinse’, dann erhält der Gläubiger das Geld.

    Kommentar von Rudolf Grollmisch | Mai 3, 2010 | Antwort

    • Sehr geehrter Herr Hansen,
      erst ein Mal freue ich mich, dass Sie mir einen Kommentar zum obigen Papier gegeben haben. Das Papier gibt nicht exact meine Meinung wieder. Es gibt im Wesntlichen den Inhalt der Quelle: http://www.wellermanns.de/Gerhard/Geld_Geschichte.htm#Zur%20Geschichte%20des%20Geldes wieder. In den Punkten 1 und 2 stimme ich mit Ihnen überein. Siehe dazu auch mein Papier: http://hajosli.wordpress.com/2009/11/08/modelle-2/, das allerdings noch überarbeitet werden muss.
      Auch im Punkt 3 stimme ich Ihnen zu, dass der Zins nur scheinbar der Preis des Geldes ist. Keynes sieht in ihm eine Entschädigung für die Aufgabe der Liquidität von gehortetem Geld. In der Tat ist der Zins immer ein Abgabe des Schuldners an den Gläubigern, aber nicht für dessen Leistung,die er in der Regel mit dem Erhalt des Geldes erbracht hat (natürlich gibt es auch leistungslosen Gelderhalt. Mit der Schuldenrückzahlung erhält er ja sein Äquivalent, das Geld, für seine erbrachte Leistung zurück. Warum sollte er mehr als dieses Äquivalent zurückerhalten? Darüber tobt die Diskussion!

      Kommentar von hajosli | Mai 3, 2010 | Antwort

  4. hmm, schon interessant, aber ich habe eine etwas spezifischere Frage für die ich auch hier keine Antwort gefunden habe:
    Wie könnte ich mir den Anfang (Anfänge) von Geld vorstellen?
    Ich meine konkret? Wer macht Münzen und wie bringt er sie unters Volk?

    Kommentar von Rolf Todesco | Oktober 30, 2010 | Antwort


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