Ansichten

Export und heimische Wirtschaft

Die Wirkung von Güterexport auf die heimische Wirtschaft

Politiker, Wirtschaftsfachleute und Unternehmer Land auf Land ab, betonen die Wichtigkeit der Exportindustrie als bedeutendes Standbein der Wirtschaft. Die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft wird beschworen. Stolz wird auf Deutschland als Exportweltmeister hingewiesen. Im Folgenden sollen diese Behauptungen und Setzungen auf dem Hintergrund der Wirkung von Export auf die Binnenwirtschaft untersucht werden.

Hintergrund dafür sind die Tauschmittel- und Güterströme zwischen den Währungsräumen. Während die Güter von einem Währungsraum in den anderen strömen, wandern die Tauschmittel in die Devisenmärkte und aus ihnen wieder heraus, dabei stellt sich, ein Gleichgewicht zwischen 4 Größen ein: Güterimport/-export; Geldimport/-export. Verändert sich eine Größe, so wird über den Wechselkurs ein neues Gleichgewicht nach folgender Gleichung eingestellt (in Anlehnung an Th. Koudela, Entwicklungsprojekt Ökonomie, EWK-Verlag, 2004, S.179):

Güterimport + Geldexport = Güterexport + Geldimport

Flusskapazitätsgleichung (FKG) des Außenhandels

(Ableitung Außenwirtschaft)

Wird auf der einen Seite ein Gleichungssummand erhöht, muss entweder auf der anderen Seite ein Gleichungssummand um denselben Betrag wachsen oder auf derselben Seite ein Summand damit erniedrigt werden.

Wenn der Güterexport wächst (Exportoffensive) bedeutet dies, die Veränderung der anderen Außenhandelsgrößen in Richtung eines neuen Gleichgewichtseinstellung. Folgende Möglichkeiten gibt es:

  1. Der Güterimport wächst im gleichen Maße wie der Güterexport. Dies ist unmittelbar einsichtig, denn Länder tauschen Güter aus. Die exportierte Warenmenge ist gleich der importierten, sonst entsteht ein Handelsdefizit oder -überschuss. Handelt es sich bei den Importgütern um solche, die auch im eigenen Land produziert werden, geraten diese Industrien unter Absatzschwierigkeiten bzw. Preisdruck, weil das Angebot steigt. Der Druck wird an die Lohnkosten weitergeben bis hin zur Arbeitslosigkeit. Hat also ein Industriezweig mit seinen Produkten im Inland Absatzschwierigkeit und versucht er, durch erhöhten Export auszuweichen, um Arbeitsplätze zu sichern, geschieht dies letztlich auf Kosten anderer Industriezweige, die nicht exportieren können (Beispiel könnte sein Autoindustrie/ Textilindustrie).

Die volkswirtschaftliche Absatzkrise lässt sich durch eine Exportoffensive nicht überwinden. Sie wird dadurch eher noch verstärkt.

  1. Der Geldexport erhöht sich im gleichen Maße wie der Güterexport. Dieser Fall liegt bei einem Exportüberschuss vor. Das exportierende Unternehmen könnte z.B. für den Güterverkauf die entsprechende Fremdwährung akzeptieren, die es dann in den jeweiligen ausländischen Real- oder Finanzmarkt anlegt. Genauso könnten aber auch im Austausch zur heimischen Währung Kapitalbesitzer in der Fremdwährung investieren. Beides entspricht auf der volkswirtschaftlichen Ebene einem Geldexport. Dem Exportland steht dieses Geld dann nicht mehr zur Markträumung zur Verfügung.

Auch hier wird deutlich, dass die binnenwirtschaftliche Absatzkrise nicht durch verstärkten Export gelöst werden kann.

  1. Das Gleichgewicht kann auch durch Minderung des Geldimportes wieder hergestellt werden. Das bedeutet, ausländische Kapitalgeber investieren weniger, z.B. zur Schaffung von Arbeitsplätzen.

Schlussfolgerung:

Die Lösung einer binnenwirtschaftlichen Absatzkrise kann nie in der Stärkung der Exportwirtschaft liegen. Die einzelne Firma mag ihre Absatzkrise mit verstärktem Export überwinden können, volkswirtschaftlich führt dies aber in eine Sackgasse. Der Export ist sinnvoll, wenn dafür Güter eingeführt werden, die im Binnenmarkt nicht hergestellt werden können oder wofür die notwendigen Arbeitskräfte oder Ressourcen fehlen. Ein binnenwirtschaftlicher Aufschwung muss durch die Kaufkraftstärkung der binnenwirtschaftlichen Leistungsträger getragen werden, die auch gleichzeitig Konsumenten sind. Das dazu notwendige Geld darf nicht in den Händen weniger konsumgesättigter Leistungsträger verbleiben, die es in Spekulationskassen verschwinden lassen.

Eine starke Exportwirtschaft kann durchaus Ausdruck einer schwachen Binnenwirtschaft sein, wenngleich auch das Umgekehrte gilt, dass eine starke Binnenwirtschaft sich eine starke Exportindustrie leisten kann.

Mit anderen Worten:

Der Export kann nur durch eine gute Binnenkonjunktur getragen werden, aber es gilt nicht der Umkehrschluss, dass ein starke Export zu einer guten Binnenkonjunktur führt.

Dies zeigen auch die statistischen Daten, die auf der Webseite von Joachim Jahnke veröffentlicht wurde (global news 1020 20-02-08; http://www.jjahnke.net/rundbr37.html#sonder).

Betriebswirtschaftliche Erkenntnisse lassen sich eben nicht 1:1 auf die volkswirtschaftliche Ebene übertragen.

Februar 29, 2008 Posted by | Wirtschaft | 1 Kommentar

Außenwirtschaft

Tauschmittel – und Güterströme zwischen zwei Währungsräumen

Wirtschaftliche Beziehungen zwischen zwei Währungsräumen werden durch Güteraustausch und der Möglichkeit von Geldanlagen im jeweiligen Ausland bestimmt. Es gelten dabei zwei Aussagen:

1. Aussage

Flusskapazitätsgleichung (FKG) des Außenhandels:

Güterimport + Geldexport = Güterexport + Geldimport (Ableitung, s. Anhang )

(Ableitung:ableitungfkg.doc)

Ob sich ein Gütertausch oder ein Geldanlage im jeweiligen Ausland lohnt hängt sehr stark vom Wechselkurs der Währungen ab.

2. Aussage

Der Wechselkurs beeinflusst die Geldströme und den Güteraustausch, wie die Geldströme und Güteraustausch den Wechselkurs beeinflussen.

Beispiel 1: Importschwemme (Außenhandelsdefizit); Geldflucht

Strömt viel heimisches Geld in den Devisenmarkt, z.B. durch starken Import oder starke Anlageaktivität von überschüssigem Geld im Ausland, so steigt das Geldangebot auf dem Devisenmarkt und der Wechselkurs fällt. Dieser fallende Wechselkurs bremst allerdings die Importflut und Geldflucht, weil die Importware teuerer wird – man muss mehr heimisches Geld für eine eingeführte Ware aufbringen – und die Geldflucht – das eigene Geld ist nichts mehr wert. Bei bestehendem Außenhandelsdefizit kann gemäß FKG eine Kursabwertung dann abgewendet werden, wenn gleichzeitig Geldimporte erhöht werden. Ein Beispiel dafür sind die USA und ihr Ölimport. Die Finanzeliten der Ölländer, z.B. Saudi-Arabien haben zugleich Zugriff zum Ölreichtum ihres Landes. Sie verkaufen ihr Öl gegen US-Dollar, die sie sofort in den USA anlegen und somit nicht die Devisenmärkte erreichen. Zur Abwehr deflationärer Tendenzen dürfen sie außerdem die Realgütermärkte nicht erreichen und werden in die spekulativen Märkte (u.a. Aktienmärkte) umgelenkt. Da der US-Dollar in vielen Länder als Zahlungsmittel akzeptiert wird, müssen diese Länder teilweise zum amerikanischen Währungsgebiet gezählt werden. Oft gibt es dann eine Allianz mit den Machteliten dieser Länder zur Ausplünderung des Rohstoffreichtums.

Beispiel 2: Exportoffensive

Fließt heimisches Geld aus dem Devisenmarkt, z.B. durch wachsenden Export, so entsteht dort eine starke Nachfrage nach dieser heimischen Währung, der Wechselkurs steigt. Das bremst aber gleichzeitig das Exportwachstum, da die Güter für das Ausland teurer werden . Gemäß der FKG kann der steigende Wechselkurs nur verhindert werden, wenn im selben Ausmaß der Import wächst. Handelt es sich bei den Importgütern um solche, die auch im eigenen Land produziert werden, geraten diese Industrien unter Absatzschwierigkeiten bzw. Preisdruck, weil das Angebot steigt. Der Druck wird an die Lohnkosten weitergeben bis hin zur Arbeitslosigkeit. Hat also ein Industriezweig mit seinen Produkten im Inland Absatzschwierigkeit und versucht er durch erhöhten Export auszuweichen, um Arbeitsplätze zu sichern, geschieht dies letztlich auf Kosten anderer Industriezweige, die nicht exportieren können (Beispiel könnte sein Autoindustrie/ Textilindustrie).

Beispiel 3 . Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Billiglohn – Ausland:

Arbeitsplätze , d.h. das Produktionskapital außer Land zu schaffen, ist sehr aufwendig (Ausnahme Dienstleistungssektor). Im besten Fall werden Produktionsmittelgüter im eigenen Land gekauft und ins Ausland geschafft, was den Binnenmarkt stärken würde. Probleme entstehen, wenn man Geld ins Ausland transferiert, um dort für die neuen Produktionsstätten entsprechende Güter zu kaufen (Geldexport). Entsprechend den Ausführungen im Anhang entsteht bei Geldexport ein erhöhtes Angebot der heimischen Währung am Devisenmarkt, der Wechselkurs fällt. Der fallende Wechselkurs erschwert Importe. Das gilt auch für die Einfuhr der nun im Ausland von der Firma produzierten Güter. Im Billiglohnland ist auch die Kaufkraft der Konsumenten geringer, entsprechend schwierig die Absetzbarkeit der nun hier produzierten Güter. Der kurzfristig Vorteil wird so langfristig aufgebraucht.

Beispiel 4 : Schaffung von Arbeitsplätzen durch Investition ausländischem Finanzkapitals

Die Folgen von Geldimport sind dieselben wie in Beispiel 2 beschrieben (s. Anhang 1): Heimische Währung fließt aus dem Devisenmarkt, bzw. durch den Umtausch von Fremdwährung in heimische Währung steigt die Nachfrage nach heimischer Währung. Soll der Wechselkurs nicht steigen, muß mehr Ware importiert werden mit der Folge: steigender Importe, größere Konkurrenz mit einheimischen Gütern, Absatzschwierigkeiten, schließlich Arbeitslosigkeit. Werden auf der einen Seite Arbeitsstellen geschaffen gehen sie auf de anderen Seite verloren. Die Investitionen zur Schaffung von Arbeitsplätzen müssen von dem überschüssigen heimischen Finanzkapital kommen und nicht vom ausländischen. Dazu muss der Lohnanteil am Bruttoinlandsprodukt erhöht, also der Binnenmarkt gestärkt und der Anteil von leistungslosem Einkommen erniedrigt werden.

Zusammenfassung: die Beispiele zeigen, dass die monetären Schwierigkeiten eines Währungsraumes (Geldüberschuß in den Händen Weniger; Hortung usw.) nicht zwischen den Währungsräumen gelöst werden können.

Der Wechselkurs zwischen verschiedenen Währungsräumen hat ausgleichende Wirkung.


Februar 26, 2008 Posted by | Wirtschaft | 1 Kommentar