Ansichten

Hoffnung der Freiwirtschaftler

Die Hoffnung der Freiwirtschaftler

 

Durch eine Gebühr auf Bar- und Giralgeld, sowie einer Gebührenstafflung von kurz- bis langfristig angelegtem Geld wird ein Zwang auf Finanzkapitalbesitzer ausgeübt, ihre Finanzen als Kredite der Wirtschaft zur Verfügung zu stellen, ihr Geld in die Wirtschaft fließen zu lassen, es auszugeben. Der durch das Verleihen von Geld fällige Zins wird dadurch gezwungen, sich marktkonform zu verhalten, d.h. bei großem Geldangebot kann er wegen fehlender Liquiditätspräferenz auch auf null gehen, bei erhöhter Nachfrage steigt er. Ein starkes Wachstum der Geldvermögen aufgrund des Zinseszinseffektes wird gemildert.

Die Hoffnung der Freiwirtschaftler besteht nun darin, dass durch den leichteren Zugang zum Finanzmarkt sich auch die Lage der Lohnabhängigen verbessert, z. B. durch stärkere Wirtschaftsinvestitionen und dadurch stärkerem Arbeitsplatzangebot. Einen starken Schuldenschub sehen sie nicht, da der Markt dann mit erhöhten Zinsen reagiert und da die Kreditaufnahme auch durch eine endliche Sicherheitshinterlegung begrenzt ist.

 

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Dezember 28, 2007 Posted by | Wirtschaft | Hinterlasse einen Kommentar

Ungleiche Einkommensverteilung

Die Wirkung ungleicher Einkommensverteilung auf unser Wirtschaftssystem

In der Diskussion über extrem hohe Einkommen weniger Personen wird häufig das Argument benutzt, es sei volkswirtschaftlich nicht von Bedeutung, es handele sich lediglich um eine Gerechtigkeitsfrage. Dem ist zu widersprechen. Eine einzige Person, wie der Deutsche Bank Chef Ackermann, lässt sich zwar von einer Volkswirtschaft verkraften, schwierig wird es, wenn es drei Hundert oder mehr solcher Personen gibt. Dieser Personenkreis ist nämlich kaum in der Lage, sein Einkommen als Konsum wieder auszugeben. Er wird seinen Überschuss anlegen und dadurch zukünftig noch höhere Einkommen erzielen, als er anfänglich hatte. Ein selbstverstärkender Prozess der Ungleichverteilung wird dadurch in Gang gesetzt, in der Technik bekannt als extrem instabiler, sich positiv verstärkender Regelkreis. Die Volkswirtschaft fährt notwendigerweise maschinengleich „gegen die Wand“. Ein Techniker würde hier nicht die Gerechtigkeitsfrage stellen, sondern versuchen, ein Dämpfungsglied in die positive Rückkopplung einzubauen.

Das folgende Beispiel soll das Ausmaß dieses Prozesses verdeutlichen. Zugrunde liegt die Einkommensstatistik des Jahres 2001, herausgegeben vom Bundesamt f. Statistik.

Danach erhielten im Jahre 2001 ca. 3 % der durch die Einkommensteuer erfassten Personen ca. 19 % des Gesamteinkommen1. In absoluten Zahlen ausgedrückt, erhalten ca. 858 Tsd. Personen ca. 179 Mrd. € als Einkommen, abzüglich ca. 102 Mrd. € Steuern, bleibt ein Nettoeinkommen von ca. 77 Mrd. €. Unter der Annahme eines durchschnittlichen Konsums pro Person von 60 Tsd. € im Jahr, würde die Ausgaben dieses Personenkreises ca. 51,5 Mrd. € (858 Tsd. x 60 Tsd. = 51,5 Mrd. ) betragen. Sie hätten dann einen Überschuss von 25,5 Mrd. €. Würde dieser Überschuss von 25,5 Mrd. € mit einer Rate R von 5% Zinsen bzw. Rendite angelegt, so würde dies nach der Sparformel Kn = R (SF) nach 15 Jahren ein Vermögen von 25,5 Mrd. € x 22 = 561 Mrd. € ergeben2. Die Rendite würde in diesem 15. Jahr bei einer 5%igen Anlage ca. 28 Mrd. € betragen. Der Überschuss hätte sich dann ohne zusätzliche Leistung etwa verdoppelt (28 + 25,5 = 53,5)3.

Für die Volkswirtschaft bedeutet dies, dass sich die ungleiche Einkommensverteilung zugunsten der bisher Begünstigten weiter verstärkt, und zwar exponentiell (s. Anmerkungen).

Welche gigantisch die Ungleichheit zwischen Arm und Reich inzwischen auf der Welt ist, zeigt der Kommentar von J. Jahnke über Superreiche: jjahnke-superreiche

Anmerkungen:

1. Eine andere Zusammenfassung ergibt: 1/5 der erfassten Bevölkerung erzielen die Hälfte des Gesamteinkommens als Einkünfte, die anderen 4/5 erhalten nur die andere Hälfte

2. Der Faktor SF gehorcht einer exponentiellen Funktion, die am Anfang langsam, am Schluss „rasend“ steigt. Im vorliegenden Fall hat SF mit n = 15 Jahren und 5% Zins- bzw. Renditesatz den Wert

SF = (qn – 1)/ (q-1) = (1,0515 – 1)/0,05 = 22

3. Die Berechnung der zusammengefassten Einkünfte En (jeweilige Rendite + Überschuss) kann auch wie folgt berechnet werden:

En = Kn(q-1) + R = R(qn – 1) + R = R(qn) R = jährliche Rendite + Überschuss

Im vorliegenden Fall für n = 15 und 5% Zinsfuss betragen die Einkünfte: 25,5 x 1,0515 = 53

Die Einkünfte gehorchen ebenfalls einer exponentiellen Funktion.

Dezember 28, 2007 Posted by | Wirtschaft | Hinterlasse einen Kommentar

Nachhaltigkeit

Die Politik des ökologisch nachhaltigen Handelns

 

Umweltschutz – ökologisch nachhaltiges Handeln sollte umfassend verstanden werden: Jeder Arbeitsvorgang, der Material und Energie bewegt, zerstört deren Verfügbarkeit. Sie können dadurch niemals mehr in den Wirtschaftsprozess zurück geführt werden. Dahinter steht ein physikalisches Gesetz, das besagt:, dass in einem geschlossenem System die vorhandene Energie und Materie einem maximalen Zustand der Zerstreuung zustrebt. Die Vermischung, die Nivellierung  von Potential und Gefälle, die Verdünnung, das Chaos – der Müll nimmt zu. Wärme wandert immer nur vom heißen zu kälteren Körper, die Scherben einer Tasse setzen sich nie von selbst wieder zusammen. Die Bodenschätze kann de Mensch immer nur verbrauchen und dadurch in die Umwelt zerstreuen. Recycling verlangsamt nur diesen Prozess. Irgendwann sind sie zum Verbrauch nicht mehr verfügbar. Nur bei der Energie gibt es eine Ausnahme: neue Verfügbarkeit kann durch die einzige externe Quelle – der Sonnenenergie – aufgebaut werden. Das heißt nur im Bereich der Energie und der organischen Stoffe gibt es diese Alternative. Bei den anorganischen Stoffen (Bodenschätze) gibt es nur die Möglichkeit des Sparens.

„ Es kann also nicht etwa zwischen Solarenergie und Einsparung gewählt werden. Vielmehr müssen beide Möglichkeiten mit äußerster Energie vorangetrieben werden.“ (Günter Moewes, Weder Hütten noch Paläste, Birkhäuser, 1995, S.22) . Die äußerste Anstrengung ist notwendig, weil wir im Umgang mit den Ölvorräten – jahrtausendelang gespeicherte Sonnenenergie – unsere Chancen vertan und leichtfertig verpulvert haben. Die Katastrophe hat dadurch schon begonnen:

 

Die Geschwindigkeit heutiger Klimaveränderung, vor allem aber ihre Unaufhaltsamkeit haben durchaus schon die Größenordnung einer Katastrophe. Selbst bei einem (politisch nicht durchsetzbaren) völligen Stopp des CO2‑Ausstoßes, würde sich die Erde infolge der Trägheit der Vorgänge noch etwa  30 Jahre lang weiter erwärmen. So lange braucht das heutige CO2 , um aufzusteigen und die Treibhaushülle von morgen zu bilden. Denn die Treibhaushülle von heute besteht aus dem CO2 von vor 30 Jahren und mehr Jahren. Auch ein heutiger, weltweiter völliger Stopp der FCKW‑Produktion würde nicht verhindern, daß das Ozonloch noch lange weiter wächst, wenn auch gebremst. (G. Moewes, S.25)

 

Ökologisches Wirtschaften bedeutet also, mit anorganischen Materialien sorgfältig und sparsam umzugehen und bei der Energie, soviel zu verbrauchen wie Sonnenergie zur Verfügung steht (Sonnenlimit)

Doch ist unser heutiges Wirtschaften so organisiert, dass sie diese Forderung erfüllen kann?

Unser augenblickliches Wirtschaftsmodell setzt  auf unbegrenztes Wachstum, ein Wachstum spezieller Art. Bodenschätze und Energie gelten als unbegrenzt verfügbar.

 

In unserem Alltag erleben wir zum Beispiel ein Wachstum folgender Art: Ein junger zehnjähriger Mensch wächst jährlich um 10 cm in seiner Länge. Schließlich im Alter von mindestens 18 Jahren stoppt dieses Wachstum. Das heißt, wir sehen einen jährlichen konstanten Zuwachs, der schließlich auf null fällt. Es ist eine Länge von 180 cm erreicht. Die moderne Volkswirtschaft operiert mit einer Wachstumsrate, wenn sie ein konstantes Wachstum fordert. Ein solches Wachstum erfahren wir aber kaum in unserem Alltag, höchstens indirekt, von uns unbemerkt, wenn wir erkältet sind; denn Bakterien und viele andere Parasiten verhalten sich so in ihrem Wachstum. Schwierig wird es wenn wir unsere alltäglichen Wachstumsvorstellungen mit denen der Volkswirtschaft verwechseln. Eine Wachstumsrate ist das Verhältnis von Zuwachs zum vorhandenen Bestand. Auf das Beispiel des menschlichen Längenwachstums übertragen, betrüge die Wachstumsrate des 10jährigen 10%. Mit 18 Jahren betrüge seine Länge 2,14 m statt 1,80m. Er würde dann auch nicht aufhören zu wachsen und hätte mit 30 Jahren eine Länge von 6,70 erreicht. Der konstante Zuwachs der Alltagserfahrung wäre für einen Volkswirtschaftler eine Katastrophe. Die Wachstumsrate des 16jährigen wäre von 10% auf 6,25.% gefallen. Für ihn mündet der konstante Zuwachs in den Stillstand, obwohl absolut gesehen sich der Zuwachs nicht verändert hätte. Für den modernen Volkswirtschaftler ist dann nur die Wirtschaft gesund, wenn der Zuwachs ständig größer wird. Für die Natur führt dies wie bei den Bakterien in die eine tödliche Katastrophe. Wer also zukunftsgerichtet nachhaltig und ökologisch wirtschaften will, muß dieses Wirtschaftssystem in Frage stellen. Daran ist das Wirtschaftsprogramm de Grünen zu messen.

 

Ein weiteres Problem ist die unsere Vorstellung und Haltung zur Arbeit. In unserer Gesellschaft wird sowohl links, als auch rechts die Arbeit in den Mittelpunkt Weltanschauung gestellt. Durch Arbeit verwirklicht sich der Mensch. Vergessen wird dabei, dass sich die Eliten aller Epochen auch ohne Arbeit verwirklichen konnten. Vergessen wird auch, dass die Masse der Arbeitenden nur selten ihre Arbeit als Selbstverwirklichung angesehen haben, sondern eher als fremdbestimmte, weil lediglich existenzsichernde Fron. Insofern ist zwischen zwei Arten Arbeiten zu unterscheiden: Die selbstbestimmte Entfaltungsarbeit und die fremdbestimmte Qualarbeit. Dabei ist zu berücksichtigen, dass in jeder Selbstverwirklichung auch ein Stück Anstrengung steckt, die leicht zu Zwang ausarten kann und jeder Qualarbeit auch Anerkennung verbunden sein kann, vor allem, wenn sie als gesellschaftlich notwendig angesehen wird. Die Paradoxie dieser beiden Aspekte gipfelt in der Perversion des Mottos „Arbeit macht frei“ über den Eingängen der Nazi-Konzentrationslagern. Und auch die „Arbeitslager“ des GULAGs im Sowjetimperium zeugt von dieser Perversion. Sie zeigen wie in unserer Industriewelt der Begriff Arbeit zur Mystifizierung verkommt (Moewes S.85):

Mit Beginn der Industrialisierung begann ein irrationaler, ideologischer Kreuzzug zur Mystifizierung, ja Fetischisierung der Qualarbeit, begann der Mythos der „Arbeitsgesellschaft“: ,Recht auf Arbeit“, Tag der Arbeit“, Partei der Arbeit“, „Arbeiterkultur, Arbeiterdichtung“ ‑die gegensätzlichen Kräfte der Gesellschaft wirkte, aus den gegensätzlichsten Motiven bei diese, Verherrlichung zusammen. Ursprünge dieser Mystifizierung lassen sich weit in die Geschichte zurückverfolgen. im wesentlichen aber entstand sie vor etwa 400 Jahren Es war die Vorstellung, dass Arbeit nicht mehr Strafe für den Sündenfall, sondern dass im Gegenteil die Nicht‑Arbeit Sünde sei. Sie entsprang vor allem den Vorstellungen des Protestantismus, insbesondere des Pietismus, wie es bei Max Weber nachzulesen ist. Die Philosophie erklärte den aufrechten Gang und den Gebrauch von Werkzeug zu Unterscheidungsmerkmal gegenüber dem Tier. Das Jahrtausende alte Arbeitsverständnis wurde völlig auf den Kopf gestellt und , nach und nach auch das Verständnis von Industrialisierung. Es wurde nach und nach auch von nichtprotestantischen Bevölkerungen übernommen, bis hin zu den heutigen asiatischen Tigerstaaten, entsprang aber dort nicht der Religion.“

(Dazu sein Kapitel „Arbeitsabschaffung oder Arbeitsbeschaffung?“ im genannten Buch;)

 

Unsere heutige Wirtschaft ist gekennzeichnet durch hohe Produktivität (BIP/Arbeitsstunde), auch abzulesen an dem realen Wachstum des Bruttoinlandproduktes (BIP). Dieses stieg seit 1965 um das 8fache. Das heißt durch den Einsatz von Maschinen als Hilfe für die Arbeit ist die Gesellschaft heute in der Lage weniger zu arbeiten als vor dem Maschineneinsatz. Diese Möglichkeit wird nun etwa nicht zu einer allgemeinen Befreiung von Arbeit bei gleichzeitiger Existenzsicherung genutzt, durch eine Ungleichverteilung der gewonnen Arbeitszeit. Die einen sind arbeitslos, haben keine Arbeit bei gleichzeitiger Herabsetzung ihrer Existenzgrundlage, die anderen müssen umso mehr arbeiten. Die Investoren für den Maschinen- und Arbeitseinsatz erheben einen Allgemeinanspruch auf den Maschinisierungsgewinn. (G. Moewe, s.o., S. 91):

 

„Man muß sich das einmal vorstellen: Man läßt von Arbeitern die Maschinen bauen, durch die sie dann überflüssig werden. Dann entläßt man sie, nicht ohne vorher ihre Existenzberechtigung an eben jene Erwerbsarbeit geknüpft zu haben, die man ihnen wegnimmt. Anstatt Arbeit abzuschaffen, wird so ein fiktiver Arbeitsbedarf immer schneller vermehrt: Je mehr Maschinen gebaut, desto mehr Arbeiter müssen ersetzt, desto mehr neue Arbeit muß ständig neu erfunden werden. Dieser Mechanismus gleicht einem Kettenbriefspiel: nach unerhörter Anfangsdynamik bricht er irgendwann abrupt in sich zusammen. Die Anfangsdynamik haben wir im Frühkapitalismus erlebt. Der Zusammenbruch tritt dann ein, wenn der unerhörte, ständig zunehmende Beschleunigungszwang, der in der Mathe­matik des exponentiellen Wachstums steckt, sich nicht mehr durch exponentiell steigende Beschäftigungserfindung kompensieren läßt, wenn das Wegbrechen ganzer Branchen wie Kohle und Stahl nicht mehr durch einen erfundenen „Strukturwandel aufgefangen werden kann.“

 

Oder (Götz W. Werner: Einkommen für alle, Kiepenheuer, 2007, S. 18 – 22) :

 

Man muss sich dieses Szenario in aller Konsequenz vor Augen halten: Ständig produzieren wir immer mehr Güter und Dienstleistungen, im Grunde mehr, als wir überhaupt verbrauchen können. Dafür müssen jedoch immer weniger Leute einer von anderen organisierten und bezahlten Arbeit nachgehen. Unser Problem ist bloß, dass wir das für ein Problem halten. Denn der große Menschheitstraum war immer, gefährliche, körperlich schwere, unangenehme oder monotone, sinnentleerte Arbeit ab­zuschaffen. Heute gelingt uns das dank der Maschinen und dank optimierter Arbeitsprozesse immer besser ‑ und wir jammern darüber, statt uns zu freuen, dass nun endlich Zeit für erfreuliche, sinnstiftende Tätigkeiten bleibt, die es uns erlauben, uns als ganze Menschen und nicht bloß als Arbeitssklaven und als Konsumenten zu entfalten.“

(Dazu sein Kapitel „Arbeit als Ausnahme“ im genannten Buch)

 

Zu lösen wäre dieses Problem durch ein Recht auf Existenzsicherung. „Ein allgemeines Grundeinkommen könnte die meisten dieser Probleme schlagartig beseitigen, weil es zum ersten Mal in der Geschichte einen wirklichen Arbeitsmarkt herstellt, auf dem die Anbieter von Arbeitskraft auf gleicher Augenhöhe mit dem Kapital agieren, weil sie aufgrund ihrer gesicherten Existenz Stellenangebote auch einmal ausschlagen können“ (Aus: G. Moewes, Maschinenarbeit statt Menscharbeit, Z.f.SÖ 154, 2007, S.12)

 

Eine ökologisch nachhaltige Wirtschaftsplanung muß sich daran messen lassen, ob sie das Problem an der Wurzel fasst, an den im System eingebauten Fehler.

 

(s. auch http://www.guenthermoewes.de/veroeff.htm

Dezember 28, 2007 Posted by | Wirtschaft | 2 Kommentare