Ansichten

Arbeitswertlehre

 

Modell zur Marxschen Arbeitswerttheorie

(verändert 4. Mai. 2014))

Unter Verzicht einer vertieften Darstellung (s. aber Exkurs 2) soll im Folgenden versucht werden, kurz in Schlagworten die Arbeitswerttheorie zu skizzieren.

Danach entstehen die Werte in der kapitalistischen Wirtschaft im Raum der Produktion und nicht in dem der Zirkulation. Es heißt:

Die Arbeitskraft der Werktätigen ist die Quelle von wirtschaftlichen Werten

In der marxistischen Terminologie heißt es, dass „sich die Waren entsprechend der zu ihrer Produktion notwendigen Menge gesellschaftlicher Arbeit, also zu ihren Werten austauschen“. (Anm.: M. Sohn, Der dritte Anlauf, PapyRossa, 2012, S. 90). Welche Konsequenzen hat die aufgestellte Kernaussage für die Variablen einer kapitalistischen Volkswirtschaft aus der Sicht marxistisch orientierter Wirtschaftswissenschaftler? (s. Anmkg 1)

 

Das Invarianzpostulat

Folgende Begriffe der Arbeitswerttheorie werden beschrieben: In einem Unternehmen schaffen Arbeitskräfte (Das sind Personen. Kräfte sind hier nicht im physikalischen Sinne gemeint) an Maschinen Waren, die auf dem Markt gegen Geld getauscht werden. Bevor Waren hergestellt werden, müssen Maschinen und Arbeitskräfte als Waren eingekauft werden. Das Geld dafür wird als Kredit vorgeschossen. Dieser gesamte Vorgang der Warenherstellung kann buchhalterisch dargestellt werden. Alles, was als Geld zu beziffern ist, wird als Kapital festgehalten: entweder der Maschinenpark oder die neu angeschafften, bzw. ersetzten Maschinen als konstantes (c), die Arbeitskräfte als variables Kapital (v). Beides sind in einer Buchhaltung Kostenpositionen, zusammen also Ausgaben. Werden diese durch das eingenommene Geld des Warentausches als Einnahmen (pr) gegengerechnet, entsteht als positiver Saldo ein Überschuss, der betriebliche Profit (b)

Konstantes Kapital c :

  • In Geld bezifferter Wert der verbrauchten Produktionsmittel, diese bringen selbst keinen Neuwert hervor, sondern nur in  Verbindung mit der Arbeitskraft.

Variables Kapital (v) :

  • Wert der Arbeitskraft (z.B. Lohn); da diese dem Produkt einen „variablen“ Mehrwert zugesetzt wird. Sie wird vom Unternehmer eingekauft.

Betrieblicher Profit (b):

  • Betrieblicher Profit (b) = Einnahmen (pr) – Ausgaben (c+v). c+v sind in der Betriebsbuchhaltung Kostenpositionen, (bei Marx Kostpreis k = c + v; Warenwert = Kostpreis + Mehrwert: W = k + m, MEW 25, S.34) *

Mehrwert (m):

  • Wert als Differenz aus dem Gesamtwert der Warenproduktion (W) und Kosten: m = W – (c + v); wird er als Gewinn im Verhältnis zum variablen Kapital gesetzt, ist es

die Mehrwertrate (m‘): 

  • m/v: Wird der Mehrwert im Verhältnis zum Kostpreis gesetzt, ist es nach Marx

die Profitrate (p‘): 

  • p‘ =. m/(c+v) *

* Anmerkung: Nach Marx bezieht sich der Profit (p) auf das gesamte vorgeschossene Kapital (C), nicht nur auf das jeweilige verausgabte Kapital: >> Der Mehrwert bildet …einen Zuwachs… nicht nur zum verausgabten Kapital, das aus dem Kostpreis ersetzt wird, sondern zu dem in der Produktion überhaupt angewandten Kapital<< (MEW 25:44). In den Wert der einzelnen Ware geht allerdings nicht das gesamte vorgeschossene Kapital (C) ein, sondern – neben dem Profit – nur der Kostpreis.: »Nennen wir den Profit p, so verwandelt sich die Formel W = c+ v + m = k + m in die Formel W = k + p oder Warenwert = Kostpreis + Profit« (MEW 25:46). Wird er durch das in den Wert der Ware eingehende Kapital geteilt, entsteht »die Profitrate m/C = m/(c+v), im Unterschied von der Rate des Mehrwertes m/v« (MEW 25:52).

Der betriebliche Profit (b) bestimmt sich nach Auffassung eines Unternehmers aus der Differenz von Einnahmen in Preisen (pr) und den Kosten, also den eingesetzten Kapitalien (c+v), also b = pr – (c+v). Daraus ergibt sich die betriebliche Profitrate (b’)aus dem Verhältnis von in Geld bezifferten Profit (b), zu den Kosten (c+v):

b‘ = b/(c+v), da b = pr – (c+v), wobei pr Einnahmen in Preisen und (c+v) die Ausgaben sind, folgt

b‘ = [pr/(c+v)] – 1

(c ist das verbrauchte bzw. verausgabte konst. Kapital, die Abschreibung)

Der Einsatz von Kapitalien (c+v) zur Erzielung von Profit wird nun das Maß bzw. Ziel des Wirtschaftens, weil die verschiedenen Unternehmen mit ihren jeweiligen Kapitalien unterschiedlicher Zusammensetzung (c/v) um den Profit, als der der Mehrwert erscheint (?), „konkurrieren“. Oder – der Einsatz von Geld zur Erzielung von mehr Geld wird zum Ziel des Wirtschaftens.

Dadurch erscheinen diese Kapitalien und die Preiserhebung (monetäre Ebene) als Quelle des Mehrwertes und nicht die Arbeitskraft

Aus der Sicht eines einzelnen Unternehmers stellt die Arbeitskraft und die Maschine jeweils einen Kostenfaktor dar. Seine Sichtweise verdeckt, dass Maschinen keine Werte schaffen, sondern an ihnen arbeitende Menschen und dass die Maschinen ebenfalls von arbeitenden Menschen erstellt wurden. Volkswirtschaftler, die in den Kategorien von Unternehmern denken, entwerfen folgerichtig Volkswirtschaftsmodelle, in denen Kapital, Boden und Arbeit als Produktionsfaktoren Güter und Leistungen herstellen.

Marx macht eine andere Rechnung auf. Er bezieht sich auf die triviale Tatsache, dass Menschen, um zu arbeiten, Arbeitszeit verbrauchen. Ihr 8-Std.-Tag kann z. B. aufgeteilt werden in 3 Std., wofür sie ihren Lohn erhalten. Das entspricht dem variablen Kapital (v) und der Tauschwert der Ware Arbeitskraft. Mit dem Lohn können wiederum Waren für die Wiederherstellung (Restitutions) der Arbeitsfähigkeit gekauft werden. Ein anderer Teil, z.B. 2 Std. dient zur Anschaffung von neuem bzw. verbrauchtem Material. Das ist das verbrauchte konstante Kapital (c). In weiteren 3-Std. wird für den Mehrwert (m) gearbeitet. Insofern wird der Mehrwert auf das variable Kapital bezogen.

Mehrwertrate: m‘ = m/v

Faktoren sind für das Unternehmen Größen in eine Buchhaltung hinter der die reale Welt verschwindet. Sie ist Ausdruck dafür, dass die Tätigkeit des Unternehmers im Kapitalismus in erster Linie darauf gerichtet ist, eine positive Zahl – den Gewinn – zu erzielen.Der Anfang und das Ende der Unternehmung ist Geld, ebenso der Erfolg, der sich im Gewinn manifestiert. Daher haben die realen Prozesse, die sich innerhalb der Unternehmung abspielen, für die Geschäftspolitik der Unternehmung nur insofern Bedeutung, als sie sich in der Geldrechnung niederschlagen.

Das Instrument, mit dem alle Größen in Geldwerte transmutiert werden, ist die doppelte.-Buchhaltung. Sie ist für die Unternehmung konstituierend. Die doppelte Buchhaltung zieht aus der Gegenüberstellung von Aufwand und Ertrag bzw. von Plus- und Minusgeldwerten den Gesamtsaldo als Geldgröße.(s. Exkurs 1: H. Chr. Binswanger: Die Wachstumsspirale, 2006, S. 76 – 79).

Marx bezieht die Buchhaltung auf einen gesamten Industriezweig, z.B., auf die Konsumindustrie (Sek II) und die Investitionsindustrie (Sek I). In Anlehnung an ein Beispiel von Marx ergibt sich folgendes Bild.

Beispiel:

Die Investitionsindustrie stellt für die Konsumindustrie Maschinen im Werte von 870 € Mrd. € (cII) her, für den Eigenbedarf 600 Mrd. € (cI), also insgesamt 1.470 Mrd. €. Für den Lohn vI wurden 400 Mrd. € kalkuliert, den Gewinn (mI) 470 Mrd. €.

Um die benötigten Maschinen kaufen zu können, muss die Konsumindustrie ihrerseits für den Erlös ihrer Produkte 870 Mrd. € (cII) erhalten. Darüber hinaus sind zum Beispiel 150 Mrd. € für Lohn (vII) und 150 Mrd. € für den Profit (mII) aufzubringen, insgesamt also 1.170 Mrd. €.

Marx verdeutlicht die Entstehung des Mehrwertes anhand der Stundenaufteilung eines Arbeitstages (s.o). Dennoch rechnet auch er in Geldeinheiten. Da aber der Produktion jedweder Ware gemeinsam ist, dass sie Arbeitszeit kostet, lässt sich abstrakt die dazu „notwendige gesellschaftliche Durchschnittsarbeitszeit“ formulieren. Ihre abstrakte Wertform erhält sie jedoch dadurch, dass sie in Geld ausgedrückt werden kann. Sie entsteht im Tauschakt der beteiligten Warenbesitzer. Hingegen bezieht sich die Arbeitszeit eines einzelnen Arbeiters immer auf die vor dem Tausch existierende konkrete Arbeit, die mit der Uhr gemessen werden kann. Insofern ist sie nicht Ausdruck einer abstrakten Wertform. Demgegenüber ist die sog. „gesellschaftliche notwendige Arbeitszeit“ abstrakt, d.h., nicht sichtbar. Erst im Tausch wird sich erweisen, wie viel von der konkreten, aber privat verausgabten Arbeit tatsächlich wertbildend ist und daher als Bestandteil der gesellschaftlichen Arbeitszeit gilt. Daher kann Marx vom Geld als der „notwendigen“ Erscheinungsform des immanenten Wertmaßes Arbeitszeit sprechen: Wertbildende Arbeitszeit (oder die Menge abstrakter Arbeit) lässt sich nicht anders als durch Geld messen. (s. Anmkg. 3 und 4)

Insofern ist Geld, praktisch gesehen, nicht nur ein Tauschmittel, ohne jeden Einfluss auf das kapitalistische Wirtschaftsgeschehen, wie es moderne Volkswirtschaftler und auch manche Marxisten sehen und deshalb ein zu vernachlässigendes Anhängsel irgendeiner Werttheorie, sondern, es ist konstituierend für die kapitalistische Wirtschaftswelt mit weitreichenden Konsequenzen.

Die marx’sche Werttheorie ist monetäre: Ohne Wertform können sich die Waren nicht als Werte aufeinander beziehen. Erst das Geld ist die dem Wert angemessene Form. Dagegen ist die Arbeitswerttheorie der klassischen politischen Ökonomie und die Nutzentheorie der Neoklassik prämonetär. (s. Exkurs 2)

Für das Unternehmen und für Marx ist deswegen nur die buchhalterische Darstellung des Wirtschaftsgeschehens in Geldeinheiten von Bedeutung:

Modell Arbeitswertlehre überarb II

 

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Mai 11, 2014 - Posted by | Allgemein

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