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Vom Preis zum Wert

Vom Preis zum Wert

Die kapitalistische Wirtschaft ist eine Warenwirtschaft, deren Produkte nicht dem eigenen Gebrauch dienen, sondern für künftige Geldbesitzer hergestellt werden, die diese Produkte mit ihrem Geld als Waren zu einem bestimmten Preis kaufen.

Ökonomen untersuchen die Bedingungen, die zu dem Warenpreis führen. Für bürgerliche Ökonomen bestimmen Knappheit und Nutzen den Preis. Daraus entsteht die Vorstellung von Angebot und Nachfrage als Bedingung für die Preisbildung. Marxistische Ökonomen sprechen vom Warenwert als Preis bestimmend. Da dieser nicht identisch mit dem Preis und nicht ohne weiteres in Erscheinung tritt, gilt es ihn gedanklich zu erschließen. Eine der Hauptthesen in der marx’schen Wirtschaftsanalyse ist, „dass Marx unter dem Titel des Verhältnisses von Wert und Tauschwert nicht den Zusammenhang zweier verschiedener Größen diskutiert, sondern den einer Größe mit ihrem numerischen Ausdruck. (Schlaudt, Oliver; 2011; Marx als Messtheoretiker. In: Bonefeld, Werner/Heinrich, Michael;Hg.). Mithin werden sie dort nicht als fachwissenschaftliches, sondern als methodologisches Problem erörtert und sprachlich oft gleichgesetzt. Demnach wäre der Preis in Währungseinheiten als numerischer Ausdruck des Wertes sprachlich als Tauschwert zu benennen. Der Warenwert drückt sich im Preis aus, ist aber nicht der Wert an sich. (s.u.)

Im Allgemeinen sind Waren Elemente einer Menge die als Objekte und Dienstleistungen an andere verkauft, d.h. in Geld getauscht werden. Da sie für andere bestimmt sind und nicht für den eigenen Gebrauch, haben sie einen Tauschwert. Es werden Waren betrachtet, die durch Arbeit der Betriebsbeschäftigen hergestellt werden: Produktionswaren. Sie stellen ein Untermenge der allgemeinen Waren dar. Ihre Herstellung benötigt also Arbeitszeit. Dadurch sind sie untereinander vergleichbar in Form einer Äquivalenzrelation. Als Maß für die Arbeit als Größe des Warenwertes identifiziert Marx die durchschnittliche gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit (dgnAz) der Betriebsbeschäftigen.

In der Messtechnologie spielt die sog. Größe als Relationsbegriff eine entscheidende Rolle. Im Folgenden wird dieser Begriff am Beispiel der Flächenmessung von Bauland differenziert und mit der Messung des Warenwertes verglichen:

Messgegenstand

Konkrete Qualität

Mater. Träger

Größenart

Größenmaß

Num. Ausdruck

Bauland

Region

Land

Fläche

Quadrat

qm

Wert

Gebrauch

Ware

Arbeit

DgnAz

Preis (Tauschwert)

Zu fragen ist, ob die Wertmessung tatsächlich den erforderlichen Eigenschaften einer Äquivalenzrelation zukommt.

In der Äquivalenzrelation besteht die Gleichheit „in Bezug auf etwas…“ (Relation), z. B. Nutztiere in Bezug auf die Art. Sie hat als Bedingung:

  1. Reflexivität: Sie ist erfüllt, wenn jedes der zu vergleichenden Objekte mit sich selbst in Relation steht.

  2. Transitivität: Sie ist erfüllt, wenn die einzelne Relation zwischen zwei Objekten überschreitbar ist, wenn also x mit y und y mit z in Relation steht, so auch x mit z.

  3. Symmetrie: Sie ist erfüllt, wenn es auf die Reihenfolge nicht ankommt.

Diese Bedingungen gelten in der Tat für die Äquivalenzrelation der Wertmessung von Produktionswaren: Zwei Waren A und B sind in ihrem Wert gleich, A ~ B, wenn sie

in Bezug auf ihre ermittelte durchschnittliche gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit (dgnAz) gleich sind“

Beispiel: für 1 Tisch und 3qm Brennholz gilt: 1 Tisch ~ 3qm Brennholz, da für beide die dgnAz 15 h beträgt.

  1. Reflexivität: Für jede der in Frage kommenden Waren wird eine dgnAz von 15h gemessen.

  2. Transitivität: Wenn 1 Tisch und 3qm Brennholz Waren sind, für die dgnAz 15h hat und ebenso für die Dienstleistung Kartoffelroden auf 4ha Kartoffelacker, dann hat das Kartoffelroden auf 4ha denselben Wert wie 1 Tisch.

  3. Symmetrie: Es gilt 1 Tisch und 3qm Brennholz benötigen 15h dgnAz und umgekehrt.

Die gedankliche Schwierigkeit bei dem obigen Vergleich besteht darin, dass die Ware Element eines Prozesses ist, an dessen Anfang die Herstellung und am Ende der Tausch in Geld ist (Verkauf/Kauf). Mit Geld ist das Versprechen verbunden, damit eine andere Ware einzutauschen. Findet der Verkauf/Kauf nicht statt – das Hergestellte ist unverkäuflich – gibt es auch keinen Warenwert. Der Warenwert ist also keine Eigenschaft des am Anfang des Prozesses Hergestellten (Produkt). Er haftet dem Produkt nicht an, wie die Farbe dem Stuhl.

Allgemein ist festzuhalten:

Gleiche durchschnittliche, gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit bedeutet: gleicher Wert

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Oktober 24, 2016 Posted by | Allgemein | 1 Kommentar