Ansichten

Lohnmodell mesrine

 

 

Lohnmodellmesrine (Einzelheiten)

Das von mesrine vorgestellte Modell erinnert sehr stark an das Modell von Karl Marx, das er in seiner Arbeitswerttheorie verwendet. Dort strukturiert dieser die Unternehmen in Sachkapital (c), Lohnkapital (v) und Mehrwertkapital (m). Außerdem gliedert er die Volkswirtschaft in Investitionsindustrie (Abteilung I, sie produziert Produktionsmittel) und Konsumindustrie (Abteilung II). Im Modell von mesrine wird nicht zwischen Unternehmen der Investitions- und solchen der Konsumindustrie unterschieden. Die Unternehmen produzieren in aufeinander folgenden Sequenzen wechselseitig für einander sowohl Produktionsmittel als auch Konsumgüter. Ich versuche nun, die marx’sche volkswirtschaftliche Gliederung für das Modell von mesrine zu übernehmen, wobei „P“ gleich „c“ ist:

In seiner Arbeitswertlehre entwirft Marx ein Modell der kapitalistischen Wirtschaft, das er buchhalterisch darstellt. Dort strukturiert er die Unternehmen in Sachkapital (c), Lohnkapital (v) und Mehrwertkapital (m). Außerdem gliedert er die Volkswirtschaft in Investitionsindustrie (Abteilung I, sie produziert Produktionsmittel) und Konsumindustrie (Abteilung II). Ich versuche nun, diese marx’sche volkswirtschaftliche Gliederung mit seinen Symbolen zu übernehmen: Die jeweiligen Sachkapitalien (Produktionsmittel) für Abt. I und II sind c1 und c2.

Das Modell geht von dem Begriff der einfachen Reproduktion aus, den Marx benutzte. Dabei wird der vollständige Konsum der produzierten Werte einer Wirtschaft angenommen, d.h., was die einzelnen Sektoren produzieren, wird von den anderen jeweils abgenommen und konsumiert, der Output ist gleich dem Input(Ausgaben = Einnahmen) oder die Volkswirtschaft ist ein geschlossenes System, ein Kreislaufsystem. Der Wirtschaftsprozess wird in verschiedenen Phasen aufgeteilt: Vorleistung (Finanzierung), Produktion, Verkauf/Kauf.

Das Modell geht von einer Primärausstattung der Sachkapitalien (Produktionsmittel) beider Produktionssektoren aus. In die Kostenkalkulation geht nur die zu ersetzenden Sachkapitalien ein, also die Abschreibung (c1 und c2). Die Produktion wird buchhalterisch verfolgt, indem Konten eingerichtet werden. Für Abt. I und II die Konten Profit m1 und m2 als Einkommen der Unternehmen, sowie S1 und S2 als Kreditkonten. Für die Haushalte Konten L1 und L2 als Lohneinkommen, sowie SH als Kreditkonto.

Zu Beginn eines Zyklus kauft die Abteilung I (Investitionsindustrie) auf Kredit die Produktionsmittel und Arbeitskräfte in Höhe des Wertes c1+v1 als Vorleistung ein. Dadurch entsteht auf deren Kreditkonten insgesamt eine Schuld von -c1-v1. Die Investitionsindustrie stellt mit den so eingekauften Maschinen und den Lohnkräften wiederum Produktionsmittel für die Konsumindustrie (Abteilung II) im Wert von c1+m1+v1=c2 her (Produktion). Die Haushalte haben ein Einkommen in der Höhe von v1. Die Unternehmen der Konsumindustrie kaufen nun die Produktionsmittel (c2) als Vorleistung auf Kredit (Verkauf/Kauf). Außerdem wird als Vorschuss kreditfinanziert Lohn in Höhe von v2 ausgezahlt, so dass Konsumgüter in Höhe von c2+m2+v2=c1+m1+v1+m2+v2 produziert werden können (Produktion). Es entsteht seitens der Konsumindustrie eine Schuld in Höhe von (-c1-m1-v1-m2-v2). Durch den Verkauf der Produktionsmittel c2 begleichen die Unternehmen der Investitionsindustrie ihre Schuld -c1-v1 und verifizieren ihren Profit m1. Ein Teil der nun produzierten Konsumgüter wird von den Haushalten mit ihrem Lohneinkommen v1 und v2 gekauft (Verkauf/Kauf) und vom Markt geräumt, ein anderer Teil voraussetzungsgmäß (Bedingung der einfachen Reproduktion) vom Einkommen der Unternehmen, das in dem Gewinn m1 und m2 besteht. Es bleiben noch Konsumgüter im Werte von c1 übrig. Die Konsumindustrie tilgt mit diesem Verkauf bis auf den Rest -c1 ihre Schuld (-c2-m1-m2). Finden sich dafür kreditfinanzierte Käufer, geht die Schuld auf diese über. Buchalterisch wird dieser erste Zyklus wie folgt fest gehalten:

 

LohnmodelleinzelhII

 

Advertisements

Mai 11, 2014 Posted by | Wirtschaft | Hinterlasse einen Kommentar

Projekt „Solidarisches Sparen und Leihen“

Warum machen wir die Gruppe „Solidarisches Sparen und Leihen“?

Geld bestimmt tagtäglich unseren Alltag. Immer mehr Menschen haben das Gefühl, einer umfassenden Ökonomisierung und Monetarisierung ausgesetzt zu sein, die alle Bereiche des Lebens tangiert. Was aber macht Geld eigentlich mit uns?

  • Unser Geldsystem macht umfassendes arbeitsteiliges Wirtschaften erst möglich.

ABER!

  • Unser Geldsystem ist sozial und ökologisch zerstörerisch. Es sollte verändert werden.
  • Unser Geldsystem ist instabil und wenn es – wie es lokal immer wieder passiert – zusammenbricht, dann gibt es viel Leid und Not.

DESWEGEN

  • Vereinzelt wird überlegt und ausprobiert, wie es anders funktionieren kann. Die Gruppe Sparen und Leihen ist ein Übungsfeld.

  • Menschen haben Fähigkeiten, Impulse und Bedürfnisse, aber ihnen stehen ganz unterschiedliche Geldmengen zur Verfügung. Mit Sparen und Leihen gelingt ein teilweiser Ausgleich.

  • Geld verbindet ständig, wir merken es aber nicht. Durch die Gruppe Sparen und Leihen wir die Verbindung erlebbar.

  • Geld trennt und grenzt aus, wenn man es nicht besitzt. Durch solidarisches Handeln mit dem Geld wollen wir dies ein Stück weit überwinden

  • Geld ist eines der letzten Tabus: „Über Geld redet man nicht!“ Dieses Tabu überwinden wir teilweise, wenn wir gemeinsam unser Spargeld verleihen und verwalten.

  • Wenn mit Geld eine Sache in der Gruppe verwirklicht werden kann, dann kann die Freude darüber geteilt werden.

  • Wenn Sparen oder Zurückbezahlen frustrierend wird, dann kann der Frust in der Gruppe geteilt werden.

Mit unserer Gruppe wollen wir Erfahrungen in einem alternativen Umgang mit Geld sammeln!

Weitere Informationen in der folgenden Präsentation: Projekt Sparen und Leihen

Außerdem ein Erfahrungsbericht: PSL Artikel2

sowie die VeröffentlichungHW_2014_06_solidarisches_sparen

 

 

September 15, 2013 Posted by | Wirtschaft | Hinterlasse einen Kommentar

Aspekte kapitalistischen Wirtschaftens am Modell

Aspekte kapitalistischen Wirtschaftens am Modell untersucht

Die Herstellung von Produkten im herrschenden Wirtschaftssystem ist ein Untersuchungsgegenstand der Volkswirtschaftslehre. Die Produktion ist ein arbeitsteiliger Prozess. Alles, was nicht in diesem Prozess hergestellt wird, bleibt außerhalb der Untersuchung, z.B. die Arbeit der Hausfrau. Über das Geld vermitteln die in dem System agierenden Menschen ihre Produktionsbeziehungen. Ohne Geld läuft im arbeitsteiligen Produktionsprozess nichts. (s. Exkurs 1 u. 2)

 Das Modell (s. Exkurs 3)

                               Kategorial gibt es drei das System aufbauende Akteure, die an dem Herstellungsprozess beteiligt sind:
                                                                  die Unternehmen, Haushalte und das Bankensystem.

Die Unternehmen stellen den Herstellungsort, aus den Haushalten (im weitesten Sinn) kommen die Konsumenten und die in den Unternehmen Tätigen (s.u.) und das Bankensystem stellt das Geld zur Verfügung.

Einfaches kapitalistisches Wirtschaftsmodell:

Das Banksystem (Zentralbank + Geschäftsbanken) liefert das von ihnen geschöpfte (s. Erhard Glötzle 2013 02 07 Giralgeld – Missverständnisse, Probleme 2.1..docx ) oder verwaltete Geld den Unternehmen als Vorschuss in Form eines Kredites (Schuld). Die einzelnen Unternehmen bezahlen damit die zur Produktion benötigten Gebäude, Maschinen, Rohstoffe bzw. Vorprodukte und Löhne, bzw. Gehälter, Aufwendungen, Abgaben usw. (Entgelte im Unterschied zum Einkommen, das den Überschuss einschließt, s.u.). Für sie sind dies Kostenfaktoren. Gesamtgesellschaftlich gesehen müssen Gebäude, Maschinen, Vorprodukte hergestellt und Rohstoffe gewonnen werden, wofür auch dort Entgelte zu zahlen sind. Auf der volkswirtschaftlichen Ebene drücken sich deswegen die betrieblichen Kostenfaktoren in den Entgelten der in den Unternehmen Tätigen aus (Entgelt für Arbeiter, Angestellte, Geschäftsführer, Manager, usw., kurz: Werktätigen). Selbständige werden dabei als Einperson-Unternehmen definiert, Unternehmer erhalten für ihre Tätigkeit ein Gehalt. Volkswirtschaftlich dient also der Vorschuss der Bezahlung der Werktätigen. Er ist deren Einnahme, die gleichzeitig die Ausgabe der Unternehmung ist. Diese Einnahmen sind im Unterschied zum Einkommen zu sehen, die den Gewinn, bzw. Überschuss mit einschließen (s. Anmkg 3 u. Exkurs 3). Die hergestellten Produkte werden auf dem Markt als Waren mit dem Entgelt von denen gekauft, die in den Unternehmen tätig sind.

 Zusammenfassung:

Die Werktätigen erhalten für ihre Leistungen ein Entgelt, das für die Unternehmen als Ausgaben verbucht wird. Dieses Entgelt sind die haushälterischen Einnahmen dieser Werktätigen, mit denen die für die Haushalte notwendigen Waren erworben werden. Dadurch werden diese zu haushälterischen Ausgaben und zu Einnahmen der Unternehmen (s. Exkurs 7). Für das Entgelt stellt das Bankensystem Geld als Vorschuss-Kredit zur Verfügung. Ohne Geld als staatlich garantierter Anspruch auf gesellschaftlich erstellte Waren ist ein kapitalistisches Wirtschaften nicht möglich.

 Das Modell stellt sich als Geldkreislauf auf der einen und als Umwandlungsprozess (Produktion: Leistung gegen Waren) auf der anderen Ebene dar.

Zum Verständnis des kapitalistischen Wirtschaftssystems müssen beide Ebenen gleichzeitig im Denken berücksichtigt werden: die Ebene des Geldkreislaufes und die des Umwandlungsprozesses, m.a.W. die der Zirkulations- und die der Produktionsebene. Im Kapitalismus werden Werte als Waren produziert. In dieser Formulierung wird sowohl die Produktionsebene genannt und gleichzeitig durch den Begriff „Waren“ die Geldkreislaufebene. Der Begriff „Ware“ bedeutet, dass das Produzierte von denen abgenommen wird, die Geld besitzen. Das Produzierte wird gekauft, dadurch wird es zur Ware. Wird es nicht gekauft, ist das Produzierte nichts wert. Ein Teil der Geldbesitzer sind die in den Unternehmen Tätigen. Sie kaufen mit ihrem Geld (Entgelt: Lohn, Gehalt, usw.) die Waren, an deren Produktion sie beteiligt sind. Aber auch jenseits der Produktionsebene gibt es Geldbesitzer, die in unterschiedlicher Weise zu „Geld gekommen sind“.

 Geldkreislauf:

Im Geldkreislauf sind die Ausgaben der Unternehmen die Einnahmen der Haushalte und die Ausgaben der Haushalte die Einnahmen der Unternehmen. Daraus ergibt sich das Gleichgewicht:

 Unternehmensausgaben = Haushaltseinnahmen = Haushaltsausgaben = Unternehmenseinnahmen

Modellannahmen:

  • Unternehmen Produktionsort

  • Haushalte inklusiv: Staat, Unternehmerhaushalt, Selbständigen Haushalt, Privathaushalte

  • Werktätige In den Unternehmen an der Produktion Beteiligte

  • Einnahmen bzw. Ausgaben Entgelt der Werktätigen

  • Entgelt Einnahmen der Werktätigen im Unterschied zu Einkommen, die die Überschüsse einschließen

  • Überschuss Differenz aus Ausgaben und Einnahmen 1,2, 3 Anmerkung

Schema Kreislauf

 

 mehr….aspekte-kapt-wirtschaften-2-23dez13kurz

März 21, 2013 Posted by | Wirtschaft | 10 Kommentare

Die Finanzkrise = Überschusskrise

Die Finanzkrise

Die Finanzkrise wird in der Öffentlichkeit gewöhnlich als Schuldenkrise dargestellt, genauer als Geldschuldenkrise.

Ich behaupte,dass die Finanzkrise eine Geldüberschusskrise ist!

Warum?

Den Geldschulden stehen  immer in gleicher Größe Geldguthaben gegenüber. Durch das Verleihen von Geld entstehen auf der einen Seite Schulden auf der anderen Geldguthaben.

Geld wird verliehen.

Es entstehen

Geldschulden=Geldguthaben

Woher stammt das Geld der Guthaben?

Das verliehene Geld stammt aus Überschüssen:

aus der Differenz von Geldeinnahmen und-ausgaben.

Krise.

Entsteht nun ein Geldüberschuss als Differenz von Einnahmen und Ausgaben und wird dieser nicht zur Produktion in den wirtschaftlichen Kreislauf zurückgeführt, sondern gehortet oder zur Steigerung bestehender Werte in Spekulationsblasen genutzt, fehlt das Geld der produktiven Wirtschaft, Waren werden nicht abgesetzt, bzw. abgenommen, den Betrieben brechen die entsprechenden Einnahmen weg, Firmen gehen pleite, Arbeitsplätze werden vernichtet, die Wirtschaft schrumpft: Das ist die

Wirtschaftskrise:Der Geldüberschuss fehlt der produktiven Wirtschaft

Entstehung von Schulden.

Wie wird der Geldüberschuss dem volkswirtschaftlichen Kreislauf zugeführt?

Es finden sich Schuldner, die diesen Überschuss übernehmen.

So entstehen auf der einen Seite Schulden auf der anderen Geldguthaben.

FAZIT: Überschüsse (Profite, Rendite, Zinsen, Mieten, Pacht, Sparen) können in einer Volkswirtschaft krisenfrei nur realisiert  werden, wenn gleichzeitig Schulden entstehen, d.h., wenn die Überschüsse durch Schuldner übernommen werden.

Daher ist die Schuldenkrise ein Überschussproblem.

Das ist die Kernaussage, die im Weiteren erläutert wird: s. Die Finanzkrise ist eine Überschusskrise.pdf und Finanzkrise=Überschusskrise/Präsentation.pdf

Juli 19, 2012 Posted by | Wirtschaft | 2 Kommentare

Profitrealisierung

Profitrealisierung

Profitrealisierung.pdf 139 KB

Der Gewinn ergibt sich, wenn die Differenz aus Einnahmen minus Ausgaben positiv ist, also

Einnahmen > Ausgaben

Für eine Volkswirtschaft bedeutet dies Wachstum.

Frage: Wie ist dort ein positiver Saldo möglich, wenn die Ausgaben der Unternehmen, die sie als Lohn insgesamt aufbringen, Einnahmen der Käufer sind, mit denen diese den Teil der produzierten Waren abnehmen, der dieser Einnahmehöhe entspricht?

Antwort: Für das Mehr an Waren (Mehrprodukte) müssen sich Kreditnehmer finden, die mit dem Kredit in Höhe des Wertes dieser Mehrprodukte das Mehr an Waren abnehmen. Dieser Wert entspricht dem Gewinn (Profit). Und die Volkswirtschaft wächst entsprechend.

Dies stellt also den Umtausch des Warenüberschuss (Mehr an Waren) in Geld als Mehrwert (MG = Profit) dar:

G → W + MW →G + MG

                                                                                          /                              /       /
                                                                                         S −−−−−−−→S + MS

Symbole: G = Geld; MG = Mehr Geld; S = Schulden; MS = Mehr Schulden; W = Waren; MW = Mehr Waren.

BEISPIEL:

Die Unternehmen geben eine Gesamtlohnsumme von 2.000 Mrd. S = € (K0 = G) aus, die durch einen Kredit (S) vor finanziert wird. Es werden nun Waren (W) dieses Wertes produziert. Außerdem ein Mehr an Waren (MW) mit einem Wert von 200 Mrd. € (MG), der einer Profitrate (PF), bezogen auf K0, von 10% entspricht. Dafür wird ein Kredit dieser Höhe aufgelegt, mit der Schuldner das Mehr an Waren abnehmen. Mit der Lohnsumme +  Mehrwert ergibt sich ein gesamter Wert der produzierten Waren von 2.200 Mrd. € ( K1), der auf der Unternehmerseite als Einnahme zu verbuchen ist. Wird dieser wieder insgesamt zur Produktion von Waren investiert, so entsteht, unter der Voraussetzung einer Profitrate von 10%, ein Mehr an Waren im Wert von 220 Mrd. €. Das BIP wächst um diesen Betrag. Gleichzeitig entsteht eine weitere Schuld in der Höhe des Mehrwertes bzw. Profits. Die neuen Lohnkosten von 2.200 Mrd. € + neuer Mehrwert von 220 € ergeben eine neue Gesamtsumme von 2.400 Mrd. € ( K2 ), abermals investiert ergibt sich ein weiteres Mehr an Waren von 242 Mrd. €, usw.. Das K und damit die Schuld  wächst entsprechend der Funktion:

Kn = K0 * (1 + PF)n

Anmerkung

Im Prinzip wird dieser Vorgang auch von H.- Chr. Binswanger in seinem Buch “Die Wachstumsspirale” (Metropolis, 2006) abgehandelt.

Im Grunde ist seine Ausgangsfrage sehr einfach: Wie soll eigentlich in einem geschlossenem System, wie das der Volkswirtschaft, in der nur das konsumiert werden kann, was produziert wird, insgesamt ein Überschuss entstehen? Auf der Geldseite bildet sich diese Gleichheit von Produktion und Konsumtion als Ausgaben gleich Einnahmen und der Überschuss als Zinsen und Gewinn ab.

Ausgangsgangspunkt seiner These ist die Überlegung, dass in einer modernen Volkswirtschaft Geld durch Kreditvergabe in den Umlauf kommt. Unternehmen sind dort die Orte der Produktion. Sie sind in der Hauptsache die Kreditnehmer, die mit dem so geschöpften Geld Leistungen der Haushalte kaufen. Mit Hilfe dieser Leistungen entstehen Produkte, die wiederum von den Haushalten mit dem so „ verdienten“ Geld gekauft werden. In einem solchen Kreislauf ist aber eine Zins- und Profiterhebung nicht möglich. Er benötigt einen zusätzlichen Geldzufluss in Höhe der Zins- und Profitforderungen, dem dann auch ein ensprechendes Mehrprodukt gegenübersteht. Die Volkswirtschaft wächst.

Dazu Binswanger in einem Vortrag 2007, 7. Dez. in Wien:

Die Geldseite des Problems

Dies ist offensichtlich nicht möglich, wenn das Geld, das die Unternehmungen den Haushalten für ihre Produktionsleistungen bezahlen, das zu deren Einkommen wird, einfach wieder von den Haushalten dazu verwendet wird, um die Produkte zu kaufen, die die Unternehmungen mit ihrer Hilfe hergestellt haben, wenn also das Geld nur im Kreis läuft. Denn dann würden sich Einnahmen und Ausgaben der Unternehmungen nur immer gerade ausgleichen. Es gäbe also in der Summe von Gewinnen und Verlusten kein positiver Saldo, keine Unternehmungsgewinne. Es könnten also weder Zinsen bezahlt werden, noch Reingewinne erzielt werden, die das Risiko decken. Ein positiver Gewinnsaldo und damit die Möglichkeit, Zinsen zu bezahlen und Reingewinne zu erzielen, die das Risiko deckt, kann somit gesamtwirtschaftlich nur entstehen, wenn Geld zufließt“.

Wie fließt der modernen Wirtschaft zusätzliches Geld zu?

Dies kommt über Kredite in den Kreislauf, die die ZB an die Geschäftsbanken ausgibt. Bleibt das so geschöpfte Geld als Einlage auf den Konten der Geschäftsbanken, finden diese wiederum Kreditnehmer (Schuldner), die mit diesem Geld die Mehrprodukte abkaufen und konsumieren. Für die Volkswirtschaft bedeutet dies, dass sie in Höhe der Zinsnahme wächst. Gleichzeitig wachsen damit die Schulden. Da der Zins prozentual vom jeweils bestehenden Bestand erhoben wird, entsteht auf der Schuldenseite, aber auch auf der Produktionsseite der Volkswirtschaft (BIP) ein exponentielles Wachstum. Irgendwann kommt die Volkswirtschaft an ihre Wachstumsgrenze. Es entsteht eine Schuldenblase, die letztlich zum Zusammenbruch des Systems führt.

Folge

BIP

U-Ausgaben

A-Einnahmen

A-Ausgaben

Schuldner-ausgaben U-Ein-nahmen Über-schuss

Schulden

Überschuss-

rate (PF)

0

2.000

1.818

1.818

1.818

181,82

2.000

181,82

181,82

0,10

1

2.200

2.000

2.000

2.000

200,00

2.200

200,00

381,82

0,10

2

2.420

2.200

2.200

2.200

220,00

2.420

220,00

601,82

0,10

3

2.662

2.420

2.420

2.420

242,00

2.662

242,00

843,82

0,10

4

2.928

2.662

2.662

2.662

266,20

2.928

266,20

1110,02

0,10

5

3.221

2.928

2.928

2.928

292,82

3.221

292,82

1402,84

0,10

6

3.543

3.221

3.221

3.221

322,10

3.543

322,10

1724,94

0,10

7

3.897

3.543

3.543

3.543

354,31

3.897

354,31

2079,25

0,10

8

4.287

3.897

3.897

3.897

389,74

4.287

389,74

2469,00

0,10

9

4.716

4.287

4.287

4.287

428,72

4.716

428,72

2897,71

0,10

10

5.187

4.716

4.716

4.716

471,59

5.187

471,59

3369,30

0,10

11

5.706

5.187

5.187

5.187

518,75

5.706

518,75

3888,05

0,10

12

6.277

5.706

5.706

5.706

570,62

6.277

570,62

4458,67

0,10

13

6.905

6.277

6.277

6.277

627,69

6.905

627,69

5086,36

0,10

14

7.595

6.905

6.905

6.905

690,45

7.595

690,45

5776,81

0,10

15

8.354

7.595

7.595

7.595

759,50

8.354

759,50

6536,31

0,10

16

9.190

8.354

8.354

8.354

835,45

9.190

835,45

7371,76

0,10

17

10.109

9.190

9.190

9.190

918,99

10.109

918,99

8290,76

0,10

18

11.120

10.109

10.109

10.109

1.010,89

11.120

1.010,89

9301,65

0,10

19

12.232

11.120

11.120

11.120

1.111,98

12.232

1.111,98

10413,64

0,10

20

13,455455

12.232

12.232

12.232

1.223,18

13.455

1.223,18

11636,82

0,10

(Alle Zahlenangaben in Mrd. Euro)

Berechnung

 

Kn = K0 * [1 + PF]n

April 22, 2011 Posted by | Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Geld im Kapitalismus [ eine Präsentation ]

Geld oder Leben

Geld im Kapitalismus

Geld im Kapitalismus.pdf

Wir haben uns so sehr daran gewöhnt, unsere Lebenswerte in Geld auszudrücken, dass wir unser Geldsystem wie eine Naturkonstante betrachten, das von Spezialisten verwaltet wird. Das liegt vor allem auch daran, dass die Entwicklung des kapitalistischen Wirtschaftssystems untrennbar mit der Entstehung eines Geldsystems verbunden ist. Welche Bedeutung hat dort Geld?

„Geld oder Leben“ – in dieser Situation befindet sich der gewöhnliche Arbeiter, der nicht viel mehr als seine Arbeitskraft sein Eigentum nennt, wenn er dem Unternehmer als Eigentümer der Produktionsmittel gegenübersteht. Das beschreibt treffend Marx in seinem Werk zur Kritik der politischen Ökonomie „Das Kapital 1“ wie folgt:

Damit ihr Besitzer sie als Ware verkaufe, muß er über sie verfügen können, also freier Eigentümer seines Arbeitsvermögens, seiner Person sein. Er und der Geldbesitzer begegnen sich auf dem Markt und treten in Verhältnis _zueinander als ebenbürtige Warenbesitzer, nur dadurch unterschieden, daß der eine Käufer, der andre Verkäufer, beide also juristisch gleiche Personen sind. _Die Fortdauer dieses Verhältnisses erheischt, daß der Eigentümer der Arbeitskraft sie stets nur für bestimmte Zeit verkaufe, denn verkauft er sie in Bausch und Bogen, ein für allemal, so verkauft er sich selbst, verwandelt sich aus einem Freien in einen Sklaven, aus einem Warenbesitzer in eine Ware. Er als Person muß sich beständig zu seiner Arbeitskraft als seinem Eigentum und daher seiner eignen Ware verhalten, und das kann er nur, soweit er sie dem Käufer stets nur vorübergehend, für einen bestimmten Zeittermin, zur Verfügung stellt, zum Verbrauch überläßt, also durch ihre Veräußerung nicht auf sein Eigentum an ihr verzichtet.

Insofern gibt er zwar nicht wie der Sklave sein ganzes Leben, sondern nur einen Teil davon

Der allgemeine Zwang, für Geld zu arbeiten, hat seinen letzten ökonomischen Grund darin, dass die Produktionsmittel für diese Güter denen gehören, die darin ihr Geld angelegt haben und nur produzieren lassen, was und wenn es sich für ihr Geldinteresse lohnt. So weit die Analyse aus der  marxistisch orientierten Zeitschrift „Gegenstandpunkt“.

Das ist Kapitalismus.

Allerdings bin ich mit der Formulierung der „Ebenbürtigkeit“ im Text von Marx nicht ganz einverstanden. Mitnichten ist der Verkäufer seiner Arbeitskraft dem geldbesitzenden Käufer als Warenbesitzer ebenbürtig. Das verkennt den Charakter der Ware in ihrer allgemeinsten Form (Geld) . Im Gegenteil: die Position des Verkäufers ist durch Ohnmacht gekennzeichnet. Selbst eine Sack Kartoffeln ist weniger fragil als die Ware Arbeitskraft. Da hat das Geld eine ganz andere – nämlich außerordentlich große Halbwertzeit. Der Geldbesitzer kann mit seinem Kauf warten, sofern er selbst das Geld nicht geborgt hat oder die Kosten dafür nicht auf andere abwälzen kann. Diesen Umstand lässt er sich rücksichtslos vergolden.

Zu welchen Zwängen und Schwierigkeiten, die wir tagtäglich erfahren, das Geldsystem innerhalb des kapitalistischen Wirtschaftssystem führt, soll anhand eines Modells als Aufforderung zur Problematisierung und Diskussion erörtert werden.

Grafiken der Präsentation siehe Kreisläufe, Modelle


Geld oder Leben

– Nachbereitung –

Die Präsentation hatte das Ziel, den Zuhörern zu erklären, dass zur Profitrealisierung das kapitalistische Wirtschaftssystem sowohl im Produktions- als auch im Zirkulationsbereich durch die Entstehung von Schulden/Vermögen auf Wachstum notwendig angewiesen ist.

Bei der Vorstellung des grafischen Modells (1) des Wirtschaftssystems stellte sich sehr schnell die Frage nach dem Profit. Es war die Absicht, in der Darstellung zu zeigen, dass unter der Bedingung einer nicht schrumpfenden Volkswirtschaft in einem Kreislaufmodell, bei dem auf der Geldseite die Ausgaben in Form von Lohn auch die zukünftige Einnahmen (=Kaufkraft) der Lohnempfänger sind, ein Profit schwer realisierbar ist. Oft wird diese Erkenntnis auch bei Marxisten durch eine betriebswirtschaftlich orientierte Sichtweise über die Entstehung von Mehrwert versperrt. Bei dieser Sichtweise wird der Wert als der Ware anhaftend gesehen. Durch die Arbeit, gemessen an der gesellschaftlich bestimmten durchschnittlichen Arbeitszeit, wird er der Ware zugefügt, so die Vorstellung. Der Wert entsteht schon bei der Produktion im Einzelbetrieb und somit auch der Mehrwert und der Profit. Das versperrt den Blick dafür, dass auf der volkswirtschaftlichen Ebene in einem Kreislaufmodell bei dem die Ausgaben der Unternehmen gleich ihren zukünftigen Einnahmen sind, ein Profit gesamtwirtschaftlich gesehen nur über Verschuldung zu erreichen ist, es sei denn die Wirtschaft schrumpft.

Wo aber wird der Wert bestimmt? Im kapitalistischen Wirtschaftssystem wird für den Markt produziert. Dort, auf dem Markt, wird der Wert des Produktes im Tausch gegen Geld ermittelt – Geld als Wertmesser. Unter diesen Bedingungen stellt sich die Arbeit in der Verdopplung von Ware und Geld dar, denn es wird für einen anonymen Markt produziert, wobei es unerheblich ist, ob dafür überhaupt ein gesellschaftliches Bedürfnis besteht. Allein der zu erzielenden in Geld ausgedrückte Überschuss ist dafür Maß gebend. Diese Trennung von Arbeiten und Arbeitsziel wird im kapitalistischen Unternehmen dadurch erreicht, dass das Ergebnis der Produktion „privat“ angeeignet wird. Der Tausch der produzierten Ware auf dem Markt gegen Geld ermöglicht es dann, dass die unterschiedlichen Produktionsergebnisse gleichgesetzt werden können. Damit Waren überhaupt als Werte aufeinander bezogen werden können bedarf es eines Dritten, das unmittelbar Wert ist – das Geld (2).

Auf der Ebene des einzelnen Betriebes wird ja zunächst mehr produziert als die an der Produktion Beteiligten konsumieren können. Zum Beispiel wird in einer Bäckerei mehr Backwaren produziert, als Gesellen, Meister, Angestellte und der Inhaber selber konsumieren können. Der Überschuss wäre für sie wertlos. Erst beim Verkauf – also auf dem Markt – wird der Wert dieser Backwaren realisiert. Die produzierte Backwaren als Eigentum des Bäckerei-Inhabers erzielen dann auf dem Markt eine Geldsumme, von der der Geldbetrag abgezogen wird, der zur Erzeugung aufgebracht worden ist, nämlich Kosten für Lohn, Material, Energie usw.. Es entsteht ein Geldüberschuss, der zum Profit des Bäckerei-Inhabers wird. Die Verwendung des Begriffes Wert in diesem Zusammenhang führt leicht zu der Vorstellung von einer dem Ding anhaftenden Eigenschaft. Die Ware hat aber eine solche Eigenschaft nicht. Ihr Wert wird gesellschaftlich am Markt ermittelt. Der Begriff Überschuss würde diese begriffliche Schwierigkeit umgehen.

Ingo Stützel schreibt in seinem Artikel über marxistische Äquivalenzökonomie: Dem Wert auf der Spur (http://www.stuetzle.in-berlin.de/wp-content/uploads/Z%2071%20Dem%20Wert%20auf%20der%20Spur.pdf):

Es ist schlicht und einfach unmöglich [,den Wert zu messen oder <umzurechnen>, (hinzugefügt)]. Es ist gerade das konstitutive Moment der kapitalistischen Produktionsweise, dass sich die gesellschaftliche Gesamtarbeit über eine gegenständliche Vermittlung, das Geld, ex post herstellt. Das Geld ist gegenständlicher Ausdruck einer spezifischen Praxis. Einer Praxis, die Ungleiches gleich setzt. Die Vorstellung, man könne den Warentausch gerecht gestalten, indem äquivalente Wertgrößen miteinander getauscht werden, sitzt dem von Marx immer wieder kritisierten Phantasma auf, dass es einen Warentausch ohne Geld geben könnte, „ebenso wohl könnte man den Papst abschaffen und den Katholizismus bestehen lassen.“ (KI, 102 Fn. 40)…. Der Wertcharakter der Waren kann überhaupt erst mit dem Geld konstatiert werden.“ (S.160-161)

Diese Aussage steht im Gegensatz zu der immer wieder geäußerten Meinung, das Geld sei ein bloßes Mittel ohne wesentliche Bedeutung für den Produktionsprozess, obwohl jede Finanzkrise zeigt, wie diese von Geld wesentlich bestimmt wird. Richtig ist, dass Zirkulations- und Produktionssphäre – manche sagen dazu Finanz- und Realwirtschaft – eine Einheit bilden.

Freilich verschleiert ein Kreislaufmodell, in dem die Haushalte und Unternehmen gleichrangig nebeneinander gestellt werden, die gesellschaftlichen Verhältnisse, die zum Überschuss bzw. Profit führen. Es sind dies die Produktionsverhältnisse, bei denen die Ergebnisse der Produktion „privat“ angeeignet werden. Auf der Basis von Eigentumsverhältnissen vollzieht sich dadurch eine Trennung von Arbeit und Arbeitszielen. Das in den Lehrbüchern der Volkswirtschaft vorgestellte Kreislaufmodell bezeichnet die Haushalte als Lieferanten der sogenannten Produktionsfaktoren Arbeit, Boden, und Kapital gleichermaßen, so als ob zusätzlich zur Arbeit der Boden und das Kapital sich in den Unternehmen absurder Weise in Güter verwandeln. Diese Darstellung verfälscht, dass allein die Arbeitskraft in der Lage ist, in den Unternehmen die für den Markt bestimmten Leistungen zu erbringen und dass die Haushalte, die im Wesentlichen nur ihre Arbeitskraft besitzen, diese dazu an den Unternehmer für ihren Lebensunterhalt verkaufen müssen. Die Bezeichnung „Arbeiter“ wäre für jene Haushalte zutreffend, die im Wesentlichen bloß ihre Arbeitskraft besitzen. Sie dagegen als „Arbeitnehmer“ zu benennen, bzw. die Eigentümer von Unternehmen als „Arbeitgeber“ führt in die Irre. (3).

Dazu Ingo Stützel

„Stellt man jedoch die Frage radikal, d.h. die Frage nach einer unmittelbaren gesellschaftlichen Produktion, muss die Warenproduktion und damit die auf dem Wert [Warenwert (hinzugefügt)] basierende Produktion selbst in Frage gestellt werden….. Mit dieser apodiktischen Feststellung ist die Diskussion aber noch lange nicht zu Ende. Vielmehr sind damit die theoretischen Voraussetzungen formuliert, mit welchen bereits gescheiterte oder mögliche Planungsökonomien kritisiert und diskutiert werden können.

Damit steht die zentrale Frage im Mittelpunkt der Auseinandersetzung: Wie ist eine alternative, nicht-kapitalistische Ökonomie möglich?“ (s.161)

Anmerkungen

(1) Modelldenken

Menschen denken in Modellen. Nun sind alle Modelle Ansichten, Abstraktionen mit dem Versuch, eine ganzheitliche Erscheinung oder einen dynamischen Prozess – z.B. die Wirtschaft – auf sogenannte Wesenheiten zu reduzieren Wenn wir zum Beispiel von dem „Baum“ sprechen, haben wir eine bestimmte Vorstellung vom Baum – ein Modell: Krone rund, Stamm länglich, Wurzeln netzförmig. Im Alltag sprechen wir vom „elektrischen Strom“. Dahinter steht das Modell eines Wasserstroms in einem Schlauch. In der Tat lässt sich das wesentliche elektrische Gesetz, das Ohmsche Gesetz, anhand eines Wasserstroms im Schlauch ableiten. Modelle bilden bestimmte Aspekte der sog. Wirklichkeit ab und lassen Voraussagen zu, die dann, wenn das Abbild stimmt, regelmäßig eintreffen. In der Politik neuerdings üblich ist das Modell des Haushaltes einer schwäbischen Hausfrau (Merkel 2009), wenn über die Volkswirtschaft gesprochen wird. Damit wird die Notwendigkeit des Sparens begründet, wodurch es dem Haushalt und analog dazu der Volkswirtschaft wieder gut gehe. Leider stimmt an dieser Stelle das Modell nicht, da der Haushalt der schwäbischen Hausfrau ein offenes System ist, bei dem Geld von außen herein kommt und nach außen wieder abgeben wird. Die Volkswirtschaft ist ein geschlossenes System mit einem Geldkreislauf, bei dem – soll es ihr nicht schlecht gehen (schrumpfen) – die Ausgaben die zukünftigen Einnahmen sein müssen. Dient das Sparen dazu, Geld aus dem Geldkreislauf herauszuziehen, schrumpft die Volkswirtschaft.

(2) Ingo Stützel schreibt in seinem Artikel über marxistische Äquivalenzökonomie: Dem Wert auf der Spur, Literaturstelle s.o.):

Marx zeigt im Kapital, dass die Waren produzierende und privat verausgabte Arbeit nicht unmittelbar gesellschaftlich ist – ganz im Gegensatz zu anderen Gesellschaftsformationen. Vielmehr stellt sich erst ex post heraus, ob die geleistete Arbeit tatsächlich Teil der gesellschaftlichen Gesamtarbeit ist oder nicht – auf dem Markt via Geld. ….Was meint er aber damit? Marx geht davon aus, dass nur das Geld als unmittelbare Existenzform des Werts den Wert der Waren ausdrücken kann. Das bedeutet erst einmal qualitativ, dass privat verausgabte Arbeit überhaupt als gesellschaftliche, als Wert schaffende Arbeit anerkannt wird und als solche gilt. Der Wert kommt zwar bereits bei der Produktion „in Betracht“ wie Marx schreibt (KI, 87), aber er kann sicht erst als solcher im Tausch, d.h. in Bezug auf Geld als solcher beweisen. Darauf geht Marx vor allem in seinem Überarbeitungsmanuskript zur zweiten Auflage ein (MEGA² II.5: 30). Aber auch die zentrale Funktion des Geldes „Maß der Werte“ (KI, 109ff.) unterstreicht diesen Punkt. Das zeigt die Fußnote (KI, 109, Fn. 50) zu dieser Geldfunktion: „Die Frage, warum das Geld nicht unmittelbar die Arbeitszeit selbst repräsentiert, so dass z.B. eine Papiernote x Arbeitsstunden vorstellt, kommt ganz einfach auf die Frage heraus, warum auf Grundlage der Warenproduktion die Arbeitsprodukte sich als Waren darstellen müssen, denn die Darstellung der Ware schließt ihre Verdopplung in Ware und Geldware ein.“ Hier betont Marx unmissverständlich, dass die Arbeitszeit, die er bezüglich der abstrakten Arbeit meint, unmittelbar gar nicht messbar ist und dass die Frage, warum dies so ist, die Frage mit einschließt, warum sich die menschliche Arbeit unter kapitalistischen Bedingungen in Ware und Geld darstellen muss.

(3) Marx Kritik der wertschaffenden Arbeit

DerWertneopreneblogsport.pdf/Gegenstandpunkt Sept10

Es ist der große Fehler der Freunde der „Arbeitswertlehre“, dass sie im Wert nicht die Indienstnahme der gesellschaftlichen Arbeit – dieses notwendigen „Stoffwechsels des Menschen mit der Natur“ – für einen ihr fremden und feindlichen Zweck erkennen, sondern, den bürgerlichen Ökonomen ähnlich, den Wert für eine hilfreiche Abstraktion halten, nämlich für die Gleichsetzung verschiedener Arbeiten und Arbeitsprodukte zum Zweck ihrer leichteren Vergleichbarkeit und Addition. Ihnen gilt die fürs Eigentum verrichtete Arbeit als eine ganz vernünftige Weise, die für die Gesellschaft notwendige Arbeit zu organisieren; kritikwürdig finden sie nur, dass die bürgerliche Welt nicht zugeben mag, dass der ganze schöne Wert aus Arbeit stammt. Marx‘ Kritik der wertschaffenden Arbeit verstehen sie als deren Rehabilitation und Aufwertung und setzen dem bürgerlichen Standpunkt den proletarischen Stolz der „Schöpfer allen Reichtums und aller Kultur“ entgegen, dass ihre Maloche die einzige und ganze Quelle des Reichtums sei. Aus dem Dienst, den die Arbeiterschaft dem Gemeinwesen leistet, leiten ihre politisch-ideologischen Fürsprecher ab, dass der „volle Arbeitsertrag“, der ihr zustünde, größer auszufallen hätte als der Lohn, den man ihr zahlt. Marx aber war kein Freund des echten Werts; er mochte den Arbeitern nicht dazu gratulieren, dass sie und nur sie den ganzen Wert schaffen. In seiner Kritik des Gothaer Programms (1875) tritt er einem entsprechenden Lob der Arbeit durch die damaligen Sozialdemokraten ausdrücklich entgegen: „Die Arbeit ist nicht die Quelle allen Reichtums“ – jedenfalls nicht, soweit nicht vom Wert, sondern vom materiellen Reichtum die Rede ist. Der hängt ebenso von Bedingungen der Natur wie vom Stand von Wissenschaft und Technik ab. „ Die Bürger haben sehr gute Gründe, der Arbeit übernatürliche Schöpferkraft anzudichten „, setzt Marx hinzu: Sie sind die Nutznießer der Arbeit, die den Wert schafft. Ein sozialistisches Programm aber hätte sich solcher „bürgerlicher Redensarten“ zu enthalten (MEW 19, S. 15).

September 28, 2010 Posted by | Wirtschaft | Hinterlasse einen Kommentar

Finanzkrise Griechenland

Die Finanzkrise

In den Finanzkrisen bildet sich der Schuldner/Gläubiger-Konflikt auf der Geldebene ab.

Worin besteht dieser Konflikt und wie kommt es dazu?

  • Schulden, sind wesentliche Bestandteile einer Geldwirtschaft. Sie und damit als Gegenpart die Geldvermögen sind notwendig, weil eine Gesellschaft ein Verteilungsproblem hat: Es gibt Wirtschaftsteilnehmer, die mehr einnehmen als sie ausgeben (Profit) oder weniger ausgeben als sie einnehmen (Sparen) und dadurch einen Überschuss erzielen. Wird dieser Überschuss nicht für den Kauf von Produkten ausgegeben, weil die Geldhalter keinen Bedarf haben oder der Überschuss als Profit in Geld zu realisieren ist, dann müssen sich Schuldner finden, die den Überschuss übernehmen, um die Produkte (Markträumung) zu kaufen. Andernfalls werden die Produkte nicht abgesetzt, Profite nicht realisiert – die Volkswirtschaft schrumpft. (s. https://hajosli.wordpress.com/2009/11/08/modelle-2/). Die Volkswirtschaften sind als Geldsysteme dann krisenfest, d.h. sie schrumpfen nicht, wenn die Geldausgaben (Kosten) die künftigen Einnahmen sind. In einem solchen System sind Überschüsse (Zinsen, Profite, Rendite) nur möglich, wenn diese Überschüsse durch Schulden finanziert werden. Es entsteht das Schulden/Geldvermögen-Paar, das durch den Zinseszinseffekt exponentiell wächst und schließlich den Systemrahmen sprengt. Die Notwendigkeit, Geldüberschüsse zu erzielen, führt das kapitalistische Wirtschaftsystem auf die Suche nach immer neuen Schuldnern. Die finden sich, indem die Wirtschaft wächst (H.-Chr. Binswanger: “ Die Wachstumsspirale“, Metropolis, 2006). Das Modell funktioniert, solange schnelle Produktivitätsfortschritte und hohe Wachstumsraten die Überschüsse stabilisieren.
  • In einer fortgeschrittenen Volkswirtschaft wird es aber zunehmend schwieriger diese Schuldner bei Unternehmen (Investition) oder den Privathaushalten (Konsumkredite, Hypotheken usw.) zu finden, weil der Markt gesättigt ist, die Renditeerwartungen bei den Unternehmen und die Bonität möglicher Schuldner geringer wird. Das Vertrauen der Geldgeber in die Schuldenrückzahlbarkeit schwindet. Keynes spricht von der Grenzleistungsfähigkeit des Kapitals, Marx vom tendenziellen Fall der Profitrate.

Dies ist der Hintergrund für den Schuldner/Gläubiger-Konflikt: es finden sich keine zuverlässigen Schuldner für die Anlage des Geldüberschusses der Gläubiger.

Anmerkg.: Inzwischen erreicht diese Erkenntnis sogar die öffentlichen Medien. In der Heute-Sendung des ZDF vom 8.5.2010 konnte der Börsenanalyst Bernd Müller (Dax-Müller) öffentlich erklären, dass die Schulden und damit gleichzeitig die Geldvermögen durch Zinseszins weltweit in einer systembedrohenden Weise angewachsen sind und nur eine Neuordnung dieser Schulden (Währungsreform, Schuldenerlass) diese Krise lösen könnte.

  • Die Rolle des Staates als “ infallibler Schuldner “ gewinnt dadurch eine immer größer werdende Bedeutung. “Infallibel“ (unfehlbar) ist der Staat insofern, als er in der Lage ist, die Rückzahlung von Schulden in die weite Zukunft zu verschieben und die Zinszahlung als Bedienung des Geldkapitals durch Neuverschuldung aufzubringen. Er mildert die Überschussproblematik kurzfristig, löst sie aber nicht. Die Anleger suchen andere Anlagemöglichkeiten. Es entstehen Spekulationsblasen. Schließlich schwindet auch das Vertrauen, dass der Staat die Schulden zurückzahlen kann, vor allem, wenn die schwache wirtschaftliche Leistung der Gesamtgesellschaft es unmöglich erscheinen lässt, dass der Staat durch Steuereinnahmen seine Schulden zurückzahlen kann. Dies ist in der Regel dann der Fall, wenn wie z.B. bei Griechenland der Schuldenberg sich der Größe der Wirtschaftsleistung nähert.

Die griechische Seite: Wie entstand in Griechenland dieser Schuldenberg?

  • Innenpolitisch löste die griechische Gesellschaft wie alle anderen Staaten die Überschussproblematik durch staatliche Schuldenübernahme.
  • Außenpolitisch übernahm es aber zudem diese Last anderer Staaten, indem es mehr Güter importiert als exportiert, was durch das gemeinsame Euro – Währungsgebiet besonders leicht möglich war. Dem Überschuss an Importgütern stand eine Geldschuldlast gegenüber, da diese Güter ja bezahlt werden mußten. Bei getrennten Währungsgebieten, würde dies normalerweise zu einer Währungsabwertung gegenüber dem exportüberschüssigen Gebiet führen, denn Geldschulden gegenüber dem Exportland führt zu erhöhter Nachfrage der Währung dieses Exportlandes, die dadurch aufgewertet wird. Diese Aufwertung begrenzt wiederum eine Gütereinfuhr, da die importierten Güter sich gegenüber einheimischen verteuerten. Verhindert würde dieser Vorgang durch Geldeinfuhr aus dem Exportausland, wenn also die entsprechenden ausländische Geldbesitzer Geld in das importierende Land anlegten. Das gilt z.B. für die USA. Bei einem einheitlichen Währungsgebiet entfallen die Regelungsmöglichkeiten. Die Schulden der einen Region sind somit Schulden der Gesamtregion. In dieser Situation befindet sich Griechenland auf der einen Seite und die Deutsche Wirtschaft auf der anderen.

Die Deutsche Seite: Wie wurde in Deutschland das Überschussproblem gelöst?

Der Geldüberschuss fand im deutschen Inland keine renditeträchtige Anlage, weil die Produktion wegen der schwachen Binnenwirtschaft keinen Absatz fand. Es fehlte das Geld der Konsumenten. Die Triebfeder für diese Entwicklung ist vor allem im deutschen Lohndumping zu suchen. Laut Eurosat stiegen die Lohnstückkosten von 2000 bis 2009 in Deutschland um 7%, bei den meisten anderen Euroländern aber über 20%. Wären die Löhne  der Produktivität gefolgt, lägen sie erheblich höher und für die  Binnenwirtschaft gäbe es Konsumenten, die die Produkte abgenommen hätten. Höhere Löhne hätten aber die Profite geschmälert. Aus dieser Klemme half das Ausland, z.B. Griechenland, indem es die Produkte abnahm, was wiederum besonders leicht möglich war, weil durch die deutsche Niedriglohnentwicklung die deutschen Produkte preislich mit den jeweilig einheimischen besser konkurrieren konnten. Das Eine – Lohndumping – bedingte das Andere – Außenhandelungleichgewicht und die Verschuldung der entsprechenden Auslandsstaaten. (s. Anmerkung)

Es ist deshalb unangebracht mit den Finger auf das verschuldete Griechenland zu zeigen. Deutschland löste seinen Gläubiger/Schuldnerkonflikt u.a. auf Kosten Griechenlands. Nun wird es von dieser Problematik eingeholt, indem es die Schulden übernimmt, soll das ganze System nicht schon jetzt abstürzen.

Gewöhnlich wird der Gläubiger/Schuldner-Konflikt dadurch gelöst, dass der Schuldner zahlungsunfähig wird. In der Insolvenz wird das Gläubiger/Schuldnerpaar aufgelöst, die Geldvermögen und damit der Überschuss abgeschmolzen. Das hat für die  Gesellschaft insgesamt schwerwiegende Folgen. Weniger schwerwiegend wäre es, wenn durch eine massive Besteuerung der geldvermögenden Eliten ein Anwachsen des Gläubiger/Schuldner-Konfliktes abgewendet würde.  In der augenblicklichen Situation reicht das aber nicht. Ohne eine geordnete und planmäßig ausgeführte Teilentschuldung ist eine Bewältigung der Krise nicht möglich.

Stattdessen werden aber Maßnahmen ergriffen, die die Krise noch vergrößern. Durch Sparen und Steuergeschenke für die geldvermögenden Eliten wird die Überschussproblematik verschärft.

Die politischen Eliten und die Mainstream-Wirtschaftswissenschaftler verstehen die Ursachen der Krise nicht oder wollen sie nicht verstehen. Sie ist in der Verteilungsproblematik, wie eingangs behauptet, zu finden.

Anmerkung: Michael Schlecht, Chef-Volkswirt der Fraktion DIE LINKE im Bundestag, schreibt dazu im Magazin der Fraktion „clara“, Nr. 16, 2010, S. 20 Folgendes:

Insgesamt beläuft sich der Außhandelsüberschuss seit 2000 auf 1,4 Billionen Euro. Dieser Überschuss ist nur möglich, wenn in anderen Ländern Defizite, also Schulden gemacht werden. In Europa sind dies vor allem die Südländer. Das griechische Außenhandelsdefizit beläuft sich seit 2000 auf 300 Miliarden Euro, das spanische auf 650 Milliarden Euro und das portugiesische auf 180 Milliarden Euro….Dies führt zu einer Verschuldung, die sich mittelbar auch in Gestalt von wachsenden Staatsdefiziten auswirkt. Die Triebfeder für dieseEntwicklung liegt vor allem im deutschen Lohndumping. …..

Juli 23, 2010 Posted by | Wirtschaft | Hinterlasse einen Kommentar

Modell Schuldentilgung

Auswirkungen von Schuldentilgungen auf ein Wirtschaftsmodell

Dieser Erörterung liegt ein duales Wirtschaftsmodell von Unternehmern und Leistungsproduzenten zugrunde, bei dem gilt, dass die Einnahmen der einen Seite die zukünftigen Ausgaben der anderen sind. ( S. dazu: H.J. Schlichte, Modell zur Abbildung  von Wirtschaftsvorgängen in der Geldwirtschaft, https://hajosli.wordpress.com/2009/11/08/modelle-2/. Für die Volkswirtschaft heißt das:

In einer Volkswirtschaft, die durch eine auf Geld basierenden Wirtschaft (Geldwirtschaft) gekennzeichnet ist, wird als stabil angesehen, dass die volkswirtschaftlichen in Geld erfassten Ausgaben die zukünftigen Einnahmen sind (Gleichgewicht: Einnahmen = Ausgaben) oder anders betrachtet, bei einer stabilen Volkswirtschaft ist die Summe aller Ausgaben gleich der Summe aller Einnahmen.

Bei extrem ungleicher Einkommensverteilung bedeutet dies die Notwendigkeit von Schuldenaufnahme bzw. Kreditvergabe, soll die Volkswirtschaft nicht schrumpfen. Grund dafür liegt in dem reichen Teil der Bevölkerung, der mehr an Einkommen bezieht, als er an Ausgaben konsumieren kann oder will. Es entstehen Überschüsse. Soll die Wirtschaft nicht schrumpfen, so müssen diese Überschüsse (das ist die Differenz aus Einkommen und Ausgaben) vom Rest der Bevölkerung übernommen werden, wofür diese Kredite in der Höhe dieser Überschüsse aufnehmen. Es entstehen Schulden. Sollen diese Schulden nicht durch die Zinseszins-Dynamik in astronomische Höhen wachsen, müssen sie getilgt werden. Die Tilgung ist betriebswirtschaftlich anders zu betrachten, als volkswirtschaftlich.

  • Auf der betriebswirtschaftlichen Ebene kann der Schuldner durch Einnahmenerhöhung die nötige Tilgungssumme erarbeiten, indem er erhöhte Leistungen anbietet. Wer diese ihm abnimmt ist dabei unerheblich.
  • Kann er seine erhöhte Leistung nicht absetzen, muss er bei gleicher Einnahmensituation durch Sparen die Tilgungssumme erzielen. Die Wirkung dieses Sparens auf andere Wirtschaftsteilnehmer ist für ihn ebenfalls unerheblich.

Nicht so auf der volkswirtschaftlichen Ebene.

  • Hier bedeutet Sparen, um zu tilgen, Schrumpfung der gesamtwirtschaftliche Leistung durch die Störung des Input-Output-Gleichgewichtes.
  • Hier gilt, dass der Schuldner als Bevölkerungsgruppe ein Gesamtschuldner und der Gläubiger ein Gesamtgläubiger ist. Der Gesamtschuldner in einer Volkswirtschaft kann aber seine Schuld nur abbauen, wenn „die Gesamtheit der Gläubiger bereit ist, ihre Guthaben abzubauen und damit Waren oder Dienstleistungen der Schuldner zu kaufen“ (s. dazu E. Glötzl; Das Wechselfieber der Volkswirtschaften…; Ztschr. F. Soz.ök., 121, 1999 S.12 u. 21 Thesen zur Finanzkrise, Humanwirtschaft, 03/2009). Das ist die Ohmacht des Schuldners. Erhöht nun der Gesamtschuldner seine Leistung, um sie der Gläubigerseite anzubieten, steigert dies die gesamtwirtschaftliche Leistung.

Entscheidend dabei ist nun, dass bei gleichem Schlüssel der Einkommensverteilung dies auch eine Einkommenserhöhung der Gläubigerseite bedeutet. Dies ist eine einleuchtende Annahme, da in einer arbeitsteiligen Volkswirtschaft die Leistungserhöhung einer gesellschaftlichen Gruppe synergetisch Leistungserhöhungen der anderen nach sich zieht

So entsteht ein zusätzlicher Überschuss, der wiederum vom Schuldner übernommen werden muss, soll eine volkswirtschaftliche Schrumpfung vermieden werden. Das Ergebnis? Die erhöhte wirtschaftliche Leistung des Schuldners führt neben einem Wirtschaftswachstum nur zu einer Schuldenverringerung, da durch die Einkommenserhöhung des Gesamtgläubigers zusätzliche Schulden übernommen werden mussten. Sie kann sogar bei extrem ungleicher Einkommensverteilung zu einem exponentiellen bzw. linearen Schuldenwachstum führen (s.u. die Ausführungen zum Modell). Erst durch eine weitere Konsumerhöhung des Gläubigers, der den Überschuss abbaut, können die Schulden gänzlich getilgt werden.

Unter diesen Umständen ist nur eine Schuldenverringerung möglich.

Einzelheiten und Berechnungen im PDF-Dokument:

AuswirkungSchuldentilgung.pdf 65 KB

November 8, 2009 Posted by | Wirtschaft | Hinterlasse einen Kommentar

Modelle

MODELL zur Abbildung von Wirtschaftsvorgängen in der Geldwirtschaft

Modelle5ohneOkt11

Das Modell: Zusammenfassung

Es gibt in unserem Wirtschaftssystem drei große Teilnehmergruppen: Die Banken (Zentralbank, Privatbanken), die Unternehmer und die Leistungslieferanten. Die Leistungslieferanten sind im Wesentlichen die im Wirtschaftsprozess stehenden Arbeiter und Angestellte. Wichtigstes wirtschaftliches Element bzw. Instrument für den Austausch von Leistungen ist das Geld. Der wirtschaftliche Prozess kann  wie folgt beschrieben werde:

In den Unternehmen werden Produkte oder auch Dienstleistungen mit Hilfe der Leistungslieferanten hergestellt. Volkswirtschaftlich gesehen, sind die gesamten Unternehmensausgaben Geldzahlungen für die Leistungen dieser Gruppe. Diese Geldzahlungen sind wiederum Einnahmen der Leistungslieferanten. Mit den Einnahmen kaufen sie die Produkte und Leistungen, die in den Unternehmen hergestellt wurden (s. Anm. 1). Ein Schema soll dieses vereinfachte Modell veranschaulichen:

schema.jpg

Abb. 1: Modellschema.

Die Funktion der Banken ist in diesem Schema nicht aufgeführt aber im Text erläutert (s. Anhänge, Abb. 2).

  • An diesem Modell wird anschaulich, dass in einer arbeitsteiligen Wirtschaft Geld ein Zirkulationsmittel ist, das den Leistungsaustausch zwischen Wirtschaftsteilnehmern erst ermöglicht: Während das Geld in die eine Richtung strömt, gelangen die Leistungen in die andere, wo Bedarf dafür ist. Das Geld wird vom Bankensystem bzw. letztlich von der Zentralbank bereitgestellt.
  • Auf der Geldseite wird deutlich, dass die ursprünglichen Ausgaben bzw. Kosten des Gesamtunternehmers, mit denen er seine Leistungslieferanten bezahlt (ihre Einnahmen), später als Ausgaben dieser Leistungsträger seine Einnahmen sind.

In einer Volkswirtschaft, die durch eine auf Geld basierenden Wirtschaft (Geldwirtschaft) gekennzeichnet ist, wird als stabil angesehen, dass die volkswirtschaftlichen in Geld erfassten Ausgaben die zukünftigen Einnahmen sind oder anders betrachtet, bei einer stabilen Volkswirtschaft ist die Summe aller Ausgaben gleich der Summe aller Einnahmen. (s. Anm. 2).

Diese Betrachtungsweise leitet sich aus dem kaufmännischen Denken von einer ausgeglichenen Bilanz ab. Nun sind alle Modelle Ansichten, Abstraktionen mit dem Versuch, einen ganzheitlichen dynamischen Prozess – hier die Wirtschaft – auf sogenannte Wesenheiten zu reduzieren (s. Anm. 8). Das vorliegende Modell vernachlässigt u.a. besonders die Übergänge

a. von den Ausgaben der Leistungslieferanten als Konsumenten zu den Einnahmen der Unternehmen als Produktanbieter. (Konsumentenmarkt)

b. von den Ausgaben (Kosten) der Unternehmen zu den Einnahmen der Leistungslieferanten (z.B. Lohnarbeiter, die eigentlichen Arbeitergeber, weil sie ihre Arbeit einbringen).(Arbeitsmarkt)

Diese Übergänge werden in der Wirtschaftswissenschaft gemeinhin in einem anderem Modell beschrieben, dem des „Marktes“.

Das Schema bleibt zunächst die Antwort auf die Frage schuldig, wie in einem solchen Kreislauf Überschüsse (Zins, Gewinn) verwirklicht werden können. (s.Anhang 1, Binswanger)

Darüber hinaus ist die Einteilung der Vielfalt von Wirtschaftsteilnehmer in die zwei Kategorien Unternehmer und Leistungslieferanten eine besonders starke Abstraktion.

Ich konzentriere mich auf die Diskussion des Punktes a.

Das Schema zeigt dort zwei Schwachstellen, die den wirtschaftlichen Austausch mit Hilfe des Tauschmittels Geld behindern:

I. Die Abnehmer behalten ihr Geld für andere Zwecke („Sparen“, Spekulation u.a.)

II. Die Leistungen werden nicht abgefragt, weil Sättigung herrscht oder an den Bedürfnissen vorbei produziert wird (s. Anm. 3).

Zu II

Die im Unternehmen hergestellten Produkte werden von denen abgenommen, die hauptsächlich an deren Herstellung beteiligt waren. Werden weniger Waren abgenommen, so verbleibt ein Mehr an Waren beim Unternehmer (Mehrwert/Profit). Dieser kann den Produktüberschuss selber konsumieren oder er hat ein Verwertungsproblem (s. Anm. 4). Dies ist die Warenseite (Produktionssphäre) des aus gegenläufigen, von einander abhängigen Kreislaufströmen (Geld/Ware) bestehenden Wirtschaftssystems.

Zu I

Auf der Geldseite (Zirkulationssphäre) gilt , dass die Ausgaben die zukünftigen Einnahmen sind. Das heißt, eine Volkswirtschaft ist dann stabil, wenn die einzelnen beteiligten Gruppen das wieder ausgeben, was sie einnehmen. Welche Wirkung hat es auf die Volkswirtschaft, wenn einzelne Gesellschaftsgruppen mehr Geld einnehmen, als sie ausgeben können oder wollen, indem sie entweder “sparen“ (man sollte besser von „Einkommensüberschuss erzielen“ sprechen) oder Gewinne machen (Gewinn als positives Saldo aus Ausgaben, bzw. Kosten und Einnahmen)? Es ist logisch, dass sich dieser Überschuss als Geldvermögen in den Taschen dieser Gesellschaftsgruppen anhäuft. Wenn dieses Geld nicht wieder ausgegeben wird, sei es als Konsum oder Investition (eine besondere Konsumart), sondern in Schweitzer oder privaten Tresoren gelagert oder von Spekulationskassen (z.B. Girokonten) gehalten wird oder in Spekulationsblasen zirkuliert, fehlt es der Volkswirtschaft. Diesem nicht ausgegebenen Geldüberschuss stehen produzierte Güter, bzw. Leistungen gegenüber, die nicht vom Markt geräumt werden. Unternehmen gehen pleite, die Volkswirtschaft schrumpft.

Das folgende Zahlenbeispiel soll diese Aussagen illustrieren :

Hier wird die sog. reiche Gruppe, bei der die Einnahmen größer sind als die Ausgaben und die einen Bevölkerungsanteil von 20%, umfassen soll, in ihren Einnahmen dem großen Rest der Bevölkerung gegenübergestellt. Sie soll einen Einnahmeanteil von 40% am BIP haben, hier mit 2000 Mrd. €./Jahr angegeben (lt. Stat.Bu.Amt hatte 2001 ein Bevölkerungsanteil von 18% einen Anteil von ca. 47% am Gesamteinkommen). Beim großen Teil der Bevölkerung sind im Wesentlichen die Ausgaben so groß wie die Einnahmen. Die Ausgaben des kleinen reichen Teils mögen bei konstant (!) z.B. bei 720 Mrd. Euro/Jahr liegen, das sind 36% des anfänglichen (!) BIP von 2000 Mrd. Euro. Der Überschuss würde dann anfänglich bei 4% BIP, bzw. 10%  bezüglich der anfänglichen Einnahmen liegen, der voraussetzungsgemäß angehäuft wird. Da die Ausgaben immer auch die zukünftigen Einnahmen sind, schrumpft das BIP im folgenden Jahr, in unserem Beispiel um 80 Mrd. Euro (4% von 2000). Das BIP schrumpft unter diesen Voraussetzungen solange , bis die Ausgaben der reichen Gruppe gleich deren Einnahmen sind, d.h. bis in unserem Beispiel 720 Mrd. Euro 40% des dann erreichten BIP ausmachen, also auf 1800 Mrd. Euro. Der Überschuss ist dann natürlich auf null geschrumpft

Das Entscheidende bei diesem Vorgang ist, dass der reiche Teil seine Einnahmen nicht konsumieren kann oder will und dadurch Überschuss (s. Anm. 5) angehäuft wird. Die Frage ist, wie in einem Kreisprozess dieser Überschuss abgebaut werden kann, ohne dass die Wirtschaft schrumpft? Verändern lässt sich diese Situation nur, wenn der Überschuss (s. Anm. 6 u.7) in die Volkswirtschaft fließt. Das geschieht heute über Kredite, wenn dafür Zinsen bzw. Gewinne winken. Diese verschärfen aber auf die Dauer das Problem. Es entsteht ein spiralförmiger Prozess (s. Anhang 1: Binswanger)

Wie kommt es zu diesem Prozess?

Das Gleichgewicht von Kauf und Verkauf, volkswirtschaftlich gesehen, von Ausgaben und Einnahmen wäre die Grundlage eines krisenfreien Wirtschaftsablaufes. Sie ist für eine Warentauschwirtschaft unmittelbar gegeben. Dort wird Ware gegen Ware getauscht. Verkauf kann nur durch gleichzeitigen Kauf stattfinden und umgekehrt. Die in der Hand ihrer Produzenten zum großen Teil nutzlosen Güter werden für ihn in nützliche Gebrauchswerte getauscht, die sich in der Hand des anderen Tauschpartners befinden

Schon die bloße Ungleichheit in der Einkommensverteilung in einer Geldwirtschaft führt tendenziell zu Überschüssen. Behoben wird diese Schwierigkeit, indem der Geldüberschuss an andere Wirtschaftsteilnehmer als Kredite weitergereicht wird, der ihn dann durch seine Ausgaben in den Kreislauf einschleust.

Kredite (Schulden) sind Ausdruck einer auf Geld beruhenden Volkswirtschaft, denn Geld ist Ausdruck von Schuldverhältnissen, es kommt über Kredite in den Umlauf. Zwei Drittel der Geldscheine werden durch die Zentralbank über Kreditvergabe an die Zentralbanken in den Umlauf gebracht. Der Rest durch Ankauf von Anleihen, Gold und Devisen. Das Giralgeld, mit dem man ebenfalls bezahlen kann und das als Grundlage das Zentralbankgeld hat, ist nichts anderes als Schulden der Bank ihren Einleger gegenüber, denen wiederum Schulden der Kreditnehmerkunden an die Bank gegenüberstehen. Schulden sind aber auch Ausdruck von Besitzverhältnissen.

Nach der Auffassung von R. Dietz (s. sein Artikel „In Memoriam Gerhard Margreiter“, 2008, http://www.rd-coaching.at) stellt Geld einen Ausgleich zwischen dem Geben und Nehmen von Leistungen her. Wenn eine Leistung geliefert wurde, wird Geld statt einer anderen Leistung angenommen, um es zu einem späteren Zeitpunkt und einem anderen Ort gegen eine andere Leistung einzutauschen. Wird nun Geld selbst abgegeben, so wird allerdings dieser Ausgleich zwischen Geben und Nehmen durchbrochen. Die Geldbesitzer fordert mehr Geld zurück als er gegeben hat, den Zins.(Anm. 8 u. Anhang 3)

Jede arbeitsteilige Geldwirtschaft ist darauf angewiesen, dass Leistungen und Gegenleistungen zu verschiedenen Zeiten und an verschiedenen Orten stattfinden können. Das bedeutet, dass es Vertrauensverhältnisse, beziehungsweise Kreditverhältnisse gibt, weil die Teilnehmer darauf vertrauen müssen, dass sie für ihre Leistungen zu einer anderen Zeit, an einem anderen Ort auch Gegenleistungen erhalten. Die Aufgabe des Banksystems (Privat- u. Zentralbanken) besteht dabei darin, die Sicherheit zu liefern, dass der warenliefernde Teilnehmer in angemessener Zeit eine Gegenleistung erhält.

Nun könnte der Schuldner seine Schulden durch Leistungssteigerung tilgen, um dafür das Geld zu verdienen. Gesamtwirtschaftlich kann aber der Schuldner seinen Kredit nur zurückzahlen, soweit er seine Leistung absetzen kann, denn erst dann erhält er Geld für die Kredittilgung. Das ist die Ohnmacht des Schuldners. (Anmk. 8a) Erbringt er die Leistung zusätzlich zu seinem bestehenden Konsum und wird sie abgenommen, wächst die Volkswirtschaft. Schränkt er seinen Konsum ein, um die Schulden zu bezahlen, schrumpf die Wirtschaft. Entscheidend bei der Leistungssteigerung zur Schuldentilgung ist nun, dass bei gleichem Schlüssel der Einkommensverteilung dies auch eine Einkommenserhöhung der Gläubigerseite bedeutet, da in einer arbeitsteiligen Volkswirtschaft die Leistungserhöhung einer gesellschaftlichen Gruppe synergetisch Leistungserhöhungen der anderen nach sich zieht

So entsteht ein zusätzlicher Überschuss, der wiederum vom Schuldner übernommen werden muss, soll eine volkswirtschaftliche Schrumpfung vermieden werden. Das Ergebnis? Die erhöhte wirtschaftliche Leistung des Schuldners führt zu einem Wirtschaftswachstum und nur zu einer Schuldenverringerung, da durch die Einkommenserhöhung des Gesamtgläubigers zusätzliche Schulden übernommen werden mussten. Sie kann sogar bei extrem ungleicher Einkommensverteilung zu einem exponentiellen bzw. linearen Schuldenwachstum führen (s. Anhang 2 Schuldentilgung). Erst durch eine weitere nicht leistungssteigernde Konsumerhöhung des Gläubigers, der den Überschuss abbaut, können die Schulden gänzlich getilgt werden. Gleichzeitig mit der Schuldentilgung ist ein Wirtschaftswachstum verbunden. Die Investition ist eine besondere Konsumform, die zur Leistungssteigerung führt. Mit ihr sichern Unternehmen ihren Profit.

Überschüsse, insbesondere Zins und Gewinn, führen derart zu einem ständigen Wachstumszwang.

Es entsteht eine Wachstumsspirale (s. Anhang 1 Binswanger).

Dabei wächst zwangsläufig auch das Guthaben-Schulden-Paar. Dies bedeutet zwar für junge Volkswirtschaften eine kurzfristige Lösung, aber irgendwann kommt das System an eine Grenze (bei Keynes “Grenzleistungsfähigkeit des Kapitals“, bei Marx „tendenzielle Fall der Profitrate“ genannt), zu beobachten im Vergleich von jungen Volkswirtschaften wie die osteuropäischen und asiatischen und den alten wie die europäischen.

Die Politiker werden unsere Wirtschaftskrise nicht lösen können, wenn sie, wie die neoliberalen Wirtschaftswissenschaftler diese Überschussproblematik ausblenden und nicht angehen, entweder, dadurch, dass die Entstehung gedämpft bzw. gedeckelt (s. http://www.meudalismus.dr-wo.de/html/meudalismus.htm) oder der Überschuss durch Steuermaßnahmen (nicht nur steuerliche) abgeschöpft wird. Dies würde auch zum Vorteil der reichen Gruppen gereichen. Hauptursache für die Entstehung unserer krassen Einkommen- bzw. Vermögen- Ungleichverteilung ist die Möglichkeit, durch Besitz knapper Wirtschaftsgüter wie Geld, Boden und Produktionsmittel im großen Stil leistungsloses Einkommen zu erzielen. In einem Artikel von Harald Wozniewski (www.dr-wo.de ) steht: „Einsamer Reichtum basiert auf der Verarmung der Bevölkerung – Gemeinsamer Reichtum auf der Beschränkung der Reichen“.

Ergebnis

Das Modell zeigt, dass eine ungleiche Einkommensverteilung zu wirtschaftlichen Störungen führen kann. Dies ist eine ethische bzw. politische Frage und keine der Mechanik oder des Regelkreises (s. Anm. 8).

Extreme ungleiche Einkommensverhältnisse entstehen vor allem dann, wenn es in der Gesellschaft Möglichkeiten gibt, durch den bloßen Besitz von knappen, aber für alle notwendigen Gütern leistungsloses Einkommen zu erzielen . In einer modernen arbeitsteiligen Industriegesellschaft sind:

  • Produktionsmittel knappe Güter. – Ihr Besitz führt zu Profiten.
  • Weiterhin ist der Boden ein knappes, nicht vermehrbares Gut. – Sein Besitz führt zur Bodenrente.
  • Aber besonders ist Geld ein solches Gut, denn das Geld ist nicht nur bloßes Tausch- , sondern auch Aufbewahrungsmittel, das durch Hortung dem Wirtschaftskreislauf entzogen werden kann. Es ist darüber hinaus Wertmessung, reduziert auf eine Zahl  und Ausgrenzungsmittel (Wer kein Geld hat, fällt aus dem Wirtschaftsprozess heraus) Der Besitz von Geld führt zum Zins als leistungsloses Einkommen. Er ist für eine entwickelte Volkswirtschaft die Hauptquelle für die entstehende ungleiche Vermögensentwicklung und die Notwendigkeit von Wirtschaftswachstum.(z. Zins u. z. Fkt. der Banken s. Anmerkung 9)

Lösungsvorschläge

Die Instabilität des Wirtschaftsprozesses liegt in der Überschussproblematik.

Wie werden Geldüberschüsse außer durch Sparen erzielt?

  1. Durch Einkommensunterschiede, z.B. Managergehälter. Sie sind so groß, dass sie nur zu einem Teil für den Konsum ausgegeben werden können.
  2. Durch leistungsloses Einkommen, das auf Besitz beruht, nämlich:
    1. Besitz von Produktionsmittel (Unternehmen); er führt zum Profit (Unternehmergewinn).
    2. Besitz von Geld; er führt zum Zins.
    3. Besitz von Boden und Immobilien, er führt zur Pacht bzw. Miete

Hier setzen die Lösungsvorschläge an:.

  • Zu 1: Steuerliche Maßnahmen.
  • Zu 2a: Eine Maschinensteuer, eine entsprechende Lohnpolitik und die Einführung eines Bedingungslosen Grundeinkommens würde zu einer Minimalisierung der Gewinnrate führen, (Autor Moewe)
  • Zu 2b: Eine Nutzungs- und Kreditgebühr würde zu einer Minimalisierung des Zinses führen (Freiwirtschaftler: Gloetlze, Creutz, Regionalgeld, u.a., s. Anmk. 9.).
  • Zu 2c: Eine Kommunalisierung würde das leistungslose Einkommen aufgrund von Bodenbesitz abschaffen (Freiwirtschaftler)

Es geht darum, die Anhäufung von Überschüssen durch Maßnahmen abzuschöpfen, wie z.B. den genannten, sonst hilft sich das Wirtschaftsystem selbst. Es schrumpft: Firmen gehen pleite, verschwinden und mit ihnen zum großen Teil die Geldvermögen/Schulden der Gläubiger/Schuldner. In der Realität bildet sich der Schrumpfungsvorgang durch Konjunkturzyklen ab. Diese verstärken aber die Ungleichverteilung der Eigentumsverhältnisse dadurch, dass es rechtzeitig vor einem Abschwung immer Eigentümer gibt, die ihr Vermögen sichern können. Bei dem nächsten Aufschwung haben sie dann bessere Bedingungen, ihr Vermögen zu vergrößern. Die treibende Kraft für Entstehung der Überschussproblematik – Zins, Gewinn, Pacht – ändert sich nicht.

Die Bibel empfiehl zu den Konjunkturzyklen eine kluge Alternative: “Alle sieben Jahre sollst du ein Erlassjahr halten“, 5. Mose, 15,1. (Anmerkung 10)

Kurzfristig übernimmt der Staat als „infallibler Schuldner“ eine andere Lösung. Da er in der Lage ist, die Rückzahlung von Schulden in die weite Zukunft zu verschieben, mildert er durch Schuldenübernahme die Überschussproblematik kurzfristig, löst sie aber nicht. (Anmerkung 11)

Anmerkungen s. PDF-Datei oben

Anhänge s. PDF-Datei oben

November 8, 2009 Posted by | Wirtschaft | 2 Kommentare

Referat zu „Wachstumsspirale“ (H.Chr. Binswanger)

Die Wachstumsspirale

Binswanger

Zusammenfassung

H.-Chr. Binswanger geht in seiner Abhandlung, “ Die Wachstumsspirale“ (Metropolis, 2006) und in verschiedenen Artikeln, sowie Interviews, davon aus, dass unser modernes Wirtschaftssystem auf einem Geldsystem mit den Elementen Zins und Profit basiert. Die Art wie Geld entsteht (Geldschöpfung) fordert den Zins und führt zu Unternehmungen, die Profit erwirtschaften müssen. Beide Elemente führen notwendigerweise zu Wirtschaftswachstum. Das Kreislaufmodell der Wirtschaft wird zur Spiralform.

Im Grunde ist seine Ausgangsfrage sehr einfach: Wie soll eigentlich in einem geschlossenem System wie das der Volkswirtschaft, in der nur das konsumiert werden kann, was produziert wird, insgesamt ein Überschuss entstehen? Auf der Geldseite bildet sich diese Gleichheit von Produktion und Konsumtion als Ausgaben gleich Einnahmen und der Überschuss als Zinsen und Gewinn ab

Bei der Beschreibung der Geldentstehung vernachlässigt er allerdings die Geldverteilung als wesentliche Voraussetzung und Folge. Erst diese Ungleichverteilung, die als Überschuss erscheint, ermöglicht Kredite, sowie Sollzins, damit Giralgeld, in der Folge Sparguthaben mit Habenzins und schließlich als Kreditnehmer Unternehmen, die Profite fordern.

Diese Ungleichverteilung führt in einer entwickelten Volkswirtschaft schließlich zu einem Auseinanderklaffen zwischen Arm und Reich auf hohem Niveau. Binswanger sieht dieses Problem, erläutert es aber nicht. Auch sieht er das Problem, dass die Realwirtschaft wegen der Ressourcenerschöpfung nicht beliebig wachsen kann, dass dieses Wachstum zu ökologischen Problemen führt, macht sich aber Illusionen über die Überwindungsmöglichkeiten.

Einzelheiten

Ausgangsgangspunkt seiner These ist die Überlegung, dass in einer modernen Volkswirtschaft Geld durch Kreditvergabe in den Umlauf kommt. Unternehmen (“künstliche Gebilde“) sind dort die Orte der Produktion. Sie sind in der Hauptsache die Kreditnehmer, die mit dem so geschöpften Geld Leistungen der Haushalte kaufen. Mit Hilfe dieser Leistungen entstehen Produkte, die wiederum von den Haushalten mit dem so „ verdienten“ Geld gekauft werden. In einem solchen Kreislauf ist aber eine Zins- und Profiterhebung nicht möglich. Er benötigt einen zusätzlichen Geldzufluss in Höhe der Zins- und Profitforderungen.

Dazu Binswanger in einem Vortrag 2007, 7. Dez. in Wien:

Die Geldseite des Problems

„Dies ist offensichtlich nicht möglich, wenn das Geld, das die Unternehmungen den Haushalten für ihre Produktionsleistungen bezahlen, das zu deren Einkommen wird, einfach wieder von den Haushalten dazu verwendet wird, um die Produkte zu kaufen, die die Unternehmungen mit ihrer Hilfe hergestellt haben, wenn also das Geld nur im Kreis läuft. Denn dann würden sich Einnahmen und Ausgaben der Unternehmungen nur immer gerade ausgleichen. Es gäbe also in der Summe von Gewinnen und Verlusten kein positiver Saldo, keine Unternehmungsgewinne. Es könnten also weder Zinsen bezahlt werden, noch Reingewinne erzielt werden, die das Risiko decken. Ein positiver Gewinnsaldo und damit die Möglichkeit, Zinsen zu bezahlen und Reingewinne zu erzielen, die das Risiko deckt, kann somit gesamtwirtschaftlich nur entstehen, wenn Geld zufließt“.

Die Lösung

Wie fliesst aber in der modernen Wirtschaft Geld zu? Wir wissen es bereits: indem die Unternehmungen bei den Banken Kredite aufnehmen, die die Banken mindestens zum Teil durch Geldschöpfung bereitstellen, also durch Vermehrung der Geldmenge auf dem Kreditweg. Die Unternehmungen brauchen die Kredite – ich wiederhole – um  zu investieren, um das aufgenommene Geld,  zusammen mit dem reinvestierten Reingewinn für den Kauf von zusätzlichen Arbeits- und anderen Produktionsleistungen  zu verwenden. So steigen die Einkommen der Haushalte als Anbieter dieser Produktionsleistungen mit dem Wachstum der Produktion.

Dabei ist zu beachten: Die Haushalte geben ihr Einkommen, das nicht gespart wird, sofort aus, denn die Haushalte müssen ja überleben. Sie werden daher sofort zu Einnahmen der Unternehmungen. In diesem Zeitpunkt können die Unternehmungen aber nur die Produkte verkaufen, die schon produziert worden sind, die sie also vor der neuen Investition hergestellt haben, für deren Herstellung sie also im Betrag der neuen Investitionssumme weniger Geld ausgegeben haben.  Das bedeutet aber auch, dass die Einnahmen der Unternehmungen vor den Ausgaben für die Produkte, die sie verkaufen, steigen. So können im Wachstumsprozess im Durchschnitt, also im Saldo von Gewinnen und Verlusten, gesamtwirtschaftlich stets Gewinne entstehen.

Auf diese Weise hält sich der Kapitalisierungs- und Wachstumsprozess mit Hilfe der Schulden, die zu Geld werden, selbst im Gange. Er wird zu einem perpetuum mobile. Der Wirtschaftskreislauf weitet sich zu einer Wachstumsspirale aus. In ihr entstehen die Gewinne, die nötig sind, damit sich diese Spirale immer weiter ausweiten kann, zusammen mit der realen Produktion. (s. auch Anhang Auszug aus dem Buch Binswanger „Die Wachstumsspirale“)

Wie fließt also der modernen Wirtschaft zusätzliches Geld zu? Wohlgemerkt, die Unternehmungen borgen sich dieses zusätzliche Geld und zahlen damit Leistungen der Haushalte. Damit produzieren Sie schließlich zusätzliche Produkte. Die Produktion wird  mengenmäßig erhöht. Inzwischen kaufen die Haushalte mit diesem durch die zusätzlichen Einnahmen gestiegenem Einkommen, die vor der zusätzlichen Investition mit weniger Geld produzierten Produkte. Es entsteht ein Geldüberschuss.

Wie lässt sich die o. zitierte Erläuterung von Binswanger konkretisieren, wie bildet sie sich in der Realität ab? Dazu als Beispiel der folgende Versuch.

Unternehmergewinn:

Binswanger definiert Unternehmensgewinn wie folgt:

„Der Unternehmungsgewinn ist demgegenüber ein Residuum, das sich aus der Differenz zwischen den Einnah­men ergibt, die sich aus dem Verkauf der Produkte ergeben, und den Ausgaben, die vorher beim Kauf bzw. Einsatz der Produktionsleistungen ent­standen sind“ (S. 366, Die Wachstumsspirale). An anderer Stelle wird der Unternehmensgewinn als zusammengesetzt aus Zins und Reingewinn gesehen (S.310, dito,… Anteil am Unternehmungsgewinn … Form des Zinses … in Form des Reingewinns..) Wenn aber Fremdkapitalgeber „grundsätzlich außerhalb der Unternehmung“ (S. 78 dito) stehen, kann das so nicht formuliert werden. Dann muss der Zins ein Teil der Ausgaben sein und die Differenz aus Einnahmen und Ausgaben ist dann der Reingewinn als Residuum. Außerdem stellt sich die Frage, wem gehört das Fremdkapital? Das Geld als Fremdkapital wird zwar wie unten erläutert mittels de Banken geschöpft, aber wem gehört dann dies so geschöpfte Geld? Dies ist die Unklarheit in der Geldschöpfungsthese von Binswanger

Das Problem

Die Unternehmen (U) schießen 1000 Geldeinheiten (GE), die sie als Kredit erhalten haben, als Bezahlung an die Haushalte (H) vor, wodurch 100 Wareneinheiten (WE) produziert werden- Die Haushalte erwerben damit voraussetzungsgemäß sogleich die so produzierten WE, die sie konsumieren. Die Unternehmen erhalten die 1000 GE zurück – der Kreislauf  ist geschlossen.

Wie ist nun ein Überschuss (Unternehmergewinn) von konstant 100 GE möglich?

Die Lösung (Binswanger)

Die U nehmen einen Kredit von insgesamt 1000 GE auf und bezahlen damit die Leistungen der H. (Die Verteilung der Bezahlung, m.a.W. die Einkommensverteilung bleibt an dieser Stelle unberücksichtigt). Mit Hilfe dieser Leistungen werden 100 WE produziert. Nun soll – nach den Vorstellungen von Binswanger – zusätzlich Geld dadurch fließen, dass Kredite als Vorschuss aufgenommen, z.B. 100 GE werden. Wozu dient dieser Vorschuss? Er dient dem “Kauf von zusätzlichen Arbeits- und anderen Produktionsleistungen“ (s.o.). Zum Beispiel können weitere Arbeiter (Haushalte) eingestellt werde, die am vorhandenen Maschinenpark durch besser Auslastung zusätzliche Produkte der gleichen Art  – hier 10 WE – herstellen. Die zusätzlichen H erhielten dann den zusätzlichen Vorschuss. Oder es können produktivere Maschinen gekauft und die alten werden. Letztlich erhielten dann die in der Maschinenbauindustrie beschäftigen Haushalte den zusätzlichen Vorschuss. Die Herstellung der zusätzlichen WE benötigt Zeit. Inzwischen geben alle im Betrieb beschäftigte Haushalte Ihr so erlangtes “Einkommen, das nicht gespart wird, sofort aus, denn die Haushalte müssen ja überleben“ .

Ihr Einkommen beträgt 1000GE + 100 GE = 1100 GE. Damit nehmen sie die vorher produzierten 100 WE ab, die für die U billiger, nämlich 1000 GE, waren (s.o. „…für deren Herstellung sie also im Betrag der neuen Investitionssumme weniger Geld ausgegeben haben“). Siehe dazu auch den Text aus dem Buch, Binswanger, Die Wachstumsspirale, im Anhang). Die U haben damit Einnahmen von 1100 GE und einen Gewinn von 100 GE. Es stehen aber diesen Einnahmen in gleicher Höhe Schulden gegenüber und eine Erhöhung der Produktion von 100 WE auf 110 WE. Die Gewinne entsprechen der Zunahme der Schulden und die Zunahme der Schulden einer Zunahme der Einnahmen von H. Die gesamten Einnahmen der U inklusive der Gewinne (1000 € + 100 €)müssen nun wieder in die neue größer Produktion gesteckt (investiert) werden. Das ist die zweite Wachstumsrunde. Wieder werden, wie oben beschrieben, 100 GE zusätzliche Kredite aufgenommen, um zusätzliche 10 WE zu erzeugen usw. In der zweiten Runde wäre die Schuld auf 1200 gestiegen, die Produktion auf 120 WE gewachsen usw..

Im Schema stellt sich das wie folgt dar:

Schema:

Nr. U- Kredit (Schuld) (GE) Bezahlung H vor  Erhöhung (GE) Produktion vor Erhöhung (WE) Kaufpreis/ Einnahmen H (GE) Reingewinn (GE)
1. 1100 1000 100 1100 100
2. 1200 1100 110 1200 100
3. 1300 1200 120 1300 100
4. 1400 1300 130 1400 100
5. usw.

Wegen der Entnahme des Gewinnes in konstanter Höhe, wachsen die Schulden der Unternehmer linear. Ihnen stehen wachsende Einnahmen als Sichtguthaben der Haushalte gegenüber. Auch die Produktion von Waren wächst linear. Da aber der Unternehmergewinn als Rate (Zinsrate + Gewinnrate) gefordert wird, dürfte das Wachstum exponentiell aussehen.

SpiralSchema0001

Im Diagramm erscheinen die Kredite und Sichteinlagen nicht, stattdessen sind Kapitaleinsatz und Kaufkraft genannt. Das Wachstum kommt deswegen zustande, weil die Unternehmungen Ihren Überschuss zur Produktionsausweitung (die Produktion wird mengenmäßig erhöht) investieren. Der Gewinn wird durch eine Verschuldung der Unternehmen realisiert. Das ist ja auch nicht erstaunlich, da die Unternehmen voraussetzungsgemäß dazu Kredite aufnehmen (s.o. „Wie fliesst aber in der modernen Wirtschaft Geld zu? Wir wissen es bereits: indem die Unternehmungen bei den Banken Kredite aufnehmen,).

Aber es gibt auch andere gesellschaftliche Gruppen, die Überschüsse haben. Bei den Haushalten setzt Binswanger voraus, dass diese ihre Einnahmen gleich wieder ausgeben und dass „Sparen“ offensichtlich als Reduzierung der Ausgaben angesehen wird: „Die Haushalte geben ihr Einkommen, das nicht gespart wird, sofort aus, denn die Haushalte müssen ja überleben .Doch die Manager als Haushaltsgruppe haben so hohe Einkommen, dass sie diese für ihren eigenen Konsum gar nicht ausgeben können.

Und dann gibt es da noch den Staat als Schuldner und natürlich Haushalte, die nicht in der Situation von Managern sind und zum überleben Schulden aufnehmen müssen.

Das Modell erklärt den Wachstumszwang als Zwang zum investieren. In seinem Buch „Die Wachstumsspirale“ beschreibt Binswanger sowohl die negativen  Seiten als Horrorvision der bedenkenlosen Ausbeutung von menschlichen und natürlichen Ressourcen, als auch die positiven  als Verheißungen des Reichtums für alle und den Versprechungen von beglückenden Innovationen und Kreativitäten. Reichtum für alle? Das Schema zeigt ja, wie die Einnahmen, das ist die Kaufkraft der Haushalte, steigen! Den Schulden der Unternehmen stehen wachsende Einnahmen als Sichtguthaben der Haushalte gegenüber.

An dieser Stelle ist zu fragen, wie Sparguthaben entstehen? Sichtguthaben sind Zahlungsmittel, mit denen die Produkte der nächsten Runde im Wachstumsprozess abgenommen werden. Mit Sparguthaben kann man nicht zahlen.

Wie kommt es aber zu der einseitigen Reichtumsverteilung, die sich in der einseitigen Verteilung festgelegter Guthaben (Geldvermögen) und der gegenüberstehenden ungeheureren gesellschaftlichen Verschuldung spiegelt?

Binswanger vernachlässigt Faktoren, die er zwar anspricht, aber in ihrer Bedeutung verkennt. Das liegt an seinen Annahmen.

Die Warenseite des Problems

Zunächst an dem Modell von Binswanger auf, dass nur drei Parteien genannt werden: Banken, Unternehmer und Haushalte als Konsumenten einerseits und Leistungslieferer andererseits. Es fehlt der Staat. Außerdem wird nur die Geldseite dargestellt, die Warenseite fehlt.

Es ist berechtigt, die Rolle der Unternehmen als Hauptkreditnehmer (Hauptschuldner) zu kennzeichnen. In der Statistik weisen die Unternehmungen (Groß- Mittelunternehmen und Selbstständige) einen Anteil von 70% der gesamtgesellschaftlichen Verschuldung auf. Aber es gibt auch den Staat mit einem Anteil von ca. 25% und die Privathaushalte mit einem Anteil von 5%.

Eine andere Sichtweise

Betrachtet man sowohl die Warenseite als auch die Geldseite der Volkswirtschaft, so stellt sich die Überschussproblematik wie folgt dar: Die Unternehmungen produzieren mehr Waren als von den Haushalten aufgrund ihrer Einnahmen, die gleichzeitig die Ausgaben der Unternehmen sind, abgenommen werden können.

Soll der Warenüberschuss abgekauft und somit der Unternehmergewinn (Zins und Reingewinn) realisiert werden, so müssen sich Schuldner finden, die dafür Kredite aufnehmen.

1. Die Unternehmen

Nach dem Modell von Binswanger akkumulieren sie die Kredite über Investitionen in einem dynamischen Wachstumsprozess.

Die Unternehmen können aber auch ohne zu investieren (Investition eine besondere Art des Konsums!!) den Warenüberschuss konsumieren (Bau von Palästen !). Die Wirtschaft wächst dann nicht.

Die Unternehmen können außerdem den Warenüberschuss ins Ausland transportieren. Das ist der Fall des Exportüberschusses, bei dem mehr Waren exportiert als importiert werden. Die Waren werden so ins Ausland transferiert und dort in ausländischem Geld der Profit realisiert. Die einheimische Wirtschaft wächst dann nicht.

Es könnte aber auch Folgendes eintreten: Der Warenüberschuss vergrößert das Warenangebot. Die Preise erniedrigen sich im Durchschnitt, die Haushalte können mehr kaufen und den Warenüberschuss konsumieren. Oder sie erhalten einen höheren Lohn und können sich dadurch mehr kaufen. Das Mehr an Waren wird so als Mehrwert zu den Lohnabhängigen transferiert – nach Marx und den Kapitalismusvertretern ein unwahrscheinlicher Fall, weil das Erzielen von Profit (Mehrwert) für den Unternehmer überlebensnotwendig ist (s.u. Investitionszwang/Gewinnrealisierung). Die Wirtschaft wächst nicht und die Unternehmen können aus ihrem Warenüberschuss den Gewinn nicht realisieren. (dazu Brodbeck)

2. Der Staat, die Privathaushalte

Es können aber auch die Privathaushalte und der Staat als Repräsentant aller Haushalte („Der Staat sind wir!!“) Kreditnehmer sein. Sie kaufen mit dem Kredit den Warenüberschuss, um ihn zunächst nur zu konsumieren und seine Rückzahlung, wie im Falle des Staates, in die weite Zukunft zu verschieben. Dadurch häufen sich Schuldenberge auf der Seite der Haushalte und des Staates und Geldvermögen auf der Seite der Unternehmen. Werden die Schulden getilgt, gibt es zwei Möglichkeiten:

Die Schuldner schränken ihre Ausgaben ein – sie sparen – und tilgen mit dem Gesparten. Dann schrumpft die Volkswirtschaft. Oder

Die Schuldner verkaufen zusätzliche Leistungen, um mit dem Geld die Schulden zu tilgen. Diese Möglichkeit besteht nur für die Privathaushalte, wenn die Unternehmen bereit sind, die zusätzliche Leistungen abzunehmen. Das ursprüngliche Problem des Warenüberschusses stellt sich dadurch von Neuem. Es kommt zur von Binswanger beschriebenen Wachstumsspirale.

Im Modell von Binswanger muss die Volkswirtschaft im gleichem Maße wie die Unternehmensschulden/Guthaben wachsen. Im zweiten Fall, bei einer Verschiebung der Tilgung in die Zukunft, wächst die Volkswirtschaft nicht. Treffen beide Fälle zu, wachsen die Schulden/Geldvermögen schneller als die Volkswirtschaft. Im ersten Fall haben die Unternehmen die Schulden und dem gegenüber die Haushalte die Guthaben. Im zweiten Fall besitzen Staat und Privathaushalte die Schulden und die Unternehmen die Guthaben. Für die Profitrealisierung der Unternehmen spielt also der Staat mit seiner Verschuldung eine besondere Rolle. Verschuldet er sich nicht, müssen andere insbesondere die Unternehmen zur Gewinnrealisierung sich verschulden (s. H.J. Schlichte: „Schulden und Finanzkrise“, 2. Mai 2009 ) Schulden und Finanzkrise.

Es kommt zum von Binswanger erläuterten Wachstums-/Schuldenzwang, den der Staat mit seiner Schuldenübernahme mildern würde. Wenn Wirtschaftswachstum also an seine Grenzen kommt und Schrumpfung droht, wäre dies die Alternative, die in der Realität auch zu beobachten ist.

Mit dem Wachstum einer auf Geld beruhenden Volkswirtschaft wachsen notwendigerweise auch die Schulden, weil das dafür nötige Geld über Kredite in den Umlauf kommt. Schulden sind Ausdruck einer auf Geld beruhenden Volkswirtschaft, denn Geld ist Ausdruck von Schuldverhältnissen, es kommt über Kredite in den Umlauf. Schulden sind aber auch Ausdruck von Besitzverhältnissen.

Nach der Auffassung von R. Dietz (s. sein Artikel „In Memoriam Gerhard Margreiter“, 2008, http://www.rd-coaching.at) stellt Geld einen Ausgleich zwischen dem Geben und Nehmen von Leistungen her. Wenn eine Leistung geliefert wurde, wird Geld statt einer anderen Leistung angenommen, um es zu einem späteren Zeitpunkt und einem anderen Ort gegen eine andere Leistung einzutauschen. Wird nun Geld selbst abgegeben, so wird allerdings dieser Ausgleich zwischen Geben und Nehmen durchbrochen. Der Geldbesitzer fordert mehr Geld zurück als er gegeben hat, den Zins.

Wird nun die Schuldentilgung durch Ausgabenkürzung der Schuldner (Sparen) erreicht, bleiben wieder Produkte liegen, die Volkswirtschaft schrumpf wie oben.

Halten wir fest: Das Wirtschaftswachstum erfolgt nur, wenn durch eine Investition , die zu einer mengenmäßigen Erhöhung der Produktion führt, die Gewinne realisiert werden. Der Wirtschaftswachstumszwang ist in diesem Sinne ein Investitionszwang.

Warum müssen aber Unternehmen Gewinne realisieren? Binswanger argumentiert wie folgt (Die Wachstumsspirale“, 2006, S. 368):

„Wenn dies nicht der Fall ist, sinkt die Gewinnrate und damit die Bereitschaft der Aktionäre (Anm.: Wer sind die Aktionäre und woher haben sie ihr Geld?) und damit auch der Banken, zusätzliches Geld als Kapital zur Verfügung zu stellen, was wiederum zu einer weiteren Senkung der Gewinnrate führt, bis schließlich die minimale Gewinnrate unterschritten wird, die genügt, damit das Risiko (Anm.: Die Banken sichern sich gegen dieses Risiko durch sog. Pfänder?), das mit dem Kapitaleinsatz verbunden ist, gedeckt wird. Wird sie unterschritten, werden die Aktionäre ihren Kapitaleinsatz zurückziehen. Entsprechend werden die Banken ebenfalls den Kapitaleinsatz reduzieren und ihre Kredite kündigen. Aus der Unterschreitung der minimalen Gewinnrate würde so nicht nur eine Minderung des Kapitalzuwachses und damit des Wachstums resultieren, sondern eine effektive Schrumpfung der Wirtschaft.“ (dazu Brodbeck)

Danach liegt der Schlüssel für den Zwang, Profite erzielen zu müssen, in der Hand der Kapitalbesitzer. Sie fordern eine Entschädigung für ihr Risiko,dass ihr Kapitaleinsatz verloren gehen könnte.

Wer sind die Überschusshalter? Eine bedeutende Gruppe sind die Unternehmen. Sie erzielen Reingewinne, die sie nach Binswanger (s. S. 365 – 370, Die Zinsspirale) z. T. investieren. Andere gesellschaftliche Gruppen mit Geldüberschuss (Überschusshalter) stellen ebenfalls einen Teil davon zum Investieren zur Verfügung, entweder direkt durch Anteilsübernahme oder indirekt, indem sie Fremdkapital bzw. Kredite gegen Zinsen anbieten. Investieren ist eine besondere Form des Konsums. Nur dieser führt zu dem von Binswanger beschriebenem  Wirtschaftswachstum. Unternehmungen können auch ihren Reingewinn dazu benutzen, um gewöhnlich zu konsumieren, z.B. um Paläste zu bauen. Ihre Wettbewerbssituation zwingt sie aber dazu, zu investieren. (s. dazu Brodbeck)

Wie kann man Überschüsse erzielen?

durch Einkommensunterschiede, z.B. Managergehälter. Sie sind so groß, dass sie nur zu einem Teil für den Konsum ausgegeben werden können

durch leistungsloses Einkommen, das auf Besitz beruht, nämlich:

  1. Besitz von Produktionsmittel (Unternehmen); er führt zum Profit (Unternehmergewinn)
  2. Besitz von Geld; er führt zum Zins
  3. Besitz von Boden und Immobilien, er führt zur Pacht bzw. Miete

Die bisherigen Erläuterungen beschreiben sowohl den Zwang zum Wirtschaftswachstum im Sinne von Binswanger, als auch wie es zu dem Überschuss kommt und damit zur ungleichen Einkommensverteilung und Schuldenanhäufung. Sie weisen aber auch auf andere Lösungswege als sie Binswanger nennt. Er hält im Prinzip den Wachstumszwang als unausweichlich, wagt nur am Schluss seines Buches Bedenken, nachdem er ein Horrorszenarium von Schäden durch diesen Wachstumszwang andeutet, wenn er schreibt (S. 375):

„…Dann könnte es sich aufdrängen, Wege zu suchen, wie in geordneter Weise, …, der Spirallauf der Wirtschaft wieder allmählich in einen Kreislauf zurückgeführt werden kann. Es würde dann notwendig sein, Vorstellungen über die Gestaltung einer Wirtschaft zu entwickeln, die in sich nachhaltig ist, d.h. den ökonomischen, ökologischen und sozialen Ansprüchen optimal Genüge leistet.“

In dem schon erwähnten Vortrag Zürich 2007 versucht er einen Ansatz von Lösungsvorschlägen.

Lösungsvorschläge

  • Anpassung der Eigentumsformen an das Nachhaltigkeitsziel. …
  • Einbau der Eigenarbeit …. in die Einkommenspolitik
  • Umgestaltung der Rechtsform der Unternehmen zur Minderung des Wachstumsdrang

In der Tat geht es um Besitz und Eigentum, die, wie oben beschrieben, Grundlage für die Überschussproblematik sind: Besitz von a.) Produktionsmittel, b.) Geld und c.) Boden

An diesen Punkten können Lösungen ansetzen. Sie wurden von verschiedenen Autoren und Gruppen vorgeschlagen:

  1. Eine Maschinensteuer, eine entsprechende Lohnpolitik und die Einführung eines Bedingungslosen Grundeinkommens würde zu eine Minimalisieren der Gewinnrate führen, (Autor Moewe)
  2. Eine Nutzungs- und Kreditgebühr würde zu einem Minimalisieren des Zinses führen (Freiwirtschaftler: Gloetlze, Creutz, Regionalgeld, u.a..)
  3. Eine Kommunalisierung würde das leistungslose Einkommen aufgrund von Bodenbesitz abschaffen (Freiwirtschaftler).

Überhaupt geht es darum, die Anhäufung von Geldvermögen durch Maßnahmen, wie z. B. den genannten, abzuschöpfen, sonst hilft sich das Wirtschaftsystem selbst. Es schrumpft; Firmen gehen pleite, verschwinden und mit ihnen zum großen Teil die Geldvermögen der Gläubiger. In der Realität bildet sich der Schrumpfungsvorgang durch Konjunkturzyklen ab. Diese verstärken aber die Ungleichverteilung der Eigentumsverhältnisse dadurch, dass es rechtzeitig vor einem Abschwung immer Eigentümer gibt, die ihr Vermögen sichern können. Bei dem nächsten Aufschwung haben sie dann bessere Bedingungen, ihr Vermögen zu vergrößern. Die treibende Kraft für Entstehung der Überschussproblematik – Zins, Gewinn, Pacht – ändert sich nicht.

Kurzfristig übernimmt der Staat als „infallibler Schuldner“ eine andere Lösung. Da er in der Lage ist, die Rückzahlung von Schulden in die weite Zukunft zu verschieben, mildert er durch Schuldenübernahme die Überschussproblematik kurzfristig, löst sie aber nicht. Als ironische Bemerkung im Klappentext zum Buch von P.C. Martin: „Aufwärts ohne Ende“, 1988 heißt es dazu:

Zum ersten Mal in der Geschichte ist es gelungen, das Überschuldungs-Problem, das letztlich auf einen unlösbaren Gläubiger/Schuldner-Konflikt und den Bürgerkrieg hinausläuft, zu entschärfen – durch den größten Trick der Weltgeschichte: durch die Einführung des Sonderkontos “Staat“, das immer weiter belastet wird, ohne dass es uns belastet. … Paul C. Martin, lange Zeit als “Crash-Prophet“ verschrien, erklärt: „Das ist es! Ich widerrufe! Jedes Problem löst sich hinfort von selbst, auch das der sogenannten >> Überschuldung<< – indem wir alle noch viel schneller noch viel höhere Schulden machen. Eine Alternative zu dieser Politik ist weder diskutabel, noch in Sicht!

Anhang 1: H. Chr. Binswanger

Aus dem Buch Binswanger „Die Wachstumsspirale“, 2006, S. 367 bis 368.

„Die Unternehmungen benutzen die Kredite, d.h. den Zuwachs des Fremdkapitals – ….- dazu, zusätzliche Produktionsleistungen von den Haushalten zu kaufen. Entsprechend steigen die Einkommen der Haushalte uno actu mit der Kapitalerhöhung, während die Unternehmungen noch die Produkte anbieten, die vor der Kapitalerhöhung hergestellt wurden, denn die Herstellung der Produkte und die Bereitstellung zum Verkauf benötigen ja Zeit. Deswegen wird ja ein Vorschuss, d.h. ein Kapitaleinsatz benötigt! Da die höheren Einkommen unmittelbar zu einer erhöhten Nachfrage nach den Produkten der Unternehmungen führen, steigen auch die Einnahmen der Unternehmungen fast uno actu mit dem Kapitalzuwachs. So stehen stets höhere Einnahmen den Ausgaben gegenüber, die die Unternehmungen tätigen mussten, um die Produkte herzustellen, die sie verkaufen. Da der Gewinn die Differenz ist zwischen den Einnahmen und den Ausgaben für die Produkte, durch deren Verkauf die Einnahmen erzielt werden, resultiert auf diese Weise im wirtschaftlichen Wachstum gesamtwirtschaftlich stets ein zusätzlicher Gewinn aus dem Zuwachs des Kapitals. Dabei können wir davon ausgehen, dass dieser hoch genug ist, um das eingegangene Risiko zu kompensieren, weil dies die Voraussetzung ist, dass überhaupt Kapital zur Verfügung gestellt wurde.“

Anhang 2: K.H. Brodbeck

Die Quelle des Überschusses

Sozialisten, als auch ihre Gegenspieler die Kapitalisten sehen die Notwendigkeit, Überschuss in der Produktion zu erzielen, im Wettbewerb. Dazu K.H. Brodbeck, Umrisse einer postmechanischen Ökonomie, http://www.fh-wuerzburg.de/professoren/bwl/brodbeck/postmech.htm , in: R. Benedikter (Hg.), Postmaterialismus, Band 1: Einführung postmaterialistische Denken, Wien 2001, S. 117-142.

Er sieht die Quelle nicht so sehr im Wettbewerb, sondern im „Denkmodell des Kaufmanns“, aus Geld mehr Geld zu machen.

„Wenn es einen Überschuß (durch „Ausbeutung“) gibt, dann wäre es für eine Firma vorteilhaft, auf einen Teil des Überschusses pro Produkt zu verzichten, die Preise zu senken und durch größere Marktanteile insgesamt die Profitmasse zu erhöhen. Andere werden das aber nachahmen. Wenn also der Wettbewerb funktioniert, führen schrittweise Preissenkungen zur Elimination jedes Überschusses. Der Einzelvorteil einer Preissenkung schwindet, wenn sie allgemein nachgeahmt wird.

Es muß also eine Quelle in der Wirtschaft geben, durch die unaufhörlich ein neuer Überschuß entsteht, der im Gewinn, in steigenden Löhnen und im Zins erscheint. Diese Quelle ist die kreative Umwälzung gewohnter Muster der Produktion und des Konsums….Das kaufmännische Interesse an einer Verzinsung des Kapitals unterwirft nach und nach alle Lebensbereiche, mit dem Ziel, durch Innovationen einen Pioniergewinn zu erwirtschaften, …. Da aber jede Neuerung früher oder später auf Nachahmer stößt, sorgt der Wettbewerbsprozeß dafür, daß die relativen Vorteile wieder verschwinden. Die Gewinne schmelzen weg und machen erneute Innovationen notwendig, um so in permanenter Beschleunigung und Umwälzung jährlich jenen Überschuß zu erwirtschaften, ….. Der Preis dieses Prozesses ist die immer wieder neue Zerstörung alter Gewohnheiten, traditioneller Handlungsregeln, wie sie in der Technik, beim Konsum oder in den übrigen Bereichen der menschlichen Kultur erscheinen.“ (K.H. Brodbeck (Kreativität und Unsicherheit,. Zur Synthese von Schumpeter und Keynes, 1996, http://www.khbrodbeck.homepage.t-online.de ).

November 8, 2009 Posted by | Wirtschaft | 2 Kommentare