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Geld als knappes Wirtschaftsgut

 

MODELLE zur Abbildung von Wirtschaftsvorgängen in der Geldwirtschaft (2)

Besitz von Geld – Geld als knappes Wirtschaftsgut

Liquiditätswert

Geld kann im Vergleich zu einer beliebigen Ware ohne Kosten transportiert und bei nächster oder günstiger Gelegenheit (Schnäppchensituation) gegen eine Leistung entsprechend dem Tauschwert des Geldes eingetauscht werden (Schlagfertigkeit des Geldes). Bei einem Warentausch ohne Geld wäre das alles viel schwieriger. Geld macht den Waren- bzw. Leistungsaustausch zwischen Wirtschaftsteilnehmern flüssiger. (Liquidität). Diese Werte – Schlagfertigkeit , geringe Transportkosten (Allokationskosten) – werden als Liquiditätswert des Geldes bezeichnet, den das Geld durch gemeinsame Übereinkunft der Wirtschaftsteilnehmer und durch die Aufsicht des Staates erhält.

Es ist also ein Wert der durch gemeinschaftliche Anstrengung unter Beachtung gemeinschaftlicher Regeln entsteht. Es ist kein privater durch die Leistung eines Einzelnen entstandener Wert. Während der Zirkulation macht er sich nicht bemerkbar, sondern erst dann, wenn man Geld zurückhält, wenn man spart.

Wer Geld spart, also das Zirkulationsmittel zurückhält, weil er es z.B. wegen Vorsorge in den Sparstrumpf steckt oder spekulativ liquide hält (Liquiditätspräferenz), stört den Zirkulationsprozess und damit den Wirtschaftsprozess.

Diese Zurückhaltungsmöglichkeit zeichnet Geld gegenüber anderen Waren besonders aus. Es zeigt hier neben der Funktion als Zirkulationsmittel eine zweite Funktion, nämlich als Aufbewahrungsmittel, Vermögenswert.

 

Machtverhältnisse

Mit der Möglichkeit der Zurückhaltung bzw. Sparhaltung begründen sich aber auch Machtverhältnisse, und zwar in einer Geldwirtschaft anders als in einer reinen Warentauschwirtschaft.

In einer Warentauschwirtschaft kann auf zwei Arten gespart weder, indem man keine Waren abnimmt oder sie nicht für andere produziert und selbst verbraucht. Der Sparer fällt damit aus dem Wirtschaftsprozess heraus.

In einer Geldwirtschaft kann nur auf eine Art gespart werden, an der Abnahme von Waren bzw. Leistungen (Käuferposition). Benötigt der Käufer diese Ware bzw. Leistung nicht, weil er z.B. genug besitzt, befindet er sich gegenüber dem Produzenten – dem Verkäufer – in einer Machtposition, weil diesem Geld fehlt, um z.B. Schulden zu bezahlen oder Waren zu erwerben, deren er dringend bedarf. Der Produzent erhält nur dann vom Geldbesitzer Geld, wenn dieser seine produzierte Leistungen auch abnimmt.(s. 1)

Allgemein ausgedrückt haben in der Geldgesellschaft die Besitzenden ein besonderes Machtverhältnis gegenüber den Nichtbesitzenden. In dieser Situation befinden sich manche Unternehmer wie die Lohnabhängigen in einer ähnlichen Lage, für diese allerdings weniger dramatisch, als für die Lohnabhängigen. Die Unternehmer müssen ihre Ware absetzen, um u.U. Geld zur Kreditzurückzahlung zu erhalten, die Lohnabhängigen können nur ihre Arbeitskraft anbieten, um Geld für ihren Lebensunterhalt zu verdienen. (s. 1). Trotz seiner Verschuldung besitzt der Unternehmer immerhin noch die Produktionsmittel, die ihn in die Lage versetzen, leistungsloses Einkommen zu erzielen (Mehrwert/Profit) und er kann die Kapitalkosten über die Preise den Konsumenten aufbürden.

 

Zins als Allokationsmittel

Welche Möglichkeiten gibt es, Geld wieder in Zirkulation zu bringen, um ein Erliegen des Wirtschaftsprozesses zu verhindern?

Verwirklicht ist ein Belohnungssystem: Der Zins.

Der Zins ist der Preis dafür, dass der Geldbesitzer sein Geld an einen Schuldner verborgt, der es in der Regel durch Konsum oder Investition in die Zirkulation leitet. Er wird durch den Zins belohnt, weil er die Liquidität des Geldes (Liquiditätswert) und damit seine Machtposition aufgibt. Der Liquidäswert, den der Geldbesitzer dem Geld beimisst, beträgt nach heutigen Erfahrungen im Durchschnitt etwa 2% des verborgten Geldbetrages. Darunter wird der Zins nicht sinken.

Ist der Kredit plus Zinsen getilgt, hat der Gläubiger mehr an Leistung bzw. Wert zurück erhalten, als er selbst für das geborgte Geld aufgewandt hat, mindestens den Liquiditätswert (s. 2). Er hat leistungslos mehr Geld erhalten, Mehrwert. Der angeeignete Liquiditätswert ist nicht durch seine Leistung entstanden, sondern durch die der Allgemeinheit. Diese Forderung nach Mehrwert muss der Schuldner als Produzent in Form einer Mehrleistung erbringen, es sei denn er kann diese Forderungen weiterreichen – der Zwang zum wirtschaftlichen Wachstum ist so vorprogrammiert. Letztlich werden die Forderungen dort hängen bleiben, wo die wirtschaftlich meist unterlegende Machtposition ist, weil dort der Konsum existentiell notwendig ist, beim Lohnabhängigen. Dieser besitzt nichts anderes als seine Arbeitskraft (s.o.). Der renommierte, bereits früh verstorbene Verfassungsrechtler D. Suhr nannte dies in seiner Untersuchung über unser Geldsystem (D. Suhr: Der Kapitalismus als monetäres System, Campus Verlag 1988) die „Asymmetrie von Verkauf und Kauf“ (s. 1)

Die Möglichkeit, Geld zurückzuhalten und Zins zu fordern, ist dort am größten, wo aufgrund von Besitz kaum noch Konsumbedarf ist. Hier ist man auch in der Lage, dass Geld so lange zurückzuhalten oder anderweitig einzusetzen (Spekulation, Transfer in den Finanzmarkt), bis der Zins den Liquiditätswert wieder überschritten hat.

Dieses Prinzip aus Geld mehr Geld zu machen stand schon am Anfang des Kapitalismus. Es waren die Händler die so verfuhren und heute noch verfahren: Mit Geld kauften sie Waren unabhängig von ihrem eigenen Warenbedürfnis, um diese wieder mit Gewinn zu verkaufen: G —W— G + MG. Historisch gesehen, sammelten sich zunächst dadurch viele Waren (Warenhäuser) und schließlich bei Perfektionierung des Geldsystems Geld (Geldkapital) in privater Hand an. Dies war Voraussetzung für die Bildung von Manufakturen und dann für Unternehmen allgemein. Diese Haltung G – W –G + MG hat den ganzen Wirtschaftsprozess bestimmt und bestimmt ihn noch heute. Sie wurde und wird über die notwendige Vergabe von zinsbedingten Krediten an Unternehmen zur besonderen Notwendigkeit der gewinnorientierten Produktion.

Durch die Möglichkeit des Geldbesitzers Zins, einzunehmen, wird seine Machtposition immer stärker, wächst sein Geldguthaben und damit seine Forderung nach Geld, und zwar im Prinzip exponentiell, auf jeden Fall stärker als linear. Die Position des Schuldners wird immer schwächer und damit seine Fähigkeit zur Schuldentilgung, bis er schließlich Konkurs anmelden muss. Der Zusammenbruch von verschuldeten Unternehmen – die wirtschaftliche Krise – verhindert insgesamt aber, dass die Nachfrage (die Knappheit) nach dem Zirkulationsmittel Geld abnimmt, da ja die Nachfrage nach Leistungen und Waren nicht verschwindet, eher noch zunimmt. Die Möglichkeit der Zinsforderung bleibt durch dies Knappheit erhalten. (s. 3)

Zusammenfassend kann gesagt werden: das Zinssystem in der Geldwirtschaft sorgt dafür, dass das Geld – der Vermittler des Leistungsaustausches – dort hinfließt und konzentriert wird, wo kein Bedarf ist – zu den konsumgesättigten Besitzenden – und dort in zunehmenden Maße fehlt, wo es zum Leistungsaustausch benötigt wird – die Masse der Nichtbesitzenden (s. 4). Je älter die Volkswirtschaft wird, desto dramatischer wird diese Situation. Die Geldguthaben, d.h. die Forderungen nach Geld werden immer größer und konzentrieren sich in den Händen Weniger und der Schuldenberg der Produzenten wird immer größer.

Würden die Geldguthabenbesitzer ihre Forderungen in Leistungen umtauschen, könnte der Schuldenberg abgebaut werden, weil es ja genug Leistungswillige (Arbeitslose) gibt. Die Wenigen haben aber keinen Bedarf nach Leistungen, weil sie schon alles besitzen. Von 1950 bis 2001 stieg das Geldvermögen in der BRD von ca. 30 Milliarden Euro auf 6 Billionen Euro nominal bzw. 1,2 Billionen real. Dieses Geldvermögen ist ausgesprochen unsymmetrisch. Laut ARD Tagesschau vom 02.03.2005 besaßen 20% der Bevölkerung 2/3 des Geldvermögens.. Im Jahre 2001 standen dem Geldvermögen 6 Billionen Euro Schulden gegenüber, die sich zu ca. 70% auf die Unternehmen, zu 25 % auf den Staat und zu 5 % auf Private verteilen (s. 5 u. 6).

Das ist also die Erklärung dafür, dass einem Heer von Leistungsanbietern – 5 Millionen Arbeitslose – ein großer Bedarf an Leistungen im privaten und staatlichen Bereich gegenübersteht, ohne dass die beiden Seiten zusammenkommen, weil Geld von denen gefordert wird, die es nicht nötig haben und es dort fehlt, wo es nötig ist.(s. 7)

Eine wichtige Ursache für diese Fehlleitung liegt in dem Belohnungssystem der Zinsnahme.

Welche andere Möglichkeit gibt es, Geld wieder in Zirkulation zu bringen, damit es seine eigentlich wirtschaftlich bedeutende Funktion, der Vermittlung zwischen Bedarf und Leistung ausüben kann?


 

Lösung

Die wirtschaftlich Handelnden versuchen, die Lösung des Problems in der Produktionssphäre zu finden. Sowohl Kapitalismusvertreter als auch ihre Kritiker von den Gewerkschaftlern bis zu den Sozialisten klammern sich dabei an den Antagonismus zwischen Arbeitgebern (Produktionsmittelbesitzer) und Arbeitnehmern (die eigentl. Ihre Arbeit geben). Die einen preisen die Rendite (den Profit) als Menschheitsbeglücker und Naturereignis, die anderen verdammen die Profitgier. Die einen fordern Entlastung auf der Angebotsseite (Neoliberalismus), die anderen Stärkung der Nachfrage (Keynes).

Beide bemerken nicht, wie das Finanzkapital ihnen diese Bedingungen mit der Formel, aus Geld mehr Geld zu machen ( Geld – Ware – Geld + M ehr Geld), diktiert. Sie merken gar nicht, vor allem die Unternehmer des Mittelstandes nicht, dass beide, Unternehmer und Arbeitnehmer, im gleichen Boot sitzen. Sie lamentieren über die Schulden des Staates und vergessen die eigene Schuldenlast. Der Staat hat sich aus der Verantwortung für die Zirkulationsphase (Geldstabilität) zurückgezogen und sie der Notenbank übertragen, die mit ungenügend wirksamen Instrumenten verzweifelt versucht, die Geldmenge und Geldumlaufgeschwindigkeit im Sinne einer Stabilität zu regulieren.

Sie alle ignorieren die Probleme in der Zirkulationsphase.

Diese Ignoranz aber, in der Zirkulationssphäre ein systemimmanentes Problem zu sehen, verhindert die Lösungsfindung

Man vergegenwärtige sich noch einmal die Vor – und Nachteile des Geldes und des damit verbunden Zinses für eine Volkswirtschaft:

Geld steht für einen unvollendeten Tauschvorgang

Vorteil: Transportfunktion

  • · Die Geldwirtschaft ist die Basis für eine moderne arbeitsteilige Wirtschaft und die Voraussetzung für wirtschaftlichen Fortschritt. Die Aufgabe des Geldes (= Bargeld + Giralgeld) ist es, Tauschvorgänge räumlich und zeitlich aufzubrechen.
  • · In einer fortgeschrittenen Geldwirtschaft haben dabei die Schulden (Kredite) und die spiegelbildlich entstehenden Geldguthaben (=Forderung auf Geld) die Funktion, diese Tauschvorgänge langfristig aufzubrechen, d.h. sie sind Voraussetzungen für die Möglichkeit von Investitionen.
  • · Wie Geld den Warenkreislauf beschleunigt, beschleunigen die Schulden/ Geldguthabenverhältnisse den Geldkreislauf.

Vorteil: Wertaufbewahrungsfunktion: Geld kann wegen seiner in Relation zu anderen Waren großen Dauerhaftigkeit zur Wertaufbewahrung benutzt werden.

Nachteil: Das Geld, als Wertaufbewahrung benutzt, wird dem Wirtschaftskreislauf entzogen . Diese Zurückhaltung hemmt diesen Kreislauf bis zum Zusammenbruch.

Zins ist die Forderung nach mehr Geld. Es muss zwischen Haben- und Sollzinsen unterschieden werden.

Habenzinsen:

  • · erwünschte Funktion die Aufrechterhaltung des Geldkreislaufes. Der Habenzins ist der Anreiz dafür, dass Geld, wenn es nicht durch Kaufvorgänge weitergegeben wird, durch Verleihen in den Geldreislauf kommt und somit diesem NICHT durch Hortung („Halten von Realkassa“) entzogen wird.
  • · unerwünschte Funktion: Positive Habenzinsen führen zu positiven Rückkopplung, exponentiellen Wachstum und damit langfristig zwingend zu Destabilisierung von Ökonomie, Politik, Ökologie und Sozialbereich. (HAUPTPROBLEM!)

Sollzinsen:

  • · erwünschte Funktion: sparsamer Umgang mit knappen Ressourcen. Gäbe es keine Sollzinsen, würde sich Jedermann u.U. beliebig viel Geld ausleihen oder es müsste die Kreditverteilung unter Ausschaltung eines Marktes rationiert werden.
  • · unerwünschte Funktion: wegen der Abzinsung künftiger Geldflüsse entsteht eine systematische Abwertung der Zukunft, mit sich daraus ergebenden Problemen für die Ökologie und für den schonenden Umgang mit Ressourcen.

Deswegen kann die Lösung des Problems nur in einer derartigen Modifizierung des Geldsystems liegen, dass die erwünschten Funktionen erhalten bleiben und die unerwünschten Auswirkungen vermieden werden.

Hier muss der Diskurs geführt werden!

Eine langfristig wirksame und nachhaltige Therapie kann nur in Maßnahmen liegen, die verhindern, dass Guthaben und Kapitaleinkommen rascher wachsen als das BSP, dass also insgesamt durch Besitz von knappen gesellschaftlich nötigen Gütern, im großen Stil leistungsloses Einkommen erzielt wird.

Das kann sein:

  • eine Besteuerung der Kapitalvermögen
  • eine Besteuerung von Kapitalerträgen
  • eine Besteuerung liquider Mittel durch Einführung einer Rückhaltegebühr (s. H. Creutz: Das Geldsyndrom; u. www.INWO.de)
  • Steuern in der Art der Tobin‑Steuer, bzw. Besteuerung von Finanztransfer)
  • periodischer Schuldenerlass, vor allem beim Staat (dazu s. 8)


Anmerkungen und Literaturzitate

(1): D. Suhr: Der Kapitalismus als monetäres System, Campus Verlag 1988, S. 15:

…. Vielmehr lässt .. sich die unterschiedliche Machtposition (d. Verf.) schon in jedem einzelnen, kleinen Geschäft mit Geld und Ware beobachten, in dem sich der geldbesitzende Käufer und der Verkäufer eigener Ware oder Arbeit gegenüberstehen. In allen diesen Geschäften zeigt sich eine Asymmetrie. (Suhr 1983, S. 22ff.; Suhr/Godschalk 1986, S.28ff.) Sie hängt zusammen mit zwei Geldeigenschaften: Erstens mit der optimalen Tauschbarkeit des Geldes, die von seiner allgemeinen Äquivalentform herrührt, zweitens damit, dass es dem Geldbesitzer als „Schatzbildner“ freisteht, sein Geld nicht als Käufer auszugeben, sondern zurückzuhalten („naive“ Schatzbildung) oder Kapitalzwecken zu widmen (kapitalistische „Schatzbildung“ mit Mehrwertgenerierung)……..

An die Stelle des „identischen“ und symmetrischen Austauschprozesses der Tauschwirtschaft tritt die asymmetrische Struktur von Verkauf und Kauf: Der Käufer kann kaufen wann er will, und er braucht nicht unmittelbar zu kaufen, wenn er selbst verkauft hat. Der Verkäufer aber bleibt auf seiner Arbeitskraft oder Ware sitzen, wenn und solange es dem Geldbesitzer beliebt, nicht oder noch nicht zu kaufen. Wer aber seine Arbeit oder Ware nicht loswird, weil er dabei vom Kaufwillen der Geldbesitzer abhängt, wer insbesondere seine eigene Arbeit nicht als Ware verkaufen kann, der kann anschließend auch nicht als Käufer auftreten: der kann sich nicht die Lebensmittel und Produktionsmittel besorgen, deren er bedarf, um zu leben, zu arbeiten, zu produzieren und zu konsumieren…………….

Diese Macht des Geldes ist nicht die Macht des Verkäufers, der unbewegliche Ware oder Arbeit bietet, sondern die des Käufers, der das bewegliche Geld in der Hand hat. Und sie ist die Macht des Geldgebers, der mit dem Geld über die Macht verfügt, andere zu Verkäufern zu machen. Wer innerhalb der Gesellschaft reich ist, der kann sich typischerweise in die Rolle des Geldbesitzers und Käufers begeben. Wer dagegen sieht sich typischerweise immer wieder auf die Rolle des Verkäufers verwiesen? Die Antwort ist einfach: Wer von seiner Arbeit leben muss, der muss seine Arbeit als Ware verkaufen, hat also die schlechtere Waren-Karte des Wirtschaftsspiels in der Hand. Wer dagegen irgendwelche seiner Güter nicht selbst gebrauchen muss, der kann sie versilbern und zu Geld machen: Dann hat er Anteil am „gesellschaftlichen Monopol“ des „allgemeinen Äquivalents“ Geld , vermittels dessen die „gesellschaftliche Macht“ „Privatmacht“ wird. Wenn es richtig ist, dass keiner verkaufen kann, ohne dass einer kauft, aber keiner kaufen muss, nur weil er schon verkauft hat: dann sitzt der Käufer mit seinem Geld in der Tat am längeren Hebel, – dann ist denkbar, dass er die Situation ausnutzen kann, um mehr als ein Äquivalent herauszuschlagen, – dann ist denkbar, dass der Verkäufer der Ware „Arbeitskraft“ weniger als ein Äquivalent bekommt. Denn wer am längeren Hebel sitzt, kann mehr Druck ausüben. Er hat die größere Verhandlungsmacht, während der andere unter Verhandlungsdruck gerät. So kommt ein ungleiches Geschäft zustande, bei dem der Geldbesitzer einen Preis heraushandeln kann, der den Preis unter Gleichgewichtsbedingungen übersteigt.

(2): Zur Erklärung und Verteidigung der Forderung nach Zins wird häufig angeführt, dass ja auch Leihfirmen von Maschinen Miete fordern. Der Vorteil von Geldbesitzern gegenüber diesen Maschinenbesitzern besteht darin, dass Geldbesitz kaum der Abschreibung und Abnutzung unterliegt. Außerdem ist Geld universell einsetzbar und der Bedarf danach hängt nicht von speziellen Verwertungswünschen ab, wie etw. beim Rasenmähen.

(3): D. Suhr, ebenda

„…….Wer die Zirkulation stört, der liefert negative Beiträge zur Produktion der Liquidität. Das kann man auch so ausdrücken: Er verursacht gesellschaftliche Kosten. Während also der Kassehalter den Nutzen der Liquidität genießt, produziert er zugleich Kosten für die anderen, und zwar in der Gestalt, dass er ihnen das ökonomisch erforderliche Zirkulationsmittel verknappt. Wenn nun die anderen Wirtschaftsteilnehmer Informations- und Transaktionskosten dadurch sparen wollen, dass sie das Transaktionsmittel „Geld“ verwenden, dessen Liquidität sie selbst produzieren, so müssen sie den Geldanleger dafür bezahlen, dass er von seiner Sabotage des Zirkulationssystems ablässt. Die Kosten, die diese Sabotagekompetenz der Geldanleger verursacht, tragen wiederum die Produzenten und Konsumenten, die ohne Geld nicht effektiv und „schlagfertig“ verkaufen und kaufen können. Es kommt aber noch etwas hinzu: Die mit der Liquidität verbundenen Kosten werden nicht gleichmäßig auf alle verteilt, die das Geld für ihre Transaktionszwecke als Konsumenten und Produzenten gebrauchen. Ganz im Gegenteil: Je wohlhabender solche Konsumenten und Produzenten schon sind, – je weniger sie also auf Kreditweise Vorfinanzierung ihrer Produktionsmittel (Fremdkapital) oder ihres Konsums (Konsumentenkredite) angewiesen sind, desto weniger Zinsen kommen auf sie zu. Je ärmer sie aber sind, je stärker sie also ihre Produktion oder gar ihren Konsum auf Kredit finanzieren müssen, desto mehr bekommen sie mit Krediten zu tun, desto mehr Zinsen haben sie zu tragen.“.   

So nahmen 1990 in der BRD 10% der Bevölkerung mehr Zinsen ein als sie hauptsächlich über die Preise zahlten und 80% zahlten mehr Zinsen als sie nahmen (s. 9). Profiteure dieses Zinssystems sind mit ihrer Zinsmarge auch das Banksystem, da die Zinsmarge ein Teil des Zinses ist, der genauso wie jener einen Zinseszinseffekt hat.

(4): Genauer: Das Geld strömt dorthin, wo kein Bedarf ist, wird entweder zu Spekulationszwecken zurückgehalten oder in eine Forderung + leistungslos Zinsforderung an Schuldner umgewandelt, die es u. U. in den Zirkulationsprozess zurückführen

(5): Quelle:H. Creutz, Das Geldsyndrom, 5. Auflg., 2001, Eucon-Verlag
(6)
: Wie kommt es zu diesem riesigen Geldvermögen?

Bestimmt man aus den empirischen Daten von 1960 bis 2001 die Wachstumskurve des nominellen Geldvermögens, so ergibt sich die Form einer Exponentialkurve nach der Funktion

K = K0 (1 + z)t (Zinseszinsformel; Z = Zinsfuß/100) bzw. K = K0 ec t mit c = ln (1 + z)

Anmerkung: Trägt man die Daten in einem logarithmischen Maßstab auf, so ergibt sich eine Gerade, ein Beweis dafür, dass die ursprüngliche Funktion eine Exponentialfunktion ist. Log (1 + z ) wäre die Steigung der Geraden.

Danach betrug die jährliche Zuwachsrate dieser Kurve ca. 9 %: Dies kann so interpretiert werden, dass das Geldvermögen nach der Zinseszinsformel mit einem Zins von ca. 9 % gewachsen ist.

Mit anderen Worten das Geldvermögen von 6 Billionen Euro ist durch die Zinsdynamik, also durch leistungsloses Einkommen entstanden.

Demgegenüber besteht die gängige Auffassung darin, dass Geldvermögen aufgrund von Sparen des durch eigene Leistung verdienten Geldes entsteht. Die Sparsumme der privaten Haushalte betrug im Jahre 2001 138 Mrd. Euro (lt. Stat. Bundesamt), das sind nur ca. 2% des Geldvermögens. Es darf deswegen bezweifelt werden, dass Sparen das Wachstum des Geldvermögens von ca. 9% hervorruft.

In einer abgeschlossenen Geldwirtschaft führt die Zinsdynamik gesamtwirtschaftlich notwendigerweise zu einem Wachstum der Schulden und damit des Geldvermögens der Gläubiger1. Dieses Wachstum könnte nur verhindert werden, wenn der Gesamtgläubiger die Leistung, die der Gesamtschuldner zur Bezahlung der Zinsen aufbringt, im Austausch von Geld abnehmen würde. Da der Gesamtgläubiger aber keinen Bedarf für die angebotene Leistung hat, verbleibt der Zins als Schuld beim Gesamtschuldner und erhöht so das Geldguthaben bzw. Geldvermögen des Gläubigers 1.

In der Realität ist die Geldwirtschaft so angelegt, dass in der Gesamtwirtschaft das Geld, das zur Deckung der (durch den Zins) zusätzlichen Leistung notwendig ist, von der Zentralbank hauptsächlich über Kredite in Umlauf gebracht wird.

Übrigens: Die Zentralbank bzw. der Staat könnte dieses Wachstum stoppen, indem sie das Geldvermögen durch eine Währungsreform auf die Größe der gesamtwirtschaftlichen Leistung, nämlich des BIP reduzieren würde. Diese Möglichkeit erscheint als extrem unwahrscheinlich, wurde aber in der Vergangenheit z.B. der Währungsreform nach dem zweiten Weltkrieg realisiert. Im Mittelalter war die Einrichtung der Brakteaten ein Beispiel für das Prinzip der regelmäßigen Entwertung des Geldes.

1 2. Hauptsatz der Volkswirtschaftslehre in E. Glötzl: Die Krise einer alternden Volkswirtschaft, Linz, Sept. 2001.

(7) Kapitalistische Eigentumsformen als Folge kapitalistischen Geldes

Der Geldkapitalist verfügt aber nicht nur über das Mittel, sich den Mehr- wert in Gestalt der Zinsen auszubedingen. Er sitzt auch am längeren Hebel, wenn es darum geht, als Geldgeber mit einem Unternehmer über die Bedingungen einer Beteiligung zu sprechen. Er kann sich Entscheidungsrechte vorbehalten, die er nicht ohne weiteres durchsetzen könnte, hätten Geldgeber nicht die Macht, dem Unternehmer das Medium der ökonomischen Kommunikation zu überlassen oder eben auch vorzuenthalten. Er kann weitgehend die Bedingungen vorschreiben, denen die anderen sich fügen müssen, bevor er ihnen das lebensnotwendige Transaktionsmedium zur Verfügung stellt. Zu diesen Bedingungen, die der Kapitalist sich als Geldgeber ausbedingen kann, gehört nicht nur, dass man Zinsen zahlen muss, wenn man sich Geld leiht. Dazu gehört auch, dass ein Kapitalgeber, der sich mit Produzenten zusammentut, um etwas zu produzieren, die besseren Karten in der Hand hat und die Spielregeln bestimmen kann, nach denen das Spiel „Produktion“ in Unternehmen gespielt wird. Die „Spielregeln“ der Produktion, – das sind die „Produktionsverhältnisse“ einschließlich der eigentumsrechtlich ausgeformten Dispositionsbefugnisse des Kapitals im Unternehmen. Das bedeutet vor allem die Produktion von Waren unter dem Diktat der Profitmaximierung (G – W – Produktion – W‘ – G+ MG ). Dabei ist der Zins nicht bloß eine Erscheinung des Profits. Er unterscheidet sich von diesem in besonderen Maße: (1) Der Zins wird zuerst ausgehandelt, erst dann wird das Geld unter Risikominimierung (Sicherheiten) verliehen. Um einen Gewinn, der immer mit einem Risiko behaftet ist, zu erzielen, muss vorher Geld ausgeliehen und investiert werden. (2) Der Zins kann im Gegensatz zum Profit weder theoretisch noch praktisch auf Null fallen. (3) Die Summe aller Zinsen nimmt proportional mit den Investitionen und der Kapitalmasse zu. Die Summe aller Gewinne geht in dieser Hinsicht relativ zurück (Tendenzielle Fall der Profitrate) Es überrascht also überhaupt nicht, dass unter den Bedingungen des kapitalistischen Geldes sich Eigentumsformen herausgebildet haben und gesetzlich kodifiziert bzw. anerkannt wurden, bei denen der Kapitalgeber das letzte Wort hat.

(8) G:.Simon, Schwungrad der Finanzkrise, in FraRundsch, 4.12.03, 2003, URL: http://www.fr-aktuell.de/uebersicht/alle_dossiers/politik_inland/die_alternative/die_woche_des_geldes/?cnt=351558)

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Oktober 19, 2007 Posted by | Wirtschaft | Hinterlasse einen Kommentar

Geld-Profit-Schulden

Wachstums- und Schuldendynamik im entwickelten kapitalistischen Wirtschaftssystem

In einer arbeitsteiligen Wirtschaft ist Geld ein Zirkulationsmittel, das den Leistungsaustausch zwischen den Wirtschaftsteilnehmern erleichtert bzw. erst ermöglicht: das Geld fließt in die eine Richtung, während in die andere die andere die Leistung strömt, wo Bedarf dafür ist.
Dabei gilt, daß über die Gleichwertigkeit (Äquivalenz) des Geldes zur Leistung (Maßstabfunktion des Geldes) Leistungen gegen Leistungen getauscht werden, auch im Falle eines Schuldners, in der Regel ein Unternehmer, nämlich bei der Kredittilgung. Der Leistungsaustausch beschreibt die Warenseite des aus gegenläufigen, von einander abhängigen Kreislaufströmen (Geld-/Warenströme). Gesamtwirtschaftlich gesehen, werden die in Unternehmen (Gesamtunternehmer) hergestellten Produkte von denen abgenommen, die sie mehrheitlich hergestellt haben. Werden weniger Waren abgenommen, so verbleibt ein Mehr an Waren beim Unternehmer. Dies führt letztlich zum Mehrwert bzw. zum Profit. Der Gesamtunternehmer kann den Produktüberschuss selber konsumieren oder er hat ein Verwertungsproblem.

Das Verwertungsproblem besteht darin, daß der Gewinn im kapitalistischen System durch ein Mehr an Geld realisiert wird ( G —W— G + MG). Der Warenüberschuß (Mehr an Waren) erhält erst durch den Umtausch in Geld seinen Wert (Mehrwert, Gewinn).


Wo aber sind die Abnehmer, die dafür das Geld geben? Das können ja nicht die Leistungslieferanten (in der Mehrzahl Lohnabhängige) sein. Sie haben mit ihrem als Einnahmen, Einkommen, bzw. Lohn vom Unternehmer erhaltenem Geld den Teil der Waren abgeräumt, der äquivalent als Kosten zu diesem Geld ist. Der andere Teil ist der Warenüberschuss. Wie könnte eine Verwertung des Warenüberschusses aussehen?

Die Unternehmen

  • Sie könnten den Warenüberschuss selbst konsumieren, indem sie ihn untereinander abnehmen (kaufen). Das dafür notwendige Geld wird durch Kredite bereitgestellt, die beim gegenseitigen Leistungstausch  wieder getilgt werden. Sie konsumieren so den Profit durch ihr Luxusleben – Bauen von Palästen. Die Wirtschaft wächst dann nicht.
  • Eine besondere Art des Unternehmerkonsums ist die Investition., wobei auch hier wieder Kredite eine Rolle spielen. Nach dem Modell von Binswanger (s. H. Chr. Binswanger, “Die Wachstumsspirale“ Metropolis, 2006 ) akkumulieren die Kredite über Investitionen in einem dynamischen Wachstumsprozess. Investitionen führen zu Produktionssteigerungen entweder durch Produktionsausweitung oder Produktivitätssteigerungen. Wird diese nicht an die Lohnabhängigen durch Arbeitszeitverkürzung weitergegeben, vergrößert sich der Warenüberschuss und damit das oben skizzierte Problem. Es entstehen auf der Seite der Unternehmen Schulden, auf der Seite der Haushalte Guthaben.
  • Die Unternehmen können außerdem den Warenüberschuss ins Ausland transportieren. Das ist der Fall des Exportüberschusses, bei dem mehr Waren exportiert als importiert werden. Die Waren werden so ins Ausland transferiert und dort in ausländischem Geld der Profit realisiert. Die einheimische Wirtschaft wächst dann nicht.
  • Es könnte aber auch Folgendes eintreten: Der Warenüberschuss vergrößert das Warenangebot. Die Preise erniedrigen sich im Durchschnitt, die Haushalte können mehr kaufen und den Warenüberschuss konsumieren. Das Mehr an Waren wird so als Mehrwert zu den Lohnabhängigen transferiert – nach Marx und den Kapitalismusvertretern ein unwahrscheinlicher Fall, weil das Erzielen von Profit (Mehrwert) für den Unternehmer überlebensnotwendig ist (s. Anhang 1; Investitionszwang/Gewinnrealisierung). Die Wirtschaft wächst nicht und die Unternehmen können aus ihrem Warenüberschuss den Gewinn nicht realisieren.

Der Staat, die Privathaushalte

  • Es können aber auch die Privathaushalte und der Staat als Repräsentant aller Haushalte („Der Staat sind wir!!“) Kreditnehmer sein. Sie kaufen mit dem Kredit den Warenüberschuss, um ihn zunächst nur zu konsumieren und seine Rückzahlung, wie im Falle des Staates, in die weite Zukunft zu verschieben. Dadurch häufen sich Schuldenberge auf der Seite der Haushalte und des Staates und Geldvermögen auf der Seite der Unternehmen. Werden die Schulden getilgt, gibt es zwei Möglichkeiten:
    • Die Schuldner schränken ihre Ausgaben ein – sie sparen – und tilgen mit dem Gesparten. Dann schrumpft die Volkswirtschaft. Oder
    • Die Schuldner verkaufen zusätzliche Leistungen, um mit dem Geld die Schulden zu tilgen. Diese Möglichkeit besteht nur für die Privathaushalte, wenn die Unternehmen bereit sind, die zusätzliche Leistungen abzunehmen. Das ursprüngliche Problem des Warenüberschusses stellt sich dadurch von Neuem. Es kommt zur von Binswanger beschriebenen Wachstumsspirale.

An dieser Stelle wird klar, dass ein profitorientiertes Geldsystem notwendigerweise über Schuldaufnahme Wachstum produziert, soll es problemlos funktionieren.

Schulden und Wachstum sind Eigenschaften des profitorientierten, auf Geld basierenden Wirtschaftssystems.

Diese Dynamik wird im wahrsten Sinne des Wortes dadurch potenziert, dass die Schulden-/Kreditaufnahme Zinsforderungen nach sich zieht. Die Dynamik gerät zu einem exponentiellen Wachstum. Hauptträger der Schuldenaufnahme sind zu 70 % die Unternehmen, die die Zinsforderungen als Kapitalkosten an die Warenabnehmer – die ursprünglichen Leistungslieferanten – weiterreichen: Löhne werden gekürzt, Arbeiter entlassen, Preise erhöht. Deren Fähigkeit zur Warenabnahme schwindet und das Verwertungsproblem verschärft sich.

Das System stürzt ab

Oktober 18, 2007 Posted by | Wirtschaft | Hinterlasse einen Kommentar