Ansichten

Modell Schuldentilgung

Auswirkungen von Schuldentilgungen auf ein Wirtschaftsmodell

Dieser Erörterung liegt ein duales Wirtschaftsmodell von Unternehmern und Leistungsproduzenten zugrunde, bei dem gilt, dass die Einnahmen der einen Seite die zukünftigen Ausgaben der anderen sind. ( S. dazu: H.J. Schlichte, Modell zur Abbildung  von Wirtschaftsvorgängen in der Geldwirtschaft, https://hajosli.wordpress.com/2009/11/08/modelle-2/. Für die Volkswirtschaft heißt das:

In einer Volkswirtschaft, die durch eine auf Geld basierenden Wirtschaft (Geldwirtschaft) gekennzeichnet ist, wird als stabil angesehen, dass die volkswirtschaftlichen in Geld erfassten Ausgaben die zukünftigen Einnahmen sind (Gleichgewicht: Einnahmen = Ausgaben) oder anders betrachtet, bei einer stabilen Volkswirtschaft ist die Summe aller Ausgaben gleich der Summe aller Einnahmen.

Bei extrem ungleicher Einkommensverteilung bedeutet dies die Notwendigkeit von Schuldenaufnahme bzw. Kreditvergabe, soll die Volkswirtschaft nicht schrumpfen. Grund dafür liegt in dem reichen Teil der Bevölkerung, der mehr an Einkommen bezieht, als er an Ausgaben konsumieren kann oder will. Es entstehen Überschüsse. Soll die Wirtschaft nicht schrumpfen, so müssen diese Überschüsse (das ist die Differenz aus Einkommen und Ausgaben) vom Rest der Bevölkerung übernommen werden, wofür diese Kredite in der Höhe dieser Überschüsse aufnehmen. Es entstehen Schulden. Sollen diese Schulden nicht durch die Zinseszins-Dynamik in astronomische Höhen wachsen, müssen sie getilgt werden. Die Tilgung ist betriebswirtschaftlich anders zu betrachten, als volkswirtschaftlich.

  • Auf der betriebswirtschaftlichen Ebene kann der Schuldner durch Einnahmenerhöhung die nötige Tilgungssumme erarbeiten, indem er erhöhte Leistungen anbietet. Wer diese ihm abnimmt ist dabei unerheblich.
  • Kann er seine erhöhte Leistung nicht absetzen, muss er bei gleicher Einnahmensituation durch Sparen die Tilgungssumme erzielen. Die Wirkung dieses Sparens auf andere Wirtschaftsteilnehmer ist für ihn ebenfalls unerheblich.

Nicht so auf der volkswirtschaftlichen Ebene.

  • Hier bedeutet Sparen, um zu tilgen, Schrumpfung der gesamtwirtschaftliche Leistung durch die Störung des Input-Output-Gleichgewichtes.
  • Hier gilt, dass der Schuldner als Bevölkerungsgruppe ein Gesamtschuldner und der Gläubiger ein Gesamtgläubiger ist. Der Gesamtschuldner in einer Volkswirtschaft kann aber seine Schuld nur abbauen, wenn „die Gesamtheit der Gläubiger bereit ist, ihre Guthaben abzubauen und damit Waren oder Dienstleistungen der Schuldner zu kaufen“ (s. dazu E. Glötzl; Das Wechselfieber der Volkswirtschaften…; Ztschr. F. Soz.ök., 121, 1999 S.12 u. 21 Thesen zur Finanzkrise, Humanwirtschaft, 03/2009). Das ist die Ohmacht des Schuldners. Erhöht nun der Gesamtschuldner seine Leistung, um sie der Gläubigerseite anzubieten, steigert dies die gesamtwirtschaftliche Leistung.

Entscheidend dabei ist nun, dass bei gleichem Schlüssel der Einkommensverteilung dies auch eine Einkommenserhöhung der Gläubigerseite bedeutet. Dies ist eine einleuchtende Annahme, da in einer arbeitsteiligen Volkswirtschaft die Leistungserhöhung einer gesellschaftlichen Gruppe synergetisch Leistungserhöhungen der anderen nach sich zieht

So entsteht ein zusätzlicher Überschuss, der wiederum vom Schuldner übernommen werden muss, soll eine volkswirtschaftliche Schrumpfung vermieden werden. Das Ergebnis? Die erhöhte wirtschaftliche Leistung des Schuldners führt neben einem Wirtschaftswachstum nur zu einer Schuldenverringerung, da durch die Einkommenserhöhung des Gesamtgläubigers zusätzliche Schulden übernommen werden mussten. Sie kann sogar bei extrem ungleicher Einkommensverteilung zu einem exponentiellen bzw. linearen Schuldenwachstum führen (s.u. die Ausführungen zum Modell). Erst durch eine weitere Konsumerhöhung des Gläubigers, der den Überschuss abbaut, können die Schulden gänzlich getilgt werden.

Unter diesen Umständen ist nur eine Schuldenverringerung möglich.

Einzelheiten und Berechnungen im PDF-Dokument:

AuswirkungSchuldentilgung.pdf 65 KB

November 8, 2009 Posted by | Wirtschaft | Hinterlasse einen Kommentar

Modelle

MODELL zur Abbildung von Wirtschaftsvorgängen in der Geldwirtschaft

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Das Modell: Zusammenfassung

Es gibt in unserem Wirtschaftssystem drei große Teilnehmergruppen: Die Banken (Zentralbank, Privatbanken), die Unternehmer und die Leistungslieferanten. Die Leistungslieferanten sind im Wesentlichen die im Wirtschaftsprozess stehenden Arbeiter und Angestellte. Wichtigstes wirtschaftliches Element bzw. Instrument für den Austausch von Leistungen ist das Geld. Der wirtschaftliche Prozess kann  wie folgt beschrieben werde:

In den Unternehmen werden Produkte oder auch Dienstleistungen mit Hilfe der Leistungslieferanten hergestellt. Volkswirtschaftlich gesehen, sind die gesamten Unternehmensausgaben Geldzahlungen für die Leistungen dieser Gruppe. Diese Geldzahlungen sind wiederum Einnahmen der Leistungslieferanten. Mit den Einnahmen kaufen sie die Produkte und Leistungen, die in den Unternehmen hergestellt wurden (s. Anm. 1). Ein Schema soll dieses vereinfachte Modell veranschaulichen:

schema.jpg

Abb. 1: Modellschema.

Die Funktion der Banken ist in diesem Schema nicht aufgeführt aber im Text erläutert (s. Anhänge, Abb. 2).

  • An diesem Modell wird anschaulich, dass in einer arbeitsteiligen Wirtschaft Geld ein Zirkulationsmittel ist, das den Leistungsaustausch zwischen Wirtschaftsteilnehmern erst ermöglicht: Während das Geld in die eine Richtung strömt, gelangen die Leistungen in die andere, wo Bedarf dafür ist. Das Geld wird vom Bankensystem bzw. letztlich von der Zentralbank bereitgestellt.
  • Auf der Geldseite wird deutlich, dass die ursprünglichen Ausgaben bzw. Kosten des Gesamtunternehmers, mit denen er seine Leistungslieferanten bezahlt (ihre Einnahmen), später als Ausgaben dieser Leistungsträger seine Einnahmen sind.

In einer Volkswirtschaft, die durch eine auf Geld basierenden Wirtschaft (Geldwirtschaft) gekennzeichnet ist, wird als stabil angesehen, dass die volkswirtschaftlichen in Geld erfassten Ausgaben die zukünftigen Einnahmen sind oder anders betrachtet, bei einer stabilen Volkswirtschaft ist die Summe aller Ausgaben gleich der Summe aller Einnahmen. (s. Anm. 2).

Diese Betrachtungsweise leitet sich aus dem kaufmännischen Denken von einer ausgeglichenen Bilanz ab. Nun sind alle Modelle Ansichten, Abstraktionen mit dem Versuch, einen ganzheitlichen dynamischen Prozess – hier die Wirtschaft – auf sogenannte Wesenheiten zu reduzieren (s. Anm. 8). Das vorliegende Modell vernachlässigt u.a. besonders die Übergänge

a. von den Ausgaben der Leistungslieferanten als Konsumenten zu den Einnahmen der Unternehmen als Produktanbieter. (Konsumentenmarkt)

b. von den Ausgaben (Kosten) der Unternehmen zu den Einnahmen der Leistungslieferanten (z.B. Lohnarbeiter, die eigentlichen Arbeitergeber, weil sie ihre Arbeit einbringen).(Arbeitsmarkt)

Diese Übergänge werden in der Wirtschaftswissenschaft gemeinhin in einem anderem Modell beschrieben, dem des „Marktes“.

Das Schema bleibt zunächst die Antwort auf die Frage schuldig, wie in einem solchen Kreislauf Überschüsse (Zins, Gewinn) verwirklicht werden können. (s.Anhang 1, Binswanger)

Darüber hinaus ist die Einteilung der Vielfalt von Wirtschaftsteilnehmer in die zwei Kategorien Unternehmer und Leistungslieferanten eine besonders starke Abstraktion.

Ich konzentriere mich auf die Diskussion des Punktes a.

Das Schema zeigt dort zwei Schwachstellen, die den wirtschaftlichen Austausch mit Hilfe des Tauschmittels Geld behindern:

I. Die Abnehmer behalten ihr Geld für andere Zwecke („Sparen“, Spekulation u.a.)

II. Die Leistungen werden nicht abgefragt, weil Sättigung herrscht oder an den Bedürfnissen vorbei produziert wird (s. Anm. 3).

Zu II

Die im Unternehmen hergestellten Produkte werden von denen abgenommen, die hauptsächlich an deren Herstellung beteiligt waren. Werden weniger Waren abgenommen, so verbleibt ein Mehr an Waren beim Unternehmer (Mehrwert/Profit). Dieser kann den Produktüberschuss selber konsumieren oder er hat ein Verwertungsproblem (s. Anm. 4). Dies ist die Warenseite (Produktionssphäre) des aus gegenläufigen, von einander abhängigen Kreislaufströmen (Geld/Ware) bestehenden Wirtschaftssystems.

Zu I

Auf der Geldseite (Zirkulationssphäre) gilt , dass die Ausgaben die zukünftigen Einnahmen sind. Das heißt, eine Volkswirtschaft ist dann stabil, wenn die einzelnen beteiligten Gruppen das wieder ausgeben, was sie einnehmen. Welche Wirkung hat es auf die Volkswirtschaft, wenn einzelne Gesellschaftsgruppen mehr Geld einnehmen, als sie ausgeben können oder wollen, indem sie entweder “sparen“ (man sollte besser von „Einkommensüberschuss erzielen“ sprechen) oder Gewinne machen (Gewinn als positives Saldo aus Ausgaben, bzw. Kosten und Einnahmen)? Es ist logisch, dass sich dieser Überschuss als Geldvermögen in den Taschen dieser Gesellschaftsgruppen anhäuft. Wenn dieses Geld nicht wieder ausgegeben wird, sei es als Konsum oder Investition (eine besondere Konsumart), sondern in Schweitzer oder privaten Tresoren gelagert oder von Spekulationskassen (z.B. Girokonten) gehalten wird oder in Spekulationsblasen zirkuliert, fehlt es der Volkswirtschaft. Diesem nicht ausgegebenen Geldüberschuss stehen produzierte Güter, bzw. Leistungen gegenüber, die nicht vom Markt geräumt werden. Unternehmen gehen pleite, die Volkswirtschaft schrumpft.

Das folgende Zahlenbeispiel soll diese Aussagen illustrieren :

Hier wird die sog. reiche Gruppe, bei der die Einnahmen größer sind als die Ausgaben und die einen Bevölkerungsanteil von 20%, umfassen soll, in ihren Einnahmen dem großen Rest der Bevölkerung gegenübergestellt. Sie soll einen Einnahmeanteil von 40% am BIP haben, hier mit 2000 Mrd. €./Jahr angegeben (lt. Stat.Bu.Amt hatte 2001 ein Bevölkerungsanteil von 18% einen Anteil von ca. 47% am Gesamteinkommen). Beim großen Teil der Bevölkerung sind im Wesentlichen die Ausgaben so groß wie die Einnahmen. Die Ausgaben des kleinen reichen Teils mögen bei konstant (!) z.B. bei 720 Mrd. Euro/Jahr liegen, das sind 36% des anfänglichen (!) BIP von 2000 Mrd. Euro. Der Überschuss würde dann anfänglich bei 4% BIP, bzw. 10%  bezüglich der anfänglichen Einnahmen liegen, der voraussetzungsgemäß angehäuft wird. Da die Ausgaben immer auch die zukünftigen Einnahmen sind, schrumpft das BIP im folgenden Jahr, in unserem Beispiel um 80 Mrd. Euro (4% von 2000). Das BIP schrumpft unter diesen Voraussetzungen solange , bis die Ausgaben der reichen Gruppe gleich deren Einnahmen sind, d.h. bis in unserem Beispiel 720 Mrd. Euro 40% des dann erreichten BIP ausmachen, also auf 1800 Mrd. Euro. Der Überschuss ist dann natürlich auf null geschrumpft

Das Entscheidende bei diesem Vorgang ist, dass der reiche Teil seine Einnahmen nicht konsumieren kann oder will und dadurch Überschuss (s. Anm. 5) angehäuft wird. Die Frage ist, wie in einem Kreisprozess dieser Überschuss abgebaut werden kann, ohne dass die Wirtschaft schrumpft? Verändern lässt sich diese Situation nur, wenn der Überschuss (s. Anm. 6 u.7) in die Volkswirtschaft fließt. Das geschieht heute über Kredite, wenn dafür Zinsen bzw. Gewinne winken. Diese verschärfen aber auf die Dauer das Problem. Es entsteht ein spiralförmiger Prozess (s. Anhang 1: Binswanger)

Wie kommt es zu diesem Prozess?

Das Gleichgewicht von Kauf und Verkauf, volkswirtschaftlich gesehen, von Ausgaben und Einnahmen wäre die Grundlage eines krisenfreien Wirtschaftsablaufes. Sie ist für eine Warentauschwirtschaft unmittelbar gegeben. Dort wird Ware gegen Ware getauscht. Verkauf kann nur durch gleichzeitigen Kauf stattfinden und umgekehrt. Die in der Hand ihrer Produzenten zum großen Teil nutzlosen Güter werden für ihn in nützliche Gebrauchswerte getauscht, die sich in der Hand des anderen Tauschpartners befinden

Schon die bloße Ungleichheit in der Einkommensverteilung in einer Geldwirtschaft führt tendenziell zu Überschüssen. Behoben wird diese Schwierigkeit, indem der Geldüberschuss an andere Wirtschaftsteilnehmer als Kredite weitergereicht wird, der ihn dann durch seine Ausgaben in den Kreislauf einschleust.

Kredite (Schulden) sind Ausdruck einer auf Geld beruhenden Volkswirtschaft, denn Geld ist Ausdruck von Schuldverhältnissen, es kommt über Kredite in den Umlauf. Zwei Drittel der Geldscheine werden durch die Zentralbank über Kreditvergabe an die Zentralbanken in den Umlauf gebracht. Der Rest durch Ankauf von Anleihen, Gold und Devisen. Das Giralgeld, mit dem man ebenfalls bezahlen kann und das als Grundlage das Zentralbankgeld hat, ist nichts anderes als Schulden der Bank ihren Einleger gegenüber, denen wiederum Schulden der Kreditnehmerkunden an die Bank gegenüberstehen. Schulden sind aber auch Ausdruck von Besitzverhältnissen.

Nach der Auffassung von R. Dietz (s. sein Artikel „In Memoriam Gerhard Margreiter“, 2008, http://www.rd-coaching.at) stellt Geld einen Ausgleich zwischen dem Geben und Nehmen von Leistungen her. Wenn eine Leistung geliefert wurde, wird Geld statt einer anderen Leistung angenommen, um es zu einem späteren Zeitpunkt und einem anderen Ort gegen eine andere Leistung einzutauschen. Wird nun Geld selbst abgegeben, so wird allerdings dieser Ausgleich zwischen Geben und Nehmen durchbrochen. Die Geldbesitzer fordert mehr Geld zurück als er gegeben hat, den Zins.(Anm. 8 u. Anhang 3)

Jede arbeitsteilige Geldwirtschaft ist darauf angewiesen, dass Leistungen und Gegenleistungen zu verschiedenen Zeiten und an verschiedenen Orten stattfinden können. Das bedeutet, dass es Vertrauensverhältnisse, beziehungsweise Kreditverhältnisse gibt, weil die Teilnehmer darauf vertrauen müssen, dass sie für ihre Leistungen zu einer anderen Zeit, an einem anderen Ort auch Gegenleistungen erhalten. Die Aufgabe des Banksystems (Privat- u. Zentralbanken) besteht dabei darin, die Sicherheit zu liefern, dass der warenliefernde Teilnehmer in angemessener Zeit eine Gegenleistung erhält.

Nun könnte der Schuldner seine Schulden durch Leistungssteigerung tilgen, um dafür das Geld zu verdienen. Gesamtwirtschaftlich kann aber der Schuldner seinen Kredit nur zurückzahlen, soweit er seine Leistung absetzen kann, denn erst dann erhält er Geld für die Kredittilgung. Das ist die Ohnmacht des Schuldners. (Anmk. 8a) Erbringt er die Leistung zusätzlich zu seinem bestehenden Konsum und wird sie abgenommen, wächst die Volkswirtschaft. Schränkt er seinen Konsum ein, um die Schulden zu bezahlen, schrumpf die Wirtschaft. Entscheidend bei der Leistungssteigerung zur Schuldentilgung ist nun, dass bei gleichem Schlüssel der Einkommensverteilung dies auch eine Einkommenserhöhung der Gläubigerseite bedeutet, da in einer arbeitsteiligen Volkswirtschaft die Leistungserhöhung einer gesellschaftlichen Gruppe synergetisch Leistungserhöhungen der anderen nach sich zieht

So entsteht ein zusätzlicher Überschuss, der wiederum vom Schuldner übernommen werden muss, soll eine volkswirtschaftliche Schrumpfung vermieden werden. Das Ergebnis? Die erhöhte wirtschaftliche Leistung des Schuldners führt zu einem Wirtschaftswachstum und nur zu einer Schuldenverringerung, da durch die Einkommenserhöhung des Gesamtgläubigers zusätzliche Schulden übernommen werden mussten. Sie kann sogar bei extrem ungleicher Einkommensverteilung zu einem exponentiellen bzw. linearen Schuldenwachstum führen (s. Anhang 2 Schuldentilgung). Erst durch eine weitere nicht leistungssteigernde Konsumerhöhung des Gläubigers, der den Überschuss abbaut, können die Schulden gänzlich getilgt werden. Gleichzeitig mit der Schuldentilgung ist ein Wirtschaftswachstum verbunden. Die Investition ist eine besondere Konsumform, die zur Leistungssteigerung führt. Mit ihr sichern Unternehmen ihren Profit.

Überschüsse, insbesondere Zins und Gewinn, führen derart zu einem ständigen Wachstumszwang.

Es entsteht eine Wachstumsspirale (s. Anhang 1 Binswanger).

Dabei wächst zwangsläufig auch das Guthaben-Schulden-Paar. Dies bedeutet zwar für junge Volkswirtschaften eine kurzfristige Lösung, aber irgendwann kommt das System an eine Grenze (bei Keynes “Grenzleistungsfähigkeit des Kapitals“, bei Marx „tendenzielle Fall der Profitrate“ genannt), zu beobachten im Vergleich von jungen Volkswirtschaften wie die osteuropäischen und asiatischen und den alten wie die europäischen.

Die Politiker werden unsere Wirtschaftskrise nicht lösen können, wenn sie, wie die neoliberalen Wirtschaftswissenschaftler diese Überschussproblematik ausblenden und nicht angehen, entweder, dadurch, dass die Entstehung gedämpft bzw. gedeckelt (s. http://www.meudalismus.dr-wo.de/html/meudalismus.htm) oder der Überschuss durch Steuermaßnahmen (nicht nur steuerliche) abgeschöpft wird. Dies würde auch zum Vorteil der reichen Gruppen gereichen. Hauptursache für die Entstehung unserer krassen Einkommen- bzw. Vermögen- Ungleichverteilung ist die Möglichkeit, durch Besitz knapper Wirtschaftsgüter wie Geld, Boden und Produktionsmittel im großen Stil leistungsloses Einkommen zu erzielen. In einem Artikel von Harald Wozniewski (www.dr-wo.de ) steht: „Einsamer Reichtum basiert auf der Verarmung der Bevölkerung – Gemeinsamer Reichtum auf der Beschränkung der Reichen“.

Ergebnis

Das Modell zeigt, dass eine ungleiche Einkommensverteilung zu wirtschaftlichen Störungen führen kann. Dies ist eine ethische bzw. politische Frage und keine der Mechanik oder des Regelkreises (s. Anm. 8).

Extreme ungleiche Einkommensverhältnisse entstehen vor allem dann, wenn es in der Gesellschaft Möglichkeiten gibt, durch den bloßen Besitz von knappen, aber für alle notwendigen Gütern leistungsloses Einkommen zu erzielen . In einer modernen arbeitsteiligen Industriegesellschaft sind:

  • Produktionsmittel knappe Güter. – Ihr Besitz führt zu Profiten.
  • Weiterhin ist der Boden ein knappes, nicht vermehrbares Gut. – Sein Besitz führt zur Bodenrente.
  • Aber besonders ist Geld ein solches Gut, denn das Geld ist nicht nur bloßes Tausch- , sondern auch Aufbewahrungsmittel, das durch Hortung dem Wirtschaftskreislauf entzogen werden kann. Es ist darüber hinaus Wertmessung, reduziert auf eine Zahl  und Ausgrenzungsmittel (Wer kein Geld hat, fällt aus dem Wirtschaftsprozess heraus) Der Besitz von Geld führt zum Zins als leistungsloses Einkommen. Er ist für eine entwickelte Volkswirtschaft die Hauptquelle für die entstehende ungleiche Vermögensentwicklung und die Notwendigkeit von Wirtschaftswachstum.(z. Zins u. z. Fkt. der Banken s. Anmerkung 9)

Lösungsvorschläge

Die Instabilität des Wirtschaftsprozesses liegt in der Überschussproblematik.

Wie werden Geldüberschüsse außer durch Sparen erzielt?

  1. Durch Einkommensunterschiede, z.B. Managergehälter. Sie sind so groß, dass sie nur zu einem Teil für den Konsum ausgegeben werden können.
  2. Durch leistungsloses Einkommen, das auf Besitz beruht, nämlich:
    1. Besitz von Produktionsmittel (Unternehmen); er führt zum Profit (Unternehmergewinn).
    2. Besitz von Geld; er führt zum Zins.
    3. Besitz von Boden und Immobilien, er führt zur Pacht bzw. Miete

Hier setzen die Lösungsvorschläge an:.

  • Zu 1: Steuerliche Maßnahmen.
  • Zu 2a: Eine Maschinensteuer, eine entsprechende Lohnpolitik und die Einführung eines Bedingungslosen Grundeinkommens würde zu einer Minimalisierung der Gewinnrate führen, (Autor Moewe)
  • Zu 2b: Eine Nutzungs- und Kreditgebühr würde zu einer Minimalisierung des Zinses führen (Freiwirtschaftler: Gloetlze, Creutz, Regionalgeld, u.a., s. Anmk. 9.).
  • Zu 2c: Eine Kommunalisierung würde das leistungslose Einkommen aufgrund von Bodenbesitz abschaffen (Freiwirtschaftler)

Es geht darum, die Anhäufung von Überschüssen durch Maßnahmen abzuschöpfen, wie z.B. den genannten, sonst hilft sich das Wirtschaftsystem selbst. Es schrumpft: Firmen gehen pleite, verschwinden und mit ihnen zum großen Teil die Geldvermögen/Schulden der Gläubiger/Schuldner. In der Realität bildet sich der Schrumpfungsvorgang durch Konjunkturzyklen ab. Diese verstärken aber die Ungleichverteilung der Eigentumsverhältnisse dadurch, dass es rechtzeitig vor einem Abschwung immer Eigentümer gibt, die ihr Vermögen sichern können. Bei dem nächsten Aufschwung haben sie dann bessere Bedingungen, ihr Vermögen zu vergrößern. Die treibende Kraft für Entstehung der Überschussproblematik – Zins, Gewinn, Pacht – ändert sich nicht.

Die Bibel empfiehl zu den Konjunkturzyklen eine kluge Alternative: “Alle sieben Jahre sollst du ein Erlassjahr halten“, 5. Mose, 15,1. (Anmerkung 10)

Kurzfristig übernimmt der Staat als „infallibler Schuldner“ eine andere Lösung. Da er in der Lage ist, die Rückzahlung von Schulden in die weite Zukunft zu verschieben, mildert er durch Schuldenübernahme die Überschussproblematik kurzfristig, löst sie aber nicht. (Anmerkung 11)

Anmerkungen s. PDF-Datei oben

Anhänge s. PDF-Datei oben

November 8, 2009 Posted by | Wirtschaft | 2 Kommentare

Referat zu „Wachstumsspirale“ (H.Chr. Binswanger)

Die Wachstumsspirale

Binswanger

Zusammenfassung

H.-Chr. Binswanger geht in seiner Abhandlung, “ Die Wachstumsspirale“ (Metropolis, 2006) und in verschiedenen Artikeln, sowie Interviews, davon aus, dass unser modernes Wirtschaftssystem auf einem Geldsystem mit den Elementen Zins und Profit basiert. Die Art wie Geld entsteht (Geldschöpfung) fordert den Zins und führt zu Unternehmungen, die Profit erwirtschaften müssen. Beide Elemente führen notwendigerweise zu Wirtschaftswachstum. Das Kreislaufmodell der Wirtschaft wird zur Spiralform.

Im Grunde ist seine Ausgangsfrage sehr einfach: Wie soll eigentlich in einem geschlossenem System wie das der Volkswirtschaft, in der nur das konsumiert werden kann, was produziert wird, insgesamt ein Überschuss entstehen? Auf der Geldseite bildet sich diese Gleichheit von Produktion und Konsumtion als Ausgaben gleich Einnahmen und der Überschuss als Zinsen und Gewinn ab

Bei der Beschreibung der Geldentstehung vernachlässigt er allerdings die Geldverteilung als wesentliche Voraussetzung und Folge. Erst diese Ungleichverteilung, die als Überschuss erscheint, ermöglicht Kredite, sowie Sollzins, damit Giralgeld, in der Folge Sparguthaben mit Habenzins und schließlich als Kreditnehmer Unternehmen, die Profite fordern.

Diese Ungleichverteilung führt in einer entwickelten Volkswirtschaft schließlich zu einem Auseinanderklaffen zwischen Arm und Reich auf hohem Niveau. Binswanger sieht dieses Problem, erläutert es aber nicht. Auch sieht er das Problem, dass die Realwirtschaft wegen der Ressourcenerschöpfung nicht beliebig wachsen kann, dass dieses Wachstum zu ökologischen Problemen führt, macht sich aber Illusionen über die Überwindungsmöglichkeiten.

Einzelheiten

Ausgangsgangspunkt seiner These ist die Überlegung, dass in einer modernen Volkswirtschaft Geld durch Kreditvergabe in den Umlauf kommt. Unternehmen (“künstliche Gebilde“) sind dort die Orte der Produktion. Sie sind in der Hauptsache die Kreditnehmer, die mit dem so geschöpften Geld Leistungen der Haushalte kaufen. Mit Hilfe dieser Leistungen entstehen Produkte, die wiederum von den Haushalten mit dem so „ verdienten“ Geld gekauft werden. In einem solchen Kreislauf ist aber eine Zins- und Profiterhebung nicht möglich. Er benötigt einen zusätzlichen Geldzufluss in Höhe der Zins- und Profitforderungen.

Dazu Binswanger in einem Vortrag 2007, 7. Dez. in Wien:

Die Geldseite des Problems

„Dies ist offensichtlich nicht möglich, wenn das Geld, das die Unternehmungen den Haushalten für ihre Produktionsleistungen bezahlen, das zu deren Einkommen wird, einfach wieder von den Haushalten dazu verwendet wird, um die Produkte zu kaufen, die die Unternehmungen mit ihrer Hilfe hergestellt haben, wenn also das Geld nur im Kreis läuft. Denn dann würden sich Einnahmen und Ausgaben der Unternehmungen nur immer gerade ausgleichen. Es gäbe also in der Summe von Gewinnen und Verlusten kein positiver Saldo, keine Unternehmungsgewinne. Es könnten also weder Zinsen bezahlt werden, noch Reingewinne erzielt werden, die das Risiko decken. Ein positiver Gewinnsaldo und damit die Möglichkeit, Zinsen zu bezahlen und Reingewinne zu erzielen, die das Risiko deckt, kann somit gesamtwirtschaftlich nur entstehen, wenn Geld zufließt“.

Die Lösung

Wie fliesst aber in der modernen Wirtschaft Geld zu? Wir wissen es bereits: indem die Unternehmungen bei den Banken Kredite aufnehmen, die die Banken mindestens zum Teil durch Geldschöpfung bereitstellen, also durch Vermehrung der Geldmenge auf dem Kreditweg. Die Unternehmungen brauchen die Kredite – ich wiederhole – um  zu investieren, um das aufgenommene Geld,  zusammen mit dem reinvestierten Reingewinn für den Kauf von zusätzlichen Arbeits- und anderen Produktionsleistungen  zu verwenden. So steigen die Einkommen der Haushalte als Anbieter dieser Produktionsleistungen mit dem Wachstum der Produktion.

Dabei ist zu beachten: Die Haushalte geben ihr Einkommen, das nicht gespart wird, sofort aus, denn die Haushalte müssen ja überleben. Sie werden daher sofort zu Einnahmen der Unternehmungen. In diesem Zeitpunkt können die Unternehmungen aber nur die Produkte verkaufen, die schon produziert worden sind, die sie also vor der neuen Investition hergestellt haben, für deren Herstellung sie also im Betrag der neuen Investitionssumme weniger Geld ausgegeben haben.  Das bedeutet aber auch, dass die Einnahmen der Unternehmungen vor den Ausgaben für die Produkte, die sie verkaufen, steigen. So können im Wachstumsprozess im Durchschnitt, also im Saldo von Gewinnen und Verlusten, gesamtwirtschaftlich stets Gewinne entstehen.

Auf diese Weise hält sich der Kapitalisierungs- und Wachstumsprozess mit Hilfe der Schulden, die zu Geld werden, selbst im Gange. Er wird zu einem perpetuum mobile. Der Wirtschaftskreislauf weitet sich zu einer Wachstumsspirale aus. In ihr entstehen die Gewinne, die nötig sind, damit sich diese Spirale immer weiter ausweiten kann, zusammen mit der realen Produktion. (s. auch Anhang Auszug aus dem Buch Binswanger „Die Wachstumsspirale“)

Wie fließt also der modernen Wirtschaft zusätzliches Geld zu? Wohlgemerkt, die Unternehmungen borgen sich dieses zusätzliche Geld und zahlen damit Leistungen der Haushalte. Damit produzieren Sie schließlich zusätzliche Produkte. Die Produktion wird  mengenmäßig erhöht. Inzwischen kaufen die Haushalte mit diesem durch die zusätzlichen Einnahmen gestiegenem Einkommen, die vor der zusätzlichen Investition mit weniger Geld produzierten Produkte. Es entsteht ein Geldüberschuss.

Wie lässt sich die o. zitierte Erläuterung von Binswanger konkretisieren, wie bildet sie sich in der Realität ab? Dazu als Beispiel der folgende Versuch.

Unternehmergewinn:

Binswanger definiert Unternehmensgewinn wie folgt:

„Der Unternehmungsgewinn ist demgegenüber ein Residuum, das sich aus der Differenz zwischen den Einnah­men ergibt, die sich aus dem Verkauf der Produkte ergeben, und den Ausgaben, die vorher beim Kauf bzw. Einsatz der Produktionsleistungen ent­standen sind“ (S. 366, Die Wachstumsspirale). An anderer Stelle wird der Unternehmensgewinn als zusammengesetzt aus Zins und Reingewinn gesehen (S.310, dito,… Anteil am Unternehmungsgewinn … Form des Zinses … in Form des Reingewinns..) Wenn aber Fremdkapitalgeber „grundsätzlich außerhalb der Unternehmung“ (S. 78 dito) stehen, kann das so nicht formuliert werden. Dann muss der Zins ein Teil der Ausgaben sein und die Differenz aus Einnahmen und Ausgaben ist dann der Reingewinn als Residuum. Außerdem stellt sich die Frage, wem gehört das Fremdkapital? Das Geld als Fremdkapital wird zwar wie unten erläutert mittels de Banken geschöpft, aber wem gehört dann dies so geschöpfte Geld? Dies ist die Unklarheit in der Geldschöpfungsthese von Binswanger

Das Problem

Die Unternehmen (U) schießen 1000 Geldeinheiten (GE), die sie als Kredit erhalten haben, als Bezahlung an die Haushalte (H) vor, wodurch 100 Wareneinheiten (WE) produziert werden- Die Haushalte erwerben damit voraussetzungsgemäß sogleich die so produzierten WE, die sie konsumieren. Die Unternehmen erhalten die 1000 GE zurück – der Kreislauf  ist geschlossen.

Wie ist nun ein Überschuss (Unternehmergewinn) von konstant 100 GE möglich?

Die Lösung (Binswanger)

Die U nehmen einen Kredit von insgesamt 1000 GE auf und bezahlen damit die Leistungen der H. (Die Verteilung der Bezahlung, m.a.W. die Einkommensverteilung bleibt an dieser Stelle unberücksichtigt). Mit Hilfe dieser Leistungen werden 100 WE produziert. Nun soll – nach den Vorstellungen von Binswanger – zusätzlich Geld dadurch fließen, dass Kredite als Vorschuss aufgenommen, z.B. 100 GE werden. Wozu dient dieser Vorschuss? Er dient dem “Kauf von zusätzlichen Arbeits- und anderen Produktionsleistungen“ (s.o.). Zum Beispiel können weitere Arbeiter (Haushalte) eingestellt werde, die am vorhandenen Maschinenpark durch besser Auslastung zusätzliche Produkte der gleichen Art  – hier 10 WE – herstellen. Die zusätzlichen H erhielten dann den zusätzlichen Vorschuss. Oder es können produktivere Maschinen gekauft und die alten werden. Letztlich erhielten dann die in der Maschinenbauindustrie beschäftigen Haushalte den zusätzlichen Vorschuss. Die Herstellung der zusätzlichen WE benötigt Zeit. Inzwischen geben alle im Betrieb beschäftigte Haushalte Ihr so erlangtes “Einkommen, das nicht gespart wird, sofort aus, denn die Haushalte müssen ja überleben“ .

Ihr Einkommen beträgt 1000GE + 100 GE = 1100 GE. Damit nehmen sie die vorher produzierten 100 WE ab, die für die U billiger, nämlich 1000 GE, waren (s.o. „…für deren Herstellung sie also im Betrag der neuen Investitionssumme weniger Geld ausgegeben haben“). Siehe dazu auch den Text aus dem Buch, Binswanger, Die Wachstumsspirale, im Anhang). Die U haben damit Einnahmen von 1100 GE und einen Gewinn von 100 GE. Es stehen aber diesen Einnahmen in gleicher Höhe Schulden gegenüber und eine Erhöhung der Produktion von 100 WE auf 110 WE. Die Gewinne entsprechen der Zunahme der Schulden und die Zunahme der Schulden einer Zunahme der Einnahmen von H. Die gesamten Einnahmen der U inklusive der Gewinne (1000 € + 100 €)müssen nun wieder in die neue größer Produktion gesteckt (investiert) werden. Das ist die zweite Wachstumsrunde. Wieder werden, wie oben beschrieben, 100 GE zusätzliche Kredite aufgenommen, um zusätzliche 10 WE zu erzeugen usw. In der zweiten Runde wäre die Schuld auf 1200 gestiegen, die Produktion auf 120 WE gewachsen usw..

Im Schema stellt sich das wie folgt dar:

Schema:

Nr. U- Kredit (Schuld) (GE) Bezahlung H vor  Erhöhung (GE) Produktion vor Erhöhung (WE) Kaufpreis/ Einnahmen H (GE) Reingewinn (GE)
1. 1100 1000 100 1100 100
2. 1200 1100 110 1200 100
3. 1300 1200 120 1300 100
4. 1400 1300 130 1400 100
5. usw.

Wegen der Entnahme des Gewinnes in konstanter Höhe, wachsen die Schulden der Unternehmer linear. Ihnen stehen wachsende Einnahmen als Sichtguthaben der Haushalte gegenüber. Auch die Produktion von Waren wächst linear. Da aber der Unternehmergewinn als Rate (Zinsrate + Gewinnrate) gefordert wird, dürfte das Wachstum exponentiell aussehen.

SpiralSchema0001

Im Diagramm erscheinen die Kredite und Sichteinlagen nicht, stattdessen sind Kapitaleinsatz und Kaufkraft genannt. Das Wachstum kommt deswegen zustande, weil die Unternehmungen Ihren Überschuss zur Produktionsausweitung (die Produktion wird mengenmäßig erhöht) investieren. Der Gewinn wird durch eine Verschuldung der Unternehmen realisiert. Das ist ja auch nicht erstaunlich, da die Unternehmen voraussetzungsgemäß dazu Kredite aufnehmen (s.o. „Wie fliesst aber in der modernen Wirtschaft Geld zu? Wir wissen es bereits: indem die Unternehmungen bei den Banken Kredite aufnehmen,).

Aber es gibt auch andere gesellschaftliche Gruppen, die Überschüsse haben. Bei den Haushalten setzt Binswanger voraus, dass diese ihre Einnahmen gleich wieder ausgeben und dass „Sparen“ offensichtlich als Reduzierung der Ausgaben angesehen wird: „Die Haushalte geben ihr Einkommen, das nicht gespart wird, sofort aus, denn die Haushalte müssen ja überleben .Doch die Manager als Haushaltsgruppe haben so hohe Einkommen, dass sie diese für ihren eigenen Konsum gar nicht ausgeben können.

Und dann gibt es da noch den Staat als Schuldner und natürlich Haushalte, die nicht in der Situation von Managern sind und zum überleben Schulden aufnehmen müssen.

Das Modell erklärt den Wachstumszwang als Zwang zum investieren. In seinem Buch „Die Wachstumsspirale“ beschreibt Binswanger sowohl die negativen  Seiten als Horrorvision der bedenkenlosen Ausbeutung von menschlichen und natürlichen Ressourcen, als auch die positiven  als Verheißungen des Reichtums für alle und den Versprechungen von beglückenden Innovationen und Kreativitäten. Reichtum für alle? Das Schema zeigt ja, wie die Einnahmen, das ist die Kaufkraft der Haushalte, steigen! Den Schulden der Unternehmen stehen wachsende Einnahmen als Sichtguthaben der Haushalte gegenüber.

An dieser Stelle ist zu fragen, wie Sparguthaben entstehen? Sichtguthaben sind Zahlungsmittel, mit denen die Produkte der nächsten Runde im Wachstumsprozess abgenommen werden. Mit Sparguthaben kann man nicht zahlen.

Wie kommt es aber zu der einseitigen Reichtumsverteilung, die sich in der einseitigen Verteilung festgelegter Guthaben (Geldvermögen) und der gegenüberstehenden ungeheureren gesellschaftlichen Verschuldung spiegelt?

Binswanger vernachlässigt Faktoren, die er zwar anspricht, aber in ihrer Bedeutung verkennt. Das liegt an seinen Annahmen.

Die Warenseite des Problems

Zunächst an dem Modell von Binswanger auf, dass nur drei Parteien genannt werden: Banken, Unternehmer und Haushalte als Konsumenten einerseits und Leistungslieferer andererseits. Es fehlt der Staat. Außerdem wird nur die Geldseite dargestellt, die Warenseite fehlt.

Es ist berechtigt, die Rolle der Unternehmen als Hauptkreditnehmer (Hauptschuldner) zu kennzeichnen. In der Statistik weisen die Unternehmungen (Groß- Mittelunternehmen und Selbstständige) einen Anteil von 70% der gesamtgesellschaftlichen Verschuldung auf. Aber es gibt auch den Staat mit einem Anteil von ca. 25% und die Privathaushalte mit einem Anteil von 5%.

Eine andere Sichtweise

Betrachtet man sowohl die Warenseite als auch die Geldseite der Volkswirtschaft, so stellt sich die Überschussproblematik wie folgt dar: Die Unternehmungen produzieren mehr Waren als von den Haushalten aufgrund ihrer Einnahmen, die gleichzeitig die Ausgaben der Unternehmen sind, abgenommen werden können.

Soll der Warenüberschuss abgekauft und somit der Unternehmergewinn (Zins und Reingewinn) realisiert werden, so müssen sich Schuldner finden, die dafür Kredite aufnehmen.

1. Die Unternehmen

Nach dem Modell von Binswanger akkumulieren sie die Kredite über Investitionen in einem dynamischen Wachstumsprozess.

Die Unternehmen können aber auch ohne zu investieren (Investition eine besondere Art des Konsums!!) den Warenüberschuss konsumieren (Bau von Palästen !). Die Wirtschaft wächst dann nicht.

Die Unternehmen können außerdem den Warenüberschuss ins Ausland transportieren. Das ist der Fall des Exportüberschusses, bei dem mehr Waren exportiert als importiert werden. Die Waren werden so ins Ausland transferiert und dort in ausländischem Geld der Profit realisiert. Die einheimische Wirtschaft wächst dann nicht.

Es könnte aber auch Folgendes eintreten: Der Warenüberschuss vergrößert das Warenangebot. Die Preise erniedrigen sich im Durchschnitt, die Haushalte können mehr kaufen und den Warenüberschuss konsumieren. Oder sie erhalten einen höheren Lohn und können sich dadurch mehr kaufen. Das Mehr an Waren wird so als Mehrwert zu den Lohnabhängigen transferiert – nach Marx und den Kapitalismusvertretern ein unwahrscheinlicher Fall, weil das Erzielen von Profit (Mehrwert) für den Unternehmer überlebensnotwendig ist (s.u. Investitionszwang/Gewinnrealisierung). Die Wirtschaft wächst nicht und die Unternehmen können aus ihrem Warenüberschuss den Gewinn nicht realisieren. (dazu Brodbeck)

2. Der Staat, die Privathaushalte

Es können aber auch die Privathaushalte und der Staat als Repräsentant aller Haushalte („Der Staat sind wir!!“) Kreditnehmer sein. Sie kaufen mit dem Kredit den Warenüberschuss, um ihn zunächst nur zu konsumieren und seine Rückzahlung, wie im Falle des Staates, in die weite Zukunft zu verschieben. Dadurch häufen sich Schuldenberge auf der Seite der Haushalte und des Staates und Geldvermögen auf der Seite der Unternehmen. Werden die Schulden getilgt, gibt es zwei Möglichkeiten:

Die Schuldner schränken ihre Ausgaben ein – sie sparen – und tilgen mit dem Gesparten. Dann schrumpft die Volkswirtschaft. Oder

Die Schuldner verkaufen zusätzliche Leistungen, um mit dem Geld die Schulden zu tilgen. Diese Möglichkeit besteht nur für die Privathaushalte, wenn die Unternehmen bereit sind, die zusätzliche Leistungen abzunehmen. Das ursprüngliche Problem des Warenüberschusses stellt sich dadurch von Neuem. Es kommt zur von Binswanger beschriebenen Wachstumsspirale.

Im Modell von Binswanger muss die Volkswirtschaft im gleichem Maße wie die Unternehmensschulden/Guthaben wachsen. Im zweiten Fall, bei einer Verschiebung der Tilgung in die Zukunft, wächst die Volkswirtschaft nicht. Treffen beide Fälle zu, wachsen die Schulden/Geldvermögen schneller als die Volkswirtschaft. Im ersten Fall haben die Unternehmen die Schulden und dem gegenüber die Haushalte die Guthaben. Im zweiten Fall besitzen Staat und Privathaushalte die Schulden und die Unternehmen die Guthaben. Für die Profitrealisierung der Unternehmen spielt also der Staat mit seiner Verschuldung eine besondere Rolle. Verschuldet er sich nicht, müssen andere insbesondere die Unternehmen zur Gewinnrealisierung sich verschulden (s. H.J. Schlichte: „Schulden und Finanzkrise“, 2. Mai 2009 ) Schulden und Finanzkrise.

Es kommt zum von Binswanger erläuterten Wachstums-/Schuldenzwang, den der Staat mit seiner Schuldenübernahme mildern würde. Wenn Wirtschaftswachstum also an seine Grenzen kommt und Schrumpfung droht, wäre dies die Alternative, die in der Realität auch zu beobachten ist.

Mit dem Wachstum einer auf Geld beruhenden Volkswirtschaft wachsen notwendigerweise auch die Schulden, weil das dafür nötige Geld über Kredite in den Umlauf kommt. Schulden sind Ausdruck einer auf Geld beruhenden Volkswirtschaft, denn Geld ist Ausdruck von Schuldverhältnissen, es kommt über Kredite in den Umlauf. Schulden sind aber auch Ausdruck von Besitzverhältnissen.

Nach der Auffassung von R. Dietz (s. sein Artikel „In Memoriam Gerhard Margreiter“, 2008, http://www.rd-coaching.at) stellt Geld einen Ausgleich zwischen dem Geben und Nehmen von Leistungen her. Wenn eine Leistung geliefert wurde, wird Geld statt einer anderen Leistung angenommen, um es zu einem späteren Zeitpunkt und einem anderen Ort gegen eine andere Leistung einzutauschen. Wird nun Geld selbst abgegeben, so wird allerdings dieser Ausgleich zwischen Geben und Nehmen durchbrochen. Der Geldbesitzer fordert mehr Geld zurück als er gegeben hat, den Zins.

Wird nun die Schuldentilgung durch Ausgabenkürzung der Schuldner (Sparen) erreicht, bleiben wieder Produkte liegen, die Volkswirtschaft schrumpf wie oben.

Halten wir fest: Das Wirtschaftswachstum erfolgt nur, wenn durch eine Investition , die zu einer mengenmäßigen Erhöhung der Produktion führt, die Gewinne realisiert werden. Der Wirtschaftswachstumszwang ist in diesem Sinne ein Investitionszwang.

Warum müssen aber Unternehmen Gewinne realisieren? Binswanger argumentiert wie folgt (Die Wachstumsspirale“, 2006, S. 368):

„Wenn dies nicht der Fall ist, sinkt die Gewinnrate und damit die Bereitschaft der Aktionäre (Anm.: Wer sind die Aktionäre und woher haben sie ihr Geld?) und damit auch der Banken, zusätzliches Geld als Kapital zur Verfügung zu stellen, was wiederum zu einer weiteren Senkung der Gewinnrate führt, bis schließlich die minimale Gewinnrate unterschritten wird, die genügt, damit das Risiko (Anm.: Die Banken sichern sich gegen dieses Risiko durch sog. Pfänder?), das mit dem Kapitaleinsatz verbunden ist, gedeckt wird. Wird sie unterschritten, werden die Aktionäre ihren Kapitaleinsatz zurückziehen. Entsprechend werden die Banken ebenfalls den Kapitaleinsatz reduzieren und ihre Kredite kündigen. Aus der Unterschreitung der minimalen Gewinnrate würde so nicht nur eine Minderung des Kapitalzuwachses und damit des Wachstums resultieren, sondern eine effektive Schrumpfung der Wirtschaft.“ (dazu Brodbeck)

Danach liegt der Schlüssel für den Zwang, Profite erzielen zu müssen, in der Hand der Kapitalbesitzer. Sie fordern eine Entschädigung für ihr Risiko,dass ihr Kapitaleinsatz verloren gehen könnte.

Wer sind die Überschusshalter? Eine bedeutende Gruppe sind die Unternehmen. Sie erzielen Reingewinne, die sie nach Binswanger (s. S. 365 – 370, Die Zinsspirale) z. T. investieren. Andere gesellschaftliche Gruppen mit Geldüberschuss (Überschusshalter) stellen ebenfalls einen Teil davon zum Investieren zur Verfügung, entweder direkt durch Anteilsübernahme oder indirekt, indem sie Fremdkapital bzw. Kredite gegen Zinsen anbieten. Investieren ist eine besondere Form des Konsums. Nur dieser führt zu dem von Binswanger beschriebenem  Wirtschaftswachstum. Unternehmungen können auch ihren Reingewinn dazu benutzen, um gewöhnlich zu konsumieren, z.B. um Paläste zu bauen. Ihre Wettbewerbssituation zwingt sie aber dazu, zu investieren. (s. dazu Brodbeck)

Wie kann man Überschüsse erzielen?

durch Einkommensunterschiede, z.B. Managergehälter. Sie sind so groß, dass sie nur zu einem Teil für den Konsum ausgegeben werden können

durch leistungsloses Einkommen, das auf Besitz beruht, nämlich:

  1. Besitz von Produktionsmittel (Unternehmen); er führt zum Profit (Unternehmergewinn)
  2. Besitz von Geld; er führt zum Zins
  3. Besitz von Boden und Immobilien, er führt zur Pacht bzw. Miete

Die bisherigen Erläuterungen beschreiben sowohl den Zwang zum Wirtschaftswachstum im Sinne von Binswanger, als auch wie es zu dem Überschuss kommt und damit zur ungleichen Einkommensverteilung und Schuldenanhäufung. Sie weisen aber auch auf andere Lösungswege als sie Binswanger nennt. Er hält im Prinzip den Wachstumszwang als unausweichlich, wagt nur am Schluss seines Buches Bedenken, nachdem er ein Horrorszenarium von Schäden durch diesen Wachstumszwang andeutet, wenn er schreibt (S. 375):

„…Dann könnte es sich aufdrängen, Wege zu suchen, wie in geordneter Weise, …, der Spirallauf der Wirtschaft wieder allmählich in einen Kreislauf zurückgeführt werden kann. Es würde dann notwendig sein, Vorstellungen über die Gestaltung einer Wirtschaft zu entwickeln, die in sich nachhaltig ist, d.h. den ökonomischen, ökologischen und sozialen Ansprüchen optimal Genüge leistet.“

In dem schon erwähnten Vortrag Zürich 2007 versucht er einen Ansatz von Lösungsvorschlägen.

Lösungsvorschläge

  • Anpassung der Eigentumsformen an das Nachhaltigkeitsziel. …
  • Einbau der Eigenarbeit …. in die Einkommenspolitik
  • Umgestaltung der Rechtsform der Unternehmen zur Minderung des Wachstumsdrang

In der Tat geht es um Besitz und Eigentum, die, wie oben beschrieben, Grundlage für die Überschussproblematik sind: Besitz von a.) Produktionsmittel, b.) Geld und c.) Boden

An diesen Punkten können Lösungen ansetzen. Sie wurden von verschiedenen Autoren und Gruppen vorgeschlagen:

  1. Eine Maschinensteuer, eine entsprechende Lohnpolitik und die Einführung eines Bedingungslosen Grundeinkommens würde zu eine Minimalisieren der Gewinnrate führen, (Autor Moewe)
  2. Eine Nutzungs- und Kreditgebühr würde zu einem Minimalisieren des Zinses führen (Freiwirtschaftler: Gloetlze, Creutz, Regionalgeld, u.a..)
  3. Eine Kommunalisierung würde das leistungslose Einkommen aufgrund von Bodenbesitz abschaffen (Freiwirtschaftler).

Überhaupt geht es darum, die Anhäufung von Geldvermögen durch Maßnahmen, wie z. B. den genannten, abzuschöpfen, sonst hilft sich das Wirtschaftsystem selbst. Es schrumpft; Firmen gehen pleite, verschwinden und mit ihnen zum großen Teil die Geldvermögen der Gläubiger. In der Realität bildet sich der Schrumpfungsvorgang durch Konjunkturzyklen ab. Diese verstärken aber die Ungleichverteilung der Eigentumsverhältnisse dadurch, dass es rechtzeitig vor einem Abschwung immer Eigentümer gibt, die ihr Vermögen sichern können. Bei dem nächsten Aufschwung haben sie dann bessere Bedingungen, ihr Vermögen zu vergrößern. Die treibende Kraft für Entstehung der Überschussproblematik – Zins, Gewinn, Pacht – ändert sich nicht.

Kurzfristig übernimmt der Staat als „infallibler Schuldner“ eine andere Lösung. Da er in der Lage ist, die Rückzahlung von Schulden in die weite Zukunft zu verschieben, mildert er durch Schuldenübernahme die Überschussproblematik kurzfristig, löst sie aber nicht. Als ironische Bemerkung im Klappentext zum Buch von P.C. Martin: „Aufwärts ohne Ende“, 1988 heißt es dazu:

Zum ersten Mal in der Geschichte ist es gelungen, das Überschuldungs-Problem, das letztlich auf einen unlösbaren Gläubiger/Schuldner-Konflikt und den Bürgerkrieg hinausläuft, zu entschärfen – durch den größten Trick der Weltgeschichte: durch die Einführung des Sonderkontos “Staat“, das immer weiter belastet wird, ohne dass es uns belastet. … Paul C. Martin, lange Zeit als “Crash-Prophet“ verschrien, erklärt: „Das ist es! Ich widerrufe! Jedes Problem löst sich hinfort von selbst, auch das der sogenannten >> Überschuldung<< – indem wir alle noch viel schneller noch viel höhere Schulden machen. Eine Alternative zu dieser Politik ist weder diskutabel, noch in Sicht!

Anhang 1: H. Chr. Binswanger

Aus dem Buch Binswanger „Die Wachstumsspirale“, 2006, S. 367 bis 368.

„Die Unternehmungen benutzen die Kredite, d.h. den Zuwachs des Fremdkapitals – ….- dazu, zusätzliche Produktionsleistungen von den Haushalten zu kaufen. Entsprechend steigen die Einkommen der Haushalte uno actu mit der Kapitalerhöhung, während die Unternehmungen noch die Produkte anbieten, die vor der Kapitalerhöhung hergestellt wurden, denn die Herstellung der Produkte und die Bereitstellung zum Verkauf benötigen ja Zeit. Deswegen wird ja ein Vorschuss, d.h. ein Kapitaleinsatz benötigt! Da die höheren Einkommen unmittelbar zu einer erhöhten Nachfrage nach den Produkten der Unternehmungen führen, steigen auch die Einnahmen der Unternehmungen fast uno actu mit dem Kapitalzuwachs. So stehen stets höhere Einnahmen den Ausgaben gegenüber, die die Unternehmungen tätigen mussten, um die Produkte herzustellen, die sie verkaufen. Da der Gewinn die Differenz ist zwischen den Einnahmen und den Ausgaben für die Produkte, durch deren Verkauf die Einnahmen erzielt werden, resultiert auf diese Weise im wirtschaftlichen Wachstum gesamtwirtschaftlich stets ein zusätzlicher Gewinn aus dem Zuwachs des Kapitals. Dabei können wir davon ausgehen, dass dieser hoch genug ist, um das eingegangene Risiko zu kompensieren, weil dies die Voraussetzung ist, dass überhaupt Kapital zur Verfügung gestellt wurde.“

Anhang 2: K.H. Brodbeck

Die Quelle des Überschusses

Sozialisten, als auch ihre Gegenspieler die Kapitalisten sehen die Notwendigkeit, Überschuss in der Produktion zu erzielen, im Wettbewerb. Dazu K.H. Brodbeck, Umrisse einer postmechanischen Ökonomie, http://www.fh-wuerzburg.de/professoren/bwl/brodbeck/postmech.htm , in: R. Benedikter (Hg.), Postmaterialismus, Band 1: Einführung postmaterialistische Denken, Wien 2001, S. 117-142.

Er sieht die Quelle nicht so sehr im Wettbewerb, sondern im „Denkmodell des Kaufmanns“, aus Geld mehr Geld zu machen.

„Wenn es einen Überschuß (durch „Ausbeutung“) gibt, dann wäre es für eine Firma vorteilhaft, auf einen Teil des Überschusses pro Produkt zu verzichten, die Preise zu senken und durch größere Marktanteile insgesamt die Profitmasse zu erhöhen. Andere werden das aber nachahmen. Wenn also der Wettbewerb funktioniert, führen schrittweise Preissenkungen zur Elimination jedes Überschusses. Der Einzelvorteil einer Preissenkung schwindet, wenn sie allgemein nachgeahmt wird.

Es muß also eine Quelle in der Wirtschaft geben, durch die unaufhörlich ein neuer Überschuß entsteht, der im Gewinn, in steigenden Löhnen und im Zins erscheint. Diese Quelle ist die kreative Umwälzung gewohnter Muster der Produktion und des Konsums….Das kaufmännische Interesse an einer Verzinsung des Kapitals unterwirft nach und nach alle Lebensbereiche, mit dem Ziel, durch Innovationen einen Pioniergewinn zu erwirtschaften, …. Da aber jede Neuerung früher oder später auf Nachahmer stößt, sorgt der Wettbewerbsprozeß dafür, daß die relativen Vorteile wieder verschwinden. Die Gewinne schmelzen weg und machen erneute Innovationen notwendig, um so in permanenter Beschleunigung und Umwälzung jährlich jenen Überschuß zu erwirtschaften, ….. Der Preis dieses Prozesses ist die immer wieder neue Zerstörung alter Gewohnheiten, traditioneller Handlungsregeln, wie sie in der Technik, beim Konsum oder in den übrigen Bereichen der menschlichen Kultur erscheinen.“ (K.H. Brodbeck (Kreativität und Unsicherheit,. Zur Synthese von Schumpeter und Keynes, 1996, http://www.khbrodbeck.homepage.t-online.de ).

November 8, 2009 Posted by | Wirtschaft | 2 Kommentare

Schulden und Finanzkrise

Schulden und Finanzkrise

(2. Mai 2009)

Zur deutschen politischen Situation:

In Kommentaren zur Finanzkrise verengt sich der Blick sehr häufig auf Deutschland. Doch weltweit haben die Staaten dieselben Probleme und Ursachen.. Deutschland stellt sich bei der Lösung im Vergleich z.B. zu den nordischen Staaten besonders dämlich an. Außerdem ist die BRD, sowie China und Japan mit ihren Außenhandelsüberschuss und ihrer Fixierung auf den Export ein Teil des Problems. Der Gegner in diesem Spiel sind die USA. Dazu ein Artikel von dem Schweizer Walter Hirt über Schulden (W.Hirt, Im Würgegriff der Schulden, in Smart Investor 11, 2004)

Ein Freund fragt mich: „Das Geld, das heute fehlt, war ja mal da. Kann man davon nichts zurück holen ?“ In der Tat es ist da: Kommentar in der WELT-online von G. Heller am 30.01.09: „Die Kapitalmärkte quellen geradezu über vor Liquidität. Billionen Dollar liegen auf Giro- und Festgeldkonten.“

Hintergrund ist die Konzentration von Geldvermögen in wenigen Händen: Im Jahre 2007 betrug das Geldvermögen privater Haushalte 4,6 Billionen Euro in Deutschland, das zu 61% in den Händen von 10% der Haushalte lag. Erweitert man den Personenkreis, so besitzen 40% der Haushalte 96% des Geldvermögens, 60% dagegen nur 4% (Quelle: dt. Inst. F. Wirtschaftsf.). Mit den Nichtfinanzielle Kapitalgesellschaften und dem Staat betrug das Geldvermögen 7,9 Billionen Euro (2,8 bzw. 0,5 Bill €).

Dazu H. Creutz in Zeitschrft. F. Humanwirtschaft „..Selbstvermehrung der Geldvermögen“ über Geldvermehrung und Finanzkrise:

„Über die Hintergründe unserer derzeitigen Banken- und Wirtschaftskrise, als Folge der Ein­brüche auf den Finanzmärkten, wird fast genau so viel spekuliert, wie vor­her an den Börsen dieser Welt. Als Ur­sachen für diesen Einbruch werden die fragwürdigen Immobilienkredite ebenso angeführt wie die mangelnden staatlichen Regulierungen, die falsche Geld- und Zinspolitik der Notenbanken oder auch die Gier der Menschen. Die tatsächlich auslösende Ursache wurde jedoch bisher so gut wie nie angesprochen: Das seit Jahrzehnten andauernde Überwachstum der Geldvermögen! Dabei resultieren daraus nicht nur die viel beschriebenen aktuellen Exzesse und Hiobsmeldungen unserer Tage, sondern auch die seit Jahr­zehnten diskutierten sozialen und ökologischen Fehlentwicklungen in unseren Volkswirtschaften!

Dieses Überwachstum der Geldvermögen wird bereits deutlich, wenn man die Entwicklung der Geldvermögen in Deutschland mit jener der volks­wirtschaftlichen Leistung vergleicht: Während diese Leistung, das BIP, in inflationsbereinigten Größen von 1950 bis 2005 auf das 8-fache gesteigert wurde, sind die Geldvermögen in der gleichen Zeit auf das 45-fache explodiert! Oder anders ausgedrückt: Lagen die Geldvermögen Anfang der 1950er Jahre noch bei 60% des BIP, haben sie inzwischen die Marke von 320% überschritten! Das heißt: Die Geldvermögen sind heute bereits 3,2mal so groß wie unsere jährliche Wirtschaftsleistung! Diese wuchernden Geldvermögen mussten jedoch, zur Schließung des Geldkreislaufs und Absicherung der Nachfrage, über Kredite in die Wirtschaft zurückgeführt werden. Das bedeutet, dass im Gleichschritt mit den Geldvermögen nicht nur die Verschuldungen angestiegen sind, sondern auch die Zinsströme, die aus der Leistung der Volkswirtschaft laufend bedient werden müssen! Da die Volks­wirtschaften mit diesem Überwachstum jedoch immer weniger mithalten können, sind sie – aus einfachen mathematischen Gründen – letztendlich zum Scheitern verurteilt.“

Die Schulden der dt. Volkswirtschaft betrugen insgesamt 7,5 Bill. €, die sich zu 74% auf Unternehmen, zu 21% auf den Staat und zu 5% auf die private Haushalte verteilen. (Quelle Dt. Bundesbank 2007, nach 95 wurde anders gezählt, Einzelkaufleute u. Selbstständige zählten zu den Privathaushalten. Nach dieser Zählung verteilen sich die Schulden zu 59% auf die Unternehmen, 20% Privathaushalte, 21% der Staat).

Geredet wird nur von den Staatsschulden!

Fast alle Talkshow – Debatten frönen dabei einer betriebswirtschaftlichen Sichtweise, wenn es heißt, die Staatsschulden würden zur Belastung zukünftiger Generationen werden. Zukünftige Generationen besitzen auch das Geldvermögen, das diesen Schulden gegenübersteht. Was der nächsten Generation aufgebürdet wird, ist die Aufgabe, dieses Zwillingspaar Schulden/Geldvermögen aufzulösen. Es geht um die Lösung des Verteilungsproblems von gesellschaftlichem Reichtum.

Und noch eins: Wenn der Staat keine Schulden macht, sucht sich das Finanzkapital Schuldner bei den Unternehmen, die die Kosten dafür an die Konsumenten weiterreichen. So oder so, ob über den Preis oder über Steuern landet das Problem bei der Bevölkerung. Die 7,5 Billionen € Schulden/Geldvermögen des Jahres 2007 bleiben bestehen

Dieses Zwillingspaar wird durch die Zinseszinsdynamik ständig vermehrt, da können die Politiker hoch- und runterspringen, es sei denn sie ändern etwas an der Zinseszinsdynamik und der Verteilungsproblematik. Deswegen sind die Staatsschulden den Unternehmerschulden sogar vorzuziehen, wenngleich auch keine Lösung, weil jene die Möglichkeiten bieten, sich die Schuldenkosten über die Steuern bei den Vermögenden zurückzuholen, etwa durch eine Steuer auf Vermögen aus Geld- und Geldderivaten oder durch eine Erbschaftssteuer. Dies ist eine Frage des Funktionierens, eines sich selbstverstärkenden Regelkreises, eines selbstverstärkenden Prozesses der Umverteilung. Ein Techniker hätte hier schon längst versucht, ein Dämpfungsglied in Form einer Rückhaltegebühr in die positive Rückkopplung einzubauen. Insofern ist es eine Gerechtigkeitsfrage: der Wille zu diesem Schritt fehlt. Oder ist leitungslose Geldvermehrung – der Zins –ein Naturereignis? Dazu der Artikel von E. Scheunemann „Mythos der Schuldenfalle“.

Dass das Finanzkapital sich neue Schuldner bei den Unternehmern holt, wird durch folgenden Grafiken anschaulich: sanken die Staatsschulden (1950-1970 und 97 bis 01) stiegen die Unternehmerschulden.

Schuldenentwicklung

(Nach 95 wurde anders gezählt, Einzelkaufleute u. Selbstständige zählten zu den Privathaushalten, die rote Kurve 97-07  liegt deswegen höher als die 50-98)

Aussichten auf eine Lösung der augenblicklichen Weltwirtschaftkrise bieten die Wirtschaftstheoretiker Schumpeter und Nefiodow, die sich auf den russischen Wirtschaftswissenschaftler, Kommunisten und Verteidiger der Marktwirtschaft beziehen (er bezahlte unter Stalin sein Eintreten für die Marktwirtschaft mit dem Leben). Dazu zwei Artikel: L. Berger : Der 6. Kondratieff u. R. Land : ein neuer Kondratieff… Die genannten Wirtschaftswissenschaftler haben die ungeheure Innovationskraft des Marktes deutlich gesehen, was die Sozialisten mit ihrer grundsätzlichen und berechtigten Kritik an dem durch den Markt bestimmten Warencharakter jeder menschlichen Tätigkeit verkannt oder übersehen haben. Diese „zerstörerische Destruktivität“ im neutralen Sinne ist nach K.H. Brodbeck (Kreativität und Unsicherheit,. Zur Synthese von Schumpeter und Keynes, 1996) die eigentliche Triebkraft des Kapitalismus, der sich auf die Marktwirtschaft bezieht, die eigentliche Quelle des Profites. …Die Kreativität wenigstens des europäischen Managements scheint seit vielen Jahren vor allem darin zu bestehen, immer neue Begründungen für die Entlastung von der Kostenseite her zu erfinden. Der »schlanken Produktion« hat sich auch eine allzu schlanke kreative Energie hinzugesellt, und staatliche Subventionspolitik hat die Kostenverwaltung, nicht aber den kreativen Wandel Europas finanziert und unterstützt.“

Die Politik täte in der augenblicklichen Weltwirtschaftskrise gut daran, Schumpeter zu folgen, um solche Produkte zu unterstützen, die innovativ sind, die vor allem ein kreatives Potential in Forschung und Ausbildung fördern. Dies fordert einen Rahmen für die Marktwirtschaft (Soziale Marktwirtschaft).

Aber das genügt nicht. Vielen Theoretikern ist gemeinsam, dass sie die Verteilungsfrage der Geldmittel und die damit verbundene Zinseszinsdynamik vernachlässigen. Eine Kapitalkonzentration ist zwar für die Investition wichtig, extreme Verwerfungen aber für die Volkswirtschaft schädlich. Grosse Konzerne und alte Industrien werden zu unbeweglichen Dinosauriern, mehrfache Milliardäre, losgelöst von jeglicher Realität des normalen Lebens zu gierigen Monstern.

November 8, 2009 Posted by | Wirtschaft | Hinterlasse einen Kommentar