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Profitrealisierung

Profitrealisierung

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Der Gewinn ergibt sich, wenn die Differenz aus Einnahmen minus Ausgaben positiv ist, also

Einnahmen > Ausgaben

Für eine Volkswirtschaft bedeutet dies Wachstum.

Frage: Wie ist dort ein positiver Saldo möglich, wenn die Ausgaben der Unternehmen, die sie als Lohn insgesamt aufbringen, Einnahmen der Käufer sind, mit denen diese den Teil der produzierten Waren abnehmen, der dieser Einnahmehöhe entspricht?

Antwort: Für das Mehr an Waren (Mehrprodukte) müssen sich Kreditnehmer finden, die mit dem Kredit in Höhe des Wertes dieser Mehrprodukte das Mehr an Waren abnehmen. Dieser Wert entspricht dem Gewinn (Profit). Und die Volkswirtschaft wächst entsprechend.

Dies stellt also den Umtausch des Warenüberschuss (Mehr an Waren) in Geld als Mehrwert (MG = Profit) dar:

G → W + MW →G + MG

                                                                                          /                              /       /
                                                                                         S −−−−−−−→S + MS

Symbole: G = Geld; MG = Mehr Geld; S = Schulden; MS = Mehr Schulden; W = Waren; MW = Mehr Waren.

BEISPIEL:

Die Unternehmen geben eine Gesamtlohnsumme von 2.000 Mrd. S = € (K0 = G) aus, die durch einen Kredit (S) vor finanziert wird. Es werden nun Waren (W) dieses Wertes produziert. Außerdem ein Mehr an Waren (MW) mit einem Wert von 200 Mrd. € (MG), der einer Profitrate (PF), bezogen auf K0, von 10% entspricht. Dafür wird ein Kredit dieser Höhe aufgelegt, mit der Schuldner das Mehr an Waren abnehmen. Mit der Lohnsumme +  Mehrwert ergibt sich ein gesamter Wert der produzierten Waren von 2.200 Mrd. € ( K1), der auf der Unternehmerseite als Einnahme zu verbuchen ist. Wird dieser wieder insgesamt zur Produktion von Waren investiert, so entsteht, unter der Voraussetzung einer Profitrate von 10%, ein Mehr an Waren im Wert von 220 Mrd. €. Das BIP wächst um diesen Betrag. Gleichzeitig entsteht eine weitere Schuld in der Höhe des Mehrwertes bzw. Profits. Die neuen Lohnkosten von 2.200 Mrd. € + neuer Mehrwert von 220 € ergeben eine neue Gesamtsumme von 2.400 Mrd. € ( K2 ), abermals investiert ergibt sich ein weiteres Mehr an Waren von 242 Mrd. €, usw.. Das K und damit die Schuld  wächst entsprechend der Funktion:

Kn = K0 * (1 + PF)n

Anmerkung

Im Prinzip wird dieser Vorgang auch von H.- Chr. Binswanger in seinem Buch “Die Wachstumsspirale” (Metropolis, 2006) abgehandelt.

Im Grunde ist seine Ausgangsfrage sehr einfach: Wie soll eigentlich in einem geschlossenem System, wie das der Volkswirtschaft, in der nur das konsumiert werden kann, was produziert wird, insgesamt ein Überschuss entstehen? Auf der Geldseite bildet sich diese Gleichheit von Produktion und Konsumtion als Ausgaben gleich Einnahmen und der Überschuss als Zinsen und Gewinn ab.

Ausgangsgangspunkt seiner These ist die Überlegung, dass in einer modernen Volkswirtschaft Geld durch Kreditvergabe in den Umlauf kommt. Unternehmen sind dort die Orte der Produktion. Sie sind in der Hauptsache die Kreditnehmer, die mit dem so geschöpften Geld Leistungen der Haushalte kaufen. Mit Hilfe dieser Leistungen entstehen Produkte, die wiederum von den Haushalten mit dem so „ verdienten“ Geld gekauft werden. In einem solchen Kreislauf ist aber eine Zins- und Profiterhebung nicht möglich. Er benötigt einen zusätzlichen Geldzufluss in Höhe der Zins- und Profitforderungen, dem dann auch ein ensprechendes Mehrprodukt gegenübersteht. Die Volkswirtschaft wächst.

Dazu Binswanger in einem Vortrag 2007, 7. Dez. in Wien:

Die Geldseite des Problems

Dies ist offensichtlich nicht möglich, wenn das Geld, das die Unternehmungen den Haushalten für ihre Produktionsleistungen bezahlen, das zu deren Einkommen wird, einfach wieder von den Haushalten dazu verwendet wird, um die Produkte zu kaufen, die die Unternehmungen mit ihrer Hilfe hergestellt haben, wenn also das Geld nur im Kreis läuft. Denn dann würden sich Einnahmen und Ausgaben der Unternehmungen nur immer gerade ausgleichen. Es gäbe also in der Summe von Gewinnen und Verlusten kein positiver Saldo, keine Unternehmungsgewinne. Es könnten also weder Zinsen bezahlt werden, noch Reingewinne erzielt werden, die das Risiko decken. Ein positiver Gewinnsaldo und damit die Möglichkeit, Zinsen zu bezahlen und Reingewinne zu erzielen, die das Risiko deckt, kann somit gesamtwirtschaftlich nur entstehen, wenn Geld zufließt“.

Wie fließt der modernen Wirtschaft zusätzliches Geld zu?

Dies kommt über Kredite in den Kreislauf, die die ZB an die Geschäftsbanken ausgibt. Bleibt das so geschöpfte Geld als Einlage auf den Konten der Geschäftsbanken, finden diese wiederum Kreditnehmer (Schuldner), die mit diesem Geld die Mehrprodukte abkaufen und konsumieren. Für die Volkswirtschaft bedeutet dies, dass sie in Höhe der Zinsnahme wächst. Gleichzeitig wachsen damit die Schulden. Da der Zins prozentual vom jeweils bestehenden Bestand erhoben wird, entsteht auf der Schuldenseite, aber auch auf der Produktionsseite der Volkswirtschaft (BIP) ein exponentielles Wachstum. Irgendwann kommt die Volkswirtschaft an ihre Wachstumsgrenze. Es entsteht eine Schuldenblase, die letztlich zum Zusammenbruch des Systems führt.

Folge

BIP

U-Ausgaben

A-Einnahmen

A-Ausgaben

Schuldner-ausgaben U-Ein-nahmen Über-schuss

Schulden

Überschuss-

rate (PF)

0

2.000

1.818

1.818

1.818

181,82

2.000

181,82

181,82

0,10

1

2.200

2.000

2.000

2.000

200,00

2.200

200,00

381,82

0,10

2

2.420

2.200

2.200

2.200

220,00

2.420

220,00

601,82

0,10

3

2.662

2.420

2.420

2.420

242,00

2.662

242,00

843,82

0,10

4

2.928

2.662

2.662

2.662

266,20

2.928

266,20

1110,02

0,10

5

3.221

2.928

2.928

2.928

292,82

3.221

292,82

1402,84

0,10

6

3.543

3.221

3.221

3.221

322,10

3.543

322,10

1724,94

0,10

7

3.897

3.543

3.543

3.543

354,31

3.897

354,31

2079,25

0,10

8

4.287

3.897

3.897

3.897

389,74

4.287

389,74

2469,00

0,10

9

4.716

4.287

4.287

4.287

428,72

4.716

428,72

2897,71

0,10

10

5.187

4.716

4.716

4.716

471,59

5.187

471,59

3369,30

0,10

11

5.706

5.187

5.187

5.187

518,75

5.706

518,75

3888,05

0,10

12

6.277

5.706

5.706

5.706

570,62

6.277

570,62

4458,67

0,10

13

6.905

6.277

6.277

6.277

627,69

6.905

627,69

5086,36

0,10

14

7.595

6.905

6.905

6.905

690,45

7.595

690,45

5776,81

0,10

15

8.354

7.595

7.595

7.595

759,50

8.354

759,50

6536,31

0,10

16

9.190

8.354

8.354

8.354

835,45

9.190

835,45

7371,76

0,10

17

10.109

9.190

9.190

9.190

918,99

10.109

918,99

8290,76

0,10

18

11.120

10.109

10.109

10.109

1.010,89

11.120

1.010,89

9301,65

0,10

19

12.232

11.120

11.120

11.120

1.111,98

12.232

1.111,98

10413,64

0,10

20

13,455455

12.232

12.232

12.232

1.223,18

13.455

1.223,18

11636,82

0,10

(Alle Zahlenangaben in Mrd. Euro)

Berechnung

 

Kn = K0 * [1 + PF]n

April 22, 2011 Posted by | Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar