Die Verteilungsfrage
Die Verteilungsfrage
Im Kreislaufmodell der Wirtschaft, bei dem das Geld in die eine Richtung fließt und entgegengesetzt die Güter und Leistungen, gilt, dass die volkswirtschaftlichen Ausgaben die zukünftigen Einnahmen sind. Das heißt, eine Volkswirtschaft ist dann stabil, wenn die Einzelnen der beteiligten Gruppen das wieder ausgeben, was sie einnehmen.
Welche Wirkung hat es aber auf die Volkswirtschaft, wenn einzelne Gesellschaftsgruppen mehr Geld einnehmen als sie ausgeben können oder wollen, indem sie entweder „sparen“ (man sollte besser von „Einkommensüberschuss erzielen“ sprechen) oder Gewinne machen (Gewinn als positiver Saldo aus Ausgaben, bzw. Kosten und Einnahmen)? Es ist logisch, dass sich dieser Überschuss als Geldvermögen in den Taschen dieser Gesellschaftsgruppen anhäuft. Wenn dieses Geld nicht wieder ausgegeben wird, sei es als Konsum oder Investition (eine besondere Konsumart), sondern in die Schweiz verschoben wird oder in Spekulationsblasen verschwindet, fehlt es der Volkswirtschaft. Diesem nicht ausgegebenen Überschuss stehen produzierte Güter, bzw. Leistungen gegenüber, die nicht vom Markt geräumt werden. Unternehmen gehen pleite, die Volkswirtschaft schrumpft.
Das folgende Zahlenbeispiel soll diese Aussagen illustrieren :
Hier wird die sog. reiche Gruppe, bei der die Einnahmen größer sind als die Ausgaben und die einen Bevölkerungsanteil von 25%, umfassen soll, in ihren Einnahmen dem großen Rest der Bevölkerung gegenübergestellt werden. Sie soll einen Einnahmeanteil von 40% am BIP haben, hier mit 2000 Mrd. €./Jahr angegeben (lt. Stat.Bu.Amt hatte 2001 ein Bevölkerungsanteil von 25% einen Anteil von ca. 56,6% am Gesamteinkommen ). Beim großen Teil der Bevölkerung sind im Wesentlichen die Ausgaben so groß wie die Einnahmen. Die Ausgaben des kleinen reichen Teils mögen bei konstant (!) z.B. 720 Mrd. Euro/Jahr liegen, das sind 36% des anfänglichen (!) BIP von 2000 Mrd. €. Der Gewinn würde dann anfänglich bei 4% BIP liegen oder 10% des anfänglichen Einkommens, der voraussetzungsgemäß angehäuft wird. Da die Ausgaben immer auch die zukünftigen Einnahmen sind, schrumpft das BIP im folgenden Jahr, in unserem Beispiel um 80 Mrd. € (4% von 2000). Das BIP schrumpft unter diesen Voraussetzungen solange , bis die Ausgaben der reichen Gruppe gleich deren Einnahmen sind, d.h. bis in unserem Beispiel 720 Mrd. € 40% des dann erreichten BIP ausmachen, also auf 1800 Mrd. €. Der Gewinn ist dann natürlich auf null geschrumpft (Marx: tendenzielle Fall der Profitrate = Keynes: Grenzleistungsfähigkeit des Kapitals)
Das Entscheidende bei diesem Vorgang ist, dass der reiche Teil seine Einnahmen nicht konsumieren kann und Vermögen anhäuft. Verändern lässt sich diese Situation nur, wenn der Überschuss in die Volkswirtschaft fließt. Das geschieht heute über Kredite oder Investitionen, wenn dafür Zinsen bzw. Gewinne winken. Diese verschärfen aber auf die Dauer das Problem. Kredittilgung, Zinsen und Gewinne sind unter diesen Umständen nur möglich, wenn die Volkswirtschaft wächst. Dies bedeutet zwar für junge Volkswirtschaften eine kurzfristige Lösung, aber irgendwann kommt das System an seine Grenzleistungsfähigkeit (bei Keynes „Grenzleistungsfähigkeit des Kapitals“, bei Marx „tendenzielle Fall der Profitrate“ genannt), zu beobachten im Vergleich von jungen Volkswirtschaften wie die osteuropäischen und asiatischen und den alten wie die europäischen.
Die Politiker werden unsere Wirtschaftskrise nicht lösen können, wenn sie, wie die neoliberalen Wirtschaftswissenschaftler diese Überschussproblematik ausblenden und nicht angehen, entweder, dadurch, dass die Entstehung gedämpft bzw. gedeckelt ( s. http://www.meudalismus.dr-wo.de/html/meudalismus.htm ) oder der Überschuß durch Steuermaßnahmen (nicht nur steuerliche) abgeschöpft wird. Dies würde auch zum Vorteil der reichen Gruppen gereichen. Hauptursache für die Entstehung unserer krassen Einkommen- bzw. Vermögen- Ungleichverteilung ist die Möglichkeit, durch Besitz knapper Wirtschaftsgüter wie Geld, Boden und Produktionsmittel im großen Stil leistungsloses Einkommen zu erzielen.In einem Artikel von Harald Wozniewski (www.dr-wo.de ) steht: „Einsamer Reichtum basiert auf der Verarmung der Bevölkerung – Gemeinsamer Reichtum auf der Beschränkung der Reichen“.
Fazit
Unser Wirtschafts- und Geldsystem kann so nicht krisenfest funktionieren:
Ungleiche Einkommensverteilung können zu wirtschaftlichen Störungen führen. (s. Grafik). Extreme ungleiche Einkommensverhältnisse entstehen vor allem dann, wenn es in der Gesellschaft Möglichkeiten gibt, durch den bloßen Besitz von knappen, aber für alle notwendigen Gütern leistungsloses Einkommen zu erzielen (gewinnbringendes Vermögen, s. www.dr-wo.de/schriften/feudalismus/) . In einer modernen arbeitsteiligen Industriegesellschaft sind:
- Produktionsmittel knappe Güter. – Ihr Besitz führt zu Profiten.
- Weiterhin ist der Boden ein knappes, nicht vermehrbares Gut. – Sein Besitz führt zur Bodenrente.
- Aber besonders ist Geld ein solches Gut, denn das Geld ist nicht nur bloßes Tausch- , sondern auch Aufbewahrungsmittel, das durch Hortung (Verschiebung, Spekulation) dem Wirtschaftskreislauf entzogen werden kann und dadurch knapp wird. Dies ist die Liquiditätspräferenz des Geldes, die dazu führt, dass der Zins nicht unter den Liquiditätswert (erfahrungsgemäß 2%) sinkt. – Der Besitz von Geld führt in unserem Geldsystem zum Zins als leistungsloses Einkommen.
Eine langfristig wirksame und nachhaltige Therapie kann nur in Maßnahmen liegen, die verhindern, dass durch den Besitz von knappen gesellschaftlich nötigen Gütern, im großen Stil leistungsloses Einkommen erzielt wird, z.B. durch den Besitz von Geld, Boden, Produktionsmitteln u.a..)
Das kann sein:
- Eine Decklung gewinnbringender Vermögen (s. H. Wozniewski)
- eine Besteuerung liquider Mittel, durch Einführung einer Rückhaltegebühr (s. H. Creutz: Das Geldsyndrom; u. www.INWO.de)
- eine Besteuerung der Kapitalvermögen
- eine Besteuerung von Kapitalerträgen
Mechanik der kapitalistischen Krise 2008-10-25
Die kapitalistische Wirtschaftskrise hat viele Ursachen und Folgen. Ein zentraler Punkt ist die einseitige Vermögensentwicklung. Das Schaubild aus „global news 1252 13-10-08, Abb. 03790)“ von J. Jahnke (www.jjahnke.net) gibt dies wieder .
Die Abzocker in der 2. Weltwirtschaftskrise
Abzocken
(aus: G. Moewe, Über Finanzkrisen und Beschleunigung, www.zeitschrift‑humanwirtschaft.de ‑ 02/2008
Als 1995 der 32‑jährige Nick Leeson die älteste, seit sieben Generationen in Familienbesitz befindliche britische Investmentbank, die Barings Bank ruinierte, weil er unbeaufsichtigt 1,2 Mrd. Dollar verzockt hatte, hielt man sowohl das Ereignis als auch die Höhe der Summe für wiederum für einmalig und unwiederholbar. Aber auch das war gar nichts gegen das, was noch kommen sollte: Mitte Januar 2008 verzockte ein 31‑jähriger Mitarbeiter namens Jerome Kerviel bei der zweitgrößten französischen Bank, der Societé Général, sogar fast 5 Mrd. Euro. Er hatte ein Jahr lang angeblich unkontrolliert mit 40 bis 50 Mrd. Euro jonglieren dürfen. Prolongiert man diese Entwicklung und würde es keinen crash geben, dann würde man irgendwann 14‑jährige mit einer Billion herumspielen lassen, weil sie noch unter das Jugendstrafrecht fallen. „Eine Ära geht zu Ende“, sagt selbst George Soros. Endzeitstimmung.
Die entscheidende Frage dabei ist immer, wo diese Milliarden letztendlich landen. Darüber schweigen sich die Medien beharrlich aus. Sie landen natürlich bei den Wettgewinnern. Und das sind bestimmt nicht die bürgenden Staaten. Sie landen auf den privaten Konten von Leuten, die noch Geld zum Verwetten haben. Das legt den Verdacht nahe: Bankenskandale sind längst keine Naturereignisse oder Unfälle mehr, sondern augenzwinkernd geduldete Umverteilungsaktionen von erarbeitetem Geld auf die Privatkonten von nicht arbeitenden Zockern. Der Bevölkerung wird dann weiszumachen versucht, das Geld sei „verbrannt 2). Im Aufmacher der Süddeutschen Zeitung vom 30.1.08 spricht der Weltökonom Nikolaus Piper von „fehlgeschlagenen Spekulationsgeschäften“. Irrtum! Wenn ich faule Kredite in getarnten Papieren verstecke und die anderen andrehe, dann sind solche Geschäfte aus der Sicht der Täter jedenfalls nicht „fehlgeschlagen“, sondern gelungen. Und wenn ich 5 Mrd. Euro auf die Privatkonten von Zockern verteile, ist auch das aus deren Sicht wohl kaum „fehlgeschlagen“, sondern allenfalls aus der Sicht der geneppten Bevölkerung. Und aus der Sicht jener Tausende, die dann zwecks „Sanierung“ mit ihren Familien in das Schicksal der Arbeitslosigkeit entlassen werden.
2)
| G |
eldverbrennung: „Bei Kursstürzen verbrennt Geld“. Eine nicht auszurottende Unwahrheit. Mit Ausnahme der so genannten Erstemission ist aller Aktienhandel ein reines Wettgeschehen, ein volkswirtschaftliches Nullsummenspiel. Alles Geld, was von irgendjemandem gewonnen wird, wird von jemand anderem verloren. Das Produkt aus Aktien und Kursen ist ein fiktiver Wert, der niemals als Ganzes realisiert werden kann. Bei steigenden Kursen bezahlen die Spätkäufer den Gewinn der Frühkäufer. Bei fallenden Kursen die Spätverkäufer den der Frühverkäufer. Das gilt auch für den Fall von Manipulationen, Gerüchten, Crashs und Schwarzen Freitagen. Meist bezahlen am Ende viele Kleinanleger, was wenige Großaktionäre vorher abgesahnt haben. Auch das Geld dieser Verlierer ist jedoch nicht verbrannt, sondern auf den Konten der Gewinner. Wie alle leistungslose Kapitalvermehrung ist auch die Aktienspekulation ein Mittel, um sich Teile der realen, durch Arbeit erzielten Wertschöpfung anzueignen. Und wie alle leistungslose Kapitalvermehrung trägt auch sie zur ständig steigenden sozialen Ungleichverteilung bei. Das Gerede von der „Geldverbrennung“ soll diesen Aneignungsvorgang in eine unvermeidbare Katastrophe umlügen.
global news 1227 19-09-08: Und wieder einmal: Verstaatlichung der Verluste, diesmal gigantisch
jjahnke.net
Die Banken haben in den letzten Jahren enorme Gewinne eingefahren und damit Reiche noch reicher gemacht. Der Aktienindex der US Financials ist immerhin seit 2004 bis zum Ausbruch der Krise um 43 % gestiegen. Der Anteil der Gewinne der amerikanischen Finanzindustrie an allen amerikanischen Unternehmensgewinnen stieg von 5 % Ende der 80er Jahre auf 40 % im vergangenen Jahr (Abb. 03703). Die Gewinnmarge am Umsatz nach Abschreibungen, Zinsen und Steuern schoß auf 50 % hoch, während es sonst bei den amerikanischen Unternehmen nur ca. 27 % waren (Abb. 03704). Der Gewinn pro Aktie stieg auf 80 % über Durchschnitt aller Aktien (Abb. 03705).
Und nun will die amerikanische Regierung zu Lasten der Steuerzahler den wankenden Banken über minderwertige Papiere Schulden von 800 Milliarden Dollar abnehmen und in einen staatlichen Fund überführen, eine eindeutige Form von Verstaatlichung der Verluste. Außerdem soll ein separater 400 Milliarden Dollar Fund bei der Federal Deposit Insurance Corp. angelegt werden, um Investoren in Geldmarktfunds zu versichern. Die Wall Street reagierte begeistert, denn nun werden die Aktien wieder hochziehen können und wieder werden Reiche noch reicher werden. Es wäre der umfassendste derartige Staatseingriff seit der Depression oder in den Worten des Wall Street Journal „der größte Umbau des US-Finanzsystems seit den dreißiger Jahren“. Robert Preston von BBC nennt es „the mother of all bailouts“. Seiner Meinung nach wird es am Ende mehr als 1 Billion Dollar kosten und sich zu den bisherigen öffentlichen Leistungen von 300 Mrd Dollar addieren. Es wird auch die öffentlichen Finanzen der USA schwächen und den Dollar unterminieren.
Preston erwartet, daß die USA versuchen werden, die Lasten auf den Rest der Welt abzudrücken. Das können sie, solange der Dollar die Hauptreservewãhrung ist, notfalls – wie bei der Finanzierung von Kriegen – mit der Dollarpresse und der Verteilung der daraus resultierenden Inflation. In jedem Fall werden europäische Banken ähnliche Hilfestellungen erwarten, zumal etwa die Hälfte der faulen amerikanischen Hypothekenpapiere bei europäischen Banken gelandet sind. Warum nicht gleich auch die Verluste der europäischen Finanzindustrie verstaatlichen? Vieles in diese Richtung ist ohnehin schon geschehen, siehe IKB in Deutschland. Wird Steinbrück nun im kommenden Krisengespräch den deutschen Banken und ihren Aktionären ähnliche Wohltaten versprechen (und vielleicht zum Ausgleich die MWSt noch einmal anheben)?
Die Spekulanten sind auch in Deutschland heute massiv in Bankaktien eingestiegen, um die Gewinne zu Lasten der Steuerzahler in USA und am Ende wahrscheinlich auch in Deutschland voll mitzunehmen. Sie handelten heute für 1,5 Mrd Euro Aktien der Deutschen Bank und Commerzbank, die daraufhin einen Sprung um 18 % bzw. 17 % nach oben machten (Abb. 03752), der Dax stieg um 5,4 % (Abb. 03717). Das Mindeste, was man von den Regierungen als Kompensation für den Steuerzahler erwarten würde, wäre eine massive Sondersteuer auf alle Kursgewinne bei Bankaktien. Aber natürlich wird es das im neoliberalen Kapitalismus nicht geben. Was man alternativ hätte erwarten müssen, wäre eine Teilverstaatlichung der Banken gewesen, so daß die Regierungen nach entsprechenden Kursgewinnen die Aktien zu Gunsten der Steuerzahler hätten wieder verkaufen können. Aber auch das wird natürlich nicht kommen.
Was man vor allem erwarten müßte, ist eine Wirtschafts- und Sozialpolitik, die die immer ungerechtere Einkommensverteilung wirksam bremst und zurückdreht. Andererenfalls haben die Reichen immer genug freies Kapital, um weiterzuspekulieren und sich notfalls vom Steuerzahler entschädigen zu lassen. Wann wird das endlich begriffen?
global news 1229 21-09-08: Finanzielles Armageddon
jjahnke.net
So ähnlich sieht der finanzielle Untergang der Finanzwelt, die wir kennen, aus: Keine Bank traut mehr der anderen. Für Kredite untereinander werden erhorbitant prohibitive Zinsen verlangt. In USA für 3-Monate Libor heute 3,25 % oder 1,25 Punkte über dem Refinanzierungszins der Fed (Abb. 03764) , in Europa 5,005 % für 3-Monate Euribor oder mehr als 0,75 Punkte über dem Refinanzierungszins der EZB (Abb. 03718). Solche Zinsen verhindern fast jedes Kreditgeschäft unter Banken. Gleichzeitig steigt in Europa der Aufschlag für die Versicherung gegen Ausfälle von Junkbonds der Unternehmen auf über 6 % (Abb. 03636), in USA sogar auf über 8 %.
Der Zins für 30-Tage Papiere (außerhalb des Finanzsektor) springt in USA auf mehr als 6 % von 3 % nur eine Woche vorher (Abb. 03761). Gleichzeitig stürzt die Ausgabe neuer Papiere ab (Abb. 03762, 03763). Sie sind das Lebensblut der Wirtschaft. Wenn nichts passiert, taumeln nicht nur einige Banken ins Nichts, sondern die Unternehmensfinanzierung kommt ins Stocken und damit der gesamte Wirtschaftskreislauf.
Dies muß man sich vergegenwärtigen, wenn man über die unverantwortlich neoliberale Globalisierung der Finanzmärkte und die Billionen-Dollar-Notaktion der US Regierung nachdenkt.
Basarökonomie
Basarökonomie
Das statistische Bundesamt ( www.destatis.de ) liefert in einer Tabelle Informationen über deutsche Importe zwischen 1950 und 2007. Daraus wurde die unten stehende Grafik als Auszug angefertigt.
Einfuhr (Mill. Eur)

Aus dieser Aufstellung ist zu entnehmen: Heute hat der Rohstoffexport nicht mehr die Bedeutung wie vor 50 Jahren. Sein Anteil am Gesamtaufkommen ist erheblich gefallen. Diese Tatsache hat eine riesige Debatte unter den Wirtschaftsfachleuten über die Einschätzung der Bedeutung des Exportes für die Gesamtwirtschaft losgetreten. Angestoßen wurde sie von einem Prof. Sinn – Direktor des ifo-Institutes – der sich mit seinen Thesen erfolgreich durch den Blätterwald und die Talkshows bewegte. Er prägte den Ausdruck von der deutschen „Basarökonomie“. Darunter ist zu verstehen, dass Deutschland die Exportgüter nicht mehr selbst produziert, sondern sie als Vorleistungen importiert, um sie zusammengeschraubt und so veredelt wieder ausführt. Das wäre eine Exporttätigkeit ohne nennenswerte inländische Wertschöpfung. Deutschland könnte so Exportweltmeister sein, ohne eine einheimische Produktionsbasis zu haben.
Dazu H.W. Sinn (Die Welt, 26.01.2004)
„Deutschland beliefert die Welt mit billigen und guten Produkten, die es zunehmendem Maße nicht mehr selbst erzeugt, sondern in seinem osteuropäischen Hinterland produzieren lässt.“
Nun könnte man meinen, dass mit seiner Kritik dieser Professor auf die Exportindustrie und ihrem Gejammer über die angeblich geringe deutsche Wettbewerbsfähigkeit zielt. Weit gefehlt! Er zäumt das Pferd von hinten auf. Die Erfolge der deutschen Exportindustrie sieht er nicht als Folge, dass deutsche Produkte im Ausland wegen ihres guten Preis/Güte-Verhältnisses gefragt sind. Er sieht dies als Zeichen eine Schwäche der deutschen Wirtschaft. Seine Argumentation: Da die dt. Löhne zu hoch sind, sieht sich die Exportindustrie gezwungen, billige Vorprodukte im Ausland einzukaufen, um kostengünstig und im Endpreis billig zu produzieren. Als gestandener Vertreter der neoliberalen Angebotstheorie (s. meinen Artikel über das Say’sche Theorem) und Globalisierungsverfechtern fordert er: „ Löhne runter, um diesen Importen zu begegnen“. Beweis: Der steigende Anteil von Importen in der Vorleistungskette der Exportproduktions-Statistik.
In der Tat:
Im Jahre 1980 lag die Importquote des Exportes bei ca. 25%. Sie stieg im Jahre 2002 auf 37% und lag 2005 bei 42%. (s. IMK-Tabellen 1;9;10). Beeindruckend?
Das ruft nun die Wirtschaftsfachleute auf den Plan, die das Nachfrage-Modell von Keynes vertreten und manchmal skeptisch der globalen Verflechtung gegenüber stehen.
Ausgerechnet sie preisen nun die Bedeutung der Exportindustrie, die für die globale Verflechtung und Deregulierung der Weltmärkte eintreten. So stehen sich auf der einen Seite die Institute der deutschen Wirtschaft (DIW, HWWI, ifo, Ifw) und auf der anderen Seite die gewerkschaftsnahen Institute und Organisationen (Böckler-Stiftung, IMK, Friedrich-Ebert-Stiftung usw.) gegenüber. Manchmal weichen die Fronten auf.
Zum Beispiel
Der Vertreter Dr. H.U. Brautzsch des Instituts für Wirtschaftsforschung in Halle (Mitglied der Leibnitz-Gesellschaft, in deren Vorstand der ehem. Unternehmer-Verbands-Funktionär Henkel sitzt) weist in einer Studie für das IMK (Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung, gewerkschaftsnah) nach (H.U. Bautzsch u.a., Globalisierung u. Beschäftigung…., IMK Studies, 1. 2008), dass bei der stark angestiegenen Importquote, die als Beleg für die Basarökonomie-These gilt, die Re-Exporte nicht berücksichtigt worden sind. Rechnet man diesen Export heraus, so zeigt sich ein relatives stabiles Bild der Importquote.
Stolz wird von den Befürwortern einer starken Exportindustrie darauf verwiesen, wie sehr diese zur Bruttowertschöpfung beiträgt. (Dazu ein Bericht aus einer Info-Schrift der Böckler-Stiftung, die sich auf die Studie von Brautzsch beruft). Alle Studien betonen, dass gleichzeitig mit dem Export Importe notwendig werden, die in Konkurrenz mit den einheimischen Produkten diese verdrängen, was ein Verlust an einheimischer Bruttowertschöpfung gleich kommt. Dies entspricht meinen Überlegungen, die ich in dem Papier „Export und heimische Wirtschaft“
http://hajosli.wordpress.com/2008/02/29/export-und-heimische-wirtschaft/
wie folgt beschrieben habe:
Der Güterimport wächst im gleichen Maße wie der Güterexport. Dies ist unmittelbar einsichtig, denn Länder tauschen Güter aus. Die exportierte Warenmenge ist gleich der importierten, sonst entsteht ein Handelsdefizit oder -überschuss. Handelt es sich bei den Importgütern um solche, die auch im eigenen Land produziert werden, geraten diese Industrien unter Absatzschwierigkeiten bzw. Preisdruck, weil das Angebot steigt. Der Druck wird an die Lohnkosten weitergeben bis hin zur Arbeitslosigkeit. Hat also ein Industriezweig mit seinen Produkten im Inland Absatzschwierigkeit und versucht er, durch erhöhten Export auszuweichen, um Arbeitsplätze zu sichern, geschieht dies letztlich auf Kosten anderer Industriezweige, die nicht exportieren können (Beispiel könnte sein Autoindustrie/ Textilindustrie).
Tatsächlich zeigen die Statistiken z.B. für 2002 unter Berücksichtigung des Entzuges durch Import einen positiven Beitrag der Exportindustrie zur Bruttowertschöpfung von 100 Mrd. €.(s. www.boecklerimpuls.de, boeklerimpuls, 3, 2008 )
Wichtig ist in diesem Zusammenhang festzustellen, dass dies nur durch einen Exportüberschuss möglich ist. Das bedeutet, dass das Ausland in Deutschland mehr Güter einkauft, als es dafür liefert.
Das Ausland schuldet damit Deutschland gegenüber Leistungen. Im Geldsystem heißt das wiederum, Deutschland hat dem Ausland einen Kredit gegeben. Diesem Kredit steht ein Geldvermögen gegenüber. Mit anderen Worten, gleichzeitig zum Exportüberschuss ist Geld in das Ausland exportiert worden. Im obigen Papier habe ich das wie folgt ausgedrückt:
Der Geldexport erhöht sich im gleichen Maße wie der Güterexport. Dieser Fall liegt bei einem Exportüberschuss vor. Das exportierende Unternehmen könnte z.B. für den Güterverkauf die entsprechende Fremdwährung akzeptieren, die es dann in den jeweiligen ausländischen Real- oder Finanzmarkt anlegt. Genauso könnten aber auch im Austausch zur heimischen Währung Kapitalbesitzer in der Fremdwährung investieren. Beides entspricht auf der volkswirtschaftlichen Ebene einem Geldexport. Dem Exportland steht dieses Geld dann nicht mehr zur Markträumung zur Verfügung.
Entsprechend weist Deutschland 2002 in der Leistungsbilanz einen Überschuss von 48,2 Mrd. Euro und ein Kapitaldefizit von 42,8 Mrd. Euro auf. (s. Tabelle unten)
In der Leistungsbilanz wird neben der Handels- und der Dienstleistungsbilanz auch der grenzüberschreitende Transfer von Erwerbs- und Vermögenseinkommen (z.B. Überweisungen von ausländischen Beschäftigten in ihre Heimat) und die sogenannten laufenden Übertragungen (z.B. Zahlungen Deutschlands an die EU) erfasst.
Das Ausland muss diesen Überschuss natürlich bezahlen. Da eigene Lieferungen zum Bezahlen fehlen, muss sich dass Ausland in Deutschland verschulden. Mit jeder Milliarde Euro mehr Exportüberschuss wachsen die Schulden an. Der Schuldenberg des Auslands gegenüber Deutschland wächst also beständig. Dieser Vorgang wird etwas missverständlich als „Kapitalabfluss“ bezeichnet und scheint etwas Schlechtes zu sein. In Wirklichkeit ist es nur die logische Folge ständiger Exportüberschüsse.
Deutschland hat seit 2001 in der Leistungsbilanz einen Überschuss. Mithin seit 2001 auch ein „Defizit in der Kapitalbilanz“ – also einen Kapitalabfluss. Dieser Tatbestand wird genutzt, um die Bewertung umzudrehen: „Auf jeden Fall verlieren wir im Umfang des Außenbeitrags Kapital an das Ausland.“ (Sinn, Hans-Werner: Basar-Ökonomie Deutschland, S. 34.)
Ursache und Wirkung werden verkehrt. Es wird behauptet: Das Ausland verschuldet sich gegenüber Deutschland nicht weil die deutschen Produkte so begehrt sind, sondern weil Deutsche ihr Geld im Ausland anlegen. Der Exportüberschuss entsteht dann quasi von alleine. Keine Folge von Leistung, sondern lediglich von Kapitalflucht. Jedoch: Wenn deutsche Kapitalbesitzer ihr Geld nicht ans Ausland verleihen bzw. dort anlegen würden, dann könnten die Exportüberschüsse gar nicht bezahlt werden.
(aus: Wirtschaftspolitische Informationen 6/2005, Gewerkschaft verdi)
Mit anderen Worten, wenn Deutschland gegenüber der USA einen Exportüberschuss aufweist, leiht es den Amerikanern Geld. Im Falle der USA geht dieser Exportüberschuss nur solange gut, wie das Währungsverhältnis stabil bleibt. Sinkt der Dollar, sinkt auch der Wert der Schulden. Wir schenken den Amerikanern Geld. Eine andere Möglichkeit zeigt die Hypothekenkrise. Hier kann der Steuerzahler direkt sehen, wie sein Geld in den USA „verbraten“ wird. Das ist das Ergebnis, wenn zu sehr auf Exporte gesetzt wird.
Der Export ist sinnvoll, wenn dafür Güter eingeführt werden, die im Binnenmarkt nicht hergestellt werden können oder wofür die notwendigen Arbeitskräfte oder Ressourcen fehlen.
Auch die internationale Arbeitsteilung macht unter bestimmten Bedingungen Sinn. Ihre Befürworter berufen sich dabei auf die Theorie des „komparativen Kostenvorteils“, die 1806 erstmals von David Ricardo formuliert wurde.
Diese Theorie besagt, dass die Vorteilhaftigkeit des Handels zwischen zwei Ländern von den relativen Kosten der produzierten Güter zueinander abhängt, d.h. , wenn ein Land für ein produziertes Gut auf weniger Einheiten eines anderen Gutes verzichten muss als das andere Land. In diesem Fall sollte jedes Land sich auf das Gut spezialisieren, das es relativ (komparativ) günstiger herstellen kann. Die Theorie Ricardos beinhaltet eine Forderung nach einem weltweit freien Handel, der bei Spezialisierung der Staaten auf ihre komparativen Kostenvorteile zum Vorteil aller ist.
Vor allem der Autor Michael Dauderstädt weist in seinem Artikel: „Sind unsere Löhne zu hoch? Schlaflose Nächte in der Basarökonomie“ (s. Anhang) auf Ricardo hin. Dazu aber in einem weiteren Mail. Für heute möchte ich aus diesem Artikel nur eine Stelle zitieren, die das oben Gesagt bestätigt:
Aber, wie oben schon gesagt, alle Kosten in Deutschland zu senken, um alle Preise senken zu können, macht keinen Sinn, außer man will das Ausland dauerhaft mit Exportüberschüssen und dem dazugehörigen Geld beglücken. Die Kosten der einen sind die Einkommen der anderen. Wer die Kosten und damit die Einkommen senkt, muss sich fragen, wer die billigeren Produkte kaufen soll. Letztlich entspricht der gesamte Konsum in etwa der Bruttolohnmasse und nur, wenn diese wächst, wächst auch der Konsum und das Volkseinkommen. (M. Dauderstädt, S.10).
Vor allem die letzten zwei Sätze zeigen Übereinstimmungen mit Aussagen, die ich in einem Artikel über ein Wirtschaftsmodell formuliert habe http://hajosli.wordpress.com/2007/09/13/modelle/. Da heißt es am Anfang:
In einer Volkswirtschaft, die durch Geldwirtschaft gekennzeichnet ist, gilt, dass die volkswirtschaftlichen Ausgaben die zukünftigen Einnahmen sind oder anders betrachtet, bei einer stabilen Volkswirtschaft ist die Summe aller Ausgaben gleich der Summe aller Einnahmen.
(s. auch volkswirtschaftliche Buchhaltung der Gesamtwirtschaft, stat. Bundesamt)
Wenn dieses Gleichgewicht nicht mehr stimmt, wenn z.B. mehr ausgegeben wird als eingenommen, bedeutet es, dass mehr Güter produziert als konsumiert wurden. Eine Möglichkeit dieses Problem zu lösen, ist die Aufnahme von Schulden zur Markträumung des Warenüberschusses. Die USA verfolgt seit Jahren diese Politik, wobei zum großen Teil das Ausland das nötige Kapital bereitstellt. Deutschland verfolgt seit Jahren die Politik des Exportüberschusses, wobei der Warenüberschuss und damit der Gewinn ins Ausland transferiert wird, das dann den Schuldner stellt. Hintergrund für das volkswirtschaftliche Ungleichgewicht liegt, wie in der Modellbeschreibung ausgeführt, besonders in einer extremen Ungleichgewichtigkeit der Einkommensverhältnisse. Diese entstehen vor allem dann, wenn es in der Gesellschaft Möglichkeiten gibt, durch den bloßen Besitz von knappen, aber für alle notwendigen Gütern leistungsloses Einkommen zu erzielen. In einer modernen arbeitsteiligen Industriegesellschaft sind:
- Produktionsmittel knappe Güter. – Ihr Besitz führt zu Profiten.
- Weiterhin ist der Boden ein knappes, nicht vermehrbares Gut. – Sein Besitz führt zur Bodenrente.
- Geld ist ein solches Gut, denn das Geld ist nicht nur bloßes Tausch- , sondern auch Aufbewahrungsmittel, das durch Hortung dem Wirtschaftskreislauf entzogen werden kann. Dies ist die Liquiditätsreferenz des Geldes, die dazu führt, dass der Zins nicht unter den Liquiditätswert (erfahrungsgemäß 2%) sinkt. Der Besitz von Geld führt zum Zins als leistungsloses Einkommen.
Export und heimische Wirtschaft
Die Wirkung von Güterexport auf die heimische Wirtschaft
Politiker, Wirtschaftsfachleute und Unternehmer Land auf Land ab, betonen die Wichtigkeit der Exportindustrie als bedeutendes Standbein der Wirtschaft. Die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft wird beschworen. Stolz wird auf Deutschland als Exportweltmeister hingewiesen. Im Folgenden sollen diese Behauptungen und Setzungen auf dem Hintergrund der Wirkung von Export auf die Binnenwirtschaft untersucht werden.
Hintergrund dafür sind die Tauschmittel- und Güterströme zwischen den Währungsräumen. Während die Güter von einem Währungsraum in den anderen strömen, wandern die Tauschmittel in die Devisenmärkte und aus ihnen wieder heraus, dabei stellt sich, ein Gleichgewicht zwischen 4 Größen ein: Güterimport/-export; Geldimport/-export. Verändert sich eine Größe, so wird über den Wechselkurs ein neues Gleichgewicht nach folgender Gleichung eingestellt (in Anlehnung an Th. Koudela, Entwicklungsprojekt Ökonomie, EWK-Verlag, 2004, S.179):
Güterimport + Geldexport = Güterexport + Geldimport
Flusskapazitätsgleichung (FKG) des Außenhandels
(Ableitung Außenwirtschaft)
Wird auf der einen Seite ein Gleichungssummand erhöht, muss entweder auf der anderen Seite ein Gleichungssummand um denselben Betrag wachsen oder auf derselben Seite ein Summand damit erniedrigt werden.
Wenn der Güterexport wächst (Exportoffensive) bedeutet dies, die Veränderung der anderen Außenhandelsgrößen in Richtung eines neuen Gleichgewichtseinstellung. Folgende Möglichkeiten gibt es:
- Der Güterimport wächst im gleichen Maße wie der Güterexport. Dies ist unmittelbar einsichtig, denn Länder tauschen Güter aus. Die exportierte Warenmenge ist gleich der importierten, sonst entsteht ein Handelsdefizit oder -überschuss. Handelt es sich bei den Importgütern um solche, die auch im eigenen Land produziert werden, geraten diese Industrien unter Absatzschwierigkeiten bzw. Preisdruck, weil das Angebot steigt. Der Druck wird an die Lohnkosten weitergeben bis hin zur Arbeitslosigkeit. Hat also ein Industriezweig mit seinen Produkten im Inland Absatzschwierigkeit und versucht er, durch erhöhten Export auszuweichen, um Arbeitsplätze zu sichern, geschieht dies letztlich auf Kosten anderer Industriezweige, die nicht exportieren können (Beispiel könnte sein Autoindustrie/ Textilindustrie).
Die volkswirtschaftliche Absatzkrise lässt sich durch eine Exportoffensive nicht überwinden. Sie wird dadurch eher noch verstärkt.
- Der Geldexport erhöht sich im gleichen Maße wie der Güterexport. Dieser Fall liegt bei einem Exportüberschuss vor. Das exportierende Unternehmen könnte z.B. für den Güterverkauf die entsprechende Fremdwährung akzeptieren, die es dann in den jeweiligen ausländischen Real- oder Finanzmarkt anlegt. Genauso könnten aber auch im Austausch zur heimischen Währung Kapitalbesitzer in der Fremdwährung investieren. Beides entspricht auf der volkswirtschaftlichen Ebene einem Geldexport. Dem Exportland steht dieses Geld dann nicht mehr zur Markträumung zur Verfügung.
Auch hier wird deutlich, dass die binnenwirtschaftliche Absatzkrise nicht durch verstärkten Export gelöst werden kann.
- Das Gleichgewicht kann auch durch Minderung des Geldimportes wieder hergestellt werden. Das bedeutet, ausländische Kapitalgeber investieren weniger, z.B. zur Schaffung von Arbeitsplätzen.
Schlussfolgerung:
Die Lösung einer binnenwirtschaftlichen Absatzkrise kann nie in der Stärkung der Exportwirtschaft liegen. Die einzelne Firma mag ihre Absatzkrise mit verstärktem Export überwinden können, volkswirtschaftlich führt dies aber in eine Sackgasse. Der Export ist sinnvoll, wenn dafür Güter eingeführt werden, die im Binnenmarkt nicht hergestellt werden können oder wofür die notwendigen Arbeitskräfte oder Ressourcen fehlen. Ein binnenwirtschaftlicher Aufschwung muss durch die Kaufkraftstärkung der binnenwirtschaftlichen Leistungsträger getragen werden, die auch gleichzeitig Konsumenten sind. Das dazu notwendige Geld darf nicht in den Händen weniger konsumgesättigter Leistungsträger verbleiben, die es in Spekulationskassen verschwinden lassen.
Eine starke Exportwirtschaft kann durchaus Ausdruck einer schwachen Binnenwirtschaft sein, wenngleich auch das Umgekehrte gilt, dass eine starke Binnenwirtschaft sich eine starke Exportindustrie leisten kann.
Mit anderen Worten:
Der Export kann nur durch eine gute Binnenkonjunktur getragen werden, aber es gilt nicht der Umkehrschluss, dass ein starke Export zu einer guten Binnenkonjunktur führt.
Dies zeigen auch die statistischen Daten, die auf der Webseite von Joachim Jahnke veröffentlicht wurde (global news 1020 20-02-08; http://www.jjahnke.net/rundbr37.html#sonder).
Betriebswirtschaftliche Erkenntnisse lassen sich eben nicht 1:1 auf die volkswirtschaftliche Ebene übertragen.
Außenwirtschaft
Tauschmittel – und Güterströme zwischen zwei Währungsräumen
Wirtschaftliche Beziehungen zwischen zwei Währungsräumen werden durch Güteraustausch und der Möglichkeit von Geldanlagen im jeweiligen Ausland bestimmt. Es gelten dabei zwei Aussagen:
1. Aussage
Flusskapazitätsgleichung (FKG) des Außenhandels:
Güterimport + Geldexport = Güterexport + Geldimport (Ableitung, s. Anhang )
(Ableitung:ableitungfkg.doc)
Ob sich ein Gütertausch oder ein Geldanlage im jeweiligen Ausland lohnt hängt sehr stark vom Wechselkurs der Währungen ab.
2. Aussage
Der Wechselkurs beeinflusst die Geldströme und den Güteraustausch, wie die Geldströme und Güteraustausch den Wechselkurs beeinflussen.
Beispiel 1: Importschwemme (Außenhandelsdefizit); Geldflucht
Strömt viel heimisches Geld in den Devisenmarkt, z.B. durch starken Import oder starke Anlageaktivität von überschüssigem Geld im Ausland, so steigt das Geldangebot auf dem Devisenmarkt und der Wechselkurs fällt. Dieser fallende Wechselkurs bremst allerdings die Importflut und Geldflucht, weil die Importware teuerer wird – man muss mehr heimisches Geld für eine eingeführte Ware aufbringen – und die Geldflucht – das eigene Geld ist nichts mehr wert. Bei bestehendem Außenhandelsdefizit kann gemäß FKG eine Kursabwertung dann abgewendet werden, wenn gleichzeitig Geldimporte erhöht werden. Ein Beispiel dafür sind die USA und ihr Ölimport. Die Finanzeliten der Ölländer, z.B. Saudi-Arabien haben zugleich Zugriff zum Ölreichtum ihres Landes. Sie verkaufen ihr Öl gegen US-Dollar, die sie sofort in den USA anlegen und somit nicht die Devisenmärkte erreichen. Zur Abwehr deflationärer Tendenzen dürfen sie außerdem die Realgütermärkte nicht erreichen und werden in die spekulativen Märkte (u.a. Aktienmärkte) umgelenkt. Da der US-Dollar in vielen Länder als Zahlungsmittel akzeptiert wird, müssen diese Länder teilweise zum amerikanischen Währungsgebiet gezählt werden. Oft gibt es dann eine Allianz mit den Machteliten dieser Länder zur Ausplünderung des Rohstoffreichtums.
Beispiel 2: Exportoffensive
Fließt heimisches Geld aus dem Devisenmarkt, z.B. durch wachsenden Export, so entsteht dort eine starke Nachfrage nach dieser heimischen Währung, der Wechselkurs steigt. Das bremst aber gleichzeitig das Exportwachstum, da die Güter für das Ausland teurer werden . Gemäß der FKG kann der steigende Wechselkurs nur verhindert werden, wenn im selben Ausmaß der Import wächst. Handelt es sich bei den Importgütern um solche, die auch im eigenen Land produziert werden, geraten diese Industrien unter Absatzschwierigkeiten bzw. Preisdruck, weil das Angebot steigt. Der Druck wird an die Lohnkosten weitergeben bis hin zur Arbeitslosigkeit. Hat also ein Industriezweig mit seinen Produkten im Inland Absatzschwierigkeit und versucht er durch erhöhten Export auszuweichen, um Arbeitsplätze zu sichern, geschieht dies letztlich auf Kosten anderer Industriezweige, die nicht exportieren können (Beispiel könnte sein Autoindustrie/ Textilindustrie).
Beispiel 3 . Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Billiglohn – Ausland:
Arbeitsplätze , d.h. das Produktionskapital außer Land zu schaffen, ist sehr aufwendig (Ausnahme Dienstleistungssektor). Im besten Fall werden Produktionsmittelgüter im eigenen Land gekauft und ins Ausland geschafft, was den Binnenmarkt stärken würde. Probleme entstehen, wenn man Geld ins Ausland transferiert, um dort für die neuen Produktionsstätten entsprechende Güter zu kaufen (Geldexport). Entsprechend den Ausführungen im Anhang entsteht bei Geldexport ein erhöhtes Angebot der heimischen Währung am Devisenmarkt, der Wechselkurs fällt. Der fallende Wechselkurs erschwert Importe. Das gilt auch für die Einfuhr der nun im Ausland von der Firma produzierten Güter. Im Billiglohnland ist auch die Kaufkraft der Konsumenten geringer, entsprechend schwierig die Absetzbarkeit der nun hier produzierten Güter. Der kurzfristig Vorteil wird so langfristig aufgebraucht.
Beispiel 4 : Schaffung von Arbeitsplätzen durch Investition ausländischem Finanzkapitals
Die Folgen von Geldimport sind dieselben wie in Beispiel 2 beschrieben (s. Anhang 1): Heimische Währung fließt aus dem Devisenmarkt, bzw. durch den Umtausch von Fremdwährung in heimische Währung steigt die Nachfrage nach heimischer Währung. Soll der Wechselkurs nicht steigen, muß mehr Ware importiert werden mit der Folge: steigender Importe, größere Konkurrenz mit einheimischen Gütern, Absatzschwierigkeiten, schließlich Arbeitslosigkeit. Werden auf der einen Seite Arbeitsstellen geschaffen gehen sie auf de anderen Seite verloren. Die Investitionen zur Schaffung von Arbeitsplätzen müssen von dem überschüssigen heimischen Finanzkapital kommen und nicht vom ausländischen. Dazu muss der Lohnanteil am Bruttoinlandsprodukt erhöht, also der Binnenmarkt gestärkt und der Anteil von leistungslosem Einkommen erniedrigt werden.
Zusammenfassung: die Beispiele zeigen, dass die monetären Schwierigkeiten eines Währungsraumes (Geldüberschuß in den Händen Weniger; Hortung usw.) nicht zwischen den Währungsräumen gelöst werden können.
Der Wechselkurs zwischen verschiedenen Währungsräumen hat ausgleichende Wirkung.
Hoffnung der Freiwirtschaftler
Die Hoffnung der Freiwirtschaftler
Durch eine Gebühr auf Bar- und Giralgeld, sowie einer Gebührenstafflung von kurz- bis langfristig angelegtem Geld wird ein Zwang auf Finanzkapitalbesitzer ausgeübt, ihre Finanzen als Kredite der Wirtschaft zur Verfügung zu stellen, ihr Geld in die Wirtschaft fließen zu lassen, es auszugeben. Der durch das Verleihen von Geld fällige Zins wird dadurch gezwungen, sich marktkonform zu verhalten, d.h. bei großem Geldangebot kann er wegen fehlender Liquiditätspräferenz auch auf null gehen, bei erhöhter Nachfrage steigt er. Ein starkes Wachstum der Geldvermögen aufgrund des Zinseszinseffektes wird gemildert.
Die Hoffnung der Freiwirtschaftler besteht nun darin, dass durch den leichteren Zugang zum Finanzmarkt sich auch die Lage der Lohnabhängigen verbessert, z. B. durch stärkere Wirtschaftsinvestitionen und dadurch stärkerem Arbeitsplatzangebot. Einen starken Schuldenschub sehen sie nicht, da der Markt dann mit erhöhten Zinsen reagiert und da die Kreditaufnahme auch durch eine endliche Sicherheitshinterlegung begrenzt ist.
Ungleiche Einkommensverteilung
Die Wirkung ungleicher Einkommensverteilung auf unser Wirtschaftssystem
In der Diskussion über extrem hohe Einkommen weniger Personen wird häufig das Argument benutzt, es sei volkswirtschaftlich nicht von Bedeutung, es handele sich lediglich um eine Gerechtigkeitsfrage. Dem ist zu widersprechen. Eine einzige Person, wie der Deutsche Bank Chef Ackermann, lässt sich zwar von einer Volkswirtschaft verkraften, schwierig wird es, wenn es drei Hundert oder mehr solcher Personen gibt. Dieser Personenkreis ist nämlich kaum in der Lage, sein Einkommen als Konsum wieder auszugeben. Er wird seinen Überschuss anlegen und dadurch zukünftig noch höhere Einkommen erzielen, als er anfänglich hatte. Ein selbstverstärkender Prozess der Ungleichverteilung wird dadurch in Gang gesetzt, in der Technik bekannt als extrem instabiler, sich positiv verstärkender Regelkreis. Die Volkswirtschaft fährt notwendigerweise maschinengleich „gegen die Wand“. Ein Techniker würde hier nicht die Gerechtigkeitsfrage stellen, sondern versuchen, ein Dämpfungsglied in die positive Rückkopplung einzubauen.
Das folgende Beispiel soll das Ausmaß dieses Prozesses verdeutlichen. Zugrunde liegt die Einkommensstatistik des Jahres 2001, herausgegeben vom Bundesamt f. Statistik.
Danach erhielten im Jahre 2001 ca. 3 % der durch die Einkommensteuer erfassten Personen ca. 19 % des Gesamteinkommen1. In absoluten Zahlen ausgedrückt, erhalten ca. 858 Tsd. Personen ca. 179 Mrd. € als Einkommen, abzüglich ca. 102 Mrd. € Steuern, bleibt ein Nettoeinkommen von ca. 77 Mrd. €. Unter der Annahme eines durchschnittlichen Konsums pro Person von 60 Tsd. € im Jahr, würde die Ausgaben dieses Personenkreises ca. 51,5 Mrd. € (858 Tsd. x 60 Tsd. = 51,5 Mrd. ) betragen. Sie hätten dann einen Überschuss von 25,5 Mrd. €. Würde dieser Überschuss von 25,5 Mrd. € mit einer Rate R von 5% Zinsen bzw. Rendite angelegt, so würde dies nach der Sparformel Kn = R (SF) nach 15 Jahren ein Vermögen von 25,5 Mrd. € x 22 = 561 Mrd. € ergeben2. Die Rendite würde in diesem 15. Jahr bei einer 5%igen Anlage ca. 28 Mrd. € betragen. Der Überschuss hätte sich dann ohne zusätzliche Leistung etwa verdoppelt (28 + 25,5 = 53,5)3.
Für die Volkswirtschaft bedeutet dies, dass sich die ungleiche Einkommensverteilung zugunsten der bisher Begünstigten weiter verstärkt, und zwar exponentiell (s. Anmerkungen).
Welche gigantisch die Ungleichheit zwischen Arm und Reich inzwischen auf der Welt ist, zeigt der Kommentar von J. Jahnke über Superreiche: jjahnke-superreiche
Anmerkungen:
1. Eine andere Zusammenfassung ergibt: 1/5 der erfassten Bevölkerung erzielen die Hälfte des Gesamteinkommens als Einkünfte, die anderen 4/5 erhalten nur die andere Hälfte
2. Der Faktor SF gehorcht einer exponentiellen Funktion, die am Anfang langsam, am Schluss „rasend“ steigt. Im vorliegenden Fall hat SF mit n = 15 Jahren und 5% Zins- bzw. Renditesatz den Wert
SF = (qn – 1)/ (q-1) = (1,0515 – 1)/0,05 = 22
3. Die Berechnung der zusammengefassten Einkünfte En (jeweilige Rendite + Überschuss) kann auch wie folgt berechnet werden:
En = Kn(q-1) + R = R(qn – 1) + R = R(qn) R = jährliche Rendite + Überschuss
Im vorliegenden Fall für n = 15 und 5% Zinsfuss betragen die Einkünfte: 25,5 x 1,0515 = 53
Die Einkünfte gehorchen ebenfalls einer exponentiellen Funktion.
Nachhaltigkeit
Die Politik des ökologisch nachhaltigen Handelns
Umweltschutz – ökologisch nachhaltiges Handeln sollte umfassend verstanden werden: Jeder Arbeitsvorgang, der Material und Energie bewegt, zerstört deren Verfügbarkeit. Sie können dadurch niemals mehr in den Wirtschaftsprozess zurück geführt werden. Dahinter steht ein physikalisches Gesetz, das besagt:, dass in einem geschlossenem System die vorhandene Energie und Materie einem maximalen Zustand der Zerstreuung zustrebt. Die Vermischung, die Nivellierung von Potential und Gefälle, die Verdünnung, das Chaos – der Müll nimmt zu. Wärme wandert immer nur vom heißen zu kälteren Körper, die Scherben einer Tasse setzen sich nie von selbst wieder zusammen. Die Bodenschätze kann de Mensch immer nur verbrauchen und dadurch in die Umwelt zerstreuen. Recycling verlangsamt nur diesen Prozess. Irgendwann sind sie zum Verbrauch nicht mehr verfügbar. Nur bei der Energie gibt es eine Ausnahme: neue Verfügbarkeit kann durch die einzige externe Quelle – der Sonnenenergie – aufgebaut werden. Das heißt nur im Bereich der Energie und der organischen Stoffe gibt es diese Alternative. Bei den anorganischen Stoffen (Bodenschätze) gibt es nur die Möglichkeit des Sparens.
„ Es kann also nicht etwa zwischen Solarenergie und Einsparung gewählt werden. Vielmehr müssen beide Möglichkeiten mit äußerster Energie vorangetrieben werden.“ (Günter Moewes, Weder Hütten noch Paläste, Birkhäuser, 1995, S.22) . Die äußerste Anstrengung ist notwendig, weil wir im Umgang mit den Ölvorräten – jahrtausendelang gespeicherte Sonnenenergie – unsere Chancen vertan und leichtfertig verpulvert haben. Die Katastrophe hat dadurch schon begonnen:
Die Geschwindigkeit heutiger Klimaveränderung, vor allem aber ihre Unaufhaltsamkeit haben durchaus schon die Größenordnung einer Katastrophe. Selbst bei einem (politisch nicht durchsetzbaren) völligen Stopp des CO2‑Ausstoßes, würde sich die Erde infolge der Trägheit der Vorgänge noch etwa 30 Jahre lang weiter erwärmen. So lange braucht das heutige CO2 , um aufzusteigen und die Treibhaushülle von morgen zu bilden. Denn die Treibhaushülle von heute besteht aus dem CO2 von vor 30 Jahren und mehr Jahren. Auch ein heutiger, weltweiter völliger Stopp der FCKW‑Produktion würde nicht verhindern, daß das Ozonloch noch lange weiter wächst, wenn auch gebremst. (G. Moewes, S.25)
Ökologisches Wirtschaften bedeutet also, mit anorganischen Materialien sorgfältig und sparsam umzugehen und bei der Energie, soviel zu verbrauchen wie Sonnenergie zur Verfügung steht (Sonnenlimit)
Doch ist unser heutiges Wirtschaften so organisiert, dass sie diese Forderung erfüllen kann?
Unser augenblickliches Wirtschaftsmodell setzt auf unbegrenztes Wachstum, ein Wachstum spezieller Art. Bodenschätze und Energie gelten als unbegrenzt verfügbar.
In unserem Alltag erleben wir zum Beispiel ein Wachstum folgender Art: Ein junger zehnjähriger Mensch wächst jährlich um 10 cm in seiner Länge. Schließlich im Alter von mindestens 18 Jahren stoppt dieses Wachstum. Das heißt, wir sehen einen jährlichen konstanten Zuwachs, der schließlich auf null fällt. Es ist eine Länge von 180 cm erreicht. Die moderne Volkswirtschaft operiert mit einer Wachstumsrate, wenn sie ein konstantes Wachstum fordert. Ein solches Wachstum erfahren wir aber kaum in unserem Alltag, höchstens indirekt, von uns unbemerkt, wenn wir erkältet sind; denn Bakterien und viele andere Parasiten verhalten sich so in ihrem Wachstum. Schwierig wird es wenn wir unsere alltäglichen Wachstumsvorstellungen mit denen der Volkswirtschaft verwechseln. Eine Wachstumsrate ist das Verhältnis von Zuwachs zum vorhandenen Bestand. Auf das Beispiel des menschlichen Längenwachstums übertragen, betrüge die Wachstumsrate des 10jährigen 10%. Mit 18 Jahren betrüge seine Länge 2,14 m statt 1,80m. Er würde dann auch nicht aufhören zu wachsen und hätte mit 30 Jahren eine Länge von 6,70 erreicht. Der konstante Zuwachs der Alltagserfahrung wäre für einen Volkswirtschaftler eine Katastrophe. Die Wachstumsrate des 16jährigen wäre von 10% auf 6,25.% gefallen. Für ihn mündet der konstante Zuwachs in den Stillstand, obwohl absolut gesehen sich der Zuwachs nicht verändert hätte. Für den modernen Volkswirtschaftler ist dann nur die Wirtschaft gesund, wenn der Zuwachs ständig größer wird. Für die Natur führt dies wie bei den Bakterien in die eine tödliche Katastrophe. Wer also zukunftsgerichtet nachhaltig und ökologisch wirtschaften will, muß dieses Wirtschaftssystem in Frage stellen. Daran ist das Wirtschaftsprogramm de Grünen zu messen.
Ein weiteres Problem ist die unsere Vorstellung und Haltung zur Arbeit. In unserer Gesellschaft wird sowohl links, als auch rechts die Arbeit in den Mittelpunkt Weltanschauung gestellt. Durch Arbeit verwirklicht sich der Mensch. Vergessen wird dabei, dass sich die Eliten aller Epochen auch ohne Arbeit verwirklichen konnten. Vergessen wird auch, dass die Masse der Arbeitenden nur selten ihre Arbeit als Selbstverwirklichung angesehen haben, sondern eher als fremdbestimmte, weil lediglich existenzsichernde Fron. Insofern ist zwischen zwei Arten Arbeiten zu unterscheiden: Die selbstbestimmte Entfaltungsarbeit und die fremdbestimmte Qualarbeit. Dabei ist zu berücksichtigen, dass in jeder Selbstverwirklichung auch ein Stück Anstrengung steckt, die leicht zu Zwang ausarten kann und jeder Qualarbeit auch Anerkennung verbunden sein kann, vor allem, wenn sie als gesellschaftlich notwendig angesehen wird. Die Paradoxie dieser beiden Aspekte gipfelt in der Perversion des Mottos „Arbeit macht frei“ über den Eingängen der Nazi-Konzentrationslagern. Und auch die „Arbeitslager“ des GULAGs im Sowjetimperium zeugt von dieser Perversion. Sie zeigen wie in unserer Industriewelt der Begriff Arbeit zur Mystifizierung verkommt (Moewes S.85):
„Mit Beginn der Industrialisierung begann ein irrationaler, ideologischer Kreuzzug zur Mystifizierung, ja Fetischisierung der Qualarbeit, begann der Mythos der „Arbeitsgesellschaft“: ,Recht auf Arbeit“, Tag der Arbeit“, Partei der Arbeit“, „Arbeiterkultur, Arbeiterdichtung“ ‑die gegensätzlichen Kräfte der Gesellschaft wirkte, aus den gegensätzlichsten Motiven bei diese, Verherrlichung zusammen. Ursprünge dieser Mystifizierung lassen sich weit in die Geschichte zurückverfolgen. im wesentlichen aber entstand sie vor etwa 400 Jahren Es war die Vorstellung, dass Arbeit nicht mehr Strafe für den Sündenfall, sondern dass im Gegenteil die Nicht‑Arbeit Sünde sei. Sie entsprang vor allem den Vorstellungen des Protestantismus, insbesondere des Pietismus, wie es bei Max Weber nachzulesen ist. Die Philosophie erklärte den aufrechten Gang und den Gebrauch von Werkzeug zu Unterscheidungsmerkmal gegenüber dem Tier. Das Jahrtausende alte Arbeitsverständnis wurde völlig auf den Kopf gestellt und , nach und nach auch das Verständnis von Industrialisierung. Es wurde nach und nach auch von nichtprotestantischen Bevölkerungen übernommen, bis hin zu den heutigen asiatischen Tigerstaaten, entsprang aber dort nicht der Religion.“
(Dazu sein Kapitel „Arbeitsabschaffung oder Arbeitsbeschaffung?“ im genannten Buch;)
Unsere heutige Wirtschaft ist gekennzeichnet durch hohe Produktivität (BIP/Arbeitsstunde), auch abzulesen an dem realen Wachstum des Bruttoinlandproduktes (BIP). Dieses stieg seit 1965 um das 8fache. Das heißt durch den Einsatz von Maschinen als Hilfe für die Arbeit ist die Gesellschaft heute in der Lage weniger zu arbeiten als vor dem Maschineneinsatz. Diese Möglichkeit wird nun etwa nicht zu einer allgemeinen Befreiung von Arbeit bei gleichzeitiger Existenzsicherung genutzt, durch eine Ungleichverteilung der gewonnen Arbeitszeit. Die einen sind arbeitslos, haben keine Arbeit bei gleichzeitiger Herabsetzung ihrer Existenzgrundlage, die anderen müssen umso mehr arbeiten. Die Investoren für den Maschinen- und Arbeitseinsatz erheben einen Allgemeinanspruch auf den Maschinisierungsgewinn. (G. Moewe, s.o., S. 91):
„Man muß sich das einmal vorstellen: Man läßt von Arbeitern die Maschinen bauen, durch die sie dann überflüssig werden. Dann entläßt man sie, nicht ohne vorher ihre Existenzberechtigung an eben jene Erwerbsarbeit geknüpft zu haben, die man ihnen wegnimmt. Anstatt Arbeit abzuschaffen, wird so ein fiktiver Arbeitsbedarf immer schneller vermehrt: Je mehr Maschinen gebaut, desto mehr Arbeiter müssen ersetzt, desto mehr neue Arbeit muß ständig neu erfunden werden. Dieser Mechanismus gleicht einem Kettenbriefspiel: nach unerhörter Anfangsdynamik bricht er irgendwann abrupt in sich zusammen. Die Anfangsdynamik haben wir im Frühkapitalismus erlebt. Der Zusammenbruch tritt dann ein, wenn der unerhörte, ständig zunehmende Beschleunigungszwang, der in der Mathematik des exponentiellen Wachstums steckt, sich nicht mehr durch exponentiell steigende Beschäftigungserfindung kompensieren läßt, wenn das Wegbrechen ganzer Branchen wie Kohle und Stahl nicht mehr durch einen erfundenen „Strukturwandel aufgefangen werden kann.“
Oder (Götz W. Werner: Einkommen für alle, Kiepenheuer, 2007, S. 18 – 22) :
Man muss sich dieses Szenario in aller Konsequenz vor Augen halten: Ständig produzieren wir immer mehr Güter und Dienstleistungen, im Grunde mehr, als wir überhaupt verbrauchen können. Dafür müssen jedoch immer weniger Leute einer von anderen organisierten und bezahlten Arbeit nachgehen. Unser Problem ist bloß, dass wir das für ein Problem halten. Denn der große Menschheitstraum war immer, gefährliche, körperlich schwere, unangenehme oder monotone, sinnentleerte Arbeit abzuschaffen. Heute gelingt uns das dank der Maschinen und dank optimierter Arbeitsprozesse immer besser ‑ und wir jammern darüber, statt uns zu freuen, dass nun endlich Zeit für erfreuliche, sinnstiftende Tätigkeiten bleibt, die es uns erlauben, uns als ganze Menschen und nicht bloß als Arbeitssklaven und als Konsumenten zu entfalten.“
(Dazu sein Kapitel „Arbeit als Ausnahme“ im genannten Buch)
Zu lösen wäre dieses Problem durch ein Recht auf Existenzsicherung. „Ein allgemeines Grundeinkommen könnte die meisten dieser Probleme schlagartig beseitigen, weil es zum ersten Mal in der Geschichte einen wirklichen Arbeitsmarkt herstellt, auf dem die Anbieter von Arbeitskraft auf gleicher Augenhöhe mit dem Kapital agieren, weil sie aufgrund ihrer gesicherten Existenz Stellenangebote auch einmal ausschlagen können“ (Aus: G. Moewes, Maschinenarbeit statt Menscharbeit, Z.f.SÖ 154, 2007, S.12)
Eine ökologisch nachhaltige Wirtschaftsplanung muß sich daran messen lassen, ob sie das Problem an der Wurzel fasst, an den im System eingebauten Fehler.
Geld als knappes Wirtschaftsgut
MODELLE zur Abbildung von Wirtschaftsvorgängen in der Geldwirtschaft (2)
Besitz von Geld – Geld als knappes Wirtschaftsgut
Liquiditätswert
Geld kann im Vergleich zu einer beliebigen Ware ohne Kosten transportiert und bei nächster oder günstiger Gelegenheit (Schnäppchensituation) gegen eine Leistung entsprechend dem Tauschwert des Geldes eingetauscht werden (Schlagfertigkeit des Geldes). Bei einem Warentausch ohne Geld wäre das alles viel schwieriger. Geld macht den Waren- bzw. Leistungsaustausch zwischen Wirtschaftsteilnehmern flüssiger. (Liquidität). Diese Werte – Schlagfertigkeit , geringe Transportkosten (Allokationskosten) – werden als Liquiditätswert des Geldes bezeichnet, den das Geld durch gemeinsame Übereinkunft der Wirtschaftsteilnehmer und durch die Aufsicht des Staates erhält.
Es ist also ein Wert der durch gemeinschaftliche Anstrengung unter Beachtung gemeinschaftlicher Regeln entsteht. Es ist kein privater durch die Leistung eines Einzelnen entstandener Wert. Während der Zirkulation macht er sich nicht bemerkbar, sondern erst dann, wenn man Geld zurückhält, wenn man spart.
Wer Geld spart, also das Zirkulationsmittel zurückhält, weil er es z.B. wegen Vorsorge in den Sparstrumpf steckt oder spekulativ liquide hält (Liquiditätspräferenz), stört den Zirkulationsprozess und damit den Wirtschaftsprozess.
Diese Zurückhaltungsmöglichkeit zeichnet Geld gegenüber anderen Waren besonders aus. Es zeigt hier neben der Funktion als Zirkulationsmittel eine zweite Funktion, nämlich als Aufbewahrungsmittel, Vermögenswert.
Machtverhältnisse
Mit der Möglichkeit der Zurückhaltung bzw. Sparhaltung begründen sich aber auch Machtverhältnisse, und zwar in einer Geldwirtschaft anders als in einer reinen Warentauschwirtschaft.
In einer Warentauschwirtschaft kann auf zwei Arten gespart weder, indem man keine Waren abnimmt oder sie nicht für andere produziert und selbst verbraucht. Der Sparer fällt damit aus dem Wirtschaftsprozess heraus.
In einer Geldwirtschaft kann nur auf eine Art gespart werden, an der Abnahme von Waren bzw. Leistungen (Käuferposition). Benötigt der Käufer diese Ware bzw. Leistung nicht, weil er z.B. genug besitzt, befindet er sich gegenüber dem Produzenten – dem Verkäufer – in einer Machtposition, weil diesem Geld fehlt, um z.B. Schulden zu bezahlen oder Waren zu erwerben, deren er dringend bedarf. Der Produzent erhält nur dann vom Geldbesitzer Geld, wenn dieser seine produzierte Leistungen auch abnimmt.(s. 1)
Allgemein ausgedrückt haben in der Geldgesellschaft die Besitzenden ein besonderes Machtverhältnis gegenüber den Nichtbesitzenden. In dieser Situation befinden sich manche Unternehmer wie die Lohnabhängigen in einer ähnlichen Lage, für diese allerdings weniger dramatisch, als für die Lohnabhängigen. Die Unternehmer müssen ihre Ware absetzen, um u.U. Geld zur Kreditzurückzahlung zu erhalten, die Lohnabhängigen können nur ihre Arbeitskraft anbieten, um Geld für ihren Lebensunterhalt zu verdienen. (s. 1). Trotz seiner Verschuldung besitzt der Unternehmer immerhin noch die Produktionsmittel, die ihn in die Lage versetzen, leistungsloses Einkommen zu erzielen (Mehrwert/Profit) und er kann die Kapitalkosten über die Preise den Konsumenten aufbürden.
Zins als Allokationsmittel
Welche Möglichkeiten gibt es, Geld wieder in Zirkulation zu bringen, um ein Erliegen des Wirtschaftsprozesses zu verhindern?
Verwirklicht ist ein Belohnungssystem: Der Zins.
Der Zins ist der Preis dafür, dass der Geldbesitzer sein Geld an einen Schuldner verborgt, der es in der Regel durch Konsum oder Investition in die Zirkulation leitet. Er wird durch den Zins belohnt, weil er die Liquidität des Geldes (Liquiditätswert) und damit seine Machtposition aufgibt. Der Liquidäswert, den der Geldbesitzer dem Geld beimisst, beträgt nach heutigen Erfahrungen im Durchschnitt etwa 2% des verborgten Geldbetrages. Darunter wird der Zins nicht sinken.
Ist der Kredit plus Zinsen getilgt, hat der Gläubiger mehr an Leistung bzw. Wert zurück erhalten, als er selbst für das geborgte Geld aufgewandt hat, mindestens den Liquiditätswert (s. 2). Er hat leistungslos mehr Geld erhalten, Mehrwert. Der angeeignete Liquiditätswert ist nicht durch seine Leistung entstanden, sondern durch die der Allgemeinheit. Diese Forderung nach Mehrwert muss der Schuldner als Produzent in Form einer Mehrleistung erbringen, es sei denn er kann diese Forderungen weiterreichen – der Zwang zum wirtschaftlichen Wachstum ist so vorprogrammiert. Letztlich werden die Forderungen dort hängen bleiben, wo die wirtschaftlich meist unterlegende Machtposition ist, weil dort der Konsum existentiell notwendig ist, beim Lohnabhängigen. Dieser besitzt nichts anderes als seine Arbeitskraft (s.o.). Der renommierte, bereits früh verstorbene Verfassungsrechtler D. Suhr nannte dies in seiner Untersuchung über unser Geldsystem (D. Suhr: Der Kapitalismus als monetäres System, Campus Verlag 1988) die „Asymmetrie von Verkauf und Kauf“ (s. 1)
Die Möglichkeit, Geld zurückzuhalten und Zins zu fordern, ist dort am größten, wo aufgrund von Besitz kaum noch Konsumbedarf ist. Hier ist man auch in der Lage, dass Geld so lange zurückzuhalten oder anderweitig einzusetzen (Spekulation, Transfer in den Finanzmarkt), bis der Zins den Liquiditätswert wieder überschritten hat.
Dieses Prinzip aus Geld mehr Geld zu machen stand schon am Anfang des Kapitalismus. Es waren die Händler die so verfuhren und heute noch verfahren: Mit Geld kauften sie Waren unabhängig von ihrem eigenen Warenbedürfnis, um diese wieder mit Gewinn zu verkaufen: G —W— G + MG. Historisch gesehen, sammelten sich zunächst dadurch viele Waren (Warenhäuser) und schließlich bei Perfektionierung des Geldsystems Geld (Geldkapital) in privater Hand an. Dies war Voraussetzung für die Bildung von Manufakturen und dann für Unternehmen allgemein. Diese Haltung G – W –G + MG hat den ganzen Wirtschaftsprozess bestimmt und bestimmt ihn noch heute. Sie wurde und wird über die notwendige Vergabe von zinsbedingten Krediten an Unternehmen zur besonderen Notwendigkeit der gewinnorientierten Produktion.
Durch die Möglichkeit des Geldbesitzers Zins, einzunehmen, wird seine Machtposition immer stärker, wächst sein Geldguthaben und damit seine Forderung nach Geld, und zwar im Prinzip exponentiell, auf jeden Fall stärker als linear. Die Position des Schuldners wird immer schwächer und damit seine Fähigkeit zur Schuldentilgung, bis er schließlich Konkurs anmelden muss. Der Zusammenbruch von verschuldeten Unternehmen – die wirtschaftliche Krise – verhindert insgesamt aber, dass die Nachfrage (die Knappheit) nach dem Zirkulationsmittel Geld abnimmt, da ja die Nachfrage nach Leistungen und Waren nicht verschwindet, eher noch zunimmt. Die Möglichkeit der Zinsforderung bleibt durch dies Knappheit erhalten. (s. 3)
Zusammenfassend kann gesagt werden: das Zinssystem in der Geldwirtschaft sorgt dafür, dass das Geld – der Vermittler des Leistungsaustausches – dort hinfließt und konzentriert wird, wo kein Bedarf ist – zu den konsumgesättigten Besitzenden – und dort in zunehmenden Maße fehlt, wo es zum Leistungsaustausch benötigt wird – die Masse der Nichtbesitzenden (s. 4). Je älter die Volkswirtschaft wird, desto dramatischer wird diese Situation. Die Geldguthaben, d.h. die Forderungen nach Geld werden immer größer und konzentrieren sich in den Händen Weniger und der Schuldenberg der Produzenten wird immer größer.
Würden die Geldguthabenbesitzer ihre Forderungen in Leistungen umtauschen, könnte der Schuldenberg abgebaut werden, weil es ja genug Leistungswillige (Arbeitslose) gibt. Die Wenigen haben aber keinen Bedarf nach Leistungen, weil sie schon alles besitzen. Von 1950 bis 2001 stieg das Geldvermögen in der BRD von ca. 30 Milliarden Euro auf 6 Billionen Euro nominal bzw. 1,2 Billionen real. Dieses Geldvermögen ist ausgesprochen unsymmetrisch. Laut ARD Tagesschau vom 02.03.2005 besaßen 20% der Bevölkerung 2/3 des Geldvermögens.. Im Jahre 2001 standen dem Geldvermögen 6 Billionen Euro Schulden gegenüber, die sich zu ca. 70% auf die Unternehmen, zu 25 % auf den Staat und zu 5 % auf Private verteilen (s. 5 u. 6).
Das ist also die Erklärung dafür, dass einem Heer von Leistungsanbietern – 5 Millionen Arbeitslose – ein großer Bedarf an Leistungen im privaten und staatlichen Bereich gegenübersteht, ohne dass die beiden Seiten zusammenkommen, weil Geld von denen gefordert wird, die es nicht nötig haben und es dort fehlt, wo es nötig ist.(s. 7)
Eine wichtige Ursache für diese Fehlleitung liegt in dem Belohnungssystem der Zinsnahme.
Welche andere Möglichkeit gibt es, Geld wieder in Zirkulation zu bringen, damit es seine eigentlich wirtschaftlich bedeutende Funktion, der Vermittlung zwischen Bedarf und Leistung ausüben kann?
Lösung
Die wirtschaftlich Handelnden versuchen, die Lösung des Problems in der Produktionssphäre zu finden. Sowohl Kapitalismusvertreter als auch ihre Kritiker von den Gewerkschaftlern bis zu den Sozialisten klammern sich dabei an den Antagonismus zwischen Arbeitgebern (Produktionsmittelbesitzer) und Arbeitnehmern (die eigentl. Ihre Arbeit geben). Die einen preisen die Rendite (den Profit) als Menschheitsbeglücker und Naturereignis, die anderen verdammen die Profitgier. Die einen fordern Entlastung auf der Angebotsseite (Neoliberalismus), die anderen Stärkung der Nachfrage (Keynes).
Beide bemerken nicht, wie das Finanzkapital ihnen diese Bedingungen mit der Formel, aus Geld mehr Geld zu machen ( Geld – Ware – Geld + M ehr Geld), diktiert. Sie merken gar nicht, vor allem die Unternehmer des Mittelstandes nicht, dass beide, Unternehmer und Arbeitnehmer, im gleichen Boot sitzen. Sie lamentieren über die Schulden des Staates und vergessen die eigene Schuldenlast. Der Staat hat sich aus der Verantwortung für die Zirkulationsphase (Geldstabilität) zurückgezogen und sie der Notenbank übertragen, die mit ungenügend wirksamen Instrumenten verzweifelt versucht, die Geldmenge und Geldumlaufgeschwindigkeit im Sinne einer Stabilität zu regulieren.
Sie alle ignorieren die Probleme in der Zirkulationsphase.
Diese Ignoranz aber, in der Zirkulationssphäre ein systemimmanentes Problem zu sehen, verhindert die Lösungsfindung
Man vergegenwärtige sich noch einmal die Vor – und Nachteile des Geldes und des damit verbunden Zinses für eine Volkswirtschaft:
Geld steht für einen unvollendeten Tauschvorgang
Vorteil: Transportfunktion
- · Die Geldwirtschaft ist die Basis für eine moderne arbeitsteilige Wirtschaft und die Voraussetzung für wirtschaftlichen Fortschritt. Die Aufgabe des Geldes (= Bargeld + Giralgeld) ist es, Tauschvorgänge räumlich und zeitlich aufzubrechen.
- · In einer fortgeschrittenen Geldwirtschaft haben dabei die Schulden (Kredite) und die spiegelbildlich entstehenden Geldguthaben (=Forderung auf Geld) die Funktion, diese Tauschvorgänge langfristig aufzubrechen, d.h. sie sind Voraussetzungen für die Möglichkeit von Investitionen.
- · Wie Geld den Warenkreislauf beschleunigt, beschleunigen die Schulden/ Geldguthabenverhältnisse den Geldkreislauf.
Vorteil: Wertaufbewahrungsfunktion: Geld kann wegen seiner in Relation zu anderen Waren großen Dauerhaftigkeit zur Wertaufbewahrung benutzt werden.
Nachteil: Das Geld, als Wertaufbewahrung benutzt, wird dem Wirtschaftskreislauf entzogen . Diese Zurückhaltung hemmt diesen Kreislauf bis zum Zusammenbruch.
Zins ist die Forderung nach mehr Geld. Es muss zwischen Haben- und Sollzinsen unterschieden werden.
Habenzinsen:
- · erwünschte Funktion die Aufrechterhaltung des Geldkreislaufes. Der Habenzins ist der Anreiz dafür, dass Geld, wenn es nicht durch Kaufvorgänge weitergegeben wird, durch Verleihen in den Geldreislauf kommt und somit diesem NICHT durch Hortung („Halten von Realkassa“) entzogen wird.
- · unerwünschte Funktion: Positive Habenzinsen führen zu positiven Rückkopplung, exponentiellen Wachstum und damit langfristig zwingend zu Destabilisierung von Ökonomie, Politik, Ökologie und Sozialbereich. (HAUPTPROBLEM!)
Sollzinsen:
- · erwünschte Funktion: sparsamer Umgang mit knappen Ressourcen. Gäbe es keine Sollzinsen, würde sich Jedermann u.U. beliebig viel Geld ausleihen oder es müsste die Kreditverteilung unter Ausschaltung eines Marktes rationiert werden.
- · unerwünschte Funktion: wegen der Abzinsung künftiger Geldflüsse entsteht eine systematische Abwertung der Zukunft, mit sich daraus ergebenden Problemen für die Ökologie und für den schonenden Umgang mit Ressourcen.
Deswegen kann die Lösung des Problems nur in einer derartigen Modifizierung des Geldsystems liegen, dass die erwünschten Funktionen erhalten bleiben und die unerwünschten Auswirkungen vermieden werden.
Hier muss der Diskurs geführt werden!
Eine langfristig wirksame und nachhaltige Therapie kann nur in Maßnahmen liegen, die verhindern, dass Guthaben und Kapitaleinkommen rascher wachsen als das BSP, dass also insgesamt durch Besitz von knappen gesellschaftlich nötigen Gütern, im großen Stil leistungsloses Einkommen erzielt wird.
Das kann sein:
- eine Besteuerung der Kapitalvermögen
- eine Besteuerung von Kapitalerträgen
- eine Besteuerung liquider Mittel durch Einführung einer Rückhaltegebühr (s. H. Creutz: Das Geldsyndrom; u. www.INWO.de)
- Steuern in der Art der Tobin‑Steuer, bzw. Besteuerung von Finanztransfer)
- periodischer Schuldenerlass, vor allem beim Staat (dazu s. 8)
Anmerkungen und Literaturzitate
(1): D. Suhr: Der Kapitalismus als monetäres System, Campus Verlag 1988, S. 15:
…. Vielmehr lässt .. sich die unterschiedliche Machtposition (d. Verf.) schon in jedem einzelnen, kleinen Geschäft mit Geld und Ware beobachten, in dem sich der geldbesitzende Käufer und der Verkäufer eigener Ware oder Arbeit gegenüberstehen. In allen diesen Geschäften zeigt sich eine Asymmetrie. (Suhr 1983, S. 22ff.; Suhr/Godschalk 1986, S.28ff.) Sie hängt zusammen mit zwei Geldeigenschaften: Erstens mit der optimalen Tauschbarkeit des Geldes, die von seiner allgemeinen Äquivalentform herrührt, zweitens damit, dass es dem Geldbesitzer als „Schatzbildner“ freisteht, sein Geld nicht als Käufer auszugeben, sondern zurückzuhalten („naive“ Schatzbildung) oder Kapitalzwecken zu widmen (kapitalistische „Schatzbildung“ mit Mehrwertgenerierung)……..
An die Stelle des „identischen“ und symmetrischen Austauschprozesses der Tauschwirtschaft tritt die asymmetrische Struktur von Verkauf und Kauf: Der Käufer kann kaufen wann er will, und er braucht nicht unmittelbar zu kaufen, wenn er selbst verkauft hat. Der Verkäufer aber bleibt auf seiner Arbeitskraft oder Ware sitzen, wenn und solange es dem Geldbesitzer beliebt, nicht oder noch nicht zu kaufen. Wer aber seine Arbeit oder Ware nicht loswird, weil er dabei vom Kaufwillen der Geldbesitzer abhängt, - wer insbesondere seine eigene Arbeit nicht als Ware verkaufen kann, der kann anschließend auch nicht als Käufer auftreten: der kann sich nicht die Lebensmittel und Produktionsmittel besorgen, deren er bedarf, um zu leben, zu arbeiten, zu produzieren und zu konsumieren…………….
Diese Macht des Geldes ist nicht die Macht des Verkäufers, der unbewegliche Ware oder Arbeit bietet, sondern die des Käufers, der das bewegliche Geld in der Hand hat. Und sie ist die Macht des Geldgebers, der mit dem Geld über die Macht verfügt, andere zu Verkäufern zu machen. Wer innerhalb der Gesellschaft reich ist, der kann sich typischerweise in die Rolle des Geldbesitzers und Käufers begeben. Wer dagegen sieht sich typischerweise immer wieder auf die Rolle des Verkäufers verwiesen? Die Antwort ist einfach: Wer von seiner Arbeit leben muss, der muss seine Arbeit als Ware verkaufen, hat also die schlechtere Waren-Karte des Wirtschaftsspiels in der Hand. Wer dagegen irgendwelche seiner Güter nicht selbst gebrauchen muss, der kann sie versilbern und zu Geld machen: Dann hat er Anteil am „gesellschaftlichen Monopol“ des „allgemeinen Äquivalents“ Geld , vermittels dessen die „gesellschaftliche Macht“ „Privatmacht“ wird. Wenn es richtig ist, dass keiner verkaufen kann, ohne dass einer kauft, aber keiner kaufen muss, nur weil er schon verkauft hat: dann sitzt der Käufer mit seinem Geld in der Tat am längeren Hebel, – dann ist denkbar, dass er die Situation ausnutzen kann, um mehr als ein Äquivalent herauszuschlagen, – dann ist denkbar, dass der Verkäufer der Ware „Arbeitskraft“ weniger als ein Äquivalent bekommt. Denn wer am längeren Hebel sitzt, kann mehr Druck ausüben. Er hat die größere Verhandlungsmacht, während der andere unter Verhandlungsdruck gerät. So kommt ein ungleiches Geschäft zustande, bei dem der Geldbesitzer einen Preis heraushandeln kann, der den Preis unter Gleichgewichtsbedingungen übersteigt.
(2): Zur Erklärung und Verteidigung der Forderung nach Zins wird häufig angeführt, dass ja auch Leihfirmen von Maschinen Miete fordern. Der Vorteil von Geldbesitzern gegenüber diesen Maschinenbesitzern besteht darin, dass Geldbesitz kaum der Abschreibung und Abnutzung unterliegt. Außerdem ist Geld universell einsetzbar und der Bedarf danach hängt nicht von speziellen Verwertungswünschen ab, wie etw. beim Rasenmähen.
(3): D. Suhr, ebenda
„…….Wer die Zirkulation stört, der liefert negative Beiträge zur Produktion der Liquidität. Das kann man auch so ausdrücken: Er verursacht gesellschaftliche Kosten. Während also der Kassehalter den Nutzen der Liquidität genießt, produziert er zugleich Kosten für die anderen, und zwar in der Gestalt, dass er ihnen das ökonomisch erforderliche Zirkulationsmittel verknappt. Wenn nun die anderen Wirtschaftsteilnehmer Informations- und Transaktionskosten dadurch sparen wollen, dass sie das Transaktionsmittel „Geld“ verwenden, dessen Liquidität sie selbst produzieren, so müssen sie den Geldanleger dafür bezahlen, dass er von seiner Sabotage des Zirkulationssystems ablässt. Die Kosten, die diese Sabotagekompetenz der Geldanleger verursacht, tragen wiederum die Produzenten und Konsumenten, die ohne Geld nicht effektiv und „schlagfertig“ verkaufen und kaufen können. Es kommt aber noch etwas hinzu: Die mit der Liquidität verbundenen Kosten werden nicht gleichmäßig auf alle verteilt, die das Geld für ihre Transaktionszwecke als Konsumenten und Produzenten gebrauchen. Ganz im Gegenteil: Je wohlhabender solche Konsumenten und Produzenten schon sind, – je weniger sie also auf Kreditweise Vorfinanzierung ihrer Produktionsmittel (Fremdkapital) oder ihres Konsums (Konsumentenkredite) angewiesen sind, desto weniger Zinsen kommen auf sie zu. Je ärmer sie aber sind, je stärker sie also ihre Produktion oder gar ihren Konsum auf Kredit finanzieren müssen, desto mehr bekommen sie mit Krediten zu tun, desto mehr Zinsen haben sie zu tragen.“.
So nahmen 1990 in der BRD 10% der Bevölkerung mehr Zinsen ein als sie hauptsächlich über die Preise zahlten und 80% zahlten mehr Zinsen als sie nahmen (s. 9). Profiteure dieses Zinssystems sind mit ihrer Zinsmarge auch das Banksystem, da die Zinsmarge ein Teil des Zinses ist, der genauso wie jener einen Zinseszinseffekt hat.
(4): Genauer: Das Geld strömt dorthin, wo kein Bedarf ist, wird entweder zu Spekulationszwecken zurückgehalten oder in eine Forderung + leistungslos Zinsforderung an Schuldner umgewandelt, die es u. U. in den Zirkulationsprozess zurückführen
(5): Quelle:H. Creutz, Das Geldsyndrom, 5. Auflg., 2001, Eucon-Verlag
(6): Wie kommt es zu diesem riesigen Geldvermögen?
Bestimmt man aus den empirischen Daten von 1960 bis 2001 die Wachstumskurve des nominellen Geldvermögens, so ergibt sich die Form einer Exponentialkurve nach der Funktion
K = K0 (1 + z)t (Zinseszinsformel; Z = Zinsfuß/100) bzw. K = K0 ec t mit c = ln (1 + z)
Anmerkung: Trägt man die Daten in einem logarithmischen Maßstab auf, so ergibt sich eine Gerade, ein Beweis dafür, dass die ursprüngliche Funktion eine Exponentialfunktion ist. Log (1 + z ) wäre die Steigung der Geraden.
Danach betrug die jährliche Zuwachsrate dieser Kurve ca. 9 %: Dies kann so interpretiert werden, dass das Geldvermögen nach der Zinseszinsformel mit einem Zins von ca. 9 % gewachsen ist.
Mit anderen Worten das Geldvermögen von 6 Billionen Euro ist durch die Zinsdynamik, also durch leistungsloses Einkommen entstanden.
Demgegenüber besteht die gängige Auffassung darin, dass Geldvermögen aufgrund von Sparen des durch eigene Leistung verdienten Geldes entsteht. Die Sparsumme der privaten Haushalte betrug im Jahre 2001 138 Mrd. Euro (lt. Stat. Bundesamt), das sind nur ca. 2% des Geldvermögens. Es darf deswegen bezweifelt werden, dass Sparen das Wachstum des Geldvermögens von ca. 9% hervorruft.
In einer abgeschlossenen Geldwirtschaft führt die Zinsdynamik gesamtwirtschaftlich notwendigerweise zu einem Wachstum der Schulden und damit des Geldvermögens der Gläubiger1. Dieses Wachstum könnte nur verhindert werden, wenn der Gesamtgläubiger die Leistung, die der Gesamtschuldner zur Bezahlung der Zinsen aufbringt, im Austausch von Geld abnehmen würde. Da der Gesamtgläubiger aber keinen Bedarf für die angebotene Leistung hat, verbleibt der Zins als Schuld beim Gesamtschuldner und erhöht so das Geldguthaben bzw. Geldvermögen des Gläubigers 1.
In der Realität ist die Geldwirtschaft so angelegt, dass in der Gesamtwirtschaft das Geld, das zur Deckung der (durch den Zins) zusätzlichen Leistung notwendig ist, von der Zentralbank hauptsächlich über Kredite in Umlauf gebracht wird.
Übrigens: Die Zentralbank bzw. der Staat könnte dieses Wachstum stoppen, indem sie das Geldvermögen durch eine Währungsreform auf die Größe der gesamtwirtschaftlichen Leistung, nämlich des BIP reduzieren würde. Diese Möglichkeit erscheint als extrem unwahrscheinlich, wurde aber in der Vergangenheit z.B. der Währungsreform nach dem zweiten Weltkrieg realisiert. Im Mittelalter war die Einrichtung der Brakteaten ein Beispiel für das Prinzip der regelmäßigen Entwertung des Geldes.
1 2. Hauptsatz der Volkswirtschaftslehre in E. Glötzl: Die Krise einer alternden Volkswirtschaft, Linz, Sept. 2001.
(7) Kapitalistische Eigentumsformen als Folge kapitalistischen Geldes
Der Geldkapitalist verfügt aber nicht nur über das Mittel, sich den Mehr- wert in Gestalt der Zinsen auszubedingen. Er sitzt auch am längeren Hebel, wenn es darum geht, als Geldgeber mit einem Unternehmer über die Bedingungen einer Beteiligung zu sprechen. Er kann sich Entscheidungsrechte vorbehalten, die er nicht ohne weiteres durchsetzen könnte, hätten Geldgeber nicht die Macht, dem Unternehmer das Medium der ökonomischen Kommunikation zu überlassen oder eben auch vorzuenthalten. Er kann weitgehend die Bedingungen vorschreiben, denen die anderen sich fügen müssen, bevor er ihnen das lebensnotwendige Transaktionsmedium zur Verfügung stellt. Zu diesen Bedingungen, die der Kapitalist sich als Geldgeber ausbedingen kann, gehört nicht nur, dass man Zinsen zahlen muss, wenn man sich Geld leiht. Dazu gehört auch, dass ein Kapitalgeber, der sich mit Produzenten zusammentut, um etwas zu produzieren, die besseren Karten in der Hand hat und die Spielregeln bestimmen kann, nach denen das Spiel „Produktion“ in Unternehmen gespielt wird. Die „Spielregeln“ der Produktion, – das sind die „Produktionsverhältnisse“ einschließlich der eigentumsrechtlich ausgeformten Dispositionsbefugnisse des Kapitals im Unternehmen. Das bedeutet vor allem die Produktion von Waren unter dem Diktat der Profitmaximierung (G – W – Produktion – W‘ – G+ MG ). Dabei ist der Zins nicht bloß eine Erscheinung des Profits. Er unterscheidet sich von diesem in besonderen Maße: (1) Der Zins wird zuerst ausgehandelt, erst dann wird das Geld unter Risikominimierung (Sicherheiten) verliehen. Um einen Gewinn, der immer mit einem Risiko behaftet ist, zu erzielen, muss vorher Geld ausgeliehen und investiert werden. (2) Der Zins kann im Gegensatz zum Profit weder theoretisch noch praktisch auf Null fallen. (3) Die Summe aller Zinsen nimmt proportional mit den Investitionen und der Kapitalmasse zu. Die Summe aller Gewinne geht in dieser Hinsicht relativ zurück (Tendenzielle Fall der Profitrate) Es überrascht also überhaupt nicht, dass unter den Bedingungen des kapitalistischen Geldes sich Eigentumsformen herausgebildet haben und gesetzlich kodifiziert bzw. anerkannt wurden, bei denen der Kapitalgeber das letzte Wort hat.
(8) G:.Simon, Schwungrad der Finanzkrise, in FraRundsch, 4.12.03, 2003, URL: http://www.fr-aktuell.de/uebersicht/alle_dossiers/politik_inland/die_alternative/die_woche_des_geldes/?cnt=351558)
Geld-Profit-Schulden
Wachstums- und Schuldendynamik im entwickelten kapitalistischen Wirtschaftssystem
In einer arbeitsteiligen Wirtschaft ist Geld ein Zirkulationsmittel, das den Leistungsaustausch zwischen den Wirtschaftsteilnehmern erleichtert bzw. erst ermöglicht: das Geld fließt in die eine Richtung, während in die andere die andere die Leistung strömt, wo Bedarf dafür ist.
Dabei gilt, daß über die Gleichwertigkeit (Äquivalenz) des Geldes zur Leistung (Maßstabfunktion des Geldes) Leistungen gegen Leistungen getauscht werden, auch im Falle eines Schuldners, in der Regel ein Unternehmer, nämlich bei der Kredittilgung. Der Leistungsaustausch beschreibt die Warenseite des aus gegenläufigen, von einander abhängigen Kreislaufströmen (Geld-/Warenströme). Gesamtwirtschaftlich gesehen, werden die in Unternehmen (Gesamtunternehmer) hergestellten Produkte von denen abgenommen, die sie mehrheitlich hergestellt haben. Werden weniger Waren abgenommen, so verbleibt ein Mehr an Waren beim Unternehmer. Dies führt letztlich zum Mehrwert bzw. zum Profit. Der Gesamtunternehmer kann den Produktüberschuss selber konsumieren oder er hat ein Verwertungsproblem.
Das Verwertungsproblem besteht darin, daß der Gewinn im kapitalistischen System durch ein Mehr an Geld realisiert wird ( G —W— G + MG). Der Warenüberschuß (Mehr an Waren) erhält erst durch den Umtausch in Geld seinen Wert (Mehrwert, Gewinn).
Wo aber sind die Abnehmer, die dafür das Geld geben? Das können ja nicht die Leistungslieferanten (in der Mehrzahl Lohnabhängige) sein. Sie haben mit ihrem als Einnahmen, Einkommen, bzw. Lohn vom Unternehmer erhaltenem Geld den Teil der Waren abgeräumt, der äquivalent als Kosten zu diesem Geld ist. Der andere Teil ist der Warenüberschuss. Wie könnte eine Verwertung des Warenüberschusses aussehen?
- Durch das größere Warenangebot gehen die Preise im Durchschnitt runter, die Lohnabhängigen können mehr kaufen. Oder sie erhalten einen höheren Lohn und können sich dadurch mehr kaufen. Das Mehr an Waren wird so als Mehrwert zu den Lohnabhängigen transferiert – nach Marx und den Kapitalismusvertretern ein unwahrscheinlicher Fall, weil das Erzielen von Profit (Mehrwert) für den Unternehmer überlebensnotwendig ist.
- Die Unternehmerschaft könnten den Warenüberschuss selbst konsumieren, indem sie ihn untereinander abnehmen (kaufen). Das dafür notwendige Geld wird durch Kredite bereitgestellt, die beim gegenseitigen Leistungstausch wieder getilgt werden. Sie konsumieren so den Profit durch ihr Luxusleben – Bauen von Palästen, von Panzern, Reisen zum Mond u.a.. Dies schafft soziale Probleme und ist nur begrenzt möglich.
- Eine besondere Art des Unternehmerkonsums ist die Investition., wobei auch hier wieder Kredite eine Rolle spielen (s.o.). Investitionen führen zu Produktionssteigerungen entweder durch Produktionsausweitung oder Produktivitätssteigerungen. Wird diese nicht an die Lohnabhängigen durch Arbeitszeitverkürzung weitergegeben, vergrößert sich der Warenüberschuss und damit das Verwertungsproblem.
- Oder der Warenüberschuss wird ohne gleichzeitigem Import ausländischer Ware in andere Länder exportiert. Das Heimatland hat dann einen Exportüberschuss. Der ausländische Empfänger hat entweder Schulden, für die er Zinsen zahlt oder die als Gegenwert gezahlte ausländische Währung wird vom Exporteur in die ausländische Wirtschaft renditeträchtig investiert. Die Profite werden durch Exportüberschuss ins Ausland transferiert. Auf der Geldseite fehlt der entsprechende Betrag der Volkswirtschaft als Konsum bzw. Investition. Das BIP schrumpft (s. Beitrag Modelle). Güterexport bei gleichzeitigem Güterimport ändert an dem Warenüberschuss nichts.
- Das Problem lässt sich kurzfristig aber auch durch Kreditvergabe lösen. Erst dadurch erhalten andere Wirtschaftsteilnehmer das für die Markträumung des Warenüberschusses nötige Geld. So entstehen Schuldner. Langfristig bedeutet dies, gesamtwirtschaftlich gesehen, Wirtschaftswachstum, und zwar dann, wenn der Schuldner zur Tilgung seines Kredites zusätzlich zum bestehenden Produktionsausstoß Leistungen erbringen muss, um das für die Tilgung nötige Geld zu verdienen.
Schon an dieser Stelle wird klar, daß ein profitorientiertes Geldsystem notwendigerweise über Schuldaufnahme Wachstum produziert, soll es problemlos funktionieren.
Schulden und Wachstum sind Eigenschaften des profitorientierten, auf Geld basierenden Wirtschaftssystems.
Diese Dynamik wird im wahrsten Sinne des Wortes dadurch potenziert, dass die Schulden-/Kreditaufnahme Zinsforderungen nach sich zieht. Die Dynamik gerät zu einem exponentiellen Wachstum. Hauptträger der Schuldenaufnahme sind zu 70 % die Unternehmen, die die Zinsforderungen als Kapitalkosten an die Warenabnehmer – die ursprünglichen Leistungslieferanten – weiterreichen: Löhne werden gekürzt, Arbeiter entlassen, Preise erhöht. Deren Fähigkeit zur Warenabnahme schwindet und das Verwertungsproblem verschärft sich.
Das System stürzt ab

