Ungleiche Einkommensverteilung
Die Wirkung ungleicher Einkommensverteilung auf unser Wirtschaftssystem
In der Diskussion über extrem hohe Einkommen weniger Personen wird häufig das Argument benutzt, es sei volkswirtschaftlich nicht von Bedeutung, es handele sich lediglich um eine Gerechtigkeitsfrage. Dem ist zu widersprechen. Eine einzige Person, wie der Deutsche Bank Chef Ackermann, lässt sich zwar von einer Volkswirtschaft verkraften, schwierig wird es, wenn es drei Hundert oder mehr solcher Personen gibt. Dieser Personenkreis ist nämlich kaum in der Lage, sein Einkommen als Konsum wieder auszugeben. Er wird seinen Überschuss anlegen und dadurch zukünftig noch höhere Einkommen erzielen, als er anfänglich hatte. Ein selbstverstärkender Prozess der Ungleichverteilung wird dadurch in Gang gesetzt, in der Technik bekannt als extrem instabiler, sich positiv verstärkender Regelkreis. Die Volkswirtschaft fährt notwendigerweise maschinengleich „gegen die Wand“. Ein Techniker würde hier nicht die Gerechtigkeitsfrage stellen, sondern versuchen, ein Dämpfungsglied in die positive Rückkopplung einzubauen.
Das folgende Beispiel soll das Ausmaß dieses Prozesses verdeutlichen. Zugrunde liegt die Einkommensstatistik des Jahres 2001, herausgegeben vom Bundesamt f. Statistik.
Danach erhielten im Jahre 2001 ca. 3 % der durch die Einkommensteuer erfassten Personen ca. 19 % des Gesamteinkommen1. In absoluten Zahlen ausgedrückt, erhalten ca. 858 Tsd. Personen ca. 179 Mrd. € als Einkommen, abzüglich ca. 102 Mrd. € Steuern, bleibt ein Nettoeinkommen von ca. 77 Mrd. €. Unter der Annahme eines durchschnittlichen Konsums pro Person von 60 Tsd. € im Jahr, würde die Ausgaben dieses Personenkreises ca. 51,5 Mrd. € (858 Tsd. x 60 Tsd. = 51,5 Mrd. ) betragen. Sie hätten dann einen Überschuss von 25,5 Mrd. €. Würde dieser Überschuss von 25,5 Mrd. € mit einer Rate R von 5% Zinsen bzw. Rendite angelegt, so würde dies nach der Sparformel Kn = R (SF) nach 15 Jahren ein Vermögen von 25,5 Mrd. € x 22 = 561 Mrd. € ergeben2. Die Rendite würde in diesem 15. Jahr bei einer 5%igen Anlage ca. 28 Mrd. € betragen. Der Überschuss hätte sich dann ohne zusätzliche Leistung etwa verdoppelt (28 + 25,5 = 53,5)3.
Für die Volkswirtschaft bedeutet dies, dass sich die ungleiche Einkommensverteilung zugunsten der bisher Begünstigten weiter verstärkt, und zwar exponentiell (s. Anmerkungen).
Welche gigantisch die Ungleichheit zwischen Arm und Reich inzwischen auf der Welt ist, zeigt der Kommentar von J. Jahnke über Superreiche: jjahnke-superreiche
Anmerkungen:
1. Eine andere Zusammenfassung ergibt: 1/5 der erfassten Bevölkerung erzielen die Hälfte des Gesamteinkommens als Einkünfte, die anderen 4/5 erhalten nur die andere Hälfte
2. Der Faktor SF gehorcht einer exponentiellen Funktion, die am Anfang langsam, am Schluss „rasend“ steigt. Im vorliegenden Fall hat SF mit n = 15 Jahren und 5% Zins- bzw. Renditesatz den Wert
SF = (qn – 1)/ (q-1) = (1,0515 – 1)/0,05 = 22
3. Die Berechnung der zusammengefassten Einkünfte En (jeweilige Rendite + Überschuss) kann auch wie folgt berechnet werden:
En = Kn(q-1) + R = R(qn – 1) + R = R(qn) R = jährliche Rendite + Überschuss
Im vorliegenden Fall für n = 15 und 5% Zinsfuss betragen die Einkünfte: 25,5 x 1,0515 = 53
Die Einkünfte gehorchen ebenfalls einer exponentiellen Funktion.
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